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09.07.2017 | (rsn) - Er sollte zum größten Herausforderer von Chris Froome (Sky) werden. Doch schon am ersten Ruhetag wird sich Richie Porte (BMC) nicht mehr im Tross der 104. Tour de France befinden. Die Abfahrt vom Mont du Chat wurde dem Australier zum Verhängnis - und am Ende muss man von Glück reden, dass der 32-jährige Tasmane bei seinem schweren Sturz nur ein Radrennen verloren hat.
"Er ist bei Bewusstsein und konnte schon direkt nach dem Unfall mit uns sprechen", beruhigte Tour-Ärztin Florence Pommerie noch während des laufenden Rennens all diejenigen, die sich um Porte sorgten.
Später erklärte sie: "Ich glaube, er hatte Angst. Er wollte wissen, ob etwas gebrochen ist und wollte sich nicht bewegen. Aber er sagte auch: 'Ich glaube, ich bin okay.'" Die Verletzungen seien auf den ersten Blick weniger dramatisch, als man gedacht habe.
Doch die Hoffnungen auf einen glimpflichen Ausgang des schrecklichen Unfalls - nach ersten Untersuchungen im Krankenhaus in Chambéry war von einer Gehirnerschütterung ohne neurologische Auswirkungen sowie einer Beckenprellung die Rede - mussten noch am Abend vom Team korrigiert werden. In einer Pressemitteilung von BMC hieß es da nämlich, dass Porte sich einen Becken- sowie einen Schlüsselbeinbruch zugezogen habe. Wie BMC-Arzt Max Testa erklärte, handele es sich nicht um komplizierte Frakturen, nach jetzigem Stand seien keine Operation erforderlich, Porte werde etwa vier Wochen nichts aufs Rad können. Am Montag werde zudem darüber entschieden, ob der Australier in seine Wahlheimat Monaco zurückgebracht werden könne.
Dabei ließen die ersten Bilder noch Schlimmeres befürchten, auch wenn Pommery früh eine erste Entwarnung geben konnte: "Er war etwas unter Schock. Aber das ist normal. Er war bei Bewusstsein, nicht desorientiert. Wir haben ihn nach seinem Alter und seinem Name gefragt, und er sprach sehr gut. Er fragte nach seiner Brille und sagte, dass die teuer sei. Die habe ich übrigens nicht gefunden. Für uns sah er in Ordnung aus, aber das ist nur der erste Check. Wir müssen abwarten, was die vollständigen Untersuchungen ergeben", sagte sie.
Auf dem rutschigen und schmalen Asphaltband im Wald hinunter vom Mont du Chat hatte Porte sich in einer Rechtskurve verbremst, war mit blockierendem Hinterrad Richtung linker Straßenrand gerutscht und in der anschließenden Linkskurve innen auf dem Gras zu Fall gekommen, um dann über die Straße nach außen gegen eine Felswand geschleudert zu werden. Dabei riss er auch den hinter ihm fahrenden Daniel Martin (Quick-Step Floors) mit zu Boden.
Der Ire konnte das Rennen fortsetzen und verlor 1:15 Minuten auf die Froome-Gruppe, in der er zum Zeitpunkt des Unfalls saß. Doch Porte blieb auf dem Asphalt liegen, wurde lange behandelt, am Rücken abgetastet und schließlich mit einer Halskrause auf einer Trage in den Krankenwagen verladen - das Ende des Traums vom Tour-Sieg.
"Wir sind alle traurig, es ist sehr schade. Richie hat seit Jahresanfang viel Arbeit in die Tour investiert: Streckenbesichtigungen, Trainingslager, wir haben alles Mögliche gemacht, um ihn hier aufs Podium zu bringen", sagte Portes Sportlicher Leiter bei BMC, Fabio Baldato, der mit dem Teamfahrzeug nach wenigen Minuten an der Unfallstelle war. "Als wir ankamen, sah ich Richie in großen Schmerzen", so der Italiener weiter. Immerhin: Porte konnte sich bewegen und bat laut NBC Sports die anwesenden Fotografen selbst darum, ihn nicht zu belagern und ihm mehr Raum zu lassen.
Kritik wegen der Streckenführung mit mehreren engen und technisch schwierigen Abfahrten auf dieser harten Bergetappe übte Daniel Martin. "Ich denke, die Organisatoren haben bekommen, was sie wollten", sagte der 30_jährige unmissverständlich. "Ich glaube nicht, dass irgendjemand Risiken eingehen wollte. Aber es war sehr rutschig. Richie hat die Kontrolle über sein Rad in der einen Kurve verloren, dann blockierte sein Hinterrad und ich konnte nirgendwo hin. Ich habe Glück gehabt, so davongekommen zu sein."
Während Martin durch den Sturz vom vierten auf den sechsten Gesamtrang zurückfiel, ist die Tour für Porte vorbei - und das bedauert man nicht nur im BMC-Lager. Der Australier wird, wie bereits Alejandro Valverde (Movistar) seit dem Auftaktzeitfahren, den Fans sehr fehlen, wenn in den kommenden zwei Wochen der Kampf ums Gelbe Trikot ausgetragen und Sky mit Froome mutmaßlich überlegen auftreten wird.
Doch auch der Brite selbst war bestürzt ob der Bilder vom Sturz seines alten Kumpels aus gemeinsamen Sky-Tagen. Beide trainieren noch immer gemeinsam, wenn sie in ihrer Wahlheimat rund um Monaco sind. "Ich fühle mich sehr, sehr schlecht. Es tut mir weh, das zu sehen", sagte Froome mit der Hand auf dem Herzen und feuchten Augen. "Deshalb habe ich heute ein gemischtes Gefühl: Ich bin froh, das Trikot verteidigt zu haben. Aber die Bilder von Richies Sturz hinterlassen ein schreckliches Gefühl."
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