Kritik an Motorrädern, Konkurrenz und eigenem Team

Frustrierter Simmons holt in Carcassonne zu Rundumschlag aus

Von Felix Mattis

Foto zu dem Text "Frustrierter Simmons holt in Carcassonne zu Rundumschlag aus"
Quinn Simmons (Lidl - Trek) in der Anfangsphase der 15. Etappe nach Carcassonne. | Foto: Cor Vos

20.07.2025  |  (rsn) – Quinn Simmons (Lidl – Trek) ist einer der angriffslustigsten Fahrer der Tour de France 2025. Unzählige Male hat der US-Meister bereits attackiert und auf vier der fünf Etappen, die von einem Ausreißer gewonnen wurden, war er Teil der Spitzengruppen – so auch am Sonntag auf dem Weg nach Carcassonne. Dort rollte er schließlich in der 22-köpfigen Verfolgergruppe von Tagessieger Tim Wellens (UAE – Emirates – XRG) als 21. ins Ziel und war anschließend schwer frustriert.

In den Interviews nach der Etappe nahm Simmons kein Blatt vor den Mund und kritisierte sowohl das Verhalten der Kamera-Motorräder als auch die Herangehensweise an den Tag von seinem eigenen Team.

"Es ist das dritte Mal in dieser Woche, dass ich glaube, dass die Motorradfahrer eine kleine Rolle gespielt haben. Das ist unglücklich. Aber wir wissen, dass das das Spiel ist bei der Tour. Und, schau, wenn Du derjenige bist, der wegkommt, dann hast Du diesen Vorteil und es gibt keine Chance für die Gruppe dahinter", sagte der 24-Jährige zum US-Sender FloBikes, als er sich auf der Rolle ausfuhr.

Simmons war der Meinung, dass Wellens nach seiner Attacke am Ende der letzten Steigung des Tages und über die Kuppe hinweg vom Windschatten des TV-Motorrads vor sich profitiert habe, weil dieses zu nah vor dem Belgier gefahren sei.

Tatsächlich fuhr das Motorrad bei Wellens' Attacke vor der Gruppe und tat das auch auf den flacheren zwei bis drei folgenden Kilometern noch. Der spätere Sieger wurde von vorne gefilmt und da die Strecke recht kurvig und Wellens trotzdem immer im Bild zu sehen war, kann der Abstand nicht besonders groß gewesen sein – ob aber zu klein, so dass der UAE-Profi wirklich einen großen Vorteil gehabt hätte, das lässt sich nur spekulieren. Wellens selbst jedenfalls reagierte, auf der Sieger-Pressekonferenz auf Simmons' Kommentar angesprochen, mit einem verbalen Achselzucken: "Jeder hätte attackieren können", so der Belgier.

Fakt ist: Wellens fuhr der Konkurrenz kontinuierlich Meter um Meter davon, während Warren Barguil (Picnic – PostNL), Simmons, Victor Campenaerts (Visma – Lease a Bike) und Aleksandr Vlasov (Red Bull – Bora – hansgrohe) dahinter im Vollsprint nicht mehr mitkamen. So kam Wellens als Solist über die Kuppe und hatte das entscheidende Loch von etwa zehn Sekunden gerissen, bevor sich das Motorrad schließlich hinter ihm einsortierte. Die Verfolger sahen ihn bis zum Ziel nicht mehr wieder, wo Wellens schließlich 1:28 Minuten vor Campenaerts und 1:36 Minuten vor dem Rest der großen Ausreißergruppe des Tages ankam.

"Wenn Wellens wegfährt, müssen alle mitarbeiten"

"Den ganzen Tag waren die Taktiken von allen etwas komisch. Wir hatten immer wieder so starke Gruppen, aber haben nie wirklich gut zusammengearbeitet. Und wenn dann jemand wie Wellens fährt, dann müssen alle mitarbeiten. Leider hatten wir einen wie Campenaerts dabei, der etwas von van Aert gebrabbelt hat die ganze Zeit. Und niemand wirft sich richtig rein, wenn einer dabei ist, der zockt. So ist das eben", monierte Simmons auch fehlende Zusammenarbeit in der Verfolgung des Solisten auf den letzten 40 Kilometern.

Doch der US-Amerikaner hatte nicht nur mit seinen Ausreißerkollegen und dem TV-Motorrad bei Wellens seine Probleme auf dieser 15. Tour-Etappe. Schon vor dem Start war ihm die Mannschaftsbesprechung bei Lidl – Trek offenbar gegen den Strich gegangen.

Denn die Teamleitung hatte offenbar gehofft, Sprinter Jonathan Milan für seinen Kampf ums Grüne Trikot bis zum Zwischensprint bei Kilometer 59,8 zu bringen – und vielleicht sogar einen Massensprint in Carcassonne zu erwirken. Beides gelang nicht, Milan ging auf der 15. Etappe komplett leer aus, weil am Zwischensprint bereits eine erste starke Ausreißergruppe vorne weg war, zu der später weitere Fahrer um Simmons vorsprangen.

