RSNplusToursiegerbesieger jubelt auch in La Plagne

Ausreißer Arensman foppt Pogacar zum zweiten Mal

Von Tom Mustroph aus Albertville

Foto zu dem Text "Ausreißer Arensman foppt Pogacar zum zweiten Mal"
Thymen Arensman (Ineos Grenadiers) bejubelt seinen Tour-Etappensieg in La Plagne. | Foto: Cor Vos

25.07.2025  |  (rsn) - Es war leider nicht herauszufinden, ob das Nordlicht aus der Provinz Gelderland mit dem größten Coup der Fangemeinde des FC St. Pauli aus Hamburg vertraut ist. Als der Bundesligaklub aus dem hohen Norden 2002 als Tabellenletzter den FC Bayern besiegte, der als Triple-Triumphator ans Millerntor reiste - nach Meisterschaft, Champions League-Sieg und Weltpokalerfolg - flockten sich Spieler wie Fans das hübsche Wortungetüm “Weltpokalsiegerbesieger“ auf die Hemden.

Mit ähnlichem Recht könnte sich Arensman bei dieser Tour als “Toursiegerbesieger“ vermarkten. Gleich zwei Mal hielt er bei dieser 112. Tour de France als Ausreißer Tadej Pogacar stand. Auf der Pyrenäenpassstraße über Bagneres-de-Luchon kam er nach 108 Kilometern in der Fluchtgruppe mit 1:08 Minuten Vorsprung vor dem Slowenen ins Ziel.

Beim letzten Alpenpass dieser Tour waren es zwei Sekunden, die er vor dem Duo Vingegaard / Pogacar rettete. Dem Slowenen zwei Etappensiege wegzuschnappen, die dieser selbst gern in seinen Palmares stehen gehabt hätte, ist schon ein dickes Ding. Dementsprechend losgelöst war Arensman auch im Ziel. “Tadej und Jonas sind fast wie Aliens. Ich kann nicht glauben, dass ich sie geschlagen habe“, meinte er.

___STEADY_PAYWALL___ Zu seiner Freude trug bei, dass es bei dieser 19. Etappe nicht aus der Fluchtgruppe heraus glückte, sondern direkt aus dem Kreis der “Fast-Außerirdischen": “Ich kann es nicht glauben. Eine Etappe in der Tour gewonnen zu haben, war schon unglaublich. Das war aus der Gruppe, heute habe ich es aus der Favoritengruppe heraus geschafft – gegen die stärksten Fahrer der Welt. Ich glaube, ich träume. Ich habe keine Ahnung, was ich da gerade geschafft habe“, so der 25-Jährige.

Thymen Arensman (Ineos Grenadiers) auf dem Weg zum zweiten Etappensieg bei dieser Tour | Foto: Cor Vos

Gut, Arensman profitierte von der abwartenden Fahrweise der Top-Favoriten. Pogacar hielt sich zurück, weil er mit einem Antritt Vingegaards rechnete. “Ich habe mir gedacht, dass Jonas vielleicht auch die Etappe gewinnen will, aber dann hat er sich nur an mein Rad gehängt“, wunderte er sich. Warum Vingegaard seinen großen Sprüchen der letzten Tage – er würde für einen Angriff auf Gelb auch Platz 2 aufs Spiel setzen, sagte er mehrfach – keine dementsprechenden Taten folgen ließ, bleibt das Geheimnis des Dänen.

Pogacar, der selbst gern gewonnen hätte – mit vier Etappensiegen derzeit liegt er zwei unter der Marke des letzten Jahres – begnügte sich dann aber mit konservativer Renninterpretation. “Die Attacke von Arensman war gut, ich habe mich aber dazu entschieden, in meinem Rhythmus zu bleiben. Ich bin einfach nur froh, dass es vorbei ist. Zwei Tage bis Paris“, meinte er.

Mit Courage zum zweiten Etappensieg

Aber natürlich gehört auch Courage dazu, es zu versuchen. “Nach der Abfahrt in Richtung La Plagne haben wir über Funk besprochen, dass heute die letzte Bergetappe ist und ich kein Klassement zu verteidigen habe. Ich wollte ein paar Kilometer dran bleiben und dann gucken, wie die Beine sind. Der Anstieg begann und ich hatte die Situation gut unter Kontrolle. Die anderen haben sich angeguckt und da habe ich es einfach probiert“, schilderte er die entscheidende Situation.

Der Niederländer konnte es kaum glauben, dass er die Ziellinie vor Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard erreichte | Foto: Cor Vos

Mit am Funk hing dabei der Sportliche Leiter Zak Dempster. Der hatte sich vor dem Start der Etappe gegenüber RSN schon vorsichtig optimistisch geäußert. “Wenn Pogacar entscheidet, die Etappe gewinnen zu wollen, ist man seiner Gnade ausgeliefert. Das ist die Realität. Gleichzeitig wird er sich mit Blick auf Vingegaard und andere Podiumsfahrer aber nicht in eine Situation begeben, in der er die Kontrolle außer Hand gibt. Wir müssen einfach hoffen, dass sich eine Chance ergibt und wir dann mitspringen können. Und dann wird der Vorsprung hoffentlich groß genug, wie an dem Tag in den Pyrenäen.“

Dabei dachte der frühere Bora-Profi in erster Linie an Arensman. “Er hat noch immer gute Beine. Viel kommt darauf an, im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein. Man muss dabei auch ruhig bleiben. Ben O’Connor hat das gestern genauso gemacht wie Thymen in den Pyrenäen“, sagte er RSN.

