RSNplusDeutsches U23-Duo nach dem Zeitfahren

Fietzke zufrieden, Leidert weit hinter den eigenen Ambitionen

Von Sebastian Lindner mit Felix Mattis aus Kigali

Foto zu dem Text "Fietzke zufrieden, Leidert weit hinter den eigenen Ambitionen"
Louis Leidert beim U23-Zeitfahren in Kigali| Foto: Uli Hergesell-Bulian

22.09.2025  |  (rsn) – Wenn es Louis Leidert an einer Sache nicht mangelt, dann ist es Selbstbewusstsein. Der 20-Jährige hatte beim weltmeisterlichen U23-Zeitfahren in Kigali große Ziele. "Ich hatte mir auf jeden Fall mehr ausgerechnet. Ich war schon recht zuversichtlich, dass das mit den Top 5 klappt, an einem guten Tag vielleicht auch fürs Podium reicht", sagte Leidert in der Mixed-Zone nach dem Rennen und Platz 15. 2:39 Minuten hatte er auf den neuen Weltmeister Jakob Söderqvist, der wie Leidert im Team Lidl – Trek Future Racing fährt, verloren.

Aufs Podium war es eine gute Minute weniger, aber eben immer noch eine Menge Holz. Hinter Söderqvist war es recht eng, weshalb dann auch zum fünften Platz noch rund anderthalb Minuten fehlten. “Vom Gefühl her bin ich eigentlich das gefahren, was ich dachte. Es war eben nur nicht so schnell wie die anderen. Ich muss das jetzt erstmal in Ruhe auswerten und dann ziehe ich für mich ein Resümee“, so Leidert nach seinem Rennen.

Auch für den zweiten deutschen Starter, Paul Fietzke, lief es nicht besser. Zumindest nicht was das Ergebnis angeht. Er landete einen Platz hinter Leidert auf Rang 16, 18 Sekunden lagen zwischen den beiden. Die Gefühlslage war aber dennoch eine ganz andere. “Ich wusste nicht genau, wo ich stehe, weil ich mir vor zwei Wochen eine Knieverletzung zugezogen habe und eine Woche lang überhaupt nicht trainieren konnte. Ich bin jetzt erst an einem Punkt, an dem ich wieder schmerzfrei bin. Deswegen bin ich mit meiner Performance heute zufrieden", sagte er. ___STEADY_PAYWALL___

Denn einige Sekunden Rückstand, die Fietzke auf seinem Konto hat, rühren auch von technischen Problemen her. “Im steilsten Stück des Kopfsteinpflasteranstiegs ist mein Freilauf durchgedreht. Ich dachte, die Kette wäre runter, aber das war es nicht. Keine Ahnung, woran es lag. Ich musste jedenfalls das Rad wechseln und dann dort wieder von Null beschleunigen“, so der Brandenburger. “Es hat mich nicht den Sieg gekostet, von daher ist es nicht so schlimm.“

Leidert schaut auf die Mixed-Staffel, Fietzke aufs Straßenrennen

Kleinere Ambitionen als Leidert hegte Fietzke, der auch noch ein Jahr jünger ist als sein Teamkollege, in jedem Fall. Allerdings dürfte er seinem Teilzeit-Teamkollegen im Nationaldress auch gesagt haben, wie schwer es wird, vorne reinzufahren, auch ohne World- und ProTour-Fahrer, die vom U23-Wettbewerb ausgeschlossen sind.

Das hält Fietzke zum einen aufgrund der fehlenden Konsequenz (“Beim U23-Rennen von Paris-Roubaix oder dem Babygiro dürfen sie auch fahren“) und eben wegen des Alters (“Sie sind ja auch U23“) nicht unbedingt für sinnvoll. Drei der Top 5 fahren wie er bei den Red Bull – Bora – hansgrohe Rookies. Nate Pringle, Silbermedaillengewinner, sowie Lorenzo Finn, jüngster Starter im Feld auf Rang 4 und Callum Thornley, der Fünfte.

Groß werden die Ambitionen auch am Mittwoch, wenn die Mixed-Staffel auf dem Plan steht und einer der beiden bei der Elite aushelfen wird, weil Maximilian Schachmann krankheitsbedingt passen musste. Wenngleich öffentlich anders kommuniziert, stand intern aber schon vor dem U23-Einzelzeitfahren fest, dass Leidert den Job übernehmen wird. Fietzke wolle das Knie für das Straßenrennen schonen, daher war die Entscheidung schnell klar.

