Interview mit den Sunweb-Devo-Sportdirektoren

Curvers: “Wir trauen all unseren Fahrern die WorldTour zu“

Von Christoph Adamietz

Foto zu dem Text "Curvers: “Wir trauen all unseren Fahrern die WorldTour zu“"
Roy Curvers | Foto: Cor Vos

14.01.2020  |  (rsn) - Wie lief die vergangene Saison, wie lauten die Ziele für das neue Jahr und welche Themen beschäftigen derzeit noch die deutschen Kontinental-Teams? radsport-news.com sprach mit den Verantwortlichen der heimischen Drittdivisionäre.

Teil 9: Sebastian Deckert und Roy Curvers (Sunweb Development)

Wie fällt die Saisonbilanz des Sunweb Development Teams aus?
Sebastian Deckert: Es gibt immer ein Auf und Ab, aber grundsätzlich fällt sie positiv aus. Wir haben es wieder geschafft, unsere Fahrer Stück für Stück weiterzuentwickeln und mit Martin (Salmon), Felix (Gall), Nils (Eekhoff) und, schon zu Beginn der Saison Florian (Stork), vier Fahrer ins WorldTour-Team zu bringen. Aus deutscher Sicht ist sicherlich hervorzuheben, dass wir zum dritten Mal in Folge die Deutsche Meisterschaft gewinnen konnten(durch Leon Heinschke (d.Red.). International war der Sieg bei der Istrian Spring Trophy von Felix sicherlich ein schöner Saisoneinstand. Weitere Highlights waren auch der Etappensieg von Nils bei der Tour de Bretagne und seine überragende Leistung bei der WM. Grundsätzlich sind wir jedoch an der langfristigen Entwicklung der Fahrer interessiert und ich denke, in dieser Hinsicht fällt die Bilanz sehr positiv aus.

Welche Enttäuschungen musste das Team verkraften?
Deckert: Generell muss man natürlich immer mit Enttäuschungen umgehen können und es gibt immer wieder Fahrer, die von Stürzen oder Verletzungen zurückgeworfen werden. Aber das schlimmste Erlebnis war selbstverständlich der schwere Sturz von Edo Maas bei der Lombardei Rundfahrt der U23. Sehr enttäuschend war darüber hinaus war sicherlich auch der Ausgang des WM-Straßenrennens für Nils Eekhoff , der für den zweiten U23-Weltmeistertitel in Folge für das Development Team gesorgt hätte. 

(ab hier übernimmt Roy Curvers die Antworten, da er beim Sunweb Development-Team der Nachfolger von Sebastian Deckert ist, der künftig für das WorldTour-Team arbeitet, d. Red.)

Welche Ziele hat das Team für die Saison 2020?
Curvers: Die Ziele bleiben grundsätzlich die gleichen wie im Vorjahr. Wir wollen jeden Fahrer im Team weiterentwickeln und auf eine Karriere in der WorldTour vorbereiten. Jeder will Profi werden und hoffentlich machen alle den nächsten Schritt in diese Richtung.

Wann und wo wird das Team in die Saison starten und welche Highlights peilt es an?
Curvers: Die Saison startet mit dem Ster van Zwolle in den Niederlanden und in Kroatien mit Umag, Porec und der Istrian Spring Trophy. Ich denke, dass wir ein gutes, ausbalanciertes Programm haben, mit Rennen in der U23, 1.2, 1.1 und Pro-Series Rennen, sodass jeder Fahrer Rennen hat, die zu seinem aktuellen Leistungsstand oder der angestrebten Entwicklung passen.

Was halten Sie von der Gebühr, die Kontinental-Teams zahlen müssen, wenn sie an Rennen der ProSeries teilnehmen? Wird das Sunweb Development Team diese Gebühr zahlen?
Curvers: Neben dem großen World-Tour-Programm wird es für Ausrichter von kleinen Rennen immer schwieriger, die Rennen für Sponsoren interessant zu gestalten. Wir als Teams haben auch eine Verantwortung, das zu verstehen. Für ein Kontinental-Team ist es ein Highlight, in einem Pro-Series-Rennen starten zu können. Die Gebühr ist grundsätzlich in Ordnung, aber es darf den Konti-Teams auch nicht unmöglich gemacht werden, so ein Rennen zu fahren. Eine Gebühr sollte deshalb realistisch bleiben. Wir schauen auf jedes Rennen im Kalender mit der Frage: Was bringt uns das Rennen und ist es die Kosten wert? Wenn die Antwort auf die Frage ja ist, dann zahlen wir auch die Gebühr.

Welchem Fahrer im Team trauen Sie den Sprung in das WorldTour-Team zu?
Curvers: Normalerweise verpflichten wir nur Fahrer, von denen wir glauben, dass sie in einigen Jahren gute WorldTour-Fahrer werden können. Also trauen wir jedem Fahrer in unserem Team zu, diesen Schritt zu schaffen.

