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04.01.2012 | (rsn) - Winterzeit ist Wechselzeit. In den vergangenen Wochen und Monaten hat sich auf dem Transfermarkt einiges getan. Um Sie zum bevorstehenden Saisonbeginn auf den aktuellsten Stand zu bringen, stellt Radsport News die 18 WorldTeams vor und beurteilt Stärken und Schwächen der einzelnen Mannschaften.
Teil 3: Vacansoleil-DCM
Die Niederländer scheinen aus den Fehlern des Vorjahres gelernt zu haben. Damals kaufte Vacansoleil-DCM die höchst umstrittenen Ezequiel Mosquera und Riccardo Ricco ein, um an eine der begehrten WorldTour-Lizenz zu kommen. Der vermeintliche Coup erwies sich aber als ein einziges Desaster. Sowohl Mosquera als auch der einschlägig vorbelastete Ricco steckten bis zum Hals im Dopingsumpf und erwiesen sich für ihren neuen Arbeitgeber als praktisch wertlos. Ricco, bereits im August 2010 verpflichtet, bestritt im vergangenen Jahr nur ein Rennen, den GP Marseillaise zum Saisonauftakt. Mosquera, Vuelta-Zweite von 2010, kam gar nicht zum Einsatz.
Immerhin ließ sich der Rest der Mannschaft davon nicht beeindrucken und holte 24 Siege. Diese Bilanz will die Mannschaft von Manager Daan Luijkx in der bevorstehenden Saison nicht nur bestätigen, sondern auch die Qualität der Siege erhöhen. Deswegen wurde der Kader auch auf insgesamt zwölf Positionen umgebaut. Auf ihrer Einkaufstour legte die Teamleitung vor allem Wert auf die Verpflichtung junger Talente. Insgesamt umfasst das aktuelle Aufgebot 29 Fahrer, das größte Kontingent stellen die Niederländer mit zehn Akteuren.
Kommen und Gehen: Wirklich schmerzhaft dürfte einzig der Abgang des Slowenen Borut Bozic (zu Astana) sein. Der Sprintspezialist hatte Vacansoleil in den letzten Jahren zahlreiche Siege und Top-Ergebnisse beschert. Ricco und Mosquera dürften kaum vermisst werden (s.o.). Mit Joost van Leijen (zu Lotto-Belisol), Jens Mouris (zu GreenEdge) und Gorik Gardeyn (zu Champion System) verliert das Team drei gute Helfer und brauchbare Klassiker-Fahrer, die allerdings zu ersetzen sind. Maxim Belkov (zu Katjuscha), Michal Golas (zu Omega Pharma QuickStep), Ruslan Pidgornyy (zu Lampre-ISD), Alberto Ongarato und Santo Anza (Ziele unbekannt) werden keine allzu großen Lücken hinterlassen.
Auf den Bozic-Wechsel hat die Teamleitung mit der Verpflichtung des Niederländers Kenny van Hummel (von Skil-Shimano) reagiert. Der 29-jährige Sprinter ist bergauf zwar nicht so stark wie der zwei jahre ältere Slowene, verfügt dafür aber über eine höhere Endgeschwindigkeit und war mit acht Siegen 2011 auch ausgesprochen erfolgreich.
Die weiteren Neuzugänge stellen sowohl eine qualitative Aufwertung als auch Ergänzung des Kaders dar. Der Schwede Gustav Erik Larsson (von Saxo Bank) ist ein guter Klassementfahrer mit Stärken im Zeitfahren. Die beiden Belgier Kevin van Impe (von QuickStep) und Kris Boeckmans (von Topsport Vlaanderen) sollen das Team für die flämischen Klassiker verstärken.
Ebenfalls auf Eintagesrennen spezialisiert sind der Österreicher Stefan Denifl und der Däne Martin Mortensen (beide von Leopard-Trek). Bei Bergrennen soll der Spanier Rafael Valls (von Geox) Akzente setzen, die beiden Polen Tomasz Marczynski und Jacek Morajko (von CCC Polsat) wurden als reine Helfer engagiert. Die drei starken Neo-Profis Barry Markus, Bert-Jan Lindemann und Nikita Novikov runden die Riege der Neuzugänge ab.
Die Kapitäne: In den Sprints kann sich Vacansoleil-DCM gleich auf drei ausgesprochen schnelle Männer verlassen. Während Neuzugang van Hummel die schnellen Kamikaze-Sprints liebt, hat der Franzose Romain Feillu, 2011 wie van Hummel acht Mal erfolgreich, seine Stärken bei Sprints auf ansteigender Zielgerade oder aus einer kleineren Gruppe heraus. Dritter Sprinter im Bunde ist der Niederländer Pim Ligthart, der in seine zweite Profi-Saison geht und im vergangenen Jahr überraschend Niederländischer Meister wurde.
Einen Rundfahrer von Weltklasse-Format hat Vacansoleil-DCM nicht in seinen Reihen. Auf dem Weg dorthin könnte aber der Niederländer Wout Poels sein, der bei der letzten Vuelta a Espana immerhin auf Platz 17 landete. Für gute Ergebnisse bei Mehretappenrennen kommen auch Larsson sowie die Niederländer Rob Ruijgh und Johnny Hoogerland oder der Belgier Thomas de Gendt in Frage.
