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13.08.2024 | (rsn) – Im Zeitfahren endete die Zeit in Gelb für Charlotte Kool (dsm-firmenich – PostNL) bei der Tour de France Femmes. 5,28 Sekunden zu langsam war die Niederländerin, um die Gesamtführung vor Demi Vollering (SD Worx – Protime) zu verteidigen. Doch von Enttäuschung konnte bei der 25-Jährigen am Dienstagabend keine Spur sein. Zu glücklich war sie noch über ihre zwei Sprintsiege am Vortag in Den Haag sowie vor allem auch am Dienstagvormittag in Rotterdam.
"Es ist wie es ist. Ich habe natürlich gehofft, dass ich morgen das Gelbe Trikot noch anhaben könnte. Aber ich habe alles gegeben und mir nichts vorzuwerfen. Die anderen waren einfach stärker", sagte Kool im Ziel zu Eurosport und strahlte trotzdem weiter. "Es war sehr besonders, heute in Gelb zu fahren. Dieser Tag wird mir für immer in Erinnerung bleiben."
Schon am Montag beim Auftaktsieg in Den Haag war der Knoten geplatzt und ein bis dato recht verkorkstes Jahr wendete sich endlich zum Guten. Nachdem Kool schon ihren Saisonauftakt bei der UAE Tour Anfang Februar krankheitsbedingt absagen musste, lief es für sie in den vergangenen Monaten nie perfekt. Sie fuhr zwar acht zweite Plätze und auch einen ersten Saisonsieg bei der Baloise Ladies Tour in Belgien im Juli ein. Doch als Top-Sprinterin ist Rang zwei eben eine Niederlage. Und sechs davon kassierte sie gegen Lorena Wiebes (SD Worx – Protime). Als die dann in Den Haag wegen eines abgerissenen Schaltwerks nicht mitsprinten konnte, spurtete Kool ins Gelbe Trikot. ___STEADY_PAYWALL___
Doch ein paar Zweifel blieben in der Öffentlichkeit bestehen: Hatte sie nur gewonnen, weil Wiebes nicht mitsprinten konnte? In Rotterdam nun gab Kool in beeindruckender Manier die Antwort. Obwohl Wiebes ein perfektes Leadout von ihrem Team um Anfahrerin Barbara Guarischi bekam und Kool weiter hinten zunächst an der Bande hinter Marianne Vos (Visma – Lease a Bike) eingebaut schien, fuhr die Frau in Gelb den perfekten Sprint: Sie wartete einen Moment, die Lücke ging auf und Kool spurtete unwiderstehlich um Wiebes herum zum zweiten Sieg in Folge. Diesmal im direkten Duell und um wenige Zentimeter vor der Sprintkönigin.
"Es war ziemlich hektisch und ich muss sagen ich war froh, dass Vos mir etwas Raum gelassen hat. Denn ich dachte schon: 'Wenn sie hier bleibt, dann komme ich nie raus!' Aber so konnte ich meinen Sprint doch noch starten", war Kool glücklich mit dem Ausgang der 69,7 Kilometer kurzen 2. Etappe von Dordrecht nach Rotterdam. Dort wurde sie nach Vos 2022 in Rosheim und Annemiek van Vleuten 2022 an der Planche des Belles Filles zur erst dritten Frau, die bei der Tour de France Femmes in Gelb einen Etappensieg feierte.
Durch den Sieg verteidigte sie am Vormittag nicht nur das Gelbe Trikot, sondern baute ihre Führung sogar noch auf 14 Sekunden gegenüber Wiebes aus. Vor dem Zeitfahren bestand eine realistische Chance, dass sie das Maillot Jaune sogar würde behalten können. Am Ende aber fehlten fünf Sekunden gegen Vollering und auch zwei auf Wiebes. Doch das störte Kool wenig:
Charlotte Kool (rechts) gewinnt die 2. Etappe der Tour in Rotterdam vor Lorena Wiebes (links). | Foto: Cor Vos
"Das heute war wirklich speziell. Meine Tour ist schon jetzt mehr als erfolgreich", sagte Kool am Abend nach dem Zeitfahren zu radsport-news.com. "Ich habe immer darauf gehofft, aber auch befürchtet, dass ich mich selbst enttäuschen werde. Die letzten Wochen waren eine Achterbahnfahrt. Ich habe nie aufgegeben und bin stolz, dass ich das nicht getan habe. Am Ende haben wir das Problem dann gerade rechtzeitig gelöst. Es ist verrückt, wenn ich jetzt nochmal drüber nachdenke. Aber manchmal müssen Dinge eben so laufen."
Das "Problem" der Saison waren Atemprobleme bei Kool unter hoher Belastung besonders im Sprint. Den Grund fanden Kool und ihr Team erst rund zwei Wochen vor der Frankreich-Rundfahrt. Jetzt ist die 25-Jährige endlich wieder auf ihrem allerhöchsten Niveau und der Frauen-Radsport hat sein Sprinterduell zurück, dass sich im Vorjahr angedeutet hatte: Kool und Wiebes auf Augenhöhe.
Dass sie ihre ehemalige Kapitänin nun in Rotterdam geschlagen hat – vorher stand es im direkten Duell in dieser Saison 1:6 aus ihrer Sicht - war Kool dabei laut eigener Aussage gar nicht so wichtig. "Ich bin einfach wirklich, wirklich glücklich, dass ich mich endlich wieder gut gefühlt habe und meinen Sprint abrufen konnte. Es geht nicht immer nur ums Gewinnen, sondern auch darum sich gut zu fühlen – und wenn man es dann vollenden kann, das ist natürlich das Beste", so Kool, die nun mit 100 Punkten die Punktewertung anführt und das Grüne Trikot gerne bis zum Tour-Ende behalten würde.
Großer Kampf: Im Zeitfahren versuchte Kool vergeblich, das Gelbe Trikot noch einen Tag zu verteidigen. | Foto: Cor Vos
Welche Bedeutung der Sieg über Wiebes für Kool wirklich hatte, bleibt ihr Geheimnis. An den Reaktionen der Team-Mitarbeiter aber war in Rotterdam deutlich zu spüren: Es war dann doch nicht ganz unwichtig. Der Jubel war noch ausgelassener als am Vortag. Und als Kool nach der Siegerehrung und einigen Interviews am Mittag den Teambus bestiegen hatte, durfte man draußen einer mehrstimmigen Darbietung von Queen's "We are the Champions" lauschen – und zwar nicht zu kurz.
Kools Rückkehr zur Bestform, sie hat der Tour de France Femmes 2024 eine erste großartige Geschichte beschert – und ist für den ganzen Sport wertvoll. Denn die Dominanz der Lorena Wiebes in den Massensprints ist gebrochen.
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