Australier siegt am vorletzten Tag der Tour

Sprinter Groves jubelt als Ausreißer in Pontarlier

Von Jan Zesewitz

Foto zu dem Text "Sprinter Groves jubelt als Ausreißer in Pontarlier"
Kaden Groves hat die 20. Etappe der Tour de France als Solist gewonnen. | Foto: Cor Vos

26.07.2025  |  (rsn) – Der Sprinter Kaden Groves (Alpecin – Deceuninck) hat seinen Mitstreitern in der Ausreißergruppe ein Schnippchen geschlagen und die 20. Etappe der Tour de France von Nantua nach Pontarlier als Solist gewonnen. 16 Kilometer vor dem Ziel setzte sich der Australier von Frank van den Broek (Picnic – PostNL) und Jake Stewart (Israel – PremierTech) ab. Dieses Trio hatte sich nach einem schweren Sturz von Ivan Romeo (Movistar) und Romain Grégoire (Groupama – FDJ) auf regennasser Straße gut 20 Kilometer vor dem Ziel gebildet. Während van den Broek noch Zweiter wurde, musste sich Stewart letztlich mit Rang sechs begnügen. Dritter wurde Pascal Eenkhoorn (Soudal - Quick-Step).

“Das bedeutet mir natürlich viel“, sagte der Sieger im Flash-Interview im Ziel. “Hier zu gewinnen entfacht sehr viele Emotionen. Das Team kam mit vielen verschiedenen Plänen hierher; wir hatten Jasper (Philipsen) und Mathieu (van der Poel). Trotzdem habe ich letztendlich doch noch meine eigenen Chancen bekommen. Die konnte ich im Sprint nicht nutzen, aber heute hatte ich Superbeine. Ich habe mich bis zur Ziellinie gequält und jetzt eine Tour-Etappe gewonnen.“ Groves stieg damit – wie bei dieser Tour schon Tim Wellens (UAE – Emirates – XRG), der auch Teil der Ausreißergruppe war, in den Kreis jener auf, die mindestens eine Etappe bei allen drei Grand Tours gewinnen konnten.

“Es war nicht wirklich ein Kindheitstraum, weil ich mit dem Radsport erst spät angefangen habe“, erklärte der Australier. “Bei der Tour gibt es aber immer viel Druck. Weil ich in der Vuelta und im Giro gewonnen hatte, wurde ich immer gefragt, ob ich auch gut genug bin, um in der Tour zu gewinnen. Jetzt habe ich es gezeigt.“

In der Gesamtwertung blieb auf den vorderen Positionen alles beim Alten. Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG), Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike), Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe) und Co. kamen im Hauptfeld gut sieben Minuten nach Groves gemeinsam ins Ziel. Nur Jordan Jegat (TotalEnergies) schaffte es in die Ausreißergruppe und konnte Ben O’Connor (Jayco – AlUla) den zehnten Platz in der Gesamtwertung am vorletzten Tag der Rundfahrt noch abjagen.

Trikots scheinen allesamt vergeben

Die Etappe war am Start und gegen Ende von starken Regenfällen geprägt, Mauro Schmid (Jayco – AlUla) war ein frühes Sturzopfer, konnte die Fahrt aber fortsetzen. Der Kampf um die Ausreißergruppe wurde intensiv geführt und dauerte lange – zwischenzeitlich konnten sich auch Kevin Vauquelin (Arkéa – B&B Hotels) vorne absetzen, wurde aber unter anderem von Pogacar persönlich wieder zurückgeholt. Eine 13-köpfige Spitzengruppe konnte sich schließlich vor dem Zwischensprint vor der Mitte der Etappe absetzen und das Feld war damit einverstanden. Diese Fahrer machten den Kampf um den Etappensieg unter sich aus.

“Ich habe meine Karten gut ausgespielt“, analysierte Groves. “Ich war in der richtigen Gruppe, was heute unglaublich schwer war. Ich vermutete dann, dass Wellens und Jorgenson sich gegenseitig beäugen würden. Ihnen wollte ich unbedingt wegfahren. Nach dem Sturz ist van den Broek voll gefahren. Ich bin zu ihm rangefahren. Er und Jake Stewart haben sich dann angeguckt und 16 Kilometer vor dem Ziel hatte ich deswegen die Lücke. Ich bin bis zu den letzten 200 Metern voll gefahren.“

Im Zwischensprint konnte keiner der vorne platzierten Fahrer punkten, Jonatah Milan (Lidl - Trek) ist damit, wenn er morgen das Ziel in Paris erreicht, das Grüne Trikot nicht mehr zu nehmen. Das gilt auch für Pogacar und die Bergwertung, in die französische Hauptstadt wird es aber der Zweitplatzierte Jonas Vingegaard tragen. Auch Lipowitz sollte vor der Schlussetappe Platz drei und das Weiße Trikot sicher haben. Die Mannschaftswertung wird die niederländische Equipe Visma – Lease a Bike für sich entscheiden. Der Vorsprung auf UAE beträgt vor dem Schlusstag 24:26 Minuten.

