Eine Woche im Oman mit Lennart Jasch

“Welpenschutz“ und “gleichwertige Aufgaben“

Von Kevin Kempf aus Maskat

Foto zu dem Text "“Welpenschutz“ und “gleichwertige Aufgaben“"
Der ehemalige Eisschnellläufer Lennart Jasch bei 26 Grad unter Palmen | Foto: Kevin Kempf

05.02.2026  |  (rsn) – Nachdem er auf Mallorca als Gastfahrer sein Debüt für Tudor gegeben hat, ist Lennart Jasch auch im Oman schon wieder für die Profimannschaft im Einsatz. Am Freitag startet der Deutsche bei der Muscat Classic (1.Pro), ab Samstag nimmt er an der fünftägigen Tour of Oman (2.Pro) teil. RSN begleitet den 25-Jährigen an den sechs Renntagen auf der Arabischen Halbinsel.

Bei der Muscat Classic war es vor einem Jahr Tudor-Fahrer Rick Pluimers, der rund 10 Kilometer östlich der Hauptstadt die Arme in die Luft strecken konnte. Dementsprechend klar war die Ansage von Jasch. “Wir haben den Titelverteidiger dabei, dann ist das Ziel relativ klar: den Sieg verteidigen.“ Die Route ist bei der vierten Ausgabe fast identisch mit der vom Vorjahr, die sechs zusätzlichen Kilometer liegen weit vor dem Finale. Insgesamt sechs Hügel müssen überwunden werden – und damit ist das Rennen eigentlich etwas zu leicht für den Geschmack von Jasch.

“Es kommt darauf an, wie das Rennen wird. Wir hatten auch noch kein Teammeeting, das kommt in einer Stunde“, erklärte der Bayer kurz nach 17:30 Uhr am Vorabend der Muscat Classic. Das Profil hatte er sich trotzdem schon angesehen. “In der Mitte ist ein längerer Berg, da müssen wir schauen, dass da keine großen, gefährlichen Gruppen ohne Rick gehen. Ansonsten müssen wir gucken, dass Rick zum Sprinten kommt und nicht irgendwas vorher passiert“, lautete seine Einschätzung der Teamtaktik.

Zu Gast bei Freunden

Letzte Saison trat Jasch noch für die Rookies von Red Bull – Bora – hansgrohe in die Pedale. Dabei holte er einige ausgezeichnete Resultate und durfte auch fünfmal als Gastfahrer ran. Für einen Profivertrag in der WorldTour reichte es aber nicht. Er wechselte zu Tudor, wo er allerdings ebenfalls im Development Team eingeteilt wurde. Dass er seinen Saisonstart auf Mallorca und nun sechs Renntage in Oman im Profiteam absolvieren darf, beweist aber, dass er ganz nah dran ist. “Letzten Endes war es bei Bora auch so: Auf dem Papier ist man erstmal ‘nur‘ Gast- oder Nachwuchsfahrer, aber man ist genau so ein Teil vom Team“, urteilte Jasch.

“Vielleicht hat man manchmal noch etwas Welpenschutz, wenn man mal was Dummes macht. Aber niemand schaut auf einen runter und man bekommt gleichwertige Aufgaben. Es ist nicht so, dass man den ganzen Tag nur Flaschen holen muss“, erklärte er. Und so verwundert es nicht, dass Jasch mit Blick auf die Tour of Oman, wo es einige Etappen mit schweren Profil gibt, auch vor Träumen nicht zurückschreckt: “Träumen kann man immer, oder nicht? Im Radsport kann immer viel passieren“, gab er zu Protokoll.

Das heißt aber nicht, dass Jasch auf eine Kapitänsrolle oder ein eigenes Ergebnis hofft, die teaminterne Nummer 1 auf dem Rücken trägt im Oman Will Barta. “Will ist unser Leader und er hat auf jeden Fall meinen vollen Support. Aber es kann sich immer alles ergeben. Durch Glück oder Zufälle kann sich immer eine Chance bieten. Von vorneherein mit dieser Einstellung gehe ich aber nicht ins Rennen“, erläuterte er.

An der Form soll es auf jeden Fall nicht scheitern, denn auf der Baleareninsel lief es für den Kletterer schon nach Wunsch. “Die Beine sind gut. Am Samstag war das letzte Rennen auf Mallorca. Da habe ich mich gut gefühlt und da sind wir mit Mathys Rondel Zweite geworden. Wenn die Beine ähnlich sind, bin ich zufrieden“, blickte er zurück. Selbst kam er bei der Trofeo Andratx – Pollenca (1.1) in der um Platz zehn kämpfenden 25-köpfigen Gruppe auf Rang 32 ins Ziel.

Bei 30 Grad Gedanken ans Eis

Als ehemaliger Eisschnellläufer - Jasch wechselte erst 2024 von den Kufen aufs Rad – liegt die Vermutung nahe, dass ihm das hochsommerliche Wetter auf der arabischen Halbinsel nicht so gut in den Kram passt. Aber dem ist nicht so. “Hitze mag ich ganz gern, auch wenn das hier jetzt etwas Neues für mich ist: von fünf Grad zu Hause über 15 Grad in Spanien bis hin zu 25 oder 30 hier. Das ist schon noch mal ein Unterschied. Aber im Sommer bevorzuge ich Hitze gegenüber drei Grad und Regen“, meinte Jasch am zweiten Tag der Olympischen Winterspiele und einen vor deren offizieller Eröffnung.

