RSNplusWorldTeams 2026: Lidl – Trek

Unter deutscher Flagge mit mehr Kletter-Power an die Spitze

Von Felix Mattis

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Teamfoto im Dezember-Trainingslager in Denia. | Foto: Lidl - Trek

15.01.2026  |  (rsn) – Seit Lidl 2023 als Titelsponsor eingestiegen ist, hat der bisher in den USA lizenzierte Rennstall jede Saison einen Schritt nach vorn gemacht. War man 2022 noch die Nummer 12 der Team-Weltrangliste, so stand Lidl - Trek Ende 2023 bereits auf Rang 5, Ende 2024 auf Platz 4 und hat nun als Dritter überwintert. Nur UAE und Visma konnten 2025 mehr Punkte sammeln als das Team, das nun mehrheitlich im Besitz von Lidl ist und daher künftig unter deutscher Flagge unterwegs sein wird.

Nun strebt Lidl – Trek an, mittelfristig sogar zur Nummer 1 zu werden. Dass das noch nicht 2026 gelingen wird, ist sowohl der Team- als auch der Unternehmensleitung klar. Doch bei stetig größer werdendem Personal-Pool – unter anderem sind die Schleck-Brüder akquiriert worden und auch Bernhard Eisel kam als Sportlicher Leiter von Red Bull – sowie der in Gang gesetzten Angliederung der Teamzentrale mit Material-Depot an den Lidl-Sitz in Bad Wimpfen bei Neckarsulm sind Wachstum und Ambitionen zu spüren.

Das gilt auch für den Fahrerkader. Zwar haben mit Jasper Stuyven (Soudal – Quick-Step), Alex Kirsch (Cofidis), Daan Hoole (Decathlon – CMA CGM) und Tim Declercq (Karriereende) vier gerade für den Klassiker- und Sprintblock sehr wertvolle Akteure das Team verlassen, trotzdem aber ist auch in diesem Bereich weiterhin sehr viel Qualität an Bord. ___STEADY_PAYWALL___

Mads Pedersen gewann 2025 das Maglia Ciclamino beim Giro d'Italia und das Grüne Trikot bei der Vuelta a Espana. | Foto: Cor Vos

Kapitän Mads Pedersen betonte am Medientag des Teams im Dezember, dass die Abgänge zwar schmerzten, aber mit Hilfe von Neuzugängen wie Mathias Norsgaard (von Movistar), Matteo Sobrero (von Red Bull – Bora – hansgrohe) und U23-Zeitfahrweltmeister Jakob Söderqvist, der vom eigenen Development-Team Future Racing kommt, sowie Max Walscheid (von Jayco – AlUla) in Zusammenarbeit mit bekannten Größen wie Sören Kragh Andersen, Edward Theuns oder Toms Skujins durchaus aufgefangen werden könnten.

So dürfte Lidl – Trek um Pedersen und Jonathan Milan bei den Klassikern weiterhin eine Macht sein. Und auch in den Massensprints gilt dasselbe – diesmal übrigens wird Milan den Giro d'Italia fahren und Pedersen die Tour de France, genau umgekehrt wie 2025, als Milan das Grüne Trikot bei der Tour und Pedersen das Maglia Ciclamino beim Giro gewann.

Jonathan Milan sicherte sich 2025 das Grüne Trikot bei der Tour de France. | Foto: Cor Vos

Die größte Veränderung gibt es 2026 aber nicht im Flachland, sondern in den Bergen. Denn in diesem Bereich hat sich Lidl – Trek in diesem Winter massiv verstärkt: Während aus dem Kletter-Ensemble nur Juan Pedro Lopez (Movistar) gegangen ist, kommen mit Juan Ayuso (von UAE – Emirates – XRG) und Derek Gee-West (von Israel – Premier Tech) zwei Mann ins Team, die beide Podiumskandidaten für Grand Tours sind (zu beiden unten mehr).

Neben ihnen spielen auch Ex-Giro-Sieger Tao Geoghegan Hart und der amtierende Amstel-Gold-Race-Triumphator Mattias Skjelmose sowie der Italiener Giulio Ciccone und auch Patrick Konrad sowie Lennard Kämna bei den bergigen Rennen weiter wichtige Rollen. Unabhängig vom Terrain ist bei Lidl – Trek aber besonders der Nachwuchs zu beachten: Thibau Nys (23), Tim Torn Teutenberg (23), Mathias Vacek (23), Quinn Simmons (24) und auch Albert Withen Philipsen (19) ist zuzutrauen, dass sie in diesem Jahr einen ganz großen Coup landen.

