Prognose zum Giro-Finale

Kann Carapaz im Zeitfahren Hindley noch gefährden?

Von Kevin Kempf

Foto zu dem Text "Kann Carapaz im Zeitfahren Hindley noch gefährden?"
Richard Carapaz (Ineos Grenadiers) im ersten Giro-Zeitfahren in Budapest | Foto: Cor Vos

28.05.2022  |  (rsn) – Auf 17,4 Kilometern im Kampf gegen die Uhr werden die noch 149 Fahrer in Verona den 105. Giro d‘Italia beenden. Dabei geht es nicht nur um den Etappen- und den Gesamtsieg. Zumindest drei Positionen in den Top 10 sind noch umkämpft. Die ersten beiden Plätze allerdings scheinen nicht dazu zu gehören.

Der Kampf um das Podium

Obwohl Richard Carapaz (Ineos Grenadiers) in den bisherigen acht Zeitfahren, in denen er auf Jai Hindley (Bora – hansgrohe) traf, sieben Mal das bessere Ende für sich hatte, scheint das Duell um das Rosa Trikot keines mehr zu sein, denn 1:25 Minuten kann der Ecuadorianer unter normalen Umständen nicht mehr aufholen. Im Zeitfahren von Budapest am zweiten Tag des Giro nahm Carapaz dem Australier auf 9,2 Kilometern nur sechs Sekunden ab – und der neue Träger des Maglia Rosa scheint am Ende der Italien-Rundfahrt bessere Beine zu haben als sein Widersacher. Prognose: Vorteil Hindley

Hinter Carapaz lauert nach der letzten Bergetappe plötzlich Mikel Landa (Bahrain Victorious). Der Spanier konnte seinen Rückstand auf 26 Sekunden reduzieren und schielt nun auf den zweiten Gesamtrang. Doch auch der Baske hat keine viel bessere Bilanz gegen Carapaz. Sechs Mal zog er den Kürzeren, so auch in Budapest. Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es aber doch für Landa, denn beim Abschlusszeitfahren des Giro 2019, das auf fast identischem Kurs absolviert wurde, nahm er dem damaligen Gesamtsieger Carapaz immerhin 15 Sekunden ab. Prognose: Vorteil Carapaz

Der Kampf um Platz 5

Nur zwölf Sekunden trennen den fünftplatzierten Pello Bilbao (Bahrain Victorious) von seinem nächsten Verfolger Jan Hirt (Intermarché – Wanty – Gobert). In ihren siebzehn bisherigen Aufeinandertreffen in Zeitfahren war der Spanier dem Tschechen allerdings fünfzehn Mal überlegen, so auch in Verona 2019. Allerdings ist auch hier der Außenseiter nicht chancenlos, denn Hirts Form scheint besser als die des Basken. Zudem lieferte Bilbao vergangenes Jahr in Mailand ein ausgesprochen schwaches Abschlusszeitfahren ab. Damals büßte er 18 Sekunden auf Hirt ein. Für beide Fahrer ging es damals allerdings um nichts mehr. Prognose: Vorteil Bilbao

 

Der Kampf um Platz 9

Juan Pedro Lopez (Trek – Segafredo) ist eine der Überraschungen dieser Italien-Rundfahrt. Der Spanier liegt nach zwanzig Etappen auf dem neunten Rang und hat nur 27 Sekunden Rückstand auf Hugh Carthy (EF Education – EasyPost), dessen Formkurve in den vergangenen Tagen steil nach oben zeigte. Beide gelten als schwache Zeitfahrer, doch der Brite liegt im direkten Vergleich mit fünf zu null vorn. In Budapest war Carthy acht Sekunden schneller als Lopez, der damals allerdings keine Klassementambitionen hatte. Der Kampf um Platz neun könnte sehr knapp ausgehen, letztendlich dürfte die Tagesform den Ausschlag geben. Prognose: Vorteil Carthy

Der Kampf um den Tagessieg

Bei den Buchmachern wird Mathieu van der Poel (Alpecin – Fenix) als Topfavorit gehandelt – wogegen nach seinem zweiten Platz auf der 2. Etappe kaum etwas einzuwenden sein dürfte. Doch der Niederländer ist kein ausgewiesener Zeitfahrer und mischte in der vergangenen Woche oft in Ausreißergruppen mit - was entsprechend Kräfte gekostet hat.

Gleiches gilt für seinen Landsmann Thymen Arensman (DSM). Der junge Niederländer ärgerte sich im Ziel der 20. Etappe darüber, dass er quasi versehentlich in der Gruppe des Tages dabei war. Der 22-Jährige hat für das Abschlusszeitfahren offensichtlich große Pläne.

Matteo Sobrero (BikeExchange - Jayco) und Tobias Foss (Jumbo – Visma) fuhren in Budapest wie Arensman unter die besten Zehn. Von beiden war in den vergangenen Tagen allerdings wenig zu sehen. 2019 gewann mit Chad Haga in Verona ein starker Zeitfahrer, der sich auf den Bergetappen zuvor geschont hatte. Der Italienische oder der Norwegische Zeitfahrmeister könnten es dem US-Amerikaner gleichtun.

Von den besten Zehn aus Budapest sind außerdem noch Ben Tulett (Ineos Grenadiers), Wilco Kelderman, Lennard Kämna (beide Bora – hansgrohe) und Mauro Schmid (Quick-Step Alpha Vinyl) in Verona dabei. Auf der 2. Etappe nicht in die Top 10 kam Edoardo Affini (Jumbo – Visma), der allerdings mit seinem zweiten Platz in Treviso bewies, dass mit ihm zu rechnen sein wird.
Prognose: Vorteil van der Poel


RADRENNEN HEUTE
  • Keine Termine