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Kuss ist im Oman ein Leader “wider Willen“

Von Kevin Kempf aus Maskat

Foto zu dem Text "Kuss ist im Oman ein Leader “wider Willen“"
Sepp Kuss ist bei Visma - Lease a Bike der Kapitän für die Tour of Oman. | Foto: Kevin Kempf

06.02.2026  |  (rsn) – Wenn am Samstag die 15. Tour of Oman (2.Pro) beginnt, gehört Sepp Kuss (Visma – Lease a Bike) zumindest auf dem Papier zu den Favoriten. Im Duell der Adjutanten der beiden besten Rundfahrer der Welt nimmt er es gegen Adam Yates (UAE – Emirates – XRG) auf. Der US-Amerikaner mit slowenischen und deutschen Vorfahren hat bei seinen bisher zwei Auftritten auf der arabischen Halbinsel bei der UAE Tour (2.UWT) überzeugen können und hat sich auch für die kommenden fünf Tage etwas vorgenommen.

Beim Pressetermin am Donnerstag war Kuss bei den angereisten Journalisten einer der begehrtesten Gesprächspartner. In flüssigem Spanisch und Englisch lieferte er seine Antworten ab. Von RSN auf seine deutsche Großmutter angesprochen, musste Kuss aber eingestehen, dass er die deutsche Sprache nicht mehr beherrsche. “Als ich jung war, habe ich es in der Schule ein wenig gelernt. Wir hatten Deutsch, Französisch und Spanisch als Fremdsprachen", sagte er.

Yates‘ Karriereende ändert wenig für Kuss

So wollte RSN auf Englisch wissen, welche Folgen das plötzliche Karriereende von Simon Yates für Kuss habe. “Meine Rolle wird sich kaum verändern. Und mein Rennkalender ebenfalls nicht. Der ist sowieso ziemlich einfach. Das einzige Rennen, das Simon und ich zusammen gefahren wären, wäre die Tour gewesen“, antwortete der 31-Jährige.

Doch gerade beim größten Rennen der Welt dürfte das Fehlen des Giro-Siegers 2025 schwerwiegende Folgen für die Teamtaktik haben. Kuss erläuterte, warum das an seiner Position trotzdem nichts ändern würde: “Simon wäre da eher als zweiter Leader gewesen. Ohne den ändert sich die Strategie natürlich schon. Für das Team bleibt aber alles ähnlich.“

Go with the flow

Dass er in der Rolle des zweiten oder gar dritten Leaders glänzen kann, bewies Kuss nicht zuletzt durch seinen Gesamtsieg bei der Vuelta a Espana 2023. Dass er bei der Tour für sein Team doch plötzlich zum zweiten Eisen im Feuer  werden könne, schloss er deswegen nicht komplett aus. “Man weiß es letztendlich nie, aber ich würde das nie vom Start weg als Ambition ausgeben.“

Insgesamt scheint es so, als würde Kuss seine besten Leistungen bringen, wenn er nicht die teaminterne 1 auf dem Rücken trägt. “Ja, das kann so sein. Meine besten Ergebnisse habe ich eingefahren, wenn ich im Schatten eines anderen Fahrers stand. Das ist okay für mich, das funktioniert für mich ganz gut.“

Während andere Fahrer danach streben, in der Hierarchie ganz oben anzukommen, gibt sich Kuss mit der zweiten Geige zufrieden. “So bin ich als Mensch. Ich lasse die Dinge geschehen, wie sie geschehen. Ich will nichts erzwingen, wie man es als Kapitän tun muss. Ich ergreife Möglichkeiten, wenn sie sich bieten. Das liegt mir besser, als sie schon im Voraus zu suchen“, analysierte er.

Leader wider Willen

Trotzdem wird er im Oman der Mann sein, für den sein Team arbeitet. Aber auch darüber äußerte er sich vorsichtig. “Wir haben hier auch andere gute Kletterer und in solchen Rennen ist die Team-Strategie nicht allzu kompliziert“, meinte er. Damit spielte er auf die Profile der beiden Bergankünfte an. 

Der Weg zum finalen Anstieg ist weitestgehend flach, dann kommt es wahrscheinlich zum Kampf zwischen den besten Kletterern. “Man muss bergauf einfach gute Beine haben. Es ist ein ziemlich offenes Rennen für alle Beteiligten“, so Kuss.

Ein Nachteil für Visma ist, dass die Equipe nur zu fünft in die fünftägige Rundfahrt gehen wird. “Axel (Zingle) fühlt sich nicht gut und Owain (Doull) hatte einen Crash im Hotel. Wir werden ohne sie auskommen müssen und sehen, wie sich die Dinge in den nächsten Tagen entwickeln“, blieb Kuss seiner Philosophie treu, die Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind.

Kuss' Beine "sehen sehr gut aus“

Und letztendlich werden die meisten Teams auf den schweren Etappen eine ähnliche “nicht allzu komplizierte“ Strategie fahren und sich damit gegenseitig unterstützen. Sie werden den jeweiligen Kapitän unbeschadet und in Reichweite des Etappensieges zum letzten Anstieg bringen – und dann entscheiden die Beine. “Die sind gut. Ungefähr so wie in den letzten Jahren zu dieser Zeit. Mein Winter war großartig“, versicherte Kuss, als Valentin Paret-Peintre (Soudal – Quick-Step) vom Interview am Nachbartisch aufstand.

Der Sieger der letztjährigen Etappe zum Green Mountain musterte die Beine seines Kontrahenten und bestätigte: “Ja, die sehen sehr gut aus.“ “Nicht so gut wie deine“, antwortete Kuss lachend. “Ich konnte durchgängig trainieren. Mehr kann man nicht verlangen“, fügte er an.

Mit Paret-Peintre hatte sich ein weiterer Favorit auf den Rundfahrtsieg kurz ins Gespräch eingeschaltet. Der Franzose zeigte sich letztes Jahr im Oman in ausgezeichneter Verfassung, doch auch Kuss hat bei seinen beiden Auftritten auf der arabischen Halbinsel überzeugt. 

“Die Anstiege sind hier meistens etwas steiler, was mir gut liegt. In dieser Phase der Saison, wenn ich noch nicht viel Rennrhythmus aufgebaut habe, passen mir flache Etappen mit nur einem Anstieg gut“, erläuterte der Visma-Kletterer. “Richtig harte Rennen sind schwer für mich, wenn ich noch wenige Rennkilometer in den Beinen habe.“

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