Die sind für ihn auch nach seiner Karriere auf dem Eis noch wichtig. “Ich fliege tatsächlich von hier aus direkt nach Mailand, weil meine Schwester da läuft“, erzählte er. Gemeint ist Maira Jasch, der am Donnerstag, den 12. Februar, bei den 5000 Metern und vielleicht beim Team Pursuit am Dienstag, den 17. Februar, die Daumen gedrückt werden dürfen.

Als Leistungssportler und ehemaliger Kaderathlet beim DESG weiß Lennart Jasch, dass ein Mitwirken bei den Spielen etwas ganz Besonderes ist. “Die sind nur alle vier Jahre. Man hofft, dass sie es noch mal dorthin schafft, aber man weiß es nicht und deswegen lasse ich mir das nicht entgehen“, sagte er über die Teilnahme seiner Schwester. “Es sind ihre ersten Olympischen Spiele. Deswegen muss sie erst mal lernen und alles aufsaugen. Da sind wahrscheinlich alle extra angespannt. Damit muss man lernen umzugehen, das ist vielleicht das Wichtigste für sie. Mit 20 Jahren da zu sein, darauf kann man schon stolz sein“, fügte er an.

Weitere Radsportnachrichten

05.02.2026Kluge und Augenstein jubeln im Madison

(rsn) - Zum Abschluss der Bahn-Europameisterschaften im türkischen Konya hat der deutsche Radsportverband German Cycling über zwei weitere Medaillen jubeln können: Roger Kluge und Moritz Augenstein

05.02.2026Evenepoel im Zeitfahren auch auf dem Straßenrad der Schnellste

(rsn) – Es sind die Ausläufer des Sturmtiefs Leonardo, das in Marokko, Portugal und auch Teilen Spanien große Schäden angerichtet, welche nun auch die Valencia-Rundfahrt (2.Pro) beeinträchtigt h

05.02.2026Zeitfahr-Etappe ohne Wertung fürs Gesamtklassement

(rsn) - Wegen starker Winde am zweiten Tag der Valencia-Rundfahrt haben die Rennorganisatoren beschlossen, dass das Ergebnis nicht für die Gesamtwertung zählen wird. Es soll lediglich einen Tagessie

05.02.2026Tour-de-France-Start in Deutschland weit mehr als nur eine leise Hoffnung

(rsn) – Ganz so lange ist der letzte Grand Départ in Deutschland eigentlich noch gar nicht her. Und doch wirkt der Start der Tour de France in Düsseldorf, 2017 war das, wie aus einer anderen Epoch

05.02.2026Zingle ist krank, Doull stürzte in der Parkgarage

(rsn) – Visma – Lease a Bike muss schon vor dem Start der Muscat Classic (1.Pro) am Freitag und der Tour of Oman (2.Pro) am Samstag zwei Ausfälle hinnehmen. Axel Zingle konnte die Trainingsfahrt

05.02.2026Wiebes macht da weiter, wo sie aufgehört hat

(rsn) – Sie war die haushohe Favoritin und gewann in aller Deutlichkeit. Lorena Wiebes (SD Worx – Protime) hat erwartungsgemäß die tellerflache 1. Etappe der UAE Tour Women (2.WWT) für sich ent

05.02.2026Das Rose Shave FFX, Bastian Marks und der Renneinstieg

(rsn) - Im Großteil der 120-jährigen Geschichte von Rose Bikes stand der professionelle Radsport als Werbemaßnahme nicht an erster Stelle. Zwar sponserte man über die Jahre das ein oder andere Tea

05.02.2026Wyllie und Fisher-Black sind neuseeländische Zeitfahrmeister

(rsn) – Für Ella Wyllie (Liv – Jayco – AlUla) und Finn Fisher-Black (Red Bull – Bora – hansgrohe) hat sich die Verlängerung ihrer Australien-Kampagne gelohnt. Die beiden WorldTour-Profis s

05.02.2026Mit neuer Leitung, Evenepoel und PR-Stunts attraktivstes Team der Welt?

(rsn) – Es ist noch nicht allzu lange her, da sagte Ralph Denk, sein Team Bora – hansgrohe wolle einmal das beste Team der Welt werden. An dieser Zielsetzung hat man nun zusammen mit dem neuen Meh

05.02.2026Yates der Star beim Mittelteil der Orient-Trilogie

(rsn) – Nach der Saudi Tour (2.Pro) ist vor der Tour of Oman (2.Pro) ist vor der UAE Tour (2.UWT). Seit die inzwischen nicht mehr stattfindende Tour of Qatar 2002 ins Leben gerufen wurde, finden sic

04.02.2026Pedersen bricht sich bei Saisonauftakt Handgelenk und Schlüsselbein

(rsn) – Mads Pedersen muss seine Saison 2026 bereits nach seinem ersten Renntag unterbrechen. Wie das Team Lidl – Trek am Mittwochabend mitteilte, hat sich der Däne bei einem Sturz auf der 1. Eta

04.02.2026Richardson ringt Lavreysen im Duell der Sprint-Giganten nieder

(rsn) – Matthew Richardson hat bei der Bahnrad-Europameisterschaft im türkischen Konya das Duell der Sprint-Giganten gewonnen und sich in der Königsdisziplin der Kurzzeit-Athleten im Finale gegen