RSNplusWorldTeams 2026: Bahrain Victorious

Im zehnten Jahr sollen es die Jungen richten

Von Jan Zesewitz

Foto zu dem Text "Im zehnten Jahr sollen es die Jungen richten"
Wenig Neuzugänge, aber ein ganz neues Farbschema bei Bahrain Victorious | Foto: Charly Lopez/Bahrain Victorious

02.01.2026  |  (rsn) – 2026 ist die zehnte Saison in der WorldTour für Bahrain Victorious. Im vergangenen Jahr blieb das ambitionierte Projekt aus dem Inselstaat im Persischen Golf weiter im Mittelfeld der Weltrangliste stecken. Die Zahl der Siege sank sogar weiter -  auf zehn, ein sich fortsetzender Trend: 2021 waren es noch 30 Siege, dann 21, danach 19 und schließlich 13. Im UCI-Ranking konnte man immerhin auf Platz zehn springen. Im Jubiläumsjahr ihres Bestehens will die Equipe die Kurve wieder nach oben wenden.

Der Hauptgrund, warum dies gelingen könnte, heißt Lenny Martínez. Der Franzose geht in sein zweites Jahr bei Bahrain Victorious und er war als Neuzugang bereits der Punktegarant. Mit seinen Etappensiegen bei Paris-Nizza (2.UWT), der Tour de Romandie (2.UWT) und beim Critérium du Dauphiné (2.UWT) sorgte er für die einzigen WorldTour-Erfolge. ___STEADY_PAYWALL___

Das Problem des 22-Jährigen war in den vergangenen Jahren ein Mangel an Beständigkeit. Dies verhinderte bisher, dass Martinez auch in der Gesamtwertung der großen Rundfahrten Spitzenplatzierungen einfahren konnte – eine Tatsache, die dem Youngste aber bewusst ist. Es ist fast symptomatisch für das Team, dass die Hoffnungen auf einem so jungen Fahrer gerichtet sind, auch wenn Martinez unbestritten zu den talentiertesten Profis seiner Generation zählt.

Das beste Grand-Tour-Ergebnis fuhr 2025 wieder einmal “Oldie“ Damiano Caruso ein. Der 37-jährige Italiener wurde beim Giro d’Italia Fünfter. Die anderen hochgehandelten Rundfahrer dagegen blieben hinter den Erwartungen zurück. Santiago Buitrago konnte nur zu Beginn der Saison bei der Valencia-Rundfahrt (2.Pro) überzeugen, Antonio Tiberi wurde Dritter bei Tirreno-Adriatico und Zweiter bei der Polen-Rundfahrt (je 2.UWT). Beim großen Ziel Giro stürzte er auf der 14. Etappe auf Rang drei im Gesamtklassement liegend und fiel in der Folge zurück.

Nikias Arndt kehrte nach seinem schweren Sturz bei Brugge-De Panne erst im Herbst zurück. | Foto: Cor Vos

Den ganz großen Rennen konnte Bahrain Victorious auch 2025 nicht den Stempel aufdrücken, auch die beiden Deutschen Nikias Arndt und Phil Bauhaus nicht. Arndt brach sich bei Brugge-De Panne einen Wirbel und fiel den Großteil der Saison aus. Sprinter Bauhaus verpasste 2025 einen Sieg - erstmals seit 2015.

Angesichts der Veränderungen für 2026 erscheint es fraglich, ob sich an der überschaubaren Bilanz viel ändern kann. Einen echten Umbruch gibt es im Kader nicht. Mit Torstein Traeen (zu Uno-X Mobility) verlässt der Bahrain-Lichtblick der Vuelta das Team, zudem gingen mit Jack Haig (Ineos Grenadiers) und Fred Wright (Pinarello – Q36.5) prominentere Namen, die zuletzt aber selten auf Ergebnisse fahren konnten.

Mit Attila Valter (Visma – Lease a Bike), Alec Segaert (Lotto) und Pau Miquel (Kern Pharma) kommen drei Neuzugänge zum Team, die vor allem als Helfer auf unterschiedlichem Terrain eingeplant sein dürften. Segaert verstärkt die Klassiker-Riege und passt mit seinen 22 Jahren zum Entwicklungspotenzial der jungen Fahrer im Team. Bahrain Victorious verlässt sich eher auf Verbesserungen innerhalb des Teams. Vor allem mit Martínez, Tiberi und dem Neuzugang aus dem Devo-Team, Jakob Omrzel, ist dies angesichts der Altersstruktur durchaus möglich – es lastet allerdings auch viel Druck auf den Talenten.

Bei der Tour de France sollen Tiberi und Martínez als Doppelspitze fungieren, die “arrivierten“ Fahrer um Caruso und Klassikerspezialist Matej Mohoric teilen sich die anderen großen Rennen untereinander auf. Die Jugend-Offensive des Teams von Manager Zak Erzen setzt sich im zweiten Jahr in Serie fort – diesmal müssen aber mehr Siege her, um diese Entwicklung weiter zu bestätigen.

Der Top-Transfer: Jakob Omrzel

Ein klassischer Transfer ist Omrzel nicht, der 19-Jährige stammt aus dem eigenen Development-Team und durfte schon in der vergangenen Saison für das WorldTour-Team Rennen bestreiten. Der junge Slowene ist trotzdem die wichtigste Vollzeitverstärkung der Equipe, schließlich gilt er als eines der größten Rundfahrttalente der Gegenwart.

Omrzel gewann im Juni den Giro Next Gen und konnte auch bei den Profis gute Ergebnisse einfahren. Bei der heimischen Slowenien-Rundfahrt (2.Pro) wurde er Vierter in der Gesamtwertung, beim Cro Race (2.1) zum Saisonabschluss belegte er Rang sieben. In der starken Rundfahrerfraktion kann der Youngster ohne Druck Erfahrungen sammeln – und wird mit Sicherheit das eine oder andere gute Ergebnis einfahren.

Jakob Omrzel ist das jüngste Juwel aus dem Bahrain-Victorious-Development-Team. | Foto: Cor Vos

Im Fokus: Antonio Tiberi

Mit Tiberis Wechsel in der Saison 2023 von Lidl - Trek zu Bahrain Victorious begann die Fokussierung der Equipe auf jüngere Talente so richtig. Dem Italiener ist es aber in den vergangenen zweieinhalb Jahren noch nicht ganz gelungen, die erhofften Ergebnisse einzufahren – der Sieg bei der Luxemburg-Rundfahrt 2024 (2.Pro) ist das “zählbarste“ Resultat. Mit Platz fünf beim Giro 2024 ließ er sein Talent erstmals bei einer Grand Tour aufblitzen, dass nicht mehr heraussprang, hing auch viel mit Pech zusammen.

2026 scheint nun die Zeit des 'Welpenschutzes' für Tiberi vorbei. Der 24-Jährige soll sein Tour-Debüt geben und somit endgültig in die Rolle des GC-Kapitäns des Teams schlüpfen. Tiberi ist kein Geheimtipp mehr, der Fokus von Bahrain Victorious ist künftig – neben Martínez – auch sehr stark auf ihn gerichtet.

Antonio Tiberi (links) soll das Zepter von den erfahrenen Fahrern wie Damian Caruso (rechts) endgültig übernehmen. | Foto: Cor Vos

Das Aufgebot:

Nikias Arndt (Deutschland / 34), Phil Bauhaus (Deutschland / 31), Pello Bilbao (Spanien / 35), Alessandro Borgo (Italien / 20), Alberto Bruttomesso (Italien / 22), Santiago Buitrago (Kolumbien / 26), Damiano Caruso (Italien / 38), Roman Ermakov (- / 21), Zak Erzen (Slowenien / 20), Afonso Eulálio (Portugal / 24), Matevz Govekar (Slowenien / 25), Kamil Gradek (Polen / 35), Rainer Kepplinger (Österreich / 28), Lenny Martinez (Frankreich / 22), Fran Miholjevic (Kroatien / 23), Pau Miquel (Spanien / 25) Matej Mohoric (Slowenien / 31), Jakob Omrzel (Slowenien / 19), Mathijs Paasschens (Niederlande / 29), Alec Segaert (Belgien / 22), Daniel Skerl (Italien / 22), Robert Stannard (Australien / 27), Oliver Stockwell (Großbritannien / 23), Antonio Tiberi (Italien / 24), Attila Valter (Ungarn / 27), Max van der Meulen (Niederlande / 21), Vlad van Mechelen (Belgien / 21), Edoardo Zambanini (Italien / 23)

Davon Neuzugänge:

Alessandro Borgo (Bahrain Victorious Development), Pau Miquel (Equipo Kern Pharma), Jako. Omrzel (Bahrain Victorious Development), Alec Segaert (Lotto), Attila Valter (Visma - Lease a Bike)

Teamleitung:
Manager:Milan Erzen
Sportdirektor: Gorazd Stangelj
Sportliche Leiter: Borut Bozic, Xavier Florencio, Andrea Fusaz, Enrico Gasparotto, Michal Golas, Roman Kreuziger, Nikolas Maes, Vladimir Miholjevic, Franco Pellizotti, Loic Segaert, Ioannis Tamouridis, Art Vierhouten

Material:
Rahmenhersteller: Bianchi
Gruppe: Shimano
Laufräder: Vision
Reifen: Continental
Trikot: Alé
Helm: Rudy Project

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