Und mit dem Sieg auf der 19. Etappe soll für seinen Rennstall auch noch nicht Schluss sein. “Wir glauben heute und sogar morgen weiter an uns“, meinte Dempster, und übte sich ein wenig in Galgenhumor: “Es wird sowieso eine Gruppe der lebenden Toten. Wer heute überlebt, kann es morgen nochmal probieren.“

Fix und fertig lag der Niederländer nach seinem zweiten Triumph bei dieser Tour auf dem Boden. | Foto: Cor Vos

So sieht das auch Arensman. Freilich traute er sich nicht auch noch das Dreierpack zu. Teamkollege Tobias Foss soll es stattdessen auf dem vorletzten Tagesabschnitt richten. Foss begleitete Arensman noch in den Anstieg hinein. “Dann habe ich ihm aber gesagt, dass er gleich ausscheren soll und dass morgen sein Tag wird“, berichtete der Niederländer vom Zwei-Tagesplan. 

Der fand sofort Billigung beim Norweger: “Wir haben mit Zak besprochen, dass ich Thymen in den Anstieg hineinhelfe und es dann mit Blick auf morgen ruhig angehen lasse. Heute war Thymens Tag – ich denke wir haben da eine gute Wahl getroffen. Ich bin bereit, morgen zu kämpfen.“

Schön, dass es noch Fahrer bei dieser Tour gibt, die mental und physisch so gut beieinander sind, um wenigstens zu versuchen, das seltsame Stillhalteabkommen der beiden Gesamtführenden in den Alpen für sich auszunutzen.

Mehr Informationen zu diesem Thema

12.11.2025Arensman: “Letztendlich ist Radsport nur eine Nebensache“

(rsn) – Bei der vergangenen Tour de France feierte Thymen Arensman (Ineos Grenadiers) die bisher größten Erfolge seiner Karriere. Aber nicht die auf der 14. Und 19. Etappe eindrucksvoll herausgef

04.11.2025Wellens erzählt von Pogacars Knieproblemen bei der Tour

(rsn) – Tim Wellens hat in einem Interview mit der französischen Sporttageszeitung L´Equipe konkreter über die Schwierigkeiten von Teamkollege Tadej Pogacar in der Schlusswoche der Tour de France

11.08.2025Gianetti: “Pogacar zu sein ist schön, aber nicht einfach“

(rsn) – Mauro Gianetti, der Teamchef von UAE – Emirates – XRG hat sich zum kommenden Rennkalender und zum Vuelta-Verzicht von Tadej Pogacar geäußert. Am Ende der Tour de Pologne sagte er gege

03.08.2025Liste der ausgeschiedenen Fahrerinnen / 9. Etappe

(rsn) - 154 Profis aus 22 Teams sind am 26. Juli im westfranzzösischen Vannes zur 4. Tour de Frances Femmes (2.WWT) angetreten, darunter sieben Deutsche, sechs Schweizerinnen und drei Österreicheri

31.07.2025Pogacar “langweilte“ sich in der zweiten Hälfte der Tour

(rsn) – Neben dem Gelben und dem Gepunkteten Trikot sicherte sich Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) bei der Tour de France 2025 vier Etappensiege. Den letzten davon feierte der Slowene ab

30.07.2025Häuslicher Unfall: Vauquelin bricht sich den Knöchel

(rsn) – Spätestens mit seinem siebten Platz bei der 112. Tour de France hat Kevin Vauquelin (Arkéa – B&B Hotels) auch international seinen Bekanntheitsgrad deutlich erhöht. Die Freude über das

29.07.2025Zwei Tage nach der Tour: Aldag verlässt Red Bull - Bora - hansgrohe

(rsn) – Rolf Aldag und Red Bull – Bora – hansgrohe gehen ab sofort getrennte Wege. Das kündigte der deutsche WorldTour-Rennstall überraschend zwei Tage nach Ende der Tour de France an, bei der

28.07.2025Lipowitz: “Manchmal ist der Sportchef nicht glücklich mit mir“

(rsn) - Nur Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe) konnte in den Bergen der Tour de France ansatzweise mit Tour-de-France-Sieger Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) und dem Zweitplat

28.07.2025Im Überblick: Alle Gelbe Karten bei der 112. Tour de France

(rsn) – Drei Tage hat es gedauert, bis die UCI-Jury bei der Tour de France 2025 zum ersten Mal hart durchgegriffen und Gelbe Karten verteilt hat: Im Sturzchaos von Dünkirchen bestraften die Kommiss

