RSN-Jahresrangliste 2015, Platz 5: Martina Ritter

Ein Jahr zwischen Magenproblemen und sportlichem Erfolg

Von Felix Mattis

Foto zu dem Text "Ein Jahr zwischen Magenproblemen und sportlichem Erfolg"
Martina Ritter | Foto: Cor Vos

30.01.2016  |  (rsn) - Platz fünf - soweit vorne stand Österreichs Nummer eins in der Radsport-News-Jahresrangliste noch nie. Doch auch wenn das auf eine erfolgreiche Saison hindeutet, betont Martina Ritter: "Es war ein schweres Jahr für mich." Kein Wunder, könnte man meinen, schließlich arbeitet die 33-Jährige 30 Stunden pro Woche in der Raiffeisenbank und fährt trotzdem auf internationalem Top-Niveau Radrennen. Doch Ritter sagt das eher im Bezug auf ihre Gesundheit.

Im Februar zog sie sich auf Gran Canaria eine Lebensmittelvergiftung zu, verlor drei Kilogramm, war zwei Wochen lang vollkommen außer Gefecht gesetzt und konnte auch danach lange nur leicht trainieren. "Deshalb waren die ersten Rennen besonders hart", erinnert sie sich an die Trofeo Binda, die Flandern-Rundfahrt und den Fleche Wallonne. Bis Ende April war Ritters bestes Resultat ein 45. Platz bei der Ronde van Gelderland, einem .2-Rennen in der Niederlande. Danach wurde es allmählich besser, doch über die gesamte Saison hinweg schleppte die Österreicherin das Thema noch mit sich herum. "Ich hatte immer wieder mit einer Dickdarmentzündung und stressbedingter Magenschleimhautentzüdung zu kämpfen", erzählt sie.

Trotzdem gelang im Juni bei den European Games in Baku das erste Highlight: Platz fünf im Einzelzeitfahren. "Das war mein bestes Zeitfahren, das ich je absolviert habe. Ich hatte das Gefühl zu fliegen", so Ritter im Rückblick auf ein Rennen, in dem sie nach 25,8 Kilometern nur 18 Sekunden von Annemiek Van Vleutens Bronze-Medaille trennten, und in dem sie sowohl Ann-Sophie Duyck aus Belgien als auch Alena Amialiusik aus Weißrussland schlug, die drei Monate später bei der WM in Richmond beide in die Top 10 fuhren, als Ritter nur 29. wurde.

"Mir geht zum Saisonende immer die Kraft aus. Deshalb werde ich dieses Jahr später ins Jahr starten", hat sich Ritter für 2016 vorgenommen. Wie die letzten beiden so wird sie auch diese Saison wieder für die slowenische Mannschaft BTC City Ljubljana in die Pedale treten. Zwar habe es andere Angebote gegeben, die auch interessant gewesen seien, weil Ritter gerne von erfahrenen und erfolgreichen Teamkolleginnen lernen würde, doch "ein neues Team bringt immer auch ein Risiko mit sich, und das wollte ich in einer so wichtigen Saison wie heuer nicht eingehen".

Immerhin geht es auch für die Österreicherin 2016 nämlich um die Olympischen Spiele, wo sie zwar sicher nicht unbedingt zum Favoritenkreis gehört, auf Grund des bergigen Kurses sicher aber schon eine gute Platzierung ausrechnet. Weitere Saisonziele lauten im neuen Jahr Straßen-EM in Nizza im September und WM in Katar im Oktober - wobei in Katar das Zeitfahrrad wieder mehr in den Fokus rücken soll.

"2015 habe ich im Zeitfahren, mit Ausnahme der European Games, meine schlechtesten Leistungen gebracht. Der Prolog bei den Auensteiner Radsporttagen war eine Katastrophe, ebenso das Zeitfahren in Ljubljana, das Zeitfahren bei der Tour de Feminin war nicht gut und das bei der Thüringen-Rundfahrt auch nicht das Gelbe vom Ei", gibt sich Ritter selbstkritisch. "Ich habe mein Zeitfahrrad vom Vorjahr ohne irgendwelche Anpassungen einfach hergenommen und bin damit die Rennen gefahren, ohne darauf zu trainieren. Es ist nicht meine Lieblingsdisziplin."

Viel mehr mag sie hügelige bis bergige Straßenrennen - am besten Rundfahrten. Das zeigte Ritter 2015 durch Rang fünf bei der Tour de Feminin in Tschechien sowie Platz acht bei der Thüringen-Rundfahrt, bevor zwei Stürze sie in Frankreich im Hochsommer bei La Course by Le Tour und der Route de France stoppten. "Bessere Gesamtplatzierungen habe ich mir durch schlechte Zeitfahren vermasselt", meint sie. Gut möglich, dass etwas Training mit Blick auf die Zeitfahr-WM von Katar ihr auch bei anderen Rennen 2016 helfen wird.

