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19.04.2017 | (rsn) - Das erste Drittel der Saison neigt sich langsam dem Ende entgegen und es ist wieder Zeit für einen Zwischenstand.
Nachdem die ersten Rennen ganz gut gelaufen sind, ging es bei mir von Woche zu Woche aufwärts. Gut fürs Selbstvertrauen. Ich glaube, bei den ersten belgischen Rennen hat uns am Ende leider ein wenig das richtige Timing gefehlt, und wir haben somit das Podium verpasst. Aber wie heißt es so schön: Aus Fehlern lernt man.
Im März hieß es für mich, kurzfristig bei der Katalonien-Rundfahrt einzuspringen. Zwei Fahrer mussten aus gesundheitlichen Gründen auf den Start verzichten. Da die Rundfahrt nahe bei Girona gestartet wurde, war es sozusagen ein Heimspiel: 40 Minuten Anreise von meinem Winter-Zuhause. Vor der 1. Etappe hatte ich doch ein wenig Bammel, das Profil entsprach nicht unbedingt meinen Träumen. Zum Glück wurde diese Etappe von den Sprinterteams kontrolliert und nicht von den Bergfahrern bestimmt. Und dennoch: Der Berg war zu lang für mich, ich glaube, ich bin in meinem Leben noch nie einen Pass von mehr als 20 Kilometern gefahren…
Nach dem Mannschaftszeitfahren hieß es dann: Königsetappe: Ich weiß immer noch nicht wie ich das gemacht habe, aber irgendwie bin ich in der Spitzengruppe gelandet. Soweit ich mich erinnern kann war das die erste richtige Spitzengruppe in meiner Radsportkarriere. Ich konnte beide Zwischensprints für mich entscheiden, und so bekam ich die Nachricht über Funk, dass ich mir das Sprinttrikot gesichert hatte. Keine zehn Minuten im Ziel, da war die Siegerehrung auch schon wieder vorüber, und ich hatte mein erstes Trikot in einem WorldTour Rennen sicher. Was für ein Gefühl...
Vor dem Start habe ich noch mit Nadine, unserer Pressefrau gespaßt, dass sie mal was tun müsste, um mehr Follower für die social-media-Kanäle zu bekommen. Man muss ihr lassen, sie hat ihr Wort gehalten… Einen Grund gab es ja an diesem Tag. Leider war der Spaß auch schnell wieder vorbei. Am nächsten Tag musste ich das Trikot schon wieder abgeben. Weil ich mich nicht gut gefühlt habe, hatte das Team – in Absprache mit mir – beschlossen, mich nicht starten zu lassen. Sicher ist sicher...
Kurze Pause, volle Motivation – es ging nach Belgien,die Drei Tage von De Panne. Das richtige Profil für mich. Die 2. Etappe brachte viel Spannung und gleichzeitig Anspannung mit sich, reichlich Wind war angesagt. Belgien und Wind, das heißt: Jeder will vorne sein, wenn es auf die Windkante geht.
Gefühlt hat es ewig gedauert, bis alles gepasst hat. Etwa 50 Kilometer vor dem Ziel war es dann soweit: rechts herum und Feuer frei, und ich konnte mich neben großen Favoriten in der ersten Gruppe behaupten, die dann tatsächlich um den Sieg gesprintet ist. Dort musste ich mich dann aber doch eben diesen Großen geschlagen geben. Am Ende konnte ich mich über den vierten Platz freuen! Nach dieser Etappe hatte ich ein großes Grinsen im Gesicht.
Nach der Rundfahrt hieß es dann "Herzlich willkommen" zur "Sprinter WM“ beim Scheldepreis. Wir hatten geplant, für Matteo Pelucchi zu fahren. Weil es ihm nicht gut ging, entschied das Team gegen Ende des Rennens, dass ich sprinten dürfte Zack, wurde der Schalter umgelegt. Für mich war es eine vollkommen neue Erfahrung, diesen Sprint zu fahren. Zum einen habe ich zum ersten Mal das Vertrauen des Teams bei einem Sprint erhalten. Und zum anderen kam ich in den Genuss, von Peter Sagan einiges zu lernen.
Er ist im Finale quasi um mich herumgeschwirrt und hat mir permanent Tipps gegeben, wo ich mich am besten aufhalten, welche Straßenseite ich wählen soll. Wenn es auf eine Schlüsselstelle zuging, hat er mich kurz an sein Hinterrad genommen und ist vorgefahren, bis er mich dann bei den Mannschaftskollegen abgesetzt hat. Das Team hat einen perfekten Job gemacht, mich immer vorne gehalten, um mich aus den Stürzen zu halten. Und davon gab es leider einige an diesem Tag. Am Ende konnte ich mir den fünften Platz sichern.
Nach den belgischen Rennen habe ich eine kurze Verschnaufpause bekommen, um für die anstehenden Rennen unter der Sonne Spaniens zu trainieren.
Jetzt steht für mich die Tour of the Alps auf dem Plan (der Text wurde vor dem Start der Rundfahrt verfasst, d. Red.) und im Anschluss Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt, wo ich mich sehr drauf freue, das erste Mal in diesem Jahr in Deutschland zu starten!
Meine Zeit in Spanien ist jetzt bald vorbei. Es geht zurück nach Deutschland. Ich hoffe, das gute Wetter reist mit. Für mich war es eine superschöne Zeit in Girona. Ich habe sehr viele neue Leute kennengelernt und mich perfekt auf die Rennen vorbereiten können. Mit Schwarzi (Michael Schwarzmann) hätte ich keinen besseren Mitbewohner erwischen können. Er ist zu einem richtig guten Freund geworden und war immer mein Ansprechpartner, egal um was es ging - er hat mir den Einstieg ins Profileben um Einiges erleichtert.
Schwarzi hat mir gezeigt, wie ich mich im Team zu verhalten habe, wieviel Spaß man haben kann. Und nach den Rennen hat er mir mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Erklärt, was ich besser machen kann. Und wenn es mal nicht lief, hatte er immer gute Worte für mich. Hiermit nochmal ein riesigen Dank an Dich, Schwarzi...
Auf bald, ihr hört wieder von mir.
Euer Pascal.
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