“Ich bin im Nachwuchs viel Vierer und Mannschaftszeitfahren gefahren“, sagte Leidert. Er kennt sich also aus. “Ab morgen liegt mein Fokus voll darauf. Dann will ich sehen, dass ich technisch sauber fahre. Rein leistungsmäßig kann ich schon mithalten, denke ich.“ Erneut strotzt der Südhesse nur noch vor Selbstvertrauen. Allerdings hatte auch Miguel Heidemann, der neben Jonas Rutsch zum Männerdreier gehört, im Vorfeld betont, dass er einen U23-Starter nicht als K.o.-Grund für die Medaillenhoffnungen betrachtet.

Fietzke hingegen ist mit den Gedanken eher schon beim Straßenrennen. “Bis Freitag will ich mich jetzt erholen und dann voll angreifen. Das Straßenrennen ist immer etwas ganz anderes. Klar muss man in Form sein, aber es geht auch viel über Auge, weil es seine eigenen Gesetzte hat.“

Mehr Informationen zu diesem Thema

18.11.2025Aserischer Nachwuchsfahrer positiv auf “Crystal Meth“

(rsn) – Der Radsportweltverband UCI hat Nachwuchsfahrer Artyom Proskuryakov vorläufig suspendiert. Grund ist nach Angaben der UCI eine positive Dopingprobe, die der 18-jährige Aserbaidschaner bei

12.11.2025Tour du Rwanda ab 2027 mit WorldTour-Status?

(rsn) – Der Radsportweltverband UCI hat trotz der Kritik an der WM-Vergabe an ein autokratisch regiertes Land die vergangene Straßen-Weltmeisterschaften sowohl aus sportlicher als auch aus organisa

30.09.2025Keine Medaille in Ruanda: German Cycling muss umdenken

(rsn) – Ohne eine einzige Medaille ist German Cycling von den Straßen-Weltmeisterschaften in Ruanda abgereist. Seit der Wiedervereinigung ist der deutsche Straßenradsport nur in einem einzigen Jah

29.09.2025Saison für Van Wilder nach Sturz im WM-Straßenrennen beendet

(rsn) – Er wird letztlich nicht entscheidend für die Vergabe von Gold und Silber gewesen sein, doch der Ausfall von Ilan Van Wilder als mutmaßlich wichtigstem Helfer von Remco Evenepoel war schon

29.09.2025Pogacars Rekordjagd geht weiter: “Durchhalten ist die einzige Option“

(rsn) – Es war eine schnelle Nummer. Das Rennen an sich einerseits. Knapp 270 Kilometer mit 5500 Höhenmetern. 6:21 Stunden benötigte Weltmeister Tadej Pogacar dafür. Trotz enormer Länge und Höh

29.09.2025Healy fuhr mit einem speziellen Rennanzug aufs WM-Podium

(rsn) – “Es ist ein besonderes Bild“, sagte Ben Healy. Da kam er gerade von der Siegerehrung am Convention Center von Kigali und war auf dem Weg zur Pressekonferenz. “Viele der Großen sind da

28.09.2025Ayuso bleibt am längsten Berg als einziger an Pogacar dran

(rsn) – Juan Ayuso hat es am Mont Kigali 104 Kilometer vor dem Ziel des WM-Straßenrennens als einziger Fahrer geschafft, direkt am Hinterrad von Tadej Pogacar zu bleiben und mit ihm die Abfahrt in

28.09.2025Skujins glänzt auch in Kigali: “Habe Gewichtsklasse 70+ gewonnen“

(rsn) – Toms Skujins hat bei den Weltmeisterschaften in Ruanda einmal mehr unter Beweis gestellt, dass er wohl einer der unterschätztesten Fahrer im gesamten Peloton ist. Der Lette wurde nach Platz

28.09.2025Sattel-Drama kostet Evenepoel die Chance aufs WM-Double

(rsn) – Remco Evenepoel war am Boden zerstört. Im Ziel des WM-Straßenrennens von Kigali setzte sich der Belgier an die Bande und blickte minutenlang schwer enttäuscht nach unten. Es dauerte, bis

28.09.2025Hirschi schon 90 Kilometer vor dem Ziel im “Überlebenskampf“

(rsn) – Für die Schweiz sind am Sonntag ziemlich erfolgreiche Weltmeisterschaften zu Ende gegangen. Vier Medaillen – ein Mal Gold, ein Mal Silber und zwei Mal Bronze – nehmen die Eidgenossen mi

