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02.12.2022 | (rsn) – In seinem fünften Jahr beim Team Bike Aid bewies Lucas Carstensen trotz einiger gesundheitlicher Rückschläge, dass er zu den besten Sprintern auf Kontinental-Niveau gehört. Der Hamburger gewann in den vergangenen zwölf Monaten immerhin sechs Rennen und ist in der Jahresrangliste so weit oben zu finden wie kein anderer deutscher Kontinental-Fahrer.
"Das ist durchaus eine Auszeichnung. Mit sechs Etappensiegen bei 2.1-Rundfahrten klingt die Saison auch erst einmal grandios. Man muss aber fairerweise anerkennen, dass viele der 2.1-Rennen, bei denen ich erfolgreich war, eher wie 2.2-Rennen besetzt waren. Grundsätzlich bin ich aber zufrieden, auch wenn die sehr bescheiden verlaufene erste Jahreshälfte von 2022 die Bilanz etwas trübt“, fasste Carstensen seine Saison gegenüber gegenüber radsport-news.com zusammen.
___STEADY_PAYWALL___Der Norddeutsche legte den Grundstein für sein gutes Abschneiden im Ranking schon im vergangenen Dezember, als er bei der Tour of Thailand (2.1) gleich vier Etappen gewann und im Gesamtklassement Rang vier belegte. Im Jahr 2023 konnte Carstensen zunächst nicht an diese Erfolge anknüpfen. Nach einer erfolglosen Tour of Antalya (2.2) folgte schon die Rückkehr zur Tour of Thailand (2.1), die diesmal im April ausgetragen wurde. Nach seinem überragenden Abschneiden fünf Monate zuvor musste Carstensen sich diesmal mit den Etappenplätzen drei, vier und fünf begnügen.
2022 lief es in Thailand nicht so gut wie im vergangenen jahr
Dass es zu keinem Sieg reichte, hatte gleich mehrere Gründe: Die Konkurrenz war diesmal stärker als im vergangenen Jahr und Carstensen musste auch noch einen schweren Sturz wegstecken. Zudem fehlte ein eingespielter Sprintzug, der Bike-Aid-Kapitän hatte nur Jasper Pahlke und Leichtgewicht Nikodemus Holler an seiner Seite. "Die beiden haben wie im Dezember einen super Job gemacht. Danach musste ich mich aber selber durchboxen und das hat die meisten Tage nicht wirklich gut geklappt“, gab er zu.
Lucas Carstensen (Bike Aid) bei der Tour of Iran, seinem letzten Einsatz für Bike Aid. Foto: Team Bike Aid
Bei der anschließenden Tour de Bretagne (2.2) sprang auch nicht mehr heraus. Der 28-Jährige stürzte erneut schwer und zog sich eine Verletzung am Handgelenk zu, die ihn im Alltag noch längere Zeit einschränkte. "Ich konnte monatelang nichts hochheben, Radfahren und auch Rennen fahren ging aber zum Glück trotzdem“, so Carstensen, der nach der 6. Etappe aufgab.
Ein Spitzenresultat peilte Carstensen bei der Ronde de l`Oise (2.2) im Juni an, allerdings machten ihm bei der französischen Rundfahrt zwei Defekte in entscheidenden Rennsituationen einen Strich durch die Rechnung. Danach ging es zur ZLM Tour (2.Pro) in die Niederlande, wo sich Carstensen mit WorldTour-Sprintern wie Olav Kooij (Jumbo – Visma) oder Elia Viviani (Ineos Grenadiers) messen wollte. Doch zum Abschluss der ersten Saisonhälfte musste er schon früh mit Fieber aufgeben. Nach der 1. Etappe stellte sich heraus, dass er sich mit dem Coronavirus infiziert hatte.
ZLM Tour Tiefpunkt eines enttäuschenden Frühjahrs
"Am Tag der 1. Etappe der ZLM Tour ging es mir schon schlecht und ich hatte leichtes Fieber. Der Test war allerdings negativ und ich startete das Rennen. Das war im Nachhinein ein großer Fehler. Meine Lunge brannte und mein Puls war etwa 50 Schläge zu hoch. Nach 30 Kilometern gab ich das Rennen zwar auf, hätte aber vermutlich überhaupt nicht starten sollen“, erklärte Carstensen und sprach von einem "enttäuschenden Frühjahr“.
