Mehr Spannung als im WM-Finale?

EM-Showdown für Pogacar, Evenepoel und Vingegaard

Von Jan Zesewitz

Foto zu dem Text "EM-Showdown für Pogacar, Evenepoel und Vingegaard"
Tadej Pogacar versus Remco Evenepoel hieß es zuletzt bei der WM und bei der Tour de France. | Foto: Cor Vos

04.10.2025  |  (rsn) - Es gibt praktisch keine Vergleichswerte für das direkte Aufeinandertreffen von drei der besten Rundfahrer der aktuellen Zeit: Tadej Pogacar, Jonas Vingegaard und Remco Evenepoel trafen bei Eintagesrennen bisher äußerst selten aufeinander. Kramt man in den Geschichtsbüchern, findet man als letzten Vergleich den Fleche Wallonne 2022 – kaum repräsentativ für die aktuelle Stärke der "Big Three“.

Oft waren die EM-Strecken in den vergangenen Jahren eine Angelegenheit für Sprinter - die 10. Austragung ist "endlich" ein Rennen für die Bergspezialisten. Einen EM-Titel auf der Straße kann schließlich noch keiner von ihnen vorweisen. Und die anspruchsvolle Strecke lockt eine eindrucksvolle Startliste an, die weit über die drei größten Namen hinausgeht.

Ein wenig vergleichbar sind das WM-Rennen, das Pogacar vor Evenepoel gewann und der EM-Kurs: Der dreimal zu bewältigende Anstieg von Saint-Romain-de-Lerps ist von seinen Zahlen her durchaus mit dem Mount Kigali zu vergleichen. Insgesamt sechsmal ist die Cote du Val d'Enfer zu bewältigen. Diese ist mit 1,7 Kilometern Länge zwar kurz, aber mit fast zehn Prozent Durchschnittssteigung sehr steil. Dreimal steht sie auf der Schlussrunde auf dem Programm und dürfte über das Rennen entscheiden.

Anspruchsvolle Strecke in Drome Ardeche

Wenn nicht Pogacar wie bei der WM die Entscheidung schon mehr als 100 Kilometer vor dem Ziel sucht - das ist aber unwahrscheinlich, auch wenn der Slowene es auf der Pressekonferenz im Vorfeld nicht ausschloss. Mit 202,5 Kilometern ist die Strecke der Kontinental-Meisterschaft deutlich kürzer und weist weniger Höhenmeter auf. Das verspricht einen offeneren Kampf um den Sieg. Darüber werden am Ende die Fahrer selbst entscheiden - und ihre Teamtaktik. Zwischen den Nationalteams der Topfavoriten gibt es einige Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Belgien, Slowenien und Dänemark stellen mit jeweils acht Fahrern das Maximal-Kontingent für die EM. Das gilt ansonsten nur noch für Italien und Frankreich.

Belgien und Slowenien sind wie schon bei der WM komplett auf den jeweiligen Kapitän ausgerichtet. Evenepoel muss zwar nach seinem Sturz in Kigali auf Ilan van Wilder verzichten, hat aber sieben starke Bergfahrer und Klassiker-Spezialisten an seiner Seite. Mit seinem künftigen Red Bull-Bora-hansgrohe-Teamkollegen Maxim van Gils steht auch ein Plan B im Aufgebot, der zudem möglichst lange an der Seite des Doppelolympiasiegers bleiben sollte. "Ich träume davon, auch in Eintagesrennen zu performen", sagte Vingegaard vor der EM. "Wenn ich in den vergangenen Jahren da selten angetreten bin, liegt das daran, dass ich noch nicht herausgefunden habe, wie ich da wirklich performen kann." Unter den 42 Siegen des 28-Jährigen findet sich genau ein einziger bei einem Eintages-Rennen: die Drome Classic 2022. Dieses Rennen findet praktischerweise exakt in der Region statt, in der auch die Europameisterschaften ausgetragen werden. Vielleicht ein gutes Omen für den frischgebackenen Vuelta-Sieger, der auf zahlreiche Konkurrenten dieses Jahres trifft.

Die weiteren Favoriten

"Es ist das größte Ziel meines gesamten Herbstes, noch vor der Weltmeisterschaft", sagte auch Evenepoel, der im Zeitfahren - wie schon bei der WM - eindrucksvoll vorgelegt hat. Der Topfavorit heißt aber trotzdem Tadej Pogacar. Der Vorteil für die Konkurrenz des Dominators könnte sein, dass der späte Saisonhöhepunkt des Slowenen eher bei der WM in Kigali lag. Ein EM-Rennen hat allerdings auch Pogacar noch nicht gewonnen.

Neben den "Big Three" rechnen sich auch Pogacars UAE-Teamkollegen Juan Ayuso und Joao Almeida gute Chancen auf Edelmetall aus, dazu kommen Paul Seixas und Romain Gregoire auf Seiten der Gastgeber. Und die Deutschen? Wie in Ruanda kommt ihnen eher eine Außenseiter-Rolle zu. Lennard Kämna und Georg Zimmermann führen German Cycling in Südfrankreich an.

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