RSNplusWomen´s WorldTeams 2025: UAE Team ADQ

Mit Longo Borghini soll es weiter Richtung Weltspitze gehen

Von Jens Claussen

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Das UAE Team ADQ hat sich für mehrere Terrains verstärkt und fährt 2025 in einem Trikot, das an die Rabobank-Jerseys von 2014 bis 2016 erinnert. | Foto: UAE Team ADQ

27.01.2025  |  (rsn) - Mit dem Transfer von Elisa Longo Borghini hat das UAE Team ADQ endgültig seine Ambitionen unterstrichen, künftig eine ähnliche Dominanz im Peloton einnehmen zu wollen, wie die Männermannschaft um den zweifachen Tour Sieger Tadej Pogacar. Allerdings ist für das 2022 aus dem ehemaligen Alé-Rennstall hervorgegangene Frauen-Team der Emirate der Weg an die Spitze noch weit. Das Jahr 2024 beendete man auf Rang fünf der Team-Weltrangliste mit rund 12.000 Punkten weniger als Branchenprimus SD Worx – Protime.

Immerhin wurde in diesem Winter bereits deutlich, dass die beiden nur auf dem Papier noch getrennten Teamstrukturen der Frauen und Männer – unterschiedliche Lizenznehmer-Firmen und unterschiedliche Team-Websites - mehr und mehr zusammenwachsen, was auch für einen Schritt nach vorne beim Frauen-Team spricht. War man in den vergangenen Jahren beispielsweise noch völlig unabhängig voneinander im Winter-Trainingslager, so trafen sich Frauen wie Männer diesmal im Dezember im Grand Luxor Hotel oberhalb von Benidorm.

Wie bei absoluten Weltklasse-Profis nicht unüblich, bringt Longo Borghini mit Elynor Bäckstedt und der frisch gekürten australischen Zeitfahrmeisterin Brodie Chapman, die beim Giro-Sieg der Italienerin im Sommer eine wichtige Rolle spielte, zwei Teamkolleginnen von Lidl – Trek mit hinüber. Und dazu kommt vor allem auch Longo Borghinis Coach Paolo Slongo. ___STEADY_PAYWALL___

U23-Europameisterin van Rooijen als Consonni-Ersatz?

Aber nicht nur mit Blick auf das Gesamtklassement bei Grand Tours und auf schwerem Klassiker-Terrain hat die Equipe aus den Emiraten ihre Hausaufgaben gemacht. Auch die Lücke in der Sprinterfraktion wurde nach dem Abgang von Chiara Consonni (zu Canyon - SRAM - zondacrypto) mit Sofie van Rooijen geschickt gefüllt. Die 22-jährige Niederländerin kommt von der Talentschmiede VolkerWessels (ehemals Parkhotel Valkenburg), aus der auch schon Demi Vollering und Lorena Wiebes den Sprung ins Rampenlicht geschafft haben.

Van Rooijen war im Vorjahr mit fünf Siegen die erfolgreichste Fahrerin ihrer Mannschaft, dabei gelang ihr der Gewinn des Europameister-Titels in der U23-Klasse. Ihre mit Abstand beste Profi-Saison schloss sie mit Rang vier in der Gesamtwertung der Sprinter-Rundfahrt Tour of Chongming Island in China ab.

Wurde die Straße steiler, waren in der Vergangenheit Erica Magnaldi und Silvia Persico so ziemlich auf sich alleine gestellt. Nun wurde auch für bergiges Terrain nachgebessert. Die nun drei italienischen Kapitäninnen haben fortan die talentierte Bergfahrerin Maeva Squiban an ihrer Seite. Squiban zählte 2024 zu den weltbesten U23-Fahrerinnen bei Rundfahrten. Die Französin gewann die Nachwuchswertung der AG Tour de la Semois (2.2) und stand bei der Tour de l'Ardèche (2.1) und der Vuelta Extremadrua (2.2) jeweils auf dem Podium. Auf der schweren 7. Etappe der letztjährigen Tour de France etablierte sie sich als Weltklasse-Kletterin, als sie auf Platz zwei hinter Siegerin Justine Ghekiere (AG Insurance - Soudal) ins Ziel kam.

Stark am Berg: Maeva Squiban | Foto: UAE Team ADQ

Teamchefin Melissa Moncada ist in das Projekt Frauenradsport gestartet, um nicht nur emiratischen Radsportlerinnen die Tür zur WorldTour zu öffnen, sondern zeitnah mit dem UAE Team ADQ auch zum besten Team der Welt aufzusteigen. Dazu setzt man auch bei UAE vermehrt auf Nachwuchs und gehört daher zu den Rennställen, die auch ein eigenes Development Team betreiben. Dort steht seit 2024 mit Hannah Kunz auch eine Deutsche unter Vertrag.