Neben einem späteren Saisoneinstieg will sie außerdem ihr Rennprogramm kürzen: "Es waren in Summe, neben meiner Arbeit, zu viele Rennen." Mit mehr Regenerationspausen hätten wohl auch die gesundheitlichen Probleme Ritter nicht so lange verfolgt. Deshalb nahm sie nach Saisonende betont lange Tempo heraus, um sich richtig zu erholen. Jetzt aber ist Ritter bereit für den Angriff auf 2016 und hofft, dass im neuen Jahr auch ihr Team noch stärker zusammenwächst. "Der Teamspirit fehlt uns leider noch."

Hier punktete Ritter 2015:
12. Gesamt, Gracia Orlova (2 Punkte)
6. Gesamt, Auensteiner Radsporttage (7 Punkte)
10. Ljubljana ITT (3 Punkte)
8. GP Gippingen (5 Punkte)
5. Zeitfahren European Games (4 Punkte)
1. Schweizer Meisterschaft EZF (8 Punkte)
1. Schweizer Meisterschaft Straße (8 Punkte)
2. Etappe 1, Tour de Feminin (4 Punkte)
6. Etappe 3, Tour de Feminin (1 Punkt)
5. Gesamt, Tour de Feminin (8 Punkte)
5. Punktewertung, Tour de Feminin (0,5 Punkte)
4. Etappe 5, Thüringen Rundfahrt (4 Punkte)
8. Gesamt, Thüringen Rundfahrt (10 Punkte)
4. Bergwertung, Thüringen Rundfahrt (2 Punkte)
5. Chrono Champenois (17 Punkte)
12. Chrono des Nations (4 Punkte)

Weiteres Foto - mit Klick vergrößernWeiteres Foto - mit Klick vergrößernWeiteres Foto - mit Klick vergrößernWeiteres Foto - mit Klick vergrößernWeiteres Foto - mit Klick vergrößern

Mehr Informationen zu diesem Thema

01.02.2016Der nächste Schritt: Rundfahrtsiege statt Regenbogentrikot

(rsn) - Das Regenbogentrikot verloren, aber trotzdem einen großen Schritt nach vorne gemacht: So könnte man Lisa Brennauers Jahr 2015 wohl in einem Satz zusammenfassen. Doch für die Allgäuerin bed

01.02.2016Kapitänsrollen geerbt und sofort voll ausgefüllt

(rsn) - Als Christine Majerus am 17. Juni in Aldeburgh mit ihren Teamkolleginnen auf dem Podium stand und die Zeremonien über sich ergehen ließ, war ihr alles andere als zum Jubeln zumute. Die Luxem

31.01.2016Als Helferin Gold wert und trotzdem so erfolgreich wie lange nicht

(rsn) - Mit nach oben gestreckten Armen und den Blick gen Himmel gerichtet kniet Trixi Worrack auf der East Broad Street in Richmond, Virginia. Die zu diesem Zeitpunkt gerade noch 33-Jährige genießt

30.01.2016Nach schwierigem Jahr jetzt die Olympia-Medaille im Visier

(rsn) - Am 29. März hätte auf einen Schlag sehr viel vorbei sein können. Als Claudia Lichtenberg beim Frühjahrsklassiker Gent-Wevelgem im Sturm von einer Böe erwischt und von der Straße geworfen

29.01.2016Der Konkurrenz als Gast das Fürchten gelehrt

(rsn) - Mountainbikerinnen, die auch auf der Straße Erfolg haben, sind keine  Seltenheit. Und im Jahr 2015 reiste die Französin Pauline Ferrand-Prevot sogar für einen Monat als Weltmeisterin in be

29.01.2016Titelgewinne im Reifeprozess

(rsn) - Mit großen Augen steht Mieke Kröger in der Mathildenstraße in Einhausen vor dem Radgeschäft von Algis Oleknavicius, dem Veranstalter der Deutschen Straßenmeisterschaften 2015. Gerade ist

17.01.2016Im April platzte der Knoten endlich

(rsn) - Nach einem für sie selbst enttäuschenden ersten Jahr im Elite-Peloton gelang Anna Knauer 2015 der wichtige nächste Schritt: Die 20-Jährige bekam von ihrem Team Rabobank-Liv erstmals das Ve

16.01.2016Erneuter Teamwechsel nach "brutal hartem Lehrjahr"

(rsn) - Krankheit, Verletzungen, Probleme im Team und beim Verband: Für Doris Schweizer war das Jahr 2015 eines zum Vergessen. "Alles in allem würde ich es als ein brutal hartes Lehrjahr verbuchen",

15.01.2016Eine Saison zwischen Straßen-Rückschlägen und Bahn-Medaillen

(rsn) - Mit einem Titelgewinn endete für Charlotte Becker kurz vor Weihnachten ein sehr langes Radsport-Jahr: Am 18. Dezember entschied sie in Frankfurt an der Oder die Deutschen Meisterschaften im S

14.01.2016Triumph auf der Bahn, Weiterentwicklung auf der Straße

(rsn) - Weltmeisterin. Besser hätte das Jahr 2015 für Stephanie Pohl nicht beginnen können. Die Cottbuserin streifte vor den Toren von Paris am 18. Februar überglücklich das Regenbogentrikot übe

13.01.2016Das Tor zur WM blieb für die Altmeisterin zu

(rsn) - Nach einem völlig verkorksten Jahr 2014 mit einem krankheitsbedingten Rückschlag nach dem anderen, hat Hanka Kupfernagel in der Saison 2015 endlich wieder Straßensiege gefeiert. Die inzwisc

09.01.2016Auch ohne UCI-Team endlich auf dem Podium

(rsn) - Am 23. August war es endlich soweit: Daniela Gaß sprintete im französischen Culan am Ende der 2. Etappe der Trophée d´Or dem Zielstrich entgegen und sicherte sich hinter der Australierin K

Weitere Radsportnachrichten

11.03.2026Ayuso strahlt in Gelb: “Gibt Selbstvertrauen auch für Barcelona“

(rsn) – Den Sieg hat Lidl – Trek im 23,5 Kilometer langen Mannschaftszeitfahren auf der 3. Etappe von Paris-Nizza (2.UWT) zwar um 2,5 Sekunden verpasst, trotzdem aber gab es im Lager des deutschen

10.03.2026Ciccone: Positionierung kostete Anschluss an van der Poel und Co.

(rsn) – Nach dem fulminanten Auftakt mit einem dritten und einem fünften Platz durch Max Walscheid und Jonathan Milan im topfebenen Einzelzeitfahren von Lido di Camaiore auf der 1. Etappe, hat der

10.03.2026Radsport live im Stream und im TV: Die Rennen des Tages

(rsn) – Welche Radrennen finden heute statt? Wo und wann kann man sie live im Fernsehen oder Stream verfolgen? Und wo geht´s zum Live-Ticker? In unserer Tagesvorschau informieren wir über die wic

10.03.2026Perfekt auf Schotter: Pellizzari in bestechender Frühform

(rsn) – Nach einer soliden Vorstellung kam Primoz Roglic (Red Bull – Bora – hansgrohe) auf der 2. Etappe von Tirreno-Adriatico in der ersten Verfolgergruppe 17 Sekunden hinter Tagessieger Mathie

10.03.2026Highlight-Video der 2. Etappe von Tirreno-Adriatico

(rsn) – Der routinierte Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) hat bei Tirreno-Adriatico die beiden Youngster Gesamtführende Isaac Del Toro (UAE Emirates – XRG) und Giulio Pellizzari (Re

10.03.2026Ineos im Teamzeitfahren knapp vor Lidl - Trek, Ayuso in Gelb

(rsn) – Es war enger als erwartet, doch am Ende hatten die Favoriten die Nase vorn. Ineos Grenadiers hat das Mannschaftzeitfahren auf der 3. Etappe von Paris-Nizza für sich entschieden – es war d

10.03.2026Van der Poel schlägt im Bergaufsprint die junge Garde

(rsn) – Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) hat die 2. Etappe von Tirreno – Adriatico (2.UWT) gewonnen. Nach 206 Kilometern von Camaiore nach San Gimignano war er im Dreiersprint berga

10.03.2026ASO zum Paris-Nizza-Auftakt: “Keine negativen Reaktionen erhalten“

(rsn) – Nach der 1. Etappe von Paris-Nizza hatte Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) deutliche Kritik an der Strecke geäußert. “Ich fand die Route heute nicht besonders gut. Es war eines W

10.03.2026Van der Poel würde gerne zu Strade Bianche zurückkehren

(rsn) – Obwohl auch die diesjährige Strade Bianche mit ihren mehr als 3.500 Höhenmetern wieder extrem schwer und damit eine Angelegenheit für Kletterer wie den mittlerweile viermaligen Sieger Tad

10.03.2026“Doppelagentin” Klöser: “Sehe mich als eine der Top-Fahrerinnen“

(rsn) - Die Deutsche Gravelmeisterin Rosa Maria Klöser (Canyon - SRAM - zondacrypto) bezeichnet sich immer noch als Newcomerin im Radsport. Und das trotz prestigeträchtiger Erfolge wie dem Gewinn d

10.03.2026Fernduell zwischen Decathlon und UAE um Jungstar Seixas

(rsn) - Paul Seixas hat nach nicht erst seit seinem sensationellen Saisonstart offenbar das Interesse des weltbesten Teams geweckt. Wie Wielerflits berichtet, arbeite UAE – Emirates – XRG “hinte

10.03.2026Pedersen zu Mailand-Sanremo Start: “Wird schwierig“

(rsn) – Mehr als einen Monat nach seinem Sturz zum Auftakt der Valencia-Rundfahrt (2.Pro) ist fraglich, ob Mads Pedersen (Lidl – Trek) rechtzeitig bei Mailand-Sanremo (21. März) am Start stehen w