28.07.2025Angst, natürlicher Schwund und finanzielle Ungleichheit

(rsn) – Die Tinte in den Radsport-Geschichtsbüchern ist gerade erst getrocknet: Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) hat bei der Tour de France 2025 im direkten Duell mit seinem großen Widersa

28.07.2025Vingegaards “merkwürdige Tour“ endet auf Platz zwei

(rsn) – Das große Ziel hat Visma – Lease a Bike bei dieser Tour de France verfehlt. Jonas Vingegaard musste in Paris mit der zweiten Stufe auf dem Podium vorliebnehmen, der ewige Rivale Tadej Po

28.07.2025Montmartre wirklich einmalig? Prudhomme zieht Tourmalet-Vergleiche

(rsn) – Es sollte etwas Besonderes werden. Immerhin gab es ja auch einen runden Geburtstag zu feiern. Vor 50 Jahren endete die Tour de France erstmals in Paris auf den Champs-Élysées, Ex-Telekom-T

Weitere Radsportnachrichten

07.01.2026Roodhooft: Van der Poel “war einfach so, wie er sein musste“

(rsn) – In der Weihnachtsperiode hat Niels Vandeputte zwei Crossrennen im Trikot von Alpecin – Deceuninck und im neuen Jahr dem von Alpecin – Premier Tech gewonnen. Doch Fahrer der belgischen Ma

07.01.2026Die Hoffnung auf Healy und Highlights

(rsn) – Auf dem Papier war die Saison 2025 eine durchschnittliche für das Team EF Education – EasyPost. Zehn Siege lagen unter der Norm für die US-amerikanische Equipe, Rang zwölf im UCI-Rankin

06.01.2026Mit “Mont Ventoux Norwegens“ und Finale an den Hängen der Ski-WM

(rsn) – Während es 2026 keine Tour of Norway geben wird, weil die öffentlichen Förderungen gestrichen wurden, steht das Arctic Race of Norway (2.Pro) auch in diesem Jahr wieder im Rennkalender. I

06.01.2026Diese WorldTour-Profis haben noch keinen Vertrag für die neue Saison

(rsn) – Das neue Jahr hat begonnen, doch noch immer stehen einige WorldTour-Profis ohne neuen Vertrag da. Nicht alle Fahrer, die 2025 noch in der Elite-Liga des Radsports angestellt waren, werden

06.01.2026Chirurg erwartet drei Monate Pause für van Aert

(rsn) - Ludovic Robeet kann seine Karriere als Radprofi fortsetzen. Der Belgier in Diensten von Cofidis, der im September 2025 einen Schlaganfall erlitten hatte, teilte die guten Nachrichten via Insta

06.01.2026Gee macht Lidl-Trek komplett

(rsn) - In unserem ständig aktualisierten Transferticker informieren wir Sie regelmäßig über Personalien aus der Welt des Radsports. Ob es sich um Teamwechsel, Vertragsverlängerungen oder Rücktr

06.01.2026Healy legt Fokus in den kommenden beiden Jahren wieder auf die WM

(rsn) – Etappensieger bei der Tour de France, Träger des Gelben Trikots, Dritter im Straßenrennen der Weltmeisterschaften von Ruanda und auch bei Lüttich-Bastogne-Lüttich: Ben Healy (EF Educatio

06.01.2026Die Trikots der WorldTour-Teams für die Saison 2026

(rsn) - Wie sieht das Peloton 2026 aus? Welche Farben werden in der kommenden Saison vorherrschend sein? Nach und nach stellen die WorldTour-Rennställe ihre Trikots für das neue Jahr vor - den Anfan

06.01.2026Regenbogenpower für die neue Saison

(rsn) – Erst 2024 gegründet, steigt EF Education - Oatly schon im dritten Jahr die WorldTour auf. Zwar gab es von 2005 bis 2023 mit EF Education - Tibco SVB bereits ein amerikanisches Frauen-Team,

06.01.2026Die Trikots der Women´s WorldTour-Teams für die Saison 2026

(rsn) – 14 Rennställe umfasst die Women´s WorldTour in der Saison 2026. Doch wie treten diese 14 Mannschaften im neuen Jahr auf? Welche Farben zieren ihre Trikots, welche Art von Designs werden ge

05.01.2026Mehr Aerodynamik: Milan mit veränderter Position auf dem Rad

(rsn) - Jonathan Milan (Lidl - Trek) hat während der Saisonpause an seiner Position auf dem Rad gearbeitet - und einige Änderungen vorgenommen. "Es ging um die Verbesserung meiner Position", sagte

05.01.2026Van der Poel: “Bin noch nicht in Topform“

(rsn) – Er kam, sah und siegte – neun Mal in drei Wochen. Mathieu van der Poel dominierte die Szene seit seinem Einstieg in die Cyclocross-Saison 2025/26. Nach einer perfekten Bilanz mit neun S

RADRENNEN HEUTE

    Radrennen Männer

  • Antwerp Port Epic (1.1, BEL)
  • Tour de Gyeongnam (2.2, KOR)