Der Top-Transfer 2025: Elisa Longo Borghini

Auf zu neuen Ufern heißt es für Elisa Longo Borghini nach sechs erfolgreichen Jahren beim Team Lidl - Trek. Dort absolvierte die mittlerweile 33-Jährige im Vorjahr ihre bislang erfolgreichste Saison in 15 Profijahren. Acht Siege und 13 Podestplätze katapultieren die Italienerin auf Rang drei in der Weltrangliste. Laut eigener Aussage fiel Longo Borghini der Abschied aus ihrer "amerikanischen Familie" extrem schwer. Aber nach so langer Zeit in vertrauter Umgebung hätte es eines neuen Reizes bedurft.

Mit dem Wechsel zum UAE Team ADQ will die zweimalige Gewinnerin der Flandern-Rundfahrt noch einmal angreifen - und Ziele verwirklichen, die in ihrem so beeindruckenden Palmarès noch fehlen. Der Gewinn des Weltmeistertitels in Ruanda, sowie ein Podiumsplatz bei der Tour de France Femmes stünden dabei besonders im Fokus.

Mit dem Gewinn des Giro d'Italia sicherte sich Longo Borghini 2024 ihren ersten Grand-Tour-Titel und untermauerte damit, dass es in den kommenden drei Jahren für mehr als Platz sechs bei der Frankreich-Rundfahrt (2022) reichen könnte. Solange hat sie sich zunächst an den Rennstall aus den Emiraten gebunden. Die Eingewöhnung an die neue Umgebung sollte der Frau vom Lago Maggiore leichtfallen. Sind doch fünf Landsfrauen im Aufgebot ihres neuen Teams und mit Bäckstedt sowie Chapman zwei vertraute Helferinnen an ihrer Seite, die ebenfalls von Lidl -Trek wechselten.

Elisa Longo Borghini möchte den Sieg beim Giro d’Italia 2024 wiederholen. | Foto: Cor Vos

Im Fokus: Dominika Wlodarczyk

Dominika Wlodarczyk hat schon gleich zu Saisonbeginn bei der Santos Tour Down Under gezeigt, dass ihre Leistungskurve wie in den vergangenen beiden Jahren weiter steil nach oben zeigt. Die Polin sicherte sich beim Saisonauftakt in Australien Rang vier in der Gesamtwertung und war damit bestplatzierte Fahrerin ihrer Mannschaft. Lediglich drei Sekunden auf die Norwegerin Mie Björndal Ottestad (Uno - X Mobility) fehlten Wlodarczyk zum ersten Rundfahrt-Podium dieser Saison.

Damit knüpfte sie nahtlos an eine Reihe von Top-Ten-Ergebnissen an, die sie 2023 und 2024 in den Gesamtwertungen kleinerer Rundfahrten erzielen konnte. Mit ihrer Konstanz bei Etappenrennen könnte die Polin so zu einer wichtigen Helferin für Longo Borghini heranreifen.

Wie viele junge Fahrerinnen in der WorldTour, zeigte auch die 24-Jährige schon ihre Vielseitigkeit auf dem Rad. Bevor sie sich 2023 endgültig auf die Straße fokussierte, wurde sie bereits drei Mal polnische Meisterin im Cross. Laut Tour-de-France-Siegerin Kasia Niewiadoma ist Wlodarczyk die wohl talentierteste Nachwuchshoffnung im polnischen Frauenradsport.

Dominika Wlodarczyk im Bergtrikot der Santos Tour Down Under. | Foto: Cor Vos

Das Aufgebot: :
Safia Al Sayegh (Vereinigte Arabische Emirate / 23), Alena Amialiusik (Belarus / 35), Elynor Bäckstedt (Großbritannien / 23), Sofia Bertizzolo (Italien / 27), Brody Chapman (Australien / 33), Eleonora Camilla Gasparrini (Italien / 22), Lara Gillespie (Irland / 23), Elizabeth Holden (Großbritannien / 27), Alena Ivanchenko (Russland / 21), Elisa Longo Borghini (Italien / 34), Erica Magnaldi (Italien / 32), Greta Maturano (Italien / 26), Tereza Neumanova (Tschechien / 26), Silvia Persico (Italien / 27), Maeva Squiban (Frankreich / 22), Karlijn Swinkels (Niederlande / 26), Sofie van Rooijen (Niederlande / 22), Dominika Wlodarczyk (Polen / 23)

Davon Neuzugänge:
Elynor Bäckstedt (Lidl-Trek), Brody Chapman (Lidl-Trek), Elisa Longo Borghini (Lidl-Trek), Greta Maturano (Fenix-Deceuninck), Maeva Squiban (Arkéa B&B Hotels), Sofie van Rooijen (VolkerWessels Pro Cycling Team),

Teamleitung:
Manager: Melissa Moncada
Sportdirektor: Alejandro Ganzalez-Tablas
Sportliche Leiter: Cristina San Emeterio, Cherie Pridham, Nicolas Marche

Material:
Rahmenhersteller: Colnago
Gruppe: Shimano
Laufräder: Enve
Reifen: Continental
Trikot: Pissei
Helm: MET

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