Vingegaard bleibt Vuelta-Spitzenreiter

Ganna bejubelt nach Geduldsprobe Zeitfahrsieg vor Vine

Von Sebastian Lindner

Foto zu dem Text "Ganna bejubelt nach Geduldsprobe Zeitfahrsieg vor Vine"
Filippo Ganna (Ineos Grenadiers) hat die 18. Etappe der Vuelta a Espana gewonnen. | Foto: Cor Vos

11.09.2025  |  (rsn) – Eigentlich war es eine schnelle Angelegenheit für Filippo Ganna. Nach genau 13 Minuten auf der Strecke der 18. Etappe der Vuelta a Espana war sein Arbeitstag auch schon wieder beendet. Doch dann wurde es in Valladolid zäh für den Profi von Ineos Grenadiers. Zweieinhalb Stunden sollte es dauern, bis letztlich klar war, ob sich die lange Warterei im heißen Stuhl gelohnt haben würde.

Eisern hielt der Italienische Zeitfahrmeister im Hot Seat durch, überstand dabei auch den bangen Moment, als Jay Vine (UAE – Emirates – XRG) bis auf neun Zehntel an seine Zeit herankam. Als dessen Teamkollege Joao Almeida dann ebenfalls durch war und mit acht Sekunden Rückstand Dritter wurde, konnte sich Ganna entspannen. Denn nur noch Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) war auf der Strecke, der Däne aber konnte ihm nicht mehr gefährlich werden.

Für Ganna war es der zweite Sieg bei einer Spanien-Rundfahrt. Schon vor zwei Jahren hatte er ein Zeitfahren gewonnen – wie nun auch in Valladolid. Der Kurs in der größten Stadt der Region Kastilien und León war aufgrund von Sicherheitsbedenken am Vorabend der Etappe von 27,2 auf 12,2 Kilometer verkürzt worden. Zwischenfälle blieben aus, der Sport stand im Fokus. Und die Fans bekamen eine Spitzenleistung zu sehen. Ganna feierte seinen dritten Saisonsieg – alle im Zeitfahren - mit einem Schnitt von 56,2 km/h. Darüber hinaus hielt Almeida die Vuelta offen und verkürzte den Abstand auf Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike), der Neunter wurde, um zehn auf 40 Sekunden.

“Nach der Nachricht der Streckenänderung gestern Abend war es natürlich etwas seltsam, aber ich habe versucht, heute mein Bestes zu geben. Im ersten Teil mit vielen Kurven habe ich versucht, aggressiv zu fahren, aber ich habe auch wirklich versucht, nicht zu viele Risiken einzugehen“, berichtete der 29-Jährige, der nach acht Kilometern noch nicht die Bestzeit innehatte, aber ein fulminantes Finale hinlegte. “Im zweiten Teil habe ich versucht, gut zu pushen. Ich habe nicht so sehr auf meine Zahlen geachtet, sondern bin einfach meinem Gefühl gefolgt. Der Leistungsmesser zeigt nur eine Zahl an, aber die kann richtig sein oder auch falsch. Ich denke also, dass letztendlich eine spontane Entscheidung auf dem Rad die beste Lösung für den Tag ist“, so Ganna,

Sie war es ohne Frage, reichte es doch für den Tagessieg. Zufriedenheit beim Italiener. Zufriedenheit auch beim Portugiesen. Denn auch Almeida zeigte, dass sich Vingegaard eine Bergankunft vor dem Ende der Rundfahrt seines Gesamtsieges noch nicht zu sicher sein sollte. Dahinter hingegen konnte Thomas Pidcock (Q36.5) drei Sekunden auf Jai Hindley (Red Bull – Bora – hansgrohe) herausfahren und seinen Vorsprung gegenüber dem Australier damit auf 39 Sekunden schrauben. Ebenfalls kein beruhigendes Polster, aber eine Tendenz.

Gall verliert eine weitere Position im Klassement

Zu den Gewinnern des Tages zählte – durchaus überraschend – auch Matthew Riccitello (Israel – Premier Tech). Das Leichtgewicht aus den USA war bis dato keineswegs als Zeitfahrtalent bekannt und stand obendrein auf dem Kieker der pro-palästinensischen Demonstranten, konnte aber auf den Großteil seiner direkten Konkurrenten Zeit gutmachen.

Dem Österreicher Felix Gall (Decathlon – AG2R) nahm der 23-Jährige fünf Sekunden ab und zog damit in der Gesamtwertung um drei Sekunden am Österreicher vorbei auf Rang sechs. Und auch Giulio Pellizzari (Red Bull – Bora – hansgrohe), der aus den Top 7 das schwächste Zeitfahren ablieferte, darf sich dem fünften Platz und dem Weißen Trikot bei nun 58 Sekunden Vorsprung auf Riccitello noch nicht allzu sicher sein.

Die anderen Wertungstrikots scheinen hingegen fix. Vine, der nur um Haaresbreite an seinem dritten Tagessieg vorbeifuhr, hat mit 61 Zählern im Kampf um die Bergwertung 20 Punkte Vorsprung auf Vingegaard. Dem Mann in Grün, Mads Pedersen (Lidl – Trek), ist das Punktetrikot ohnehin nur noch theoretisch zu nehmen.

Als 26. mit 35 Sekunden Rückstand lieferte Maximilian Schachmann (Soudal – Quick-Step) das beste Zeitfahren eines deutschen Starters ab.

So lief die 18. Etappe der Vuelta 2025:

Mit Oscar Riesebeek (Alpecin – Deceuninck) jagte der erste Profi sozusagen als Testballon über den verkürzten Kurs. An mehreren Stellen der Strecke hatten sich pro-palästinensische Gruppen versammelt, die allesamt von zahlreichen Polizeikräften überwacht wurden. Es blieb ruhig, nicht nur bei Riesebeek, der mit 14:46 Minuten die erste Zeit lieferte.

Als Fünfter startete Daan Hoole (Lidl – Trek), der dann direkt eine Zeit setzte, die schon eher als Richtwert gelten konnte. 13:19 Minuten lieferte der Niederländer, der später erklärte, sich die Kräfte aber nicht perfekt eingeteilt zu haben. Und dann dauerte es auch nicht lange, bis Ganna kam. Der Italiener, als 17. Fahrer gestartet, ließ es verhältnismäßig ruhig angehen, blieb an der ersten Zwischenzeit noch hinter Hoole zurück. Doch vor allem auf dem Rückweg ins Ziel nach einem Kreisverkehr zur Wendemarke, war Ganna nicht zu stoppen. Mit glatt 13 Minuten lieferte der Ex-Weltmeister eine Zeit, die nicht mehr zu unterbieten war.

Ernsthafte Versuche gab es derweil noch reichlich. Auch Pedersen gehörte zu den Kandidaten, die Interesse am Tagessieg anmeldeten. Und bis zur zweiten Zwischenzeitlich sah das auch gut aus. Zwei Zehntel hatte der Mann im Grünen Trikot dort noch Vorsprung auf Ganna. Diesen Speed konnte der Däne aber nicht halten.

Das Streckenprofil der 18. Etappe der Vuelta a Espana | Foto: Veranstalter

Ähnlich erging es Küng. Der Schweizer toppte Pedersens Bestzeit nach acht Kilometern sogar nochmal um drei Sekunden, musste danach aber auch deutlich Federn lassen und fiel im Zwischenklassement sogar noch hinter den ersten Ganna-Verfolger Ivo Oliveira (UAE – Emirates – XRG) zurück, der zehn Sekunden hinter dem Besten rangierte.

Danach passierte lange nichts - bis Vine kam. Der Mann im Bergtrikot war an der ersten Zwischenzeit schneller als Ganna, an der zweiten lieferte er sogar den Bestwert, war dort sogar neun Sekunden schneller als der Italiener. Allerdings profitierte er dabei auch von reichlich Windschatten, den ihm unter anderem Jury-Fahrzeuge spendeten. Im Ziel fehlten Vine dann ganze neun Zehntel auf Ganna.

Nach dem Australier konnte zunächst nur noch Armirail ganz vorne reinschieben. Knapp zehn Sekunden hinter Ganna sortierte er sich vorerst auf Rang drei ein. Danach ging es noch einen Platz weiter nach hinten, weil Almeida ein starkes Finale fuhr und sich acht Sekunden hinter Ganna als finaler Dritter noch vor den französischen Meister schob. Für die letzte Veränderung in den Top 10 sorgte Vingegaard, der Tagesneunter wurde, aber zehn Sekunden langsamer war als sein großer Gegner im Kampf um Rot.

Results powered by FirstCycling.com

Mehr Informationen zu diesem Thema

29.10.2025Pidcock: “Ich war in der besten Form meines Lebens“

(rsn) – Fünf Siege feierte Tom Pidcock in seiner ersten Saison beim Schweizer Zweitdivisionär Q36.5 Pro Cycling Team. Zwar ging er bei WorldTour-Rennen leer aus, dennoch erklärte der Brite gegenÃ

18.09.2025Anti-Gewalt-Kommission fordert Strafen gegen Vuelta-Protestierer

(rsn) – Die Meinungen zu den pro-palästinensischen Protesten, bei denen gewalttätige Demonstranten den Abbruch der 80. Vuelta a Espana (2.UWT) erzwangen, gehen in Spanien nach wie vor weit ausein

16.09.2025UCI will in Ruanda Proteste wie bei der Vuelta verhindern

(rsn – Nach den Massenprotesten am letzten Tag der Vuelta a Espana, in deren Folge die 21. Etappe in Madrid nicht ausgetragen werden konnte, hat der Radsportweltverband UCI angekündigt, dass es in

15.09.2025UCI äußert “völlige Ablehnung und tiefe Besorgnis“ nach Vuelta-Chaos

(rsn) – Lange Zeit war während der Vuelta nichts von der UCI zu hören. Der Weltverband berief sich auf seine politische Neutralität und hielt sich raus, während bei einem der wichtigsten Wettbew

15.09.2025“Das war organisiertes Verbrechen“ - “Sie waren fast wie wilde Tiere“

(rsn) – Die Vuelta Espana 2025 wird als besonders in die Geschichte eingehen. Nicht unbedingt aufgrund der sportlichen Auffälligkeit, wenngleich Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) unter ande

15.09.2025Vuelta-Chef Guillén spricht von “absolut inakzeptablen“ Verhältnissen

(rsn) – Dass Sport und Politik selten harmonieren, ist keine neue Erkenntnis. In der Dimension der auftretenden Probleme hat die Vuelta a Espana aber zumindest in Radsport-Verhältnissen gemessen ne

15.09.2025Pidcock strahlt neben Vingegaard: Wo geht die Reise hin?

(rsn) – Thomas Pidcock (Q36.5 Pro Cycling Team) hat bei der 80. Ausgabe der Vuelta a España Geschichte geschrieben. Sein dritter Gesamtrang in Spanien bescherte zum zweiten Mal in diesem Jahrtausen

15.09.2025Vingegaard & Co. am Hotelparkplatz auf Kühlboxen geehrt

(rsn) - Die pro-palästinensischen Proteste, die am Sonntag für ein vorzeitiges Ende der Vuelta 2025 sorgten, hatten nicht nur die letzte Etappe auf dem Gewissen, sondern auch die offizielle Siegereh

15.09.2025Zwischen Stolz und Unvollendung: Vingegaards seltsamer Triumph

(rsn) – Jonas Vingegaard (Team Visma – Lease a Bike) hat die 80. Ausgabe der Vuelta a España und damit die dritte Grand Tour seiner Karriere gewonnen. Vor João Almeida (UAE - Emirates – XRG/+1

14.09.2025Liste der ausgeschiedenen Fahrer / 21. Etappe

(rsn) - 184 Profis aus 23 Teams sind am 23. August in Turin in Norditalien zur 80. Vuelta a Espana (2.UWT) angetreten. 3151 Kilometer ist die Spanien-Rundfahrt in diesem Jahr lang, nicht weniger als

14.09.2025Madrids Bürgermeister übt scharfe Kritik nicht nur an Demonstranten

(rsn) – Madrids Bürgermeister José Luis Martinez-Almeida hat nach dem Abbruch der Schlussetappe der 80. Vuelta a Espana mit scharfer Kritik an den Demonstranten reagiert und auch Spaniens Minister

14.09.2025Vuelta-Schlussetappe wegen erneuter Proteste vorzeitig beendet

(rsn) - Von wegen Champagnerfahrt nach Madrid: Die 80. Vuelta a Espana ist 55 Kilometer früher als geplant beendet worden. Pro-palästinensische Demonstranten stoppten zunächst das Peloton noch auf