In diesem Jahr haben vier Fahrer des Development Teams den Sprung in die WorldTour-Mannschaft geschafft. Ist das Ansporn oder eher Druck für Sie und das Development Team?
Curvers: Ansporn für mich, aber auf jeden Fall auch für die Fahrer. Wenn sie sehen, dass andere Fahrer aus dem Team den Sprung schaffen, dann wird es auch realistischer für sie selbst. So sehen sie in ihrem nächsten Umfeld, was nötig ist, um es zu schaffen.

Was erhoffen Sie sich von den vier Deutschen im Team?
Curvers: Ich erhoffe mir, dass sie sich weiterhin wohl fühlen, um sich weiter bestmöglich zu entwickeln. Niklas Märkl und Leon Heinschke sind beide im dritten U23-Jahr, deshalb kann man von ihnen mehr Resultate erwarten. Für Hannes Wilksch und Marius Mayrhofer steht in dieser Saison mehr das Entdecken ihrer Möglichkeiten im Fokus.

Nach Ihrem Karriereende starten Sie nun bei Sunweb als Coach eine neue Karriere. Freuen Sie sich auf den neuen Job?
Curvers: Ich wusste schon das ganze Jahr, dass ich aufhören werde. So habe mich lange vorbereiten können und am Ende lief es eigentlich ganz automatisch und natürlich. Auf den Start als Coach hatte ich mich schon länger gefreut und es hat sicherlich geholfen zu wissen, dass nach dem Karriereende etwas anderes wartet, das Spaß macht.

Immer mehr WorldTour-Rennställe setzen auf U23-Mannschaften, jetzt auch Jumbo – Visma. Wird es dadurch schwerer, die größten (niederländischen und deutschen) Talente ins Team zu holen?
Curvers: Ja es wird auf jeden Fall schwerer mit mehr Konkurrenz. Aber das sorgt auch dafür, aufmerksam zu bleiben und alles richtig zu machen. Es motiviert uns, unser Programm so einzurichten, dass wir eine gute oder eigentlich die beste Wahl sind für die Fahrer, die wir haben wollen.

Wie genau funktioniert bei Sunweb das Zusammenspiel zwischen der Development Mannschaft und dem WorldTour-Team?
Curvers: Beide Programme arbeiten ganz eng miteinander zusammen. Erstens steht die gleiche Philosophie hinter beiden Teams, mit der Entwicklung als Mensch und Fahrer im Mittelpunkt, es geht also nicht nur um Leistungen. Während der Saison werden sich Kontinental- und WorldTour-Fahrer auch bei Rennen und Trainingslagern treffen. Ab dieser Saison werden wir zudem Kombinationen von WT- und Devo-Fahrern zu den Rennen schicken können. So können die Konti-Fahrer einfacher Einblicke in die Arbeit des WorldTour-Teams bekommen. 

Welchen Mehrwehrt erhoffen Sie sich durch den Sunweb "Keep Challenging Center“ - Nachwuchscampus in Sittard?
Curvers: Dort können die Fahrer gemeinsam leben und trainieren, was für den Teamspirit auf jeden Fall gut ist. Aber es bietet den Fahrern auch viel mehr Möglichkeiten, um voneinander zu lernen und den Coaches und Experten die Gelegenheit, die Jungs in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Wenn man sich nur bei den Rennen sieht, hat man immer Wettkampfstress oder Druck und im KCC haben wir Zeit, um entspannt zu arbeiten und uns einander etwas beizubringen.

Mehr Informationen zu diesem Thema

13.01.2020Grabsch: “Warum sollen wir kleinere Brötchen backen?“

(rsn) - Wie lief die vergangene Saison, wie lauten die Ziele für das neue Jahr und welche Themen beschäftigen derzeit noch die deutschen Kontinental-Teams? radsport-news.com sprach mit den Verantwo

10.01.2020Blochwitz: “Wollen international als gereiftes Team auftreten“

(rsn) - Wie lief die vergangene Saison, wie lauten die Ziele für das neue Jahr und welche Themen beschäftigen derzeit noch die deutschen Kontinental-Teams? radsport-news.com sprach mit den Verantwo

09.01.2020Grasmann: “Wir träumen vom langfristigen Erfolg“

(rsn) - Wie lief die vergangene Saison, wie lauten die Ziele für das neue Jahr und welche Themen beschäftigen derzeit noch die deutschen Kontinental-Teams? radsport-news.com sprach mit den Verantwo

08.01.2020Ciolek: “Der harte Cut war ein logischer Schritt“

(rsn) - Wie lief die vergangene Saison, wie lauten die Ziele für das neue Jahr und welche Themen beschäftigen derzeit noch die deutschen Kontinental-Teams? radsport-news.com sprach mit den Verantwor

07.01.2020Monreal: “Wir haben einen sehr guten Mix im Team“

(rsn) - Wie lief die vergangenen Saison, wie lauten die Ziele für das neue Jahr und welche Themen beschäftigen derzeit noch die deutschen Kontinental-Teams? radsport-news.com sprach mit den Verantw