28.09.2025Roglic: “Bin glücklich, dass ich das Rennen beendet habe“

(rsn) – Der alte und neue Weltmeister Tadej Pogacar aus Slowenien kann offensichtlich nicht anders, als die internationale Konkurrenz durch lange Solo-Ritte bei Welttitelkämpfen zu düpieren. Ähnl

28.09.2025Highlight-Video des WM-Straßenrennens der Männer

(rsn) – Tadej Pogacar hat seinen WM-Titel aus Zürich mit einem 67-Kilometer langen Solo in Kigali verteidigt. Der Slowene eröffnete 104 Kilometer vor dem Ziel am Mont Kigali das Finale und ließ d

Weitere Radsportnachrichten

11.03.2026Max Bock: Über Umweg durch Frankreich näher an den Profitraum

(rsn) – Aktuell lässt es Max Bock etwas ruhiger angehen. Das liegt weniger daran, dass der frischgebackene 21-Jährige am 10. März Geburtstag gefeiert hat, als dass noch ein wenig Restkrankheit au

11.03.2026Radsport live im Stream und im TV: Die Rennen des Tages

(rsn) – Welche Radrennen finden heute statt? Wo und wann kann man sie live im Fernsehen oder Stream verfolgen? Und wo geht´s zum Live-Ticker? In unserer Tagesvorschau informieren wir über die wic

11.03.2026Ayuso strahlt in Gelb: “Gibt Selbstvertrauen auch für Barcelona“

(rsn) – Den Sieg hat Lidl – Trek im 23,5 Kilometer langen Mannschaftszeitfahren auf der 3. Etappe von Paris-Nizza (2.UWT) zwar um 2,5 Sekunden verpasst, trotzdem aber gab es im Lager des deutschen

10.03.2026Ciccone: Positionierung kostete Anschluss an van der Poel und Co.

(rsn) – Nach dem fulminanten Auftakt mit einem dritten und einem fünften Platz durch Max Walscheid und Jonathan Milan im topfebenen Auftakt-Einzelzeitfahren von Lido di Camaiore hat der deutsche Wo

10.03.2026Highlight-Video der 3. Etappe von Paris-Nizza

(rsn) – Ineos Grenadiers hat das Mannschaftszeitfahren von Paris-Nizza (2.UWT) für sich entschieden. Das von Kevin Vauquelin angeführte britische Team benötigte für die 23,5 Kilometer der 3. Eta

10.03.2026Perfekt auf Schotter: Pellizzari in bestechender Frühform

(rsn) – Nach einer soliden Vorstellung kam Primoz Roglic (Red Bull – Bora – hansgrohe) auf der 2. Etappe von Tirreno-Adriatico in der ersten Verfolgergruppe 17 Sekunden hinter Tagessieger Mathie

10.03.2026Highlight-Video der 2. Etappe von Tirreno-Adriatico

(rsn) – Der routinierte Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) hat bei Tirreno-Adriatico die beiden Youngster Gesamtführende Isaac Del Toro (UAE Emirates – XRG) und Giulio Pellizzari (Re

10.03.2026Ineos im Teamzeitfahren knapp vor Lidl - Trek, Ayuso in Gelb

(rsn) – Es war enger als erwartet, doch am Ende hatten die Favoriten die Nase vorn. Ineos Grenadiers hat das Mannschaftzeitfahren auf der 3. Etappe von Paris-Nizza für sich entschieden – es war d

10.03.2026Van der Poel schlägt im Bergaufsprint die junge Garde

(rsn) – Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) hat die 2. Etappe von Tirreno – Adriatico (2.UWT) gewonnen. Nach 206 Kilometern von Camaiore nach San Gimignano war er im Dreiersprint berga

10.03.2026ASO zum Paris-Nizza-Auftakt: “Keine negativen Reaktionen erhalten“

(rsn) – Nach der 1. Etappe von Paris-Nizza hatte Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) deutliche Kritik an der Strecke geäußert. “Ich fand die Route heute nicht besonders gut. Es war eines W

10.03.2026Van der Poel würde gerne zu Strade Bianche zurückkehren

(rsn) – Obwohl auch die diesjährige Strade Bianche mit ihren mehr als 3.500 Höhenmetern wieder extrem schwer und damit eine Angelegenheit für Kletterer wie den mittlerweile viermaligen Sieger Tad

10.03.2026“Doppelagentin” Klöser: “Sehe mich als eine der Top-Fahrerinnen“

(rsn) - Die Deutsche Gravelmeisterin Rosa Maria Klöser (Canyon - SRAM - zondacrypto) bezeichnet sich immer noch als Newcomerin im Radsport. Und das trotz prestigeträchtiger Erfolge wie dem Gewinn d