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29.06.2019 | (rsn) - 22 Teams nehmen am 6. Juli in der belgischen Hauptstadt Brüssel die 106. Tour de France in Angriff. Wir stellen alle Aufgebot vor und beurteilen die Chancen der 18 WorldTour-Mannschaften sowie der vier Zweitdivisionäre.
Rückblick 2018: Das Team absolvierte eine überragende Frankreich-Rundfahrt. Zunächst feierte Dylan Groenewegen seinen endgültigen Durchbruch in die Topliga der Sprinter und feierte in Chartres und Amiens zwei Tagessiege. Nur Paris sah der Niederländer nicht, auf der 12. Etappe gab Groenewegen im Hochgebirge auf. Dafür sorgten Steven Kruijswijk und Primoz Roglic auf den Bergetappen für Furore. In Erinnerung blieb Kruijswijks lange Flucht nach Alpe d’Huez, die jedoch nicht von einem Etappensieg gekrönt wurde. Der gelang auf der letzten Pyrenäenetappe dafür Roglic in Laruns. Der Slowene rückte sogar auf Platz drei in der Gesamtwertung vor, verlor den Podiumsplatz allerdings im Zeitfahren einen Tag später gegen Chris Froome. Am Ende erreichten Roglic und Kruijswijk Platz vier und fünf in der Gesamtwertung – ein Ergebnis, dass nur die wenigsten dem Team zugetraut hätten.
Aufgebot 2019:
Dylan Groenewegen, Steven Kruijswijk, Mike Teunissen, Amund Grondahl Jansen, Tony Martin, George Bennett, Wout van Aert und Laurens De Plus
Aussichten: Auffällig beim Blick auf das Aufgebot ist das Fehlen von Roglic. Nach einem strapaziösen Giro d’Italia entschieden sich der Slowene und die Teamleitung gegen einen Start bei der Tour, obwohl Roglic zunächst für beide Rundfahrten vorgesehen war. Damit ist Jumbo - Visma ausrechenbarer in seinen taktischen Möglichkeiten, statt Doppelspitze konzentrieren sich die Ambitionen in der Gesamtwertung einzig auf Steven Kruijswijk.
Der erfahrene Niederländer wird gerne übersehen, wenn es um die besten Rundfahrer dieser Generation geht. Dabei kann Kruijswijk auf Top-fünf-Platzierungen bei allen drei Grand Tours verweisen und hätte 2016 beinahe den Giro d’Italia gewonnen. Spektakuläre und explosive Attacken sind nicht seine Sache, in Topform ist Kruijswijk im Hochgebirge aber nur schwer abzuschütteln. Gerade bei längeren Anstiegen gilt er als zäh, die vielen Berge über 2.000 Meter Höhe dürften ihm entgegenkommen. Im Zeitfahren, wenn sich die Strecke wie in Pau (13. Etappe) bei unter 30 Kilometer bewegt, verkauft sich Kruijswijk ebenfalls ordentlich.
Dass die Form in Vorbereitung einigermaßen passte, zeigte er mit Platz vier beim Einzelzeitfahren des Critérium du Dauphiné. Dabei war Kruijswijk schneller als die meisten anderen Klassementfahrer. Im Anschluss setzte ihm jedoch das nasskalte Wetter in Frankreich zu, nach Zeitverlusten bei der ersten Bergankunft stieg der 32-Jährige schließlich krankheitsbedingt am letzten Tag aus. Drei Wochen vor der Tour ist das allerdings nicht als besorgniserregendes zu werten.
Das Team um ihn herum ist stärker einzuschätzen als das von Roglic beim Giro d’Italia. Der Neuseeländer George Bennett erreichte bereits Top-Ten-Platzierungen beim Giro und der Vuelta und dürfte Kruijswijk als wichtigster Berghelfer lange zur Seite stehen. Zuletzt belegte Bennett bei der Kalifornien-Rundfahrt Platz vier. Neuzugang Laurens De Plus gehörte zunächst zum Aufgebot beim Giro und sollte dort als letzter Mann in den Bergen für Roglic fungieren, stieg allerdings auf der 7. Etappe vorzeitig mit Knieschmerzen vom Rad. Nun bekommt der junge Belgier bei seiner Tour-Premiere eine neue Bewährungschance.
