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14.07.2016 | (rsn) - Die Streckenplaner der Tour de France haben sich in diesem Jahr zum französischen Nationalfeiertag etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Es wartet ein einzigartiges Spektakel: die Bergankunft auf dem Mont Ventoux. Aus den schier endlosen 15,7 Kilometern zum Gipfel des Riesen der Provence wurden allerdings nur knapp zehn, da die Organisatoren wegen der für heute erwarteten Sturmböden von mehr als 100 km/h die letzte Passage zum Observatorium in 1.912 Metern Höhe aus dem Programm nehmen mussten. Aber auch so müssen die Favoriten bei mehr als neun Prozent Durchschnittssteigung die Karten auf den Tisch legen. Wer sich hier eine Schwäche erlaubt, kann alle Chancen auf den Tour-Sieg verlieren.
TagesTour: Wir starten in Montpellier, dem Zielort der 11. Etappe. Die Strecke führt zunächst ostwärts, ehe die Fahrer hinter Avignon nach Norden abbiegen. Die Vorspeise zum Mont Ventoux bilden ein Zwischensprint (bei Kilometer 102,5), die Côte de Gordes (bei Kilometer 131,5) und der Col de Trois Termes (bei Kilometer 135,5). Die letzteren beiden Anstiege der 4. bzw. der 3. Kategorie erscheinen aber im Vergleich zum majestätischen Schlussaufstieg wie kleine Hügel. Hinter Bédoin beginnt die Straße 16 Kilometer vor dem Ziel zu steigen. Die letzten knapp zehn Kilometer zum Chalet Reynard (1.435m) werden als Anstieg der Hors Catégorie klassifiziert und sind unnachgiebig steil. Auf dem Weg zur Bergankunft am Mont Ventoux sind wir in den Departements Hérault, Gard, Bouches-du-Rhône und Vaucluse unterwegs.
KulTour: In Bédoin, am Fuße des Mont Ventoux, leben die Menschen vor allem vom Tourismus rund um den kahlen Riesen, aber auch vom Weinbau. Dieser wird in der Gegend um Bédoin bereits seit 70 v. Chr. betrieben. Für Wanderer, Mountainbiker oder im Winter für die Skifahrer ist der Ventoux ein sehr beliebtes Reiseziel.
HisTourie: An diesem Berg wurde im Jahr 1967 eine der traurigsten Geschichten des Radsports geschrieben. Der Brite Tom Simpson starb in glühender Hitze an einer Mischung aus Amphetaminen und Alkohol im Blut im Aufstieg zum Ventoux. 2016 ist der Gigant der Provence zum zehnten Mal Zielort einer Tour-Etappe. Die Siegerliste reicht von Charly Gaul bis zu Chris Froome. Ein deutscher Triumph fehlt allerdings bislang auf der Tour-Ehrentafel des Ventoux. 2009 war Tony Martin als Zweiter ganz dicht dran, musste sich aber am Ende dem Spanier Juan Manuel Gárate geschlagen geben. Auch Nairo Quintana hat noch eine Rechnung mit dem Ventoux offen. 2013 attackierte der Kolumbianer bereits gut 13 Kilometer vor dem Ziel, wurde aber von Froome noch abgefangen und stehen gelassen.
RSN-Prognose: Auf dieser Etappe wird die Tour nicht gewonnen, aber man kann sie hier verlieren. Die Klassementsfahrer werden sicher auch das Zeitfahren am nächsten Tag im Hinterkopf haben und daher ist es fraglich, ob sich einer der Hauptfavoriten mit vollem Einsatz exponiert – es sei denn, es besteht die Chance, einen großen Konkurrenten entscheidend zu distanzieren. Auf der anderen Seite stellt der Ventoux für die Fahrer, die in den Pyrenäen enttäuschten, eine Startrampe dar, um verlorenen Boden wiedergutzumachen – und das gilt vor allem für Quintana, der nach der gestrigen Etappe 35 Sekunden Rückstand auf Froome hat. Gut möglich aber auch, dass wir nach 2009 wieder einen Ausreißersieg auf dem kahlen Riesen sehen. Die Franzosen werden besonders motiviert sein – es ist ihr Nationalfeiertag.
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