Weitere Radsportnachrichten

06.01.2026Mit “Mont Ventoux Norwegens“ und Finale an den Hängen der Ski-WM

(rsn) – Während es 2026 keine Tour of Norway geben wird, weil die öffentlichen Förderungen gestrichen wurden, steht das Arctic Race of Norway (2.Pro) auch in diesem Jahr wieder im Rennkalender. I

06.01.2026Diese WorldTour-Profis haben noch keinen Vertrag für die neue Saison

(rsn) – Das neue Jahr hat begonnen, doch noch immer stehen einige WorldTour-Profis ohne neuen Vertrag da. Nicht alle Fahrer, die 2025 noch in der Elite-Liga des Radsports angestellt waren, werden

06.01.2026Chirurg erwartet drei Monate Pause für van Aert

(rsn) - Ludovic Robeet kann seine Karriere als Radprofi fortsetzen. Der Belgier in Diensten von Cofidis, der im September 2025 einen Schlaganfall erlitten hatte, teilte die guten Nachrichten via Insta

06.01.2026Gee macht Lidl-Trek komplett

(rsn) - In unserem ständig aktualisierten Transferticker informieren wir Sie regelmäßig über Personalien aus der Welt des Radsports. Ob es sich um Teamwechsel, Vertragsverlängerungen oder Rücktr

06.01.2026Healy legt Fokus in den kommenden beiden Jahren wieder auf die WM

(rsn) – Etappensieger bei der Tour de France, Träger des Gelben Trikots, Dritter im Straßenrennen der Weltmeisterschaften von Ruanda und auch bei Lüttich-Bastogne-Lüttich: Ben Healy (EF Educatio

06.01.2026Die Trikots der WorldTour-Teams für die Saison 2026

(rsn) - Wie sieht das Peloton 2026 aus? Welche Farben werden in der kommenden Saison vorherrschend sein? Nach und nach stellen die WorldTour-Rennställe ihre Trikots für das neue Jahr vor - den Anfan

06.01.2026Regenbogenpower für die neue Saison

(rsn) – Erst 2024 gegründet, steigt EF Education - Oatly schon im dritten Jahr die WorldTour auf. Zwar gab es von 2005 bis 2023 mit EF Education - Tibco SVB bereits ein amerikanisches Frauen-Team,

06.01.2026Die Trikots der Women´s WorldTour-Teams für die Saison 2026

(rsn) – 14 Rennställe umfasst die Women´s WorldTour in der Saison 2026. Doch wie treten diese 14 Mannschaften im neuen Jahr auf? Welche Farben zieren ihre Trikots, welche Art von Designs werden ge

05.01.2026Mehr Aerodynamik: Milan mit veränderter Position auf dem Rad

(rsn) - Jonathan Milan (Lidl - Trek) hat während der Saisonpause an seiner Position auf dem Rad gearbeitet - und einige Änderungen vorgenommen. "Es ging um die Verbesserung meiner Position", sagte

05.01.2026Van der Poel: “Bin noch nicht in Topform“

(rsn) – Er kam, sah und siegte – neun Mal in drei Wochen. Mathieu van der Poel dominierte die Szene seit seinem Einstieg in die Cyclocross-Saison 2025/26. Nach einer perfekten Bilanz mit neun S

05.01.2026Teambudgets und -gehälter steigen auch 2026 weiter an

(rsn) – Das Budget der WorldTour-Teams der Männer und Frauen ist auch für das Jahr 2026 wieder stark angewachsen. Laut der Gazzetta dello Sport, die sich auf UCI-Zahlen beruft, stieg es um 4,5 Pr

05.01.2026Mit neuer Führung in ein richtungsweisendes Jahr

(rsn) – Nach dem Aus des Ceratizit-Teams ist Canyon – SRAM – zondacrypto das einzig verbleibende deutsche Team in der Women´s WorldTour. Der in Leipzig beheimatete Rennstall erreichte 2024 mit

RADRENNEN HEUTE

    Radrennen Männer

  • Antwerp Port Epic (1.1, BEL)
  • Tour de Gyeongnam (2.2, KOR)