So lief die 20. Etappe der Tour de France

Es dauerte lange, bis sich eine Ausreißergruppe bildete. Im bald nach dem Start einsetzenden Regen versuchten es zwar etliche Fahrer – darunter Tim Wellens (UAE – Emirates – XRG), Wout van Aert, Matteo Jorgenson,(Visma – Lease a Bike), Ben Healy, Kasper Asgreen (beide EF Education – EasyPost) und Ivan Romeo (Movistar) – mit Attacken. Doch die wurden allesamt neutralisiert. Die erste Bergwertung der 3. Kategorie gewann Louis Barré (Intermarché – Wanty) mit einem weiteren solchen Angriff.

Kurz nach der Abfahrt gab es Stress für die Bestplatzierten im Gesamtklassement. Eine stark besetzte Gruppe um Vauquelin setzte sich ab. Pogacar beteiligte sich selbst an der Nachführarbeit, um die Lücke zu schließen. Dadurch wiederum teilte sich das Feld. Den Zug verpassten Felix Gall (Decathlon – AG2R La Mondiale), Onley und Thymen Arensman (Ineos Grenadiers). Der abgehängte Teil des Pelotons hatte zwischenzeitlich fast 40 Sekunden Rückstand. Kurz nach der Passage des zweiten Bergpreises (4. Kategorie), wo sich Wellens einen Punkt sicherte, wurde diese Situation aber wieder bereinigt.

Das Profil der 20. Etappe der Tour de France 2025 | Grafik: ASO

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich bereits ein Gruppetto mit den meisten Sprintern gebildet. Noch ein Stück weiter hinten befanden sich der früh distanzierte Arnaud De Lie (Lotto) mit seinen Helfern Sebastien Grignard und Eduardo Sepulveda. Im flacheren Mittelteil der Etappe konnte das Trio diese Lücke aber schließen.

Wellens konnte sich in der Abfahrt nach dem Berg der 4. Kategorie mit Jorgenson und Ewen Costiou (Arkéa – B&B Hotels) absetzen. Eine Gruppe mit dem Gesamt-Elften, Jegat löste sich kurze Zeit später und konnte 120 Kilometer vor dem Ziel zu dem Trio aufschließen. Der Abstand zum erneut aufgesplitteten Feld betrug zunächst aber nur gut 20 Sekunden. Diesmal waren allerdings alle Favoriten beisammen.

Ausreißergruppe kämpft um den Etappensieg

Jegat, Jorgenson, Costiou, Sweeny, Romeo, Frank van den Broek (Picnic - PostNL), Eenkhorn, Gregoire, Simone Velasco (XDS - Astana), Matteo Trentin (Tudor), Jake Stewart (Israel – Premier Tech) und Groves bildeten somit die recht späte Gruppe des Tages. Velasco gewann den bedeutungslosen Zwischensprint des Tages vor Eenkhorn und van Den Broek.

Im Feld übernahm bald die Equipe Jayco - AlUla die Kontrolle, um Ben O’Connors zehnten Platz in der Gesamtwertung abzusichern. Ihn und Jegat trennten vor der Etappe 4:08 Minuten. Der Vorsprung der Ausreißer wuchs somit zunächst nicht über 2:30 Minuten an.

Im Anstieg zur Côte de Thésy (2. Kategorie) setzten sich Jegat und Sweeny von ihren Begleitern ab. Der Australier gewann die Bergwertung vor Jegat, Groves und Costiou. Das Spitzenduo hatte oben 20 Sekunden Vorsprung. Aus dem Hauptfeld attackierten mehrere Fahrer, darunter erneut van Aert, Axel Laurance (Ineos Grenadiers), Marc Hirschi (Tudor) und Lenny Martinez (Bahrain Victorious). Die Gruppe mit den Top-10-Fahrern fiel an dem Anstieg auf 3:35 Minuten zurück, und in der Folge wurde der Abstand immer größer.

Kurz nach der Abfahrt war es vorbei mit der Einigkeit zwischen Sweeny und Jegat, und der Franzose ließ sich zu den Verfolgern zurückfallen. Der Australier setzte sich als Solist ab und fuhr einen Vorsprung von 50 Sekunden heraus. In den beiden Gruppen dahinter war eine konzertierte Nachführarbeit schwierig zu organisieren. Die van-Aert-Gruppe kam auf maximal 2:30 Minuten heran, fiel dann aber immer weiter zurück.

Sweeny wurde an der letzten Bergwertung des Tages eingeholt, die Spitzengruppe fiel immer wieder auseinander. In der Abfahrt stürzten Romeo und Gregoire, dadurch entstand ein Spitzentrio mit Groves, van den Broek und Stewart. 16 Kilometer vor dem Ziel setzte sich der Australier ab, weil sich seine beiden Mitstreiter nur anschauten und Tempoarbeit verweigerten. Der eigentliche Sprinter fuhr als Solist ins Ziel, van den Broek rettete Platz zwei. Dahinter kam Eenkhorn als Dritter an, gefolgt von der Gruppe um Jorgenson und Wellens. Das Feld rollte mit sieben Minuten Abstand über die Linie.

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