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27.07.2024 | (rsn) – Unter der Woche klagte Remco Evenepoel noch über Müdigkeit und schlechte Straßen in Paris. Doch jetzt ist der Zeitfahr-Weltmeister auch Olympiasieger. Der 24 Jahre alte Belgier war im Dauerregen nach 32,4 Kilometern im Regen von Paris in der Zeit von 36:12 Minuten 15 Sekunden schneller als sein Dauerrivale auf dem Zeitfahrrad, Filippo Ganna. Der Italiener holte Silber und konnte so einen belgischen Doppelsieg verhindern, denn auf dem Bronzerang landete Wout Van Aert, nochmal zehn Sekunden hinter Ganna.
“Das ist etwas ganz Besonderes. Es ist wirklich einzigartig. Zuerst die Tour und dann das obendrauf“, strahlte Evenepoel im Gespräch mit Sporza. “Gestern Morgen habe ich mich zum ersten Mal wieder großartig gefühlt. Beim Training lief es gut, heute Morgen lief es gut. Heute Morgen hatte ich wirklich das Gefühl, dass ich gewinnen könnte", so der neue Olympiasieger.
"Ich bin sehr zufrieden, denn im Regen bin ich nicht besonders gut“, sagte der 28-jährige Ganna im Ziel. “Ich bin mit meiner Leistung heute zufrieden. Ich muss den Betreuern danken, denn sie haben mir seit Beginn der Saison geholfen, dieses Ergebnis zu erzielen. Ich muss mich auch bei meinem Trainer bedanken, denn er ist derjenige, der an mich glaubt. Der zweite Platz tut ein bisschen weh, aber heute Abend werden wir feiern.“
“Ich habe gespürt und an meinen Werten gesehen, dass es das erste Mal seit langer Zeit war, dass ich in einem Zeitfahren die Kraft hatte und weiter pushen konnte. Bis zu den letzten fünf Kilometern war ich im perfekten Rhythmus. Dann starb ich leise in Richtung Ziellinie. Es war gerade genug, um die Medaille zu holen. Ich bin super stolz. Es ist etwas Besonderes, die Spiele so zu beginnen“, sagte van Aert zu seinem dritten Platz.
Für Maximilian Schachmann als einzigem deutschen Starter reichte es zu Platz neun. Vor ihm platzierten sich unter anderem noch die beiden Schweizer Stefan Bissegger als Sechster und Stefan Küng als Achter. Der jüngster Starter im Feld, Joshua Tarling (Großbritannien), der zugleich einer der Favoriten auf Edelmetall war, verpasste dieses nur um zwei Sekunden. Ein Defekt am Vorderrad früh im Rennen noch vor der ersten Zwischenzeit, der einen Radwechsel notwendig machte, zerstörte die Träume des 20-jährigen Walisers.
Geträumt hatte auch Schachmann von mehr. Gehofft hatte er auf ein Top-8-Ergebnis, das er letztlich nur um drei Sekunden verfehlt hat. “Ich habe mich echt gut gefühlt, wenn meine Leistungsdaten nicht lügen, dann bin ich das beste Zeitfahren meines Lebens gefahren“, sagte der gebürtige Berliner im Ziel gegenüber RSN. “Trotzdem ein ganz schöner Abstand, ich bin mal gespannt, woran es am Ende gelegen hat. Das kann ich noch nicht sagen“, so seine Einschätzung kurz nach dem Rennen, in dem der Österreicher Felix Großschartner Rang 19 belegte.
Den Belgiern hingegen dürfte klar sein, warum sie so gut abschnitten. Im Vorfeld der Spiele arbeiteten sie intensiv am Material. Auf im Windkanal getesteten Anzügen, die auf mehreren lebensgroßen Puppen getestet wurden, wurde um jede Sekunde gefeilscht. Van Aert ging als einziger der 34 Starter – Ethan Hayter (Großbritannien) hatte kurzfristig abgesagt – mit Scheibenrädern hinten und vorne ins Rennen, was bei starkem Regen, aber kaum Wind weitere aerodynamische Vorteile brachte, die am Ende ausschlaggebend für Bronze gewesen sein können.
Zwei Medaillen in einem Olympischen Zeitfahren für ein Land gab es zuletzt 2012 in London, als Bradley Wiggins und Chris Froome ebenfalls Gold und Bronze bei ihren Heimspielen erringen konnten.
Amir Arslan Ansari aus dem Olympischen Flüchtlingsteam eröffnete den Wettbewerb der Männer. Knapp vor dem direkt nach ihm gestarteten Jan Tratnik (Slowenien) rettete der Iraner sich ins Ziel. Doch beide sollten im Endergebnis keine Rolle spielen. Alberto Bettiol (Italien) toppte die Zeit deutlich. Ryan Mullen (Irland) und dann nochmal Mathias Vacek konnten den Wert aber relativ zügig nochmal verbessern.
Die 37:55 Minuten des Tschechen blieben dann lange Zeit der Richtwert, erst Bissegger war um 17 Sekunden schneller. Magnus Sheffield (USA), der an der ersten Zwischenzeit noch Fünfter war, dann aber stürzte, konnte diese Zeit nicht mehr verbessern. Aber Van Aert konnte es – und wie. Eine Minute knöpfte er Bissegger ab.
Das Streckenprofil des Olympischen Zeitfahrens der Männer | Foto: Veranstalter
Diese Zeit sollten erst die letzten beiden Starter noch unterbieten. Tarling dagegen scheiterte nach seinem Defekt um zwei Sekunden daran. Ganna hingegen, der um ein Haar nach einer Bodenwelle gestürzt wäre, konnte sich aber auf dem Rad halten und Van Aert, der an der zweiten Zwischenzeit vor dem zweimaligen Weltmeister lag, seinerseits noch um zehn Sekunden distanzieren. Gegen den Top-Favoriten Evenepoel hingegen war kein Kraut gewachsen.
Dagegen erreichten zwei Fahrer das Ziel nicht. Für Luke Plapp (Australien), der nach der ersten Zwischenzeit als Vierter noch in Schlagdistanz zum Podium war, und den früheren U23-Weltmeister Sören Waerenskjold (Norwegen), der im Gegensatz dazu bereits mehr als fünf Minuten Rückstand aufwies, endete der Kampf gegen die Uhr jeweils vorzeitig.
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