Lennard Kämna wurde im Juni Sechster der Tour de Suisse und meldete sich damit 14 Monate nach seinem schweren Unfall auf Teneriffa in der erweiterten Weltspitze zurück. | Foto: Cor Vos

Der Top-Transfer: Juan Ayuso

Als Juan Ayuso als frisch gebackener Sieger des Baby Giro im Juni 2021 als 19-Jähriger beim UAE Team Emirates Profi wurde, sagte man dem Spanier eine blendende Zukunft voraus. Er sollte nach Tadej Pogacar der nächste Rundfahrt-Superstar des Emirate-Rennstalls werden und bestätigte sein Potenzial bereits im Jahr drauf mit Gesamtrang 3 bei der Vuelta a Espana. 2023 dann wurde er Vuelta-Vierter und 2024 Zweiter bei Tirreno-Adriatico sowie Gesamtsieger der Baskenland-Rundfahrt. Ayuso schien genau dem vorhergesagten Weg zu folgen.

Doch noch im Sommer 2024, genauer bei der Tour de France, wurde die Stimmung um den Spanier im UAE-Team schlechter. Es sickerte nach außen, dass Ayuso kein guter Teamplayer sei – zumindest fragwürdig war damals auch sein Auftritt bei der Frankreich-Rundfahrt. 2025 setzte sich das fort: Ayuso gewann Tirreno-Adriatico und wurde Zweiter der Katalonien-Rundfahrt, aber als Teamkollege Isaac Del Toro beim Giro überraschend ins Rosa Trikot fuhr, ging es bei Ayuso wieder bergab.

Will 2026 mehr zu lachen haben, als zuletzt: Juan Ayuso. | Foto: Cor Vos

Im Sommer kam es hinter den Kulissen zur Trennung und bei der Vuelta eskalierte der Streit in der Öffentlichkeit mit deutlicher Kritik von Ayuso am Team. Nun hat er bei Lidl - Trek angeheuert und die große Frage wird sein: Wie klappt die Zusammenarbeit? Denn dass rein physisch weiterhin riesiges Potenzial im Spanier schlummert, ist klar.

Im Fokus: Derek Gee-West

Auch der zweite große Neuzugang bei Lidl – Trek hat keinen harmonischen Abschied von seinem Ex-Team hinter sich. Denn der Abgang des kanadischen Giro-Vierten Derek Gee, der inzwischen geheiratet hat und deshalb jetzt einen Doppelnamen trägt, bei Israel – Premier Tech war nach seiner Verkündung der Vertragsauflösung im Sommer von einem harten Rechtsstreit mit zwischenzeitlich aberwitzigen, finanziellen Forderungen von israelischer Seite begleitet.

Auch wenn nicht nach außen drang, wie man sich schließlich einigen konnte, so ist das aber im Dezember endlich geschehen und Gee-West konnte sich Lidl – Trek anschließen. Spannend wird 2026 nun, wie er das mental schwere halbe Jahr hinter sich gelassen hat und ob er direkt an seine Leistungen anknüpfen kann. Dann wäre der starke Kletterer beim Giro direkt wieder ein Podiumskandidat.

Kletterte beim Giro d'Italia 2025 bis auf den vierten Gesamtrang: Derek Gee-West. | Foto: Cor Vos

Das Aufgebot:

Juan Ayuso (Spanien / 30), Andrea Bagioli (Italien / 26), Julien Bernard (Frankreich / 33), Giulio Ciccone (Italien / 31), Simone Consonni (Italien / 31), Derek Gee-West (Kanada / 28), Tao Geoghegan Hart (Großbritannien / 30), Amanuel Ghebreigzabhier (Eritrea / 31), Lennard Kämna (Deutschland / 29), Patrick Konrad (Österreich / 34), Sören Kragh Andersen (Dänemark / 31), Jonathan Milan (Italien / 25), Bauke Mollema (Niederlande / 39), Jacopo Mosca (Italien / 32), Mathias Norsgaard (Dänemark / 28), Thibau Nys (Belgien / 23), Sam Oomen (Niederlande / 30), Mads Pedersen (Dänemark / 30), Quinn Simmons (USA / 24), Mattias Skjelmose (Dänemark / 25), Toms Skujins (Lettland / 34), Matteo Sobrero (Italien / 28), Jakob Söderqvist (Schweden / 22), Tim Torn Teutenberg (Deutschland / 23), Edward Theuns (Belgien / 34), Mathias Vacek (Tschechien / 23), Otto Vergaerde (Belgien / 31), Carlos Verona (Spanien / 33), Max Walscheid (Deutschland / 32), Albert Withen Philipsen (Dänemark / 19)

Davon Neuzugänge:

Juan Ayuso (UAE – Emirates – XRG), Derek Gee-West (Israel – Premier Tech), Mathias Norsgaard (Movistar), Matteo Sobrero (Red Bull – Bora – hansgrohe), Jakob Söderqvist (Lidl – Trek Future Racing), Max Walscheid (Jayco – AlUla)

Teamleitung:
Manager: Luca Guercilena / Andy Schleck
Sportdirektor: Steven de Jongh
Sportliche Leiter: Kim Andersen, Adriano Baffi, Bernhard Eisel, Grégory Rast, Maxime Monfort, Michael Schär

Material:
Rahmenhersteller: Trek
Gruppe: SRAM
Laufräder: Bontrager
Reifen: Pirelli
Trikot: Santini
Helm: Trek

Das Trek Madone im Teamlook für die Saison 2026. | Foto: Lidl - Trek

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