Kritik auch am eigenen Team

"Wir hatten ein paar unterschiedliche Meinungen darüber, was auf dieser Etappe passieren wird. Leider musste ich etwas Energie am Anfang aufwenden, um das Rennen für etwas zu kontrollieren, was niemals passieren würde", kritisierte Simmons bei FloBikes ganz offen die Entscheidungsträger bei Lidl - Trek. "Aber Du musst tun, was der Funk Dir sagt."

Für den Mann aus Colorado wird die Jagd auf seinen erhofften Etappensieg, aber auch die Arbeit für das Grüne Trikot von Milan in der Schlusswoche seiner dritten Frankreich-Rundfahrt weitergehen – und zwar trotz der Kritik wohl nach ähnlichem Schema. Denn auch auf den verbleibenden sechs Etappen kommen die Zwischensprints meist vor den größeren topografischen Schwierigkeiten und Milan muss dort punkten, wenn er die Führung in der Sonderwertung bis nach Paris gegen Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG), der momentan 29 Zähler Rückstand hat, verteidigen will.

"Es gibt noch zwei, drei Möglichkeiten für mich"

"Es gibt noch zwei, drei Möglichkeiten für mich in der dritten Woche und hoffentlich sind meine Beine da okay", blickte er voraus. Diese 'zwei, drei Möglichkeiten' dürften jene drei Etappen sein, die nicht mit einer Bergankunft enden – mindestens eine davon könnte in Valence am Mittwoch auch im Massensprint enden und wäre mit den dort zu ergatternden 50 Punkten für Grün extrem wichtig. Man darf also gespannt sein, wie Lidl – Trek die Ansprüche des US-Amerikaners und des Italieners unter einen Hut bekommt.

Simmons jedenfalls stellte klar: "Ich bin nicht für den Preis des kämpferischsten Fahrers auf einer Etappe hier, sondern um eine Etappe zu gewinnen. Es gibt nur einen kämpferischster Fahrer-Award der zählt, und das ist der in Paris. Aber darüber denken wir nicht nach, wir sind für einen Etappensieg hier."

Mehr Informationen zu diesem Thema

12.11.2025Arensman: “Letztendlich ist Radsport nur eine Nebensache“

(rsn) – Bei der vergangenen Tour de France feierte Thymen Arensman (Ineos Grenadiers) die bisher größten Erfolge seiner Karriere. Aber nicht die auf der 14. Und 19. Etappe eindrucksvoll herausgef

04.11.2025Wellens erzählt von Pogacars Knieproblemen bei der Tour

(rsn) – Tim Wellens hat in einem Interview mit der französischen Sporttageszeitung L´Equipe konkreter über die Schwierigkeiten von Teamkollege Tadej Pogacar in der Schlusswoche der Tour de France

11.08.2025Gianetti: “Pogacar zu sein ist schön, aber nicht einfach“

(rsn) – Mauro Gianetti, der Teamchef von UAE – Emirates – XRG hat sich zum kommenden Rennkalender und zum Vuelta-Verzicht von Tadej Pogacar geäußert. Am Ende der Tour de Pologne sagte er gege

03.08.2025Liste der ausgeschiedenen Fahrerinnen / 9. Etappe

(rsn) - 154 Profis aus 22 Teams sind am 26. Juli im westfranzzösischen Vannes zur 4. Tour de Frances Femmes (2.WWT) angetreten, darunter sieben Deutsche, sechs Schweizerinnen und drei Österreicheri

31.07.2025Pogacar “langweilte“ sich in der zweiten Hälfte der Tour

(rsn) – Neben dem Gelben und dem Gepunkteten Trikot sicherte sich Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) bei der Tour de France 2025 vier Etappensiege. Den letzten davon feierte der Slowene ab

30.07.2025Häuslicher Unfall: Vauquelin bricht sich den Knöchel

(rsn) – Spätestens mit seinem siebten Platz bei der 112. Tour de France hat Kevin Vauquelin (Arkéa – B&B Hotels) auch international seinen Bekanntheitsgrad deutlich erhöht. Die Freude über das

29.07.2025Zwei Tage nach der Tour: Aldag verlässt Red Bull - Bora - hansgrohe

(rsn) – Rolf Aldag und Red Bull – Bora – hansgrohe gehen ab sofort getrennte Wege. Das kündigte der deutsche WorldTour-Rennstall überraschend zwei Tage nach Ende der Tour de France an, bei der

28.07.2025Lipowitz: “Manchmal ist der Sportchef nicht glücklich mit mir“

(rsn) - Nur Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe) konnte in den Bergen der Tour de France ansatzweise mit Tour-de-France-Sieger Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) und dem Zweitplat

28.07.2025Im Überblick: Alle Gelbe Karten bei der 112. Tour de France

(rsn) – Drei Tage hat es gedauert, bis die UCI-Jury bei der Tour de France 2025 zum ersten Mal hart durchgegriffen und Gelbe Karten verteilt hat: Im Sturzchaