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11.02.2026 | (rsn) - Patryk Goszczurny: um diesen Nachnamen auswendig aus den Fingern zu bekommen, braucht es einige Übung. Um ihn als Westeuropäer auszusprechen, braucht man Fantasie. Oder einen guten Lehrer: “Patrik Goss-tschurrni“, erklärte Robert Wagner nach dem Auftakt zur Tour of Oman (2.Pro) RSN bereits. Da war der Devo-Fahrer von Visma – Lease a Bike einer der drei Ausreißer des Tages und sicherte sich das Weiße, das Grüne und das Goldene Trikot.
Bei der folgenden Podiumszeremonie machte der 19-jährige Pole einen ruhigen, abgeklärten Eindruck. Er beeindruckte durch sehr gutes Englisch und hatte keine Scheu vor den WorldTour-Profis, die ebenfalls geehrt wurden, und den Journalisten. Außerdem fiel Goszczurny durch sonnenverbrannte Ohren auf. Spätestens da bekamen auch gestandene Männer Elterngefühle für den Youngster, der im Oman mit den Visma-Profis startete. ___STEADY_PAYWALL___
So probierte RSN herauszufinden, welche Person sich hinter dem jungen Mann mit dem Babyface und der sympathischen Ausstrahlung verbirgt. “Völlig bodenständig!“, fasste Wagner am Start des letzten Teilstücks der Rundfahrt zusammen. “Er ist ein ganz Ruhiger. Er ist natürlich auch superjung und hat die Zukunft auf jeden Fall vor sich“, urteilte Wagners Kollege Grischa Niermann gegenüber RSN.
Zum Auftakt der 15. Tour of Oman war Patryk Goszczurny (Visma – Lease a Bike) einer von drei Ausreißern und sicherte sich dabei nicht weniger als drei Wertungstrikots | Foto: Cor Vos
Doch was sagt Goszczurny selbst über Goszczurny? “Ich bin Patryk, 19 Jahre alt, ich komme aus Polen und fahre für das Visma- Lease a Bike Development Team“, klang es ein wenig wie bei einer Vorstellrunde auf einem Lehrerseminar. Doch der Teenager erklärte mit ruhiger Stimme und freundlichem, bescheidenen Blick, dass er aus einem kleinen Dorf in Zentralpolen komme, rund 150 Kilometer entfernt von Poznan. Eine Gegend, die nicht für ihren großen Reichtum bekannt ist.
Von und von dort haben ihn seine Beine bis ins Ausbildungsteam einer der größten Rennställe der Welt getragen. “Das war immer mein Traum. Als ich mit dem Radsport vor zehn Jahren begonnen hatte, hatte ich das nicht erwartet. Es war schon ein Traum. Und den lebe ich jetzt“, schwärmte Goszczurny und fügte an: “Gerade hier im Oman wird der Traum wirklich wahr. Nachdem er sich zum Auftakt drei Trikots gesichert hatte, musste er zwei zwar wieder abgeben, das Goldene des angriffslustigsten Fahrers aber verteidigte er bis zum Schluss.
Auf der 1., der 2. und der 4. Etappe gehörte er zur Gruppe des Tages. “Auf den kannst du dich verlassen. Wenn ich sage ‘ab Kilometer 0 sind wir dabei‘, dann ist er neun von zehn Mal dabei“, lobte Wagner seinen Schützling, der nur auf der 3. Etappe den Sprung verpasst hatte. “Man muss aber auch sehen: Wenn du nur noch zu viert bist, musst du auch ein bisschen Glück haben. Man kann nicht auf alles springen, das funktioniert einfach nicht“, so der Deutsche, dessen Mannschaft nach den krankheitsbedingten Ausfällen von Sepp Kuss und Axel Zingle sowie “DNFs“ nach Stürzen von Bart Lemmen und Owain Doull an Ende nur noch zu dritt im Rennen vertreten war.
Von seinen drei Wertungstrikots verteidigte der junge Pole das Goldene des Kämpferischsten Fahrers bis zum Schluss. | Foto: Kevin Kempf
Eigentlich wollte Visma auf den Flachetappen für Zingle fahren, der konnte wegen der im Oman-Feld um sich greifenden Bauchbeschwerden aber weder zur Muscat Classic (1.Pro) noch zur Oman-Rundfahrt antreten. So bekamen die anderen Fahrer mehr Freiheiten. “Die Chance hier hat sich ergeben, aber die hat er auch ergriffen. Er hat das Trikot gepackt und muss es heute natürlich noch zu Ende bringen“, meinte Wagner vor der Schlussetappe und Niermann schlug in die gleiche Kerbe: “Er hat hier einen super Eindruck gemacht und ich bin froh, dass wir ihn dabei haben, nach dem ganzen Pech, was wir hier hatten. So haben wir zumindest ein Trikot sicher, wenn er das Rennen beendet.“
Da auch GC-Kapitän Kuss ausfiel, brauchte Visma neue Ziele im Oman. Und die fand Goszczurny in Form von Wertungstrikots, von denen er das Goldene souverän eroberte. “Es sind meine ersten Pro-Rennen hier. Ich hatte nicht erwartet, dass dieses Rennen sich entwickelt. Es ist ein tolles Gefühl hier in einer so guten Form zu sein. Ich war wirklich überrascht, wie gut ich hier drauf bin. Ich meine, es ist erst Februar. Ich freue mich auf die heutige Etappe“, blickte er auf das Teilstück zum Green Mountain voraus.
Vor dem schwersten Berg der Rundfahrt musste sich der Pole nicht fürchten. “Er ist relativ allround. Ich denke, dass er alles ganz gut kann. Er hat keine wirkliche Spezialität, aber er ist relativ schnell und kann auch ganz gut berghoch und im Flachen fahren“, beschrieb Niermann seinen Fahrer. Der stimmte dem zu: “Ich bin ein Allrounder. Ich kann gut klettern und bin auch ganz ordentlich im Zeitfahren. Klassiker liegen mir auch – ich kann ein bisschen von allem. Ich weiß noch nicht, in welche Richtung ich mich entwickeln werde.“
Auch den schweren Schlusstag zum Green Mountain überstand Goszczurny unbeschadet. | Foto: Kevin Kempf
Eines wusste Goszczurny aber: “Ich will mich immer weiter verbessern. Ich habe für dieses Jahr keine großen Ziele. Ich will sehen, wie sich die Saison entwickelt, würde aber natürlich schon gern eine paar schöne Ergebnisse erzielen. Aber alles hängt von meiner Form, den Plänen des Teams und vielen anderen Faktoren ab“, analysierte er. Im Oman kamen Form, Pläne und die anderen Faktoren zusammen und Goszczurny schlug zu.
Für die nächste sich bietende Gelegenheit wird er vorbereitet sein, denn außer dem Rennrad gibt es im Leben des 19-Jährigen nicht viel. “Meistens konzentriere ich mich auf den Radsport. Für viele andere Hobbies habe ich keine Zeit. Ich höre noch ganz gern Musik – und dann buchstäblich alles“, gab er zu Protokoll. “Er ist auch sehr pflichtbewusst“, erkannte auch Wagner. “Er ist wirklich ein fantastischer, bodenständiger Typ.“
Kein Zweifel: Alle lieben Goszczurny. “Goss-tschurrni“, wie er selbst bestätigte.
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