Im Velodrome von Roubaix zu spät gesprintet

Politt: “Den Fehler würde ich nicht wieder machen“

Von Joachim Logisch

Foto zu dem Text "Politt: “Den Fehler würde ich nicht wieder machen“"
14. April 2019: Nils Politt führt Philippe Gilbert ins Velodrom von Roubaix | Foto: Cor Vos

12.04.2020  |  (rsn) - Nach 257 superharten Kilometern über 29 Pavé-Sektoren erreichte Nils Politt (damals Katusha – Alpecin) im letzten Jahr als Erster das berühmte Velodrom von Roubaix. An seinem Hinterrad lauerte der erfahrene und mit allen Wassern gewaschene Philippe Gilbert (Deceuninck – Quick-Step). Ein kleiner Fehler verhinderte möglicherweise, dass der Kölner seinen größten Traum erfüllt und das Rennen durch die "Hölle des Nordens" gewonnen hätte.

"Wenn es wieder zu einem entscheidenden Sprint kommen würde, würde ich ihn anders als letztes Jahr fahren. Da war ich noch einen Tick zu nervös, habe zu lange gewartet und bin zu spät gestartet. Ich kann lange Sprints auch von vorne fahren. Das habe ich mich aber nicht getraut. Das war ein kleiner Fehler", sagte Politt im Rückblick mit radsport-news.com. "So bin ich in die Kurve reingesprintet und habe mir den Schwung selbst weggenommen. Das war nicht optimal. Besser wäre es gewesen, wenn ich in der Geraden davor schon losgesprintet wäre. So wie 2018, als ich Siebter wurde. Da bin ich den Sprint perfekt gefahren. Aber das habe ich letztes Jahr vor lauter Nervosität vergessen!"

Bis auf die letzten 150 Meter der 118. Auflage von Paris-Roubaix hatte der Kölner alles richtig gemacht. 14 Kilometer vor Schluss startete er die vorentscheidende Attacke, der nur Gilbert folgte. Danach führte Politt seinen Fluchtbegleiter auf den letzten Kilometer. Der Deutsche fuhr links an der Streckenbegrenzung, behielt so Gilbert immer im Blick, so dass der Belgier nur rechts an ihm hätte vorbeifahren können.

Als erster fuhr Politt auch ins Velodrome ein, auch hier lief alles nach Lehrbuch. Der Katusha-Alpecin-Profi fuhr oben, um mehr Schwung zu haben, falls Gilbert antreten sollte. Eingangs der letzten Kurve trat Politt an, aber Gilbert stieß innen nach unten durch, hatte den etwas kürzeren Weg und sprintete zum Sieg. "Ich war das erste Mal in so einer Situation und hoffe, dass es nicht das letzte Mal war", kommentierte Politt rückblickend die entscheidende Szene des Rennens.

Bis zur Absage aller Rennen in Folge der Corona-Pandemie bis Juli lag Politt nach eigenen Worten auf Kurs. "Nach dem letzten Jahr waren die Klassiker ohnehin ein großes Ziel für mich. Dafür habe ich im Winter hart gearbeitet. Ich denke, ich wäre auch auf dem richtigen Weg gewesen. Schon bei Paris-Nizza war ich sehr zufrieden mit meiner Leistung. Auch danach habe ich im Training gespürt, dass die Form passte und ich auf dem gleichen Level wie letzte Saison gelegen hätte. Da ist es natürlich um so ärgerlicher, wenn die Rennen abgesagt werden", sagte er.

Trotzdem legte er keine Pause ein und trainierte weiter. Politt: "Ich wollte die Form nicht ganz runterfahren und habe es wie die letzten Jahre durchgezogen. Da habe ich nach Roubaix eine Pause gemacht, nachdem das Frühjahr vorbei war. Das werde ich ab übernächster Woche auch so machen. Ich habe immer nach Roubaix eine Woche abtrainiert. Das mache ich jetzt wieder. Dann werde ich wieder anfangen, um bereit zu sein, wenn wir das 'Go' bekommen!"

Nils Politts Fahrt im Velodrom von Roubaix:

 

Mehr Informationen zu diesem Thema

11.10.2020Ein Pflasterstein gegen das Virus

(rsn) - Die wegen den zunehmenden Corona-Zahlen in Frankreich erfolgte Absage von Paris-Roubaix hat unter Sportlern und Zuschauern für große Enttäuschung gesorgt. Ausgesprochen kreativ reagierte Ch

09.10.2020118. Paris-Roubaix abgesagt

(rsn) - Wegen der sich verschärfenden Corona-Lage in Frankreich hat die ASO die für den 25. Oktober geplante 118. Auflage von Paris-Roubaix abgesagt. Davon betroffen ist auch das Frauenrennen, das e

09.10.2020Paris-Roubaix ohne Zuschauer an den Pavé-Sektoren?

(rsn) - Am 25. Oktober soll zwischen Compiègne und Roubaix die 118. Ausgabe der “Königin der Klassiker“ stattfinden. Normalerweise steht auf den Kopfsteinpflasterteilstücken das Publikum Spalie

02.10.2020Paris-Roubaix wackelt wegen Corona, Tourmalet schneebedeckt

(rsn) - Der 25. Oktober soll zum "Super Sunday" des Radsports werden: Die Schlussetappe des Giro d´Italia, eine Bergankunft bei der Vuelta a Espana am Col du Tourmalet und der Klassiker Paris-Roubaix

25.09.2020Roubaix-Premiere: Auf die Frauen warten 17 Kopfsteinpflaster-Sektoren

(rsn) - Die ASO hat die Strecke für die Premiere des Frauenrennens von Paris-Roubaix bekanntgegeben. Das für den 25. Oktober geplante Rennen, das sofort in die Women´s WorldTour aufgestiegen ist, w

07.08.2020Lampaert muss auf Tour verzichten, zielt aber weiter auf die Klassiker

(rsn) - Yves Lampaert (Deceuninck - Quick-Step) wird in diesem Jahr wegen des am Mittwoch bei Mailand-Turin erlittenen Schlüsselbeinbruchs nicht wie geplant an der Tour de France teilnehmen können.

30.06.2020Van der Poel & Co. erkunden Kopfsteinpflaster-Klassiker

(rsn) - Auch Mathieu van der Poel und seine Teamkollegen von Alpecin - Fenix bereiten sich auf den Neustart der Saison vor. Am Montag erkundeten die Klassikerspezialisten des belgischen ZweitdivisionÃ

15.06.2020Ganna träumt vom Paris-Roubaix-Triumph

(rsn) - Das britische Ineos-Team verfügt über die stärkste Rundfahrerriege im Peloton. Deutlich weniger dominant tritt der Rennstall von Manager Dave Brailsford dagegen in den fünf Monumente des R

07.06.2020Van Dijk und Brand besichtigen Pavé-Sektoren von Paris-Roubaix

(rsn) - Denn sie wissen noch nicht, was sie tun: So ähnlich könnte man wohl die Erstauflage von Paris-Roubaix für Frauen im Vorfeld beschreiben. Für das Rennen, das am 25. Oktober stattfinden soll

15.05.2020Nibali träumt vom Paris-Roubaix-Debüt

(rsn) - In seiner langen und erfolgreichen Karriere hat Vincenzo Nibali noch nie Paris-Roubaix bestritten. Auch wenn er im November 36 Jahre alt wird, so hofft der Italiener, dass er noch sein Debüt

08.05.2020Bardet plant Debüts in Flandern und bei Paris-Roubaix

(rsn) - Durch die Verlegung der Frühjahrsklassiker in den Herbst bietet sich Romain Bardet (AG2R) erstmals in seiner Karriere die Möglichkeit, an den Monumenten Flandern-Rundfahrt (18. Oktober) und

12.04.2020De Vlaeminck: van der Poel kann alle Monumente gewinnen

(rsn) - Roger De Vlaeminck war in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gemeinsam mit Eddy Merckx der erfolgreichste Klassikerjäger des Pelotons. Der Belgier gewann in der Phase von 1970