Die Infektion setzte ihn insgesamt drei Wochen außer Gefecht, danach startete er seinen Formaufbau für die zweite Saisonhälfte. Mit dem Sieg beim Dachauer Bergkriterium, einem der schwersten deutschen Eintagesrennen, zeigte Carstensen, dass die Vorbereitung erfolgreich verlaufen war.
Bei der rumänischen Rundfahrt Turul Romaniei (2.1) Anfang September gelang ihm auf der 1. Etappe auch der heiß ersehnte erste Saisonsieg. "Nach langer Durststrecke in Rumänien mein erstes europäisches 2.1- Rennen zu gewinnen, war ein großes Highlight. Den Etappensieg in Rumänien empfinde ich auch aufgrund der starken Konkurrenz als meinen größten Erfolg in dieser Saison“, sagte er dazu. Noch im Monat September schlug Carstensen ein weiteres Mal zu, als er sich in Jolfa die 2. Etappe der Tour of Iran (2.1) sicherte. "Die beiden Siege waren auf jeden Fall ein großer Befreiungsschlag“, betonte er.
Lucas Carstensen (Bike Aid) im Gelben Trikot der Tour of Thailand. Foto: Team Bike Aid
Nach fünf Jahren Bike Aid geht’s nach Thailand
Der 13. Sieg in einem UCI-Rennen im Bike-Aid-Trikot war zugleich der vorerst letzte für die saarländische Equipe. Carstensen verlässt Bike Aid und wechselt nach Thailand zum dortigen Kontinental-Team Roojal. "Ich stand schon 2021 mit dem Team in Kontakt. Nachdem ich die einzige Massenankunft im Iran souverän gewann, hat das Management dann aber endgültig entschieden, mir einen Vertrag anzubieten“, sagte Carstensen, der auch wegen seiner aus Thailand stammenden Freundin seinen Lebensmittelpunkt nach Asien verlegt.
An die fünf Jahre bei Bike Aid hat er ausnahmslos positive Erinnerungen. "Ich hatte dort eine super Zeit. Wir sind viele tolle Rennen gefahren. Highlights für mich waren immer die außereuropäischen Rennen, die in meinen Augen besser als jede Teambuilding-Maßnahme geeignet sind, eine Gruppe zusammenzuschweißen. Ich hatte sowohl menschlich als auch sportlich super Teamkollegen und viele wurden zu Freunden“, sagte Carstensen.
Mit dem Management habe es zwar durchaus auch Konflikte gegeben, “aber das ist normal. Mir wurde trotz schwacher Saison bereits im August eine Vertragsverlängerung angeboten, wofür ich sehr dankbar bin und was den Kopf auch freier gemacht hat. Letztlich fiel meine Entscheidung für Roojal und nicht gegen Bike Aid“, betonte er.
Zu den Deutschen Meisterschaften wieder in der Heimat
Carstensen kann sich gut vorstellen, für längere Zeit in Thailand zu bleiben. "Das Team hat einen Fünfjahresplan und ich hoffe, mehr als nur ein Jahr dabei zu bleiben“, sagte er. Langfristiges Ziel sei es, die beste asiatische Kontinental-Mannschaft zu werden. "Das bedeutet im Endeffekt eine Infrastruktur und ein Budget wie ein ProTeam. Bisher macht das Team einen extrem professionellen Eindruck und ich hoffe, dass das geplante Wachstum klappt und ich dabei bleibe“, sagte der deutsche Neuzugang.
Carstensens Rennkalender wird folgerichtig hauptsächlich aus asiatischen Rennen bestehen. Da im Sommer in Fernost aber kaum Wettbewerbe anstehen, ist jetzt schon zumindest ein Einsatz in seiner alten Heimat eingeplant. "Ich werde definitiv für einige Monate nach Deutschland zurückkehren und auch die Deutsche Meisterschaft fahren - wenn sie nicht zu bergig ist“, kündigte er an.
Für einen Sprinter nicht überraschend, gab Carstensen “Siege“ als Zielsetzung für 2023 aus. "Möglichst viele, dabei spielt das Rennen an sich keine große Rolle. Hauptziel ist aber die Tour of Thailand, sowohl für mich als auch für die Sponsoren des Teams“, sagte Carstensen, der im Januar in Neuseeland bei der New Zeeland Cycle Challenge (2.2) mit seinem neuen Team in die Saison starten wird.
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