Bei den flämischen Klassikern hofft die Teamleitung auf eine deutliche Steigerung des erfahrenen Belgiers Stijn Devolder, 2008 und 2009 Gewinner der Flandern-Rundfahrt. Eine bärenstarke Saison legte sein Landsmann Björn Leukemans hin, der 2011 unter anderem Siebter der Flandern-Rundfahrt wurde. Bei kleineren Eintagesrennen können auch van Hummel oder van Impe vordere Platzierungen herausfahren. In den topografisch anspruchsvolleren Klassikern ruhen die Hoffnungen auf de Gendt, Hoogerland, den Italienern Marco Marcato und Matteo Carrara, vor allem aber auf Leukemans, der 2011 auch in den Ardennen mit Rang sieben beim Amstel Gold Race und Platz neun bei Lüttich-Bastogne-Lüttich überzeugen konnte.
Der Geheimtipp: Der Russe Nikita Novikov war in der abgelaufenen Saison der Aufsteiger bei den U23-Nachwuchsfahrern. Nachdem der 22-Jährige im Trikot von Itera-Katjuscha sechs Siege, darunter die Gesamterfolge bei der Slowakei-Rundfahrt (Kat. 2.2) und derTour de Pays Savoie (Kat. 2.2), einfahren konnte, schlug Vacansoleil-DCM sofort zu und sicherte sich die Dienste des talentierten Klassementfahrers, der seine Stärken im Zeitfahren hat. Natürlich darf man von Novikov keine Wunderdinge erwarten. Allerdings sind die Rundfahrer bei Vacansoleil-DCM nicht der stärkste Mannschaftsteil, so dass sich dem Neuzugang bei kleineren Rennen einige Freiräume bieten werden. Sollte seine Entwicklung so rasant weitergehen, wird Novikov sicherlich auch bei den Profis für Furore sorgen.
Stärken und Schwächen: Vor allem für die Eintagesrennen verfügt Vacansoleil-DCM über eine beeindruckende Tiefe im Kader und wird deshalb die Frühjahrsrennen mitbestimmen können. Einen Sieggaranten a la Gilbert oder Cancellara gibt es allerdings nicht. Im Sprint ist das Team gut aufgestellt. Bei kleineren Rundfahrten und Eintagesrennen werden van Hummel und Feillu sicher diverse Erfolge erringen. Sprintsiege bei den drei großen Rundfahrten sollte man aber nicht erwarten. Da wird Vacansoleil-DCM vor allem Etappensiege im Auge haben. In der Gesamtwertung könnte Poels unter die besten 15 fahren.
Prognose: Vielleicht werden sogar die 24 Siege aus dem Vorjahr überboten. Auf dem Papier ist Vacansoleil-DCM jedenfalls stärker besetzt als 201. Sollten sich die jungen Fahrer wie de Gendt, Ligthart und vor allem Poels weiter so prächtig entwickeln, hält Leukemans sein Niveau und findet Devolder zu alter Stärke zurück, dürfte einer erfolgreichen Saison nichts im Wege stehen - auch wenn die ganz großen Siege aber auch 2012 fehlen werden.
Vacansoleil-DCM 2012: Johnny Hoogerland, Martijn Keizer, Pim Ligthart, Wouter Mol, Wout Poels, Kenny van Hummel, Rob Rujigh, Barry Markus, Bert Jan Lindemann, Lieuwe Westra (alle Niederlande), Matteo Carrara, Marco Marcato, Marcello Pavarin, Mirko Selvaggi (alle Italien), Thomas de Gendt, Stijn Devolder, Björn Leukemans, Frederik Veuchelen, Kevin van Impe, Kris Boeckmans (alle Belgien), Tomasz Marczynski, Jacek Morajko (beide Polen), Romain Feillu (Frankreich), Sergej Lagutin (Usbekistan), Stefan Denifl (Österreich), Martin Mortensen (Dänemark), Gustav Erik Larsson (Schweden), Nikita Novikov (Russland), Rafael Valls (Spanien)
Zugänge: Kenny van Hummel (Skil-Shimano), Martin Mortensen, Stefan Denifl (beide Leopard-Trek)), Kevin Van Impe (Quick Step), Gustav Erik Larsson (Saxo Bank Sungard), Kris Boeckmans (Topsport Vlaanderen), Tomasz Marczynski, Jacek Morajko (beide CCC-Polsat), Rafael Valls Ferri (Geox-TMC), Nikita Novikov (Itera-Katusha), Bert-Jan Lindeman, Barry Markus (beide Neo-Profis)
Abgänge: Maxim Belkov (Katjuscha), Borut Bozic (Astana), Joost van Leijen (Lotto-Bodysol), Michal Golas (Omega Pharma QuickStep), Jens Mouris (GreenEdge), Gorik Gardeyn (Champion Systems), Ruslan Pidgornyy (Lampre-ISD), Santo Anza, Alberto Ongarato, Ezequiel Mosquera, Riccardo Ricco (alle Ziel unbekannt)
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