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30.01.2016 | (rsn) - Platz fünf - soweit vorne stand Österreichs Nummer eins in der Radsport-News-Jahresrangliste noch nie. Doch auch wenn das auf eine erfolgreiche Saison hindeutet, betont Martina Ritter: "Es war ein schweres Jahr für mich." Kein Wunder, könnte man meinen, schließlich arbeitet die 33-Jährige 30 Stunden pro Woche in der Raiffeisenbank und fährt trotzdem auf internationalem Top-Niveau Radrennen. Doch Ritter sagt das eher im Bezug auf ihre Gesundheit.
Im Februar zog sie sich auf Gran Canaria eine Lebensmittelvergiftung zu, verlor drei Kilogramm, war zwei Wochen lang vollkommen außer Gefecht gesetzt und konnte auch danach lange nur leicht trainieren. "Deshalb waren die ersten Rennen besonders hart", erinnert sie sich an die Trofeo Binda, die Flandern-Rundfahrt und den Fleche Wallonne. Bis Ende April war Ritters bestes Resultat ein 45. Platz bei der Ronde van Gelderland, einem .2-Rennen in der Niederlande. Danach wurde es allmählich besser, doch über die gesamte Saison hinweg schleppte die Österreicherin das Thema noch mit sich herum. "Ich hatte immer wieder mit einer Dickdarmentzündung und stressbedingter Magenschleimhautentzüdung zu kämpfen", erzählt sie.
Trotzdem gelang im Juni bei den European Games in Baku das erste Highlight: Platz fünf im Einzelzeitfahren. "Das war mein bestes Zeitfahren, das ich je absolviert habe. Ich hatte das Gefühl zu fliegen", so Ritter im Rückblick auf ein Rennen, in dem sie nach 25,8 Kilometern nur 18 Sekunden von Annemiek Van Vleutens Bronze-Medaille trennten, und in dem sie sowohl Ann-Sophie Duyck aus Belgien als auch Alena Amialiusik aus Weißrussland schlug, die drei Monate später bei der WM in Richmond beide in die Top 10 fuhren, als Ritter nur 29. wurde.
"Mir geht zum Saisonende immer die Kraft aus. Deshalb werde ich dieses Jahr später ins Jahr starten", hat sich Ritter für 2016 vorgenommen. Wie die letzten beiden so wird sie auch diese Saison wieder für die slowenische Mannschaft BTC City Ljubljana in die Pedale treten. Zwar habe es andere Angebote gegeben, die auch interessant gewesen seien, weil Ritter gerne von erfahrenen und erfolgreichen Teamkolleginnen lernen würde, doch "ein neues Team bringt immer auch ein Risiko mit sich, und das wollte ich in einer so wichtigen Saison wie heuer nicht eingehen".
Immerhin geht es auch für die Österreicherin 2016 nämlich um die Olympischen Spiele, wo sie zwar sicher nicht unbedingt zum Favoritenkreis gehört, auf Grund des bergigen Kurses sicher aber schon eine gute Platzierung ausrechnet. Weitere Saisonziele lauten im neuen Jahr Straßen-EM in Nizza im September und WM in Katar im Oktober - wobei in Katar das Zeitfahrrad wieder mehr in den Fokus rücken soll.
"2015 habe ich im Zeitfahren, mit Ausnahme der European Games, meine schlechtesten Leistungen gebracht. Der Prolog bei den Auensteiner Radsporttagen war eine Katastrophe, ebenso das Zeitfahren in Ljubljana, das Zeitfahren bei der Tour de Feminin war nicht gut und das bei der Thüringen-Rundfahrt auch nicht das Gelbe vom Ei", gibt sich Ritter selbstkritisch. "Ich habe mein Zeitfahrrad vom Vorjahr ohne irgendwelche Anpassungen einfach hergenommen und bin damit die Rennen gefahren, ohne darauf zu trainieren. Es ist nicht meine Lieblingsdisziplin."
Viel mehr mag sie hügelige bis bergige Straßenrennen - am besten Rundfahrten. Das zeigte Ritter 2015 durch Rang fünf bei der Tour de Feminin in Tschechien sowie Platz acht bei der Thüringen-Rundfahrt, bevor zwei Stürze sie in Frankreich im Hochsommer bei La Course by Le Tour und der Route de France stoppten. "Bessere Gesamtplatzierungen habe ich mir durch schlechte Zeitfahren vermasselt", meint sie. Gut möglich, dass etwas Training mit Blick auf die Zeitfahr-WM von Katar ihr auch bei anderen Rennen 2016 helfen wird.
Neben einem späteren Saisoneinstieg will sie außerdem ihr Rennprogramm kürzen: "Es waren in Summe, neben meiner Arbeit, zu viele Rennen." Mit mehr Regenerationspausen hätten wohl auch die gesundheitlichen Probleme Ritter nicht so lange verfolgt. Deshalb nahm sie nach Saisonende betont lange Tempo heraus, um sich richtig zu erholen. Jetzt aber ist Ritter bereit für den Angriff auf 2016 und hofft, dass im neuen Jahr auch ihr Team noch stärker zusammenwächst. "Der Teamspirit fehlt uns leider noch."
Hier punktete Ritter 2015:
12. Gesamt, Gracia Orlova (2 Punkte)
6. Gesamt, Auensteiner Radsporttage (7 Punkte)
10. Ljubljana ITT (3 Punkte)
8. GP Gippingen (5 Punkte)
5. Zeitfahren European Games (4 Punkte)
1. Schweizer Meisterschaft EZF (8 Punkte)
1. Schweizer Meisterschaft Straße (8 Punkte)
2. Etappe 1, Tour de Feminin (4 Punkte)
6. Etappe 3, Tour de Feminin (1 Punkt)
5. Gesamt, Tour de Feminin (8 Punkte)
5. Punktewertung, Tour de Feminin (0,5 Punkte)
4. Etappe 5, Thüringen Rundfahrt (4 Punkte)
8. Gesamt, Thüringen Rundfahrt (10 Punkte)
4. Bergwertung, Thüringen Rundfahrt (2 Punkte)
5. Chrono Champenois (17 Punkte)
12. Chrono des Nations (4 Punkte)
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