Tour-de-France-Start 2026 in Barcelona in Gefahr?

Vuelta-Chef Guillén spricht von “absolut inakzeptablen“ Verhältnissen

Von Sebastian Lindner

Foto zu dem Text "Vuelta-Chef Guillén spricht von “absolut inakzeptablen“ Verhältnissen"
MAssive Proteste verhindern die Beendigung der 21. Etappe der Vuelta Espana 2025. | Foto: Cor Vos

15.09.2025  |  (rsn) – Dass Sport und Politik selten harmonieren, ist keine neue Erkenntnis. In der Dimension der auftretenden Probleme hat die Vuelta a Espana aber zumindest in Radsport-Verhältnissen gemessen neue Dimensionen gesetzt. Radsport als Bühne für Protestaktionen – das hat es schon immer gegeben. Immer wieder mal sind kleine Rennen betroffen, doch auch die große Reichweite der Tour de France lockt Protestler. 2018 etwa waren es Bauern, die gegen ihre schwierige Situation revoltierten, 2023 sorgten Klimaaktivisten für die Unterbrechung einer Etappe. Und auch die jüngste Austragung blieb nicht verschont, doch ging alles glimpflich ab, als im Finale der 11. Etappe eine Person im Zielbereich plötzlich auf der Strecke lief, als Jonas Abrahamsen (Uno-X Mobility) knapp daneben seinen Etappensieg feierte.

Schon da drehte sich die Aktion um Gaza und Israel. Vergleichbar mit dem, was sich bei dieser Vuelta abspielte, war die Situation aber keinesfalls. Mehrere Etappen ohne Sieger, dazu eine abgebrochene Finaletappe und für die Sportler keine Gelegenheit, sich nach drei Wochen Strapazen feiern zu lassen, denn auch die Siegerzeremonie in Madrid viel den pro-palästinensischen Protesten zum Opfer.

“Was passiert ist, war absolut inakzeptabel. Ich bedauere das Bild, das der Welt dadurch vermittelt wurde“, sagte Vuelta-Renndirektor Javier Guillén auf der Pressekonferenz nach der abgebrochenen letzten Etappe, denn immerhin die hatte stattfinden können. “Es sollte sich nicht wiederholen, denn ich glaube nicht, dass wir irgendetwas Positives mitnehmen können. Es ist in Ordnung, wenn Menschen die Vuelta nutzen, um ihre Meinung zu äußern, aber wir fordern auch Respekt für das Rennen. Gestern war ein trauriger, beklagenswerter Tag, es waren sehr schwierige Momente, die Bilder sprechen für sich.“

Guillén warnt vor “Domino-Effekt“

Schon beim Mannschaftszeitfahren auf der 5. Etappe gab es erstmals größere Probleme, als das Team Israel – Premier Tech, gegen dessen Teilnahme an der Vuelta sich die Proteste richten, plötzlich von mehreren Menschen auf der Strecke aufgehalten wurde. Allerdings verzichtete das Team darauf, die Vuelta zu verlassen, auch die UCI wollte sich nicht gegen die Mannschaft richten und an deren Startrecht rütteln.

Daraufhin verschärften sich die Störaktionen, die fortan nicht mehr nur die einzelne Mannschaft betrafen, sondern das komplette Rennen. Die 11. Etappe wurde neutralisiert, es gab keinen Sieger. Abgeänderte Streckenverläufe, verkürzte Etappen, verlegte Ziele und Zeitnahmen. Schließlich die Eskalation mit dem vorzeitigen Ende der Rundfahrt. Dass Vuelta-Chef Guillén der Entscheidung der UCI, Israel nicht aus dem Rennen zu nehmen – er selbst sah sich dazu durch das garantierte Startrecht nicht in der Lage – wenig begrüßte, war offensichtlich.

“Ich hoffe, es gibt jetzt keinen Domino-Effekt“, sagte er und hatte dabei vor allem schon den Start der Tour de France 2026 im Blick. "Barcelona wird die Tour de France ausrichten, aber es ist offensichtlich, dass internationale Organisationen nach dieser Vuelta gewisse Entscheidungen treffen müssen. Und auch der Radsport muss sich etwas einfallen lassen", sagte er.