Weitere Radsportnachrichten

06.01.2026Mit “Mont Ventoux Norwegens“ und Finale an den Hängen der Ski-WM

(rsn) – Während es 2026 keine Tour of Norway geben wird, weil die öffentlichen Förderungen gestrichen wurden, steht das Arctic Race of Norway (2.Pro) auch in diesem Jahr wieder im Rennkalender. I

06.01.2026Diese WorldTour-Profis haben noch keinen Vertrag für die neue Saison

(rsn) – Das neue Jahr hat begonnen, doch noch immer stehen einige WorldTour-Profis ohne neuen Vertrag da. Nicht alle Fahrer, die 2025 noch in der Elite-Liga des Radsports angestellt waren, werden

06.01.2026Chirurg erwartet drei Monate Pause für van Aert

(rsn) - Ludovic Robeet kann seine Karriere als Radprofi fortsetzen. Der Belgier in Diensten von Cofidis, der im September 2025 einen Schlaganfall erlitten hatte, teilte die guten Nachrichten via Insta

06.01.2026Gee macht Lidl-Trek komplett

(rsn) - In unserem ständig aktualisierten Transferticker informieren wir Sie regelmäßig über Personalien aus der Welt des Radsports. Ob es sich um Teamwechsel, Vertragsverlängerungen oder Rücktr

06.01.2026Healy legt Fokus in den kommenden beiden Jahren wieder auf die WM

(rsn) – Etappensieger bei der Tour de France, Träger des Gelben Trikots, Dritter im Straßenrennen der Weltmeisterschaften von Ruanda und auch bei Lüttich-Bastogne-Lüttich: Ben Healy (EF Educatio

06.01.2026Die Trikots der WorldTour-Teams für die Saison 2026

(rsn) - Wie sieht das Peloton 2026 aus? Welche Farben werden in der kommenden Saison vorherrschend sein? Nach und nach stellen die WorldTour-Rennställe ihre Trikots für das neue Jahr vor - den Anfan

06.01.2026Regenbogenpower für die neue Saison

(rsn) – Erst 2024 gegründet, steigt EF Education - Oatly schon im dritten Jahr die WorldTour auf. Zwar gab es von 2005 bis 2023 mit EF Education - Tibco SVB bereits ein amerikanisches Frauen-Team,

06.01.2026Die Trikots der Women´s WorldTour-Teams für die Saison 2026

(rsn) – 14 Rennställe umfasst die Women´s WorldTour in der Saison 2026. Doch wie treten diese 14 Mannschaften im neuen Jahr auf? Welche Farben zieren ihre Trikots, welche Art von Designs werden ge

05.01.2026Mehr Aerodynamik: Milan mit veränderter Position auf dem Rad

(rsn) - Jonathan Milan (Lidl - Trek) hat während der Saisonpause an seiner Position auf dem Rad gearbeitet - und einige Änderungen vorgenommen. "Es ging um die Verbesserung meiner Position", sagte

05.01.2026Van der Poel: “Bin noch nicht in Topform“

(rsn) – Er kam, sah und siegte – neun Mal in drei Wochen. Mathieu van der Poel dominierte die Szene seit seinem Einstieg in die Cyclocross-Saison 2025/26. Nach einer perfekten Bilanz mit neun S

05.01.2026Teambudgets und -gehälter steigen auch 2026 weiter an

(rsn) – Das Budget der WorldTour-Teams der Männer und Frauen ist auch für das Jahr 2026 wieder stark angewachsen. Laut der Gazzetta dello Sport, die sich auf UCI-Zahlen beruft, stieg es um 4,5 Pr

05.01.2026Mit neuer Führung in ein richtungsweisendes Jahr

(rsn) – Nach dem Aus des Ceratizit-Teams ist Canyon – SRAM – zondacrypto das einzig verbleibende deutsche Team in der Women´s WorldTour. Der in Leipzig beheimatete Rennstall erreichte 2024 mit

RADRENNEN HEUTE

    Radrennen Männer

  • Antwerp Port Epic (1.1, BEL)
  • Tour de Gyeongnam (2.2, KOR)