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27.09.2025 | (rsn) - Eine junge Frau aus Äthiopien schreibt Geschichte bei der ersten Rad-WM auf afrikanischem Boden: Tsige Kiros Kahsay wurde im Straßenrennen der Juniorinnen Siebte. Noch größer wird die Geschichte freilich, wenn man Kiros Kahsay (das ist ihr zweiter Nachname, wie RSN vom äthiopischen Team bestätigt wurde, kein Vorname) nach ihrer eigenen Einschätzung dieses bemerkenswerten Resultats fragt. “Ich habe eigentlich schon etwas mehr erwartet“, sagte sie, und präzisierte dann: “Ich habe die Goldmedaille im Auge gehabt.“
Derart forsche Erwartungen an sich selbst verblüffen zunächst. Aber die 18-Jährige ist keine, die solche Ziele völlig grundlos von sich fordert. Kiros nahm bereits an der Tour de l’Avenir Femmes in diesem Jahr teil, als Juniorin wohlgemerkt, und ließ dort einige Talente aus den Devo-Abteilungen der WorldTour-Rennställe hinter sich. Sie belegte Gesamtrang 22 und wurde auf der 3. Etappe, die die frisch gebackene U23-Weltmeisterin Celia Gery gewann, als Kämpferischste Fahrerin geehrt.
___STEADY_PAYWALL___ Zuvor hatte sie in Äthiopien die Tour Tigrai in ihrer Heimatprovinz mit vier Tagessiegen bei fünf Etappen sowie die Gesamtwertung gewonnen. “Sie kommt aus einer Bauernfamilie in Tigray“, erzählte Mebrat Haftu Berhe, Kommissärin in Kiros' Heimatregion, die auch die Übersetzung übernahm, gegenüber RSN. “Es gibt viele Fahrräder bei uns. So entstand bei mir eine Liebe zu diesem Sport.“
Im WM-Rennen der Juniorinnen war die Äthiopierin Tsige Kiros Kahsay (in Gelb-Grün-Rot) stets vorne zu sehen | Foto: Cor Vos
Sport spielt überhaupt in dieser Bergregion eine wichtige Rolle. Zahlreiche äthiopische Läuferinnen und Läufer kommen von hier, unter anderem der Doppelolympiasieger von 1980, Miruts Yifter, Cross-Weltmeisterin Werknesh Kidane (2003) oder 1500-Meter-Weltmeisterin Adeba Aregawi (2013). Auch Äthiopiens bekanntester Radsportler, Tsgabu Grmay, stammt aus der Region. Grmay war es dann auch, der den Kontakt zum World Cycling Center der UCI vermittelte.
Für das nahm sie auch an der Tour de l’Avenir teil. Ihr Heimteam in Äthiopien heißt aber Mesfin Engineering. Das Team gab ihr das erste eigene Rad. Vorher lieh Kiros sich immer mal wieder Zeiten auf Rädern. Es sei üblich, ein Rad für ein, zwei oder zehn Dollar für eine bestimmte Zeit zu mieten, sagte die Betreuerin zu RSN. Die Praxis ist in vielen afrikanischen Ländern verbreitet.
Inzwischen ist Kiros aber längst über die lokale und regionale Szene hinausgewachsen. Für das nächste Jahr versucht sie den Sprung nach Europa . “Ich rede mit europäischen Teams und hoffe, 2026 dort einen Vertrag zu bekommen“, sagte sie.Â
So, wie sie hier in Kigali fuhr, mehr aber noch aufgrund ihrer mentalen Entschlossenheit, dürfte man in Zukunft von ihr einiges hören. “Ich lerne bei jedem Rennen, versuche, mir so viel wie möglich abzuschauen. Die Athletinnen hier bei der WM hatten zum Teil viel mehr Erfahrung. Sie fahren die europäischen Rennen, haben viele Möglichkeiten im Wettkampf wie im Training“, erzählte Kiros. Und was sie sich abgeguckt habe, werde ihr helfen, im nächsten Jahr im Kampf um die Medaillen einzugreifen, betonte sie.
Am Ende hätte es fast noch zu einer Medaille gereicht. Mit drei Sekunden Rückstand auf die Weltmeisterin Paula Ostiz wurde Kiros Kahsay starke Siebte. | Foto: UCI
Viel fehlte auch in Kigali nicht, drei Sekunden nur auf die Medaillen. Kiros gehörte bei der letzten Überfahrt des Kopfsteinpflasteranstiegs in Kimihurura eine Zeitlang sogar zur führenden Gruppe, aus der die Medaillengewinnerinnen kamen. Sie hatte dann aber einen Schwächemoment, fiel zurück, fing sich allerdings wieder in der großen Gruppe der Verfolgerinnen und kam noch auf den zweiten Platz in dieser zweiten Gruppe.
Zuvor bereits hatte sie einige Attacken gesetzt, war nach einem Defekt auch wieder souverän nach vorn gefahren und gehörte an den Anstiegen jeweils zu den Stärksten. “Sie gewinnt wirklich auf vielen Terrains, in den Bergen, im Flachen und auch im Zeitfahren ist sie gut“, lobte Mentor Grmay schon während der Tour de l’Avenir.
Für die Zukunft hat Kiros Großes vor. “Ich freue mich sehr über diese Gelegenheit hier bei der WM in Kigali, dass wir Leute aus Afrika diese Chance hier haben. Aber im nächsten Jahr möchte ich gern die erste Goldmedaillengewinnerin für Afrika und für mein Land sein“, kündigte die WM-Siebte von Kigali selbstbewusst an.
Ihr ambitioniertes Ziel wird sie dann aber in der nächsthöheren Alterskategorie angehen müssen, denn Kiros wird 2026 zur U23 gehören. Und irgendwann in der Zukunft möchte sie auch bei der Tour de France Femmes für Furore sorgen, wie sie noch anfügte.
Große Ziele, viel Entschlossenheit. Tsige Kiros Kahsay ist definitiv eine der größten Entdeckungen dieser WM.
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