06.01.2020Wackernagel: “Weiter mit Ruhe und Spaß zum Erfolg“

(rsn) -Wie lief die vergangene Saison, wie lauten die Ziele für das neue Jahr und welche Themen beschäftigen derzeit noch die deutschen Kontinental-Teams? radsport-news.com sprach mit den Verantwort

03.01.2020Scherf: “Müssen uns abgewöhnen, einfach nur dabei zu sein“

(rsn) - Wie lief die vergangenen Saison, wie lauten die Ziele für das neue Jahr und welche Themen beschäftigen derzeit noch die deutschen Kontinental-Teams? radsport-news.com sprach mit den Verantw

02.01.2020Schäfer: “Wir wollen das beste deutsche KT-Team bleiben“

(rsn) - Wie lief die vergangenen Saison, wie lauten die Ziele für das neue Jahr und welche Themen beschäftigen derzeit noch die deutschen Kontinental-Teams? radsport-news.com sprach mit den Verantw

Weitere Radsportnachrichten

14.02.2026Radsport live im Stream und im TV: Die Rennen des Tages

(rsn) – Welche Radrennen finden heute statt? Wo und wann kann man sie live im Fernsehen oder Stream verfolgen? Und wo geht´s zum Live-Ticker? In unserer Tagesvorschau informieren wir über die wic

14.02.2026Morgado schlägt Aranburu und feiert Titelverteidigung

(rsn) – Die Nummer 1 auf dem Rücken, die Nummer 1 im Ziel: Antonio Morgado (UAE – Emirates – XRG) hat seinen Titel bei der Figueira Champions Classic (1.Pro) verteidigt. Der Portugiese, der dam

14.02.2026Vandeputte zündet den Turbo und fängt Vanthourenhout noch ab

(rsn) – Der Belgier Niels Vandeputte (Alpecin – Premier Tech) hat beim Waaslandcross in Sint-Niklaas mit einem bärenstarken Sprint auf den letzten Metern noch seinen Landsmann Michael Vanthouren

14.02.2026Rodriguez düpiert: Riccitello mit perfektem Decathlon-Einstand

(rsn) – In einem packenden Bergaufsprint hat Matthew Riccitello (Decathlon - CMA CGM) die Königsetappe der 10. Tour de la Provence (2.Pro) für sich entschieden und mit seinem ersten Saisonsieg auc

14.02.2026Murcia: Liepins Sieger ohne Wert, Etappe neutralisiert

(rsn) – Aufgrund extremer Windverhältnisse wurde die abschließende 2. Etappe der 46. Murcia-Rundfahrt (2.1) auf einen Zehn-Kilometer-Rundkurs im Zielort Santomera reduziert – allerdings bis auf

14.02.2026Brand in Sint-Niklaas mit später Offensive zum Hattrick

(rsn) – Weltmeisterin Lucinda Brand (Baloise – Glowi Lions) hat sich beim Waaslandcross in Sint-Niklaas ihren 20. Saisonsieg gesichert. Die 36-jährige Niederländerin setzte sich im letzten Lauf

14.02.20263. Valencia-Etappe abgesagt, Murcia und Figueira Classic abgeändert

(rsn) - In wenigen Worten zu vermelden, deshalb aber nicht weniger wichtig: In unserer Rubrik "Kurz gemeldet" fasst die Redaktion von radsport-news.com die Kurznachrichten des Tages aus der Welt des R

13.02.2026Voß, Kasper und Co.: Deutsche mit gemischten Gefühlen

(rsn) - Nachdem die Straßensaison schon in vollem Gange ist, steht für die Gravel-Pros mit Santa Vall by The Traka nun auch das erste namhafte Rennen im europäischen Kalender auf dem Programm. Am

13.02.2026Van der Poel will seine Karriere bei Alpecin ausklingen lassen

(rsn) - Mathieu van der Poels Langzeitvertrag mit Alpecin - Premier Tech läuft noch bis Ende 2028. In jenem Jahr hat der Niederländer große Ziele: Bei der Cyclocross-Weltmeisterschaft in Hoogerheid

13.02.2026Provence: Buchmann, Kragh Andersen und Mollema nicht im Ziel

(rsn) – Gleich drei bekannte Namen kamen nicht ins Ziel der 1. Etappe der Tour de la Provence. Bei seinem Saisoneinstieg beendete Cofidis-Kapitän Emanuel Buchmann aus noch unbekanntem Grund das Ren

13.02.2026Ferguson überrascht die Konkurrenz 600 Meter vor dem Ziel

(rsn) – Cat Ferguson (Movistar) hat die Sprinterrinnen auf der 2. Etappe der Valencia-Rundfahrt der Frauen (2.Pro) mit einer Attacke 600 Meter vor dem Ziel überrascht und so ihren zweiten Saisonsie

13.02.2026UAE-Doppelsieg beim Windspektakel zum Murcia-Auftakt

(rsn) – Marc Soler und Julius Johansen (beide UAE – Emirates – XRG) haben den stark vom Wind beeinflussten ersten von zwei Renntagen der Murcia-Rundfahrt (2.1) dominiert. Die auf 83,5 Kilometer