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27.11.2021 | Ekelhaft kalt ist es in Panevezys. Doch der erste Schnee aus den vergangenen Tagen ist geschmolzen und 1-Grad-Regen gewichen. Ob das daran liegt, dass es in der sogenannten Cido Arena, dem Velodrom der fünftgrößten Stadt Litauens, nun heiß wird? Fraglich. Fakt ist aber: Heiß wird es. Am Samstag steht dort der zweite Lauf der UCI Track Champions League auf dem Programm.
Drei Wochen nach dem Auftakt der neuen Bahnrad-Serie auf Mallorca geht es in die zweite Runde, und die verspricht gerade aus deutscher Sicht einen spannenden Abend (live ab 18:00 Uhr auf Eurosport): In den Sprint-Disziplinen geht es für Emma Hinze und Lea Sophie Friedrich sowie Stefan Bötticher ums hellblaue Führungstrikot.
"Es ist schön, die Landesfarben auf dem Anzug zu tragen. Aber ich finde auch die Farbe des Leaderjerseys sehr hübsch", sagte Hinze, die in Mallorca die Führung in der Sprint League erobert hatte, am Freitag vor ihrem ersten Renneinsatz in Hellblau und betonte auf Nachfrage, dass die Champions League schon jetzt einen hohen Stellenwert habe:
Stellenwert der Champions League schon jetzt hoch
"Es macht mit dem Licht und der Atmosphäre viel Spaß, auch wieder vor Publikum zu fahren. Aber auch wenn es Spaß macht, will ich gewinnen und bereite mich genauso vor, wie für die anderen großen Wettkämpfe", erklärte sie und machte nur eine einzige Einschränkung: "Vielleicht nur nicht ganz so, wie für die Olympischen Spiele."
EM- und WM-Niveau hat die UCI Track Champions League mit ihrem Top-Starterfeld, der umfassenden TV-Präsenz auf Eurosport und Preisgeldern, die für den Bahnradsport in Rekordhöhe liegen, also quasi schon erreicht – auch wenn gerade in den Ausdauer-Disziplinen doch zahlreiche Asse fehlen, die auch auf der Straße unterwegs sind und sich daher gerade in ihrer Saisonpause befinden.
Im Kurzzeit-Bereich fehlen nur wenige Asse
Was die Kurzzeit-Asse betrifft, ist die Liga allerdings sehr stark besetzt. Nur wenige Spitzenfahrer:innen wie Pauline Grabosch fehlen. Die besondere physische Herausforderung liegt dabei neben der starken Konkurrenz in den kurzen Pausen zwischen hochintensiven Rennen.
"Wir fahren an einem Abend nur fünf Rennen, aber es hat sich auf Mallorca angefühlt wie fünf Finalläufe. Man muss in jedem Rennen voll fokussiert sein, denn wenn du einen Fehler machst, bist du raus und das hat dann gleich Auswirkungen auf den Stand in der Gesamtwertung", erklärte am Freitag der Niederländer Harrie Lavreysen, Spitzenreiter in der Sprint League der Männer.
Der amtierende Europa- und Weltmeister sowie Olympiasieger im Sprint hat in den vergangenen Wochen daher auch sein Training für die Champions League nochmal etwas umgestellt. "Ich habe weniger mit stehendem Start gemacht, weil die Rennen hier durch den 3-Mann-Sprint meist mit höherem Tempo beginnen – und vor allem habe ich auch im Training nicht mehr so lange Pausen gemacht", so Lavreysen.
Duelle zwischen Freunden und Freundinnen das Salz in der Suppe
Der Niederländer und Hinze haben neben ihren Champions League-Führungstrikots und ihren beeindruckenden Titelsammlungen bei Europa- und Weltmeisterschaften sowie Olympia-Gold aus Tokyo noch eines gemeinsam: Beide zählen gute Freunde zu ihren größten Kontrahent:innen in der Champions League. Lavreysen hat mit Jeffrey Hoogland und Hinze mit Lea Sophie Friedrich gemeinsam schon zahlreiche Gold-Medaillen im Teamsprint gewonnen, nun kämpfen sie gegeneinander um die Champions-League-Krone.
"Wir sind Freundinnen und gewinnen im Teamsprint zusammen. Danach müssen wir gegeneinander fahren. Das ist manchmal hart", gab Hinze am Freitag zu und Lavreysen ergänzte: "Wir waren bei Olympia ja sogar auf demselben Zimmer und es ist schon speziell. Aber wir sind da professionell, und ich denke für uns ist es normaler, als für die Leute da draußen."
2 gegen 1 als Vorteil? "Nein, jeder will gewinnen!"
Und vielleicht ist es ja sogar ein Vorteil, mit zwei deutschen Frauen unter den drei Titelanwärterinnen in der Sprint League gegenüber der kanadischen Olympiasiegerin Kelsey Mitchell? "Lea und ich sprechen nicht über Taktik, wenn wir im selben Lauf fahren. Ich weiß deshalb nicht, ob wir zusammenfahren würden, wenn wir im selben Lauf wären. Jeder will das Rennen gewinnen. Von daher würde ich erstmal sagen: 'Nein, kein Vorteil.'"
Am Samstagabend ab 18 Uhr deutscher Zeit wird sich in Panevézys zeigen, ob Hinze ihr Führungstrikot verteidigen kann. Auf dem Programm stehen innerhalb von drei Stunden ganze 30 Läufe und acht Entscheidungen um Champions-League-Punkte – ein Abend, vollgepackt mit heißer Rennaction. Der Schnee sollte rund ums Velodrom von Panevézys also erstmal nicht zurückkommen.
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