Wie im Vorjahr setzt Jumbo - Visma auf eine Doppelstrategie, Kruijswijk muss sich das Team daher mit Sprinter Dylan Groenewegen teilen. Das Splitting ist allerdings nachvollziehbar: Groenewegen gilt derzeit als einer der besten, wenn nicht sogar als der beste Sprinter im Peloton. In Sachen Power können es nur wenige Konkurrenten mit ihm aufnehmen, wird er von seinen Kollegen 500 Meter vor dem Ziel in eine gute Position gebracht, ist er nur schwer zu schlagen. Neun Siege feierte der kräftige Niederländer bislang im Saisonverlauf, in Frankreich kann er auf Mike Teunissen und Amund Grondahl Jansen setzen. Teunissen gewann im Juni die ZLM Tour in den Niederlanden und dürfte als sprintstarker Klassikerspezialist womöglich auch in der einen oder anderen Fluchtgruppe Chancen auf ein gutes Tagesergebnis haben – sofern er freie Fahrt erhält.
Nachteilig sind hingegen einige Sprintetappen mit kleinen Wellen vor dem Ziel, Épernay (3. Etappe), Nancy (4. Etappe) oder Albi (10. Etappe) sind hier zu nennen, denn Groenewegen gehört nicht zu den bergfesten Sprintern. Sinnvoll erscheint daher die Nominierung von Wout Van Aert. Der Belgier ist spätestens seit dem Critérium du Dauphiné wieder in aller Munde und verbuchte dort je einen Tagessieg im Einzelzeitfahren und im Bergaufsprint. Bei Etappen, auf denen Groenewegen aufgrund der Topografie Schwierigkeiten bekommen könnte, besitzt Jumbo – Visma damit einen weiteren vielversprechenden Siegkandidaten. In den Kampf um das Grüne Trikot wird der Belgische Zeitfahrmeister allerdings kaum eingreifen können: Bei den klassischen Sprintankünften ist Groenewegen am Zug, Van Aert dürfte auf diesen Etappen kaum Punkte holen.
Dafür stehen nach den Eindrücken vom Dauphiné und den Belgischen Meisterschaften seine Chancen beim Einzelzeitfahren in Pau nicht schlecht. Zusammen mit Tony Martin scheint für Jumbo - Visma damit sogar ein Top-drei-Ergebnis beim Mannschaftszeitfahren in Brüssel (2. Etappe) möglich – wenn nicht sogar mehr.
Für Martin steht seine elfte Tour-Teilnahme vor allem im Zeichen vielfältiger Helferaufgaben: Zum einen soll der mittlerweile 34-Jährige das Team im Mannschaftszeitfahren anführen, zum anderen Kruijswijk auf den Flachetappen aus allen Schwierigkeiten heraushalten und bestenfalls noch Tempoarbeit für Groenewegen verrichten. Für eigene Ambitionen scheint da kaum Platz zu sein.
Fazit: Jumbo - Visma startet in Brüssel mit allen Möglichkeiten auf eine sehr erfolgreiche Tour de France. Erreicht Kruijswijk seine Form aus dem Vorjahr, ist bei der 106. Auflage auch angesichts der vielen fehlenden Klassementfahrer eine erneute Top-fünf-Platzierung gut möglich. Und mit Bennett verfügt das Team über einen vielversprechenden Ersatzmann. In den Sprintankünften dürfte Groenewegen gute Aussichten auf Tagessiege haben – der Amsterdamer könnte gar zum Sprinter dieser Tour aufsteigen. Die Unterstützung für die beiden Kapitäne ist ausbalanciert und mit guten Fahrern besetzt. Für “Alleskönner“ Van Aert ist gleich bei seiner Tour-Premiere ein Etappensieg möglich.
Eckdaten:
Land: Niederlande
Hauptsponsor: Jumbo, Visma
Branche: Supermarktkette, Softwareunternehmen
Teamchef: Richard Plugge
Radausrüster: Bianchi
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