RSNplusAlmeida stichelt scherzhaft

Vingegaard und Visma in den Pyrenäen im Energiesparmodus

Von Felix Mattis

Foto zu dem Text "Vingegaard und Visma in den Pyrenäen im Energiesparmodus"
Jonas Vingegaard (Visma - Lease a Bike, Bildmitte) klebte Joao Almeida (UAE - Emirates - XRG) hinauf nach Cerler am Hinterrad. | Foto: Cor Vos

29.08.2025  |  (rsn) – Während Juan Ayuso (UAE – Emirates – XRG) hinauf nach Cerler zum Etappensieg gestürmt ist und damit Wiedergutmachung für seinen Einbruch am Vortag in Andorra betrieben hat, blieb auf der zweiten Pyrenäen-Etappe der 80. Vuelta a Espana (2.UWT) der große Schlagabtausch zwischen den Gesamtsiegskandidaten aus.

Ayusos Teamkollege Joao Almeida wagte die einzige Attacke, hatte damit aber keinen Erfolg und so kamen er, Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike), Egan Bernal (Ineos Grenadiers), Jai Hindley (Red Bull – Bora – hansgrohe) und Co. zeitgleich im Tagesziel an.

"Es ist, wie es ist", gab sich Almeida nach dem 188 Kilometer langen siebten Teilstück über vier kategorisierte Anstiege und 4.211 Höhenmeter gegenüber Eurosport gleichgültig. "Ich habe es versucht und vielleicht hätte es Abstände geben können. Aber sie wollten auch nicht wirklich zusammenarbeiten, also hat es nicht geklappt." ___STEADY_PAYWALL___

Almeida griff rund fünf Kilometer vor dem Ziel an und sprengte die da noch knapp 20-köpfige Favoritengruppe. Doch sowohl Vingegaard als auch Ciccone klebten sofort am Hinterrad des 27-Jährigen, der in diesem Jahr bereits die Baskenland-Rundfahrt ( 2.UWT) sowie die Tour de Romandie (2.UWT) und die Tour de Suisse (2.UWT) für sich entscheiden konnte.

Nach dem Angriff von Almeida (rechts) waren Vingegaard (2. von rechts) und Ciccone (3. von rechts) sofort am Hinterrad des Portugiesen – und auch Kuss (ganz links) folgte mit Bernal (verdeckt) schnell. | Foto: Cor Vos

Weder der Däne noch der Italiener wollten wirklich konsequent mit Almeida zusammenarbeiten und so kamen recht schnell Vingegaard-Teamkollege Sepp Kuss sowie Bernal von hinten erneut heran. Kuss beschleunigte nochmals kurz, doch dann war die Luft wieder raus und die Gruppe wuchs wieder auf 15 Mann an und fuhr so auch ins Ziel – abgesehen von UAE-Helfer Marc Soler, der auf den letzten zwei Kilometern wegsprang und fünf Sekunden vor den anderen den Zielstrich überquerte.

"Habe gemerkt, dass sie kein hartes Finale wollen"

Soler war es auch, der Almeidas Angriff vorbereitet hatte, indem er vorher das von Visma vorgelegte Tempo erhöhte und die Gruppe in die Länge zog. "Ich habe gemerkt, dass sie nicht wirklich ein hartes Finale fahren wollten", sagte Almeida über die Fahrweise der Männer in Gelb. "Deshalb habe ich Marc gebeten, etwas Tempo zu fahren, um es zu probieren. Aber ehrlich gesagt hatte ich auch gedacht, der Anstieg wäre danach noch etwas härter."

Das war er nicht und so kamen auch keine Abstände unter den Top-Fahrern zustande. Vingegaard wiederum bestätigte den Eindruck des Portugiesen, dass Visma den Tag ungenutzt verstreichen lassen wollte. Die niederländische Equipe hatte sich schon im Etappenverlauf nicht an der Verfolgung der Ausreißergruppe um Ayuso beteiligt und dann im Schlussanstieg zwar die Führungsarbeit übernommen, dabei aber auch nicht richtig Vollgas gegeben.

Visma – Lease a Bike überließ die Führungsarbeit im Feld fast den ganzen Tag Bahrain Victorious. | Foto: Cor Vos

"Es war insgesamt ein ordentlicher Tag – kein leichter, aber wir wollten noch etwas unsere Energie sparen. Deshalb haben wir entschieden, heute nichts zu unternehmen. Es war trotzdem ein schwerer Schlussanstieg, aber das Team hat das gut gemacht", erklärte der Däne am Eurosport-Mikrofon. "Wenn wir gewollt hätten, hätten wir sicher um den Sieg kämpfen können. Aber wie gesagt: Wir wollten auch das Team noch etwas schonen und heben es uns für die zweite und dritte Woche auf. Da wird es noch schwer genug. Deshalb haben wir entschieden, nichts zu machen."

"Es ist ja nicht so, dass er sonst oft mitführt, oder?"

Dass Vingegaard dann auch nicht mitarbeitete, als er Almeidas Angriff gefolgt war und mit ihm sowie Ciccone alleine fuhr, überraschte daher kaum. Schließlich hätte er sonst seine Teamkollegen Kuss und vor allem Matteo Jorgenson distanziert, die nun 14. und Sechster im Gesamtklassement sind.

"Jonas musste nichts tun in der Situation, das ist verständlich", hatte Almeida dem zweifachen Tour-de-France-Sieger auch nichts vorzuwerfen, legte dann aber doch noch mit einem Lächeln einen Seitenhieb nach: "Außerdem ist es ja auch nicht so, dass er sonst oft mitführt, oder?"

Jay Vine (vorne im Bergtrikot) und Juan Ayuso (rechts) haben für UAE die ersten zwei Pyrenäenetappen gewonnen. | Foto: Cor Vos

So verließen beide die Pyrenäen zufrieden: Vingegaard mit 2:33 Minuten Rückstand aufs Rote Trikot von Torstein Traeen (Bahrain Victorious) auf dem zweiten und Almeida weitere acht Sekunden dahinter auf dem dritten Gesamtrang – aber bereits mit drei Tagessiegen für seine Mannschaft im Gepäck. "Für das gesamte Team ist das natürlich ein toller Tag", meinte er und blickte positiv voraus: "Ich fühle mich bisher jeden Tag gut und denke, das ist ein gutes Zeichen. Jetzt freue ich mich auf die nächsten schweren Etappen."

Nach einer Flachetappe nach Saragossa am Samstag geht es bereits am Sonntag mit der nächsten Kategorie-1-Bergankunft in Valdezcaray im Kampf um den Vuelta-Sieg weiter. Und obwohl das UAE-Team durch den großen Zeitverlust von siebeneinhalb Minuten durch Ayuso am Donnerstag den taktischen Kniff der Doppelspitze gegen Vingegaard nicht mehr spielen kann: Die Tatsache, dass der Spanier und auch Jay Vine jeweils schon einen Etappensieg einfahren konnten, ist für Almeida sicherlich hilfreich. So können sie sich in den kommenden zwei Wochen umso eher unterordnen und Helferdienste erfüllen – Bergtrikot-Jagd von Vine hin oder her.

Matteo Jorgenson und Sepp Kuss führen die Favoritengruppe dem Ziel entgegen. | Foto: Cor Vos

Mehr Informationen zu diesem Thema

29.10.2025Pidcock: “Ich war in der besten Form meines Lebens“

(rsn) – Fünf Siege feierte Tom Pidcock in seiner ersten Saison beim Schweizer Zweitdivisionär Q36.5 Pro Cycling Team. Zwar ging er bei WorldTour-Rennen leer aus, dennoch erklärte der Brite gegenÃ

18.09.2025Anti-Gewalt-Kommission fordert Strafen gegen Vuelta-Protestierer

(rsn) – Die Meinungen zu den pro-palästinensischen Protesten, bei denen gewalttätige Demonstranten den Abbruch der 80. Vuelta a Espana (2.UWT) erzwangen, gehen in Spanien nach wie vor weit ausein

16.09.2025UCI will in Ruanda Proteste wie bei der Vuelta verhindern

(rsn – Nach den Massenprotesten am letzten Tag der Vuelta a Espana, in deren Folge die 21. Etappe in Madrid nicht ausgetragen werden konnte, hat der Radsportweltverband UCI angekündigt, dass es in

15.09.2025UCI äußert “völlige Ablehnung und tiefe Besorgnis“ nach Vuelta-Chaos

(rsn) – Lange Zeit war während der Vuelta nichts von der UCI zu hören. Der Weltverband berief sich auf seine politische Neutralität und hielt sich raus, während bei einem der wichtigsten Wettbew

15.09.2025“Das war organisiertes Verbrechen“ - “Sie waren fast wie wilde Tiere“

(rsn) – Die Vuelta Espana 2025 wird als besonders in die Geschichte eingehen. Nicht unbedingt aufgrund der sportlichen Auffälligkeit, wenngleich Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) unter ande

15.09.2025Vuelta-Chef Guillén spricht von “absolut inakzeptablen“ Verhältnissen

(rsn) – Dass Sport und Politik selten harmonieren, ist keine neue Erkenntnis. In der Dimension der auftretenden Probleme hat die Vuelta a Espana aber zumindest in Radsport-Verhältnissen gemessen ne

15.09.2025Pidcock strahlt neben Vingegaard: Wo geht die Reise hin?

(rsn) – Thomas Pidcock (Q36.5 Pro Cycling Team) hat bei der 80. Ausgabe der Vuelta a España Geschichte geschrieben. Sein dritter Gesamtrang in Spanien bescherte zum zweiten Mal in diesem Jahrtausen

15.09.2025Vingegaard & Co. am Hotelparkplatz auf Kühlboxen geehrt

(rsn) - Die pro-palästinensischen Proteste, die am Sonntag für ein vorzeitiges Ende der Vuelta 2025 sorgten, hatten nicht nur die letzte Etappe auf dem Gewissen, sondern auch die offizielle Siegereh

15.09.2025Zwischen Stolz und Unvollendung: Vingegaards seltsamer Triumph

(rsn) – Jonas Vingegaard (Team Visma – Lease a Bike) hat die 80. Ausgabe der Vuelta a España und damit die dritte Grand Tour seiner Karriere gewonnen. Vor João Almeida (UAE - Emirates – XRG/+1

14.09.2025Liste der ausgeschiedenen Fahrer / 21. Etappe

(rsn) - 184 Profis aus 23 Teams sind am 23. August in Turin in Norditalien zur 80. Vuelta a Espana (2.UWT) angetreten. 3151 Kilometer ist die Spanien-Rundfahrt in diesem Jahr lang, nicht weniger als

14.09.2025Madrids Bürgermeister übt scharfe Kritik nicht nur an Demonstranten

(rsn) – Madrids Bürgermeister José Luis Martinez-Almeida hat nach dem Abbruch der Schlussetappe der 80. Vuelta a Espana mit scharfer Kritik an den Demonstranten reagiert und auch Spaniens Minister

14.09.2025Vuelta-Schlussetappe wegen erneuter Proteste vorzeitig beendet

(rsn) - Von wegen Champagnerfahrt nach Madrid: Die 80. Vuelta a Espana ist 55 Kilometer früher als geplant beendet worden. Pro-palästinensische Demonstranten stoppten zunächst das Peloton noch auf

Weitere Radsportnachrichten

09.03.2026Radsport live im Stream und im TV: Die Rennen des Tages

(rsn) – Welche Radrennen finden heute statt? Wo und wann kann man sie live im Fernsehen oder Stream verfolgen? Und wo geht´s zum Live-Ticker? In unserer Tagesvorschau informieren wir über die wic

09.03.2026“Max hatte Tränen in den Augen“: Kanter sammelt Selbstvertrauen

(rsn) – Ob ein Resultat als Durchbruch gewertet werden kann, lässt sich immer erst im Nachhinein sagen. Doch die 2. Etappe von Paris-Nizza hat für Max Kanter (XDS – Astana) zumindest das Potenzi

09.03.2026Wheel Divas feiern gelungenen Saisonauftakt

(rsn) - Mit der Umag Classic Ladies (1.2) am vergangenen Mittwoch und der Porec Classic Ladies (1.2) am Wochenende starteten die beiden deutschen Frauen-Kontinentalteams Wheel Divas und LKT in die ne

09.03.2026Erster WorldTour-Sieg: Kanter jubelt im Sprint

(rsn) - Mark Cavendish, Robbie McEwen, Max Kanter. Zumindest in der Ortschronik von Montargis steht der deutsche Sprinter jetzt in einer Reihe mit zwei legendären Sprintern, die hier ebenfalls schon

09.03.2026Tirreno: Walscheid kämpft sich gegen die Uhr zu Platz drei

(rsn) – Als Maximilian Walscheid (Lidl – Trek) zur einzigen Zwischenzeit des Auftaktzeitfahren bei Tirreno-Adriatico (2.UWT) kam, blitzte eine rote 0 auf. Sekundengleich mit Magnus Sheffield (Ineo

09.03.2026Ganna feiert vierten Sieg beim Zeitfahren im Lido di Camaiore

(rsn) - Filippo Ganna (Ineos Grenadiers) hat wie im Vorjahr das Auftaktzeitfahren von Tirreno-Adriatico (2.UWT) in Lido di Camaiore gewonnen. Für den Italiener ist es insgesamt der fünfte Sieg beim

09.03.2026Moore triumphiert bei Porec Classic, Koech auf dem Podium in Rhodos

(rsn) - Eine intensive und erfolgreiche Rennwoche liegt hinter den deutschen und österreichischen Kontinental-Teams. Bei gleich fünf Eintagesrennen der Kategorie 1.2 in Kroatien, Griechenland und de

09.03.2026Vingegaard kritisiert Paris-Nizza-Parcours

(rsn) – Mit 47 Sekunden Rückstand erreichte Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) bei seinem Saisoneinstand, dem Auftakt zu Paris-Nizza (2.UWT), das Ziel in Carrières-sous-Poissy. Grund zur Au

09.03.2026Bericht: Ineos mit neuem lukrativen Namenssponsor

(rsn) – Mit einem neuen Sponsor aus der IT-Branche will das britische Team Ineos Grenadiers in den kommenden Jahren die Lücke zu den “Superteams“ um UAE – Emirates – XRG und Co. schließen.

09.03.2026Walscheid bei Lidl - Trek: Pedersen und Milan als Motivations-Booster

(rsn) – Mit Tirreno-Adriatico (2.UWT) beginnt am Montag in Lido di Camaiore für Max Walscheid das zweite Etappenrennen in den Farben seines neuen, deutschen Teams Lidl – Trek. Und nachdem der Hei

08.03.2026Evenepoels Siege nehmen Roglic Druck von den Schultern

(rsn) – Als Primoz Roglic 2024 zu Red Bull – Bora – hansgrohe kam, war das eine Transfersensation. Das gesamte Team wurde auf den ehemaligen Skispringer ausgerichtet und der Toursieg sollte her.

08.03.2026“Drei WorldTeams jagen Van Eetvelt“

(rsn) - In unserem ständig aktualisierten Transferticker informieren wir Sie regelmäßig über Personalien aus der Welt des Radsports. Ob es sich um Teamwechsel, Vertragsverlängerungen oder Rücktr