Dass die Gefahr vor allem in Spanien gesehen wird, liegt in den Augen mehrere Betrachter auch daran, dass die Demonstranten von höchster Stelle Unterstützung erhalten. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sanchez habe “tiefe Bewunderung“ für sie ausgedrückt und wie die Pro-Palästina-Bewegung ebenfalls gefordert, Israel von allen internationalen Sportevents auszuschließen.

Mehr Informationen zu diesem Thema

29.10.2025Pidcock: “Ich war in der besten Form meines Lebens“

(rsn) – Fünf Siege feierte Tom Pidcock in seiner ersten Saison beim Schweizer Zweitdivisionär Q36.5 Pro Cycling Team. Zwar ging er bei WorldTour-Rennen leer aus, dennoch erklärte der Brite gegenÃ

18.09.2025Anti-Gewalt-Kommission fordert Strafen gegen Vuelta-Protestierer

(rsn) – Die Meinungen zu den pro-palästinensischen Protesten, bei denen gewalttätige Demonstranten den Abbruch der 80. Vuelta a Espana (2.UWT) erzwangen, gehen in Spanien nach wie vor weit ausein

16.09.2025UCI will in Ruanda Proteste wie bei der Vuelta verhindern

(rsn – Nach den Massenprotesten am letzten Tag der Vuelta a Espana, in deren Folge die 21. Etappe in Madrid nicht ausgetragen werden konnte, hat der Radsportweltverband UCI angekündigt, dass es in

15.09.2025UCI äußert “völlige Ablehnung und tiefe Besorgnis“ nach Vuelta-Chaos

(rsn) – Lange Zeit war während der Vuelta nichts von der UCI zu hören. Der Weltverband berief sich auf seine politische Neutralität und hielt sich raus, während bei einem der wichtigsten Wettbew

15.09.2025“Das war organisiertes Verbrechen“ - “Sie waren fast wie wilde Tiere“

(rsn) – Die Vuelta Espana 2025 wird als besonders in die Geschichte eingehen. Nicht unbedingt aufgrund der sportlichen Auffälligkeit, wenngleich Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) unter ande

15.09.2025Pidcock strahlt neben Vingegaard: Wo geht die Reise hin?

(rsn) – Thomas Pidcock (Q36.5 Pro Cycling Team) hat bei der 80. Ausgabe der Vuelta a España Geschichte geschrieben. Sein dritter Gesamtrang in Spanien bescherte zum zweiten Mal in diesem Jahrtausen

15.09.2025Vingegaard & Co. am Hotelparkplatz auf Kühlboxen geehrt

(rsn) - Die pro-palästinensischen Proteste, die am Sonntag für ein vorzeitiges Ende der Vuelta 2025 sorgten, hatten nicht nur die letzte Etappe auf dem Gewissen, sondern auch die offizielle Siegereh

15.09.2025Zwischen Stolz und Unvollendung: Vingegaards seltsamer Triumph

(rsn) – Jonas Vingegaard (Team Visma – Lease a Bike) hat die 80. Ausgabe der Vuelta a España und damit die dritte Grand Tour seiner Karriere gewonnen. Vor João Almeida (UAE - Emirates – XRG/+1

14.09.2025Liste der ausgeschiedenen Fahrer / 21. Etappe

(rsn) - 184 Profis aus 23 Teams sind am 23. August in Turin in Norditalien zur 80. Vuelta a Espana (2.UWT) angetreten. 3151 Kilometer ist die Spanien-Rundfahrt in diesem Jahr lang, nicht weniger als

14.09.2025Madrids Bürgermeister übt scharfe Kritik nicht nur an Demonstranten

(rsn) – Madrids Bürgermeister José Luis Martinez-Almeida hat nach dem Abbruch der Schlussetappe der 80. Vuelta a Espana mit scharfer Kritik an den Demonstranten reagiert und auch Spaniens Minister

14.09.2025Vuelta-Schlussetappe wegen erneuter Proteste vorzeitig beendet

(rsn) - Von wegen Champagnerfahrt nach Madrid: Die 80. Vuelta a Espana ist 55 Kilometer früher als geplant beendet worden. Pro-palästinensische Demonstranten stoppten zunächst das Peloton noch auf

13.09.2025Riccitello fährt Pellizzari am letzten Berg aus dem Weißen Trikot

(rsn) - Fast wären alle Wertungstrikots in der zweiten Hälfte der Vuelta auf den gleichen Schultern geblieben. Auf der 20. Etappe der Rundfahrt kam es aber doch noch zu einem Führungswechsel in der

Weitere Radsportnachrichten

19.02.2026Radsport live im Stream und im TV: Die Rennen des Tages

(rsn) – Welche Radrennen finden heute statt? Wo und wann kann man sie live im Fernsehen oder Stream verfolgen? Und wo geht´s zum Live-Ticker? In unserer Tagesvorschau informieren wir über die wic

19.02.2026“Bergprüfung bestanden“: Red Bull mit Lipowitz‘ Auftritt zufrieden

(rsn) – Bei der ersten Kletterprüfung der 52. Algarve-Rundfahrt (2.Pro) konnte Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe) bis gut 3,5 Kilometer vor dem Ziel das Tempo in der Favoritengruppe

19.02.2026Seixas schlägt am Alto da Foia Ayuso und Almeida

(rsn) – Paul Seixas (Decathlon - CMA CGM) hat die 2. Etappe der Algarve-Rundfahrt (2.Pro) gewonnen. Der 19-jährige Franzose holte sich über 147,2 Kilometer von Portimão zum Alto da Fóia aus ein

19.02.2026Pogacar wird im Training von “Motorrad-Bodyguard“ begleitet

(rsn) - In jüngster Zeit gab es mehrfach Aufregung um Radtouristen, die Profis auf deren Trainingsfahrten belästigten. Zuletzt kam in der Nähe des südspanischen Malaga dabei sogar Jonas Vingegaard

19.02.2026Decathlon-Pechsträhne hält an: Auch Ghys fällt aus

(rsn) - In wenigen Worten zu vermelden, deshalb aber nicht weniger wichtig: In unserer Rubrik "Kurz gemeldet" fasst die Redaktion von radsport-news.com die Kurznachrichten des Tages aus der Welt des R

19.02.2026Highlight-Video der 4. Etappe der UAE Tour

(rsn) - Es war eine verdammt enge Kiste, aber am Ende hatte erstmals bei dieser Rundfahrt Jonathan Milan (Lidl - Trek) die Nase vorn. Und es waren nicht seine Sprintrivalen, zu denen dieses Mal auch s

19.02.2026Romeo wird Mitausreißer Leknessund los und jubelt in Andalusien

(rsn) – Den entscheidenden Antritt setzte er 1900 Meter vor dem Ziel, der vorentscheidene war schon rund 80 Kilometer vor dem Ende erfolgt: Ivan Romeo (Movistar) hat die 2. Etappe der Andalusien-Run

19.02.2026Van Gils schildert Jaen-Unfall und erhebt keine Vorwürfe gegen Christen

(rsn) – Maxim Van Gils (Red Bull – Bora – Hansgrohe) hat nach seinem schweren Sturz den groben Weg seiner Rückkehr in den Rennmodus skizziert. Der 26 Jahre alte Belgier ist zurück in der Heima

19.02.2026Milan-Brüder fangen Ausreißer auf den letzten Drücker noch ab

(rsn) – Dass sie so weit kommen würden, hätten sie wohl selbst nicht geglaubt. Nur sehr langsam schrumpfte der Vorsprung und so mussten sich die Ausreißer der 4. Etappe der UAE Tour doch noch Ged

18.02.2026Magnier beendet Quick-Step-Sieglosserie an der Algarve

(rsn) - Paul Magnier (Soudal - Quick-Step) macht da weiter, wo er letztes Jahr aufgehört hat. Der 21-Jährige gewann die stark besetzte Sprintankunft der 1. Etappe der 52. Algarve-Rundfahrt (2.Pro) n

18.02.2026Evenepoels Einbruch am Berg kommt nicht völlig unerwartet

(rsn) – Die Meinungen gingen im Ziel bei Red Bull – Bora – hansgrohe ein wenig auseinander. “Vielleicht war er ein wenig zu enthusiastisch am Anfang und hat sich sehr gut gefühlt, aber dafür

18.02.2026Highlight-Video der 3. Etappe der UAE Tour

(rsn) - Nicht Remco Evenepoel (Red Bull - Bora - hansgrohe) und auch nicht Isaac Del Toro (UAE - Emirates - XRG) heißt der Sieder der ersten Bergankunft der UAE Tour 2026, sondern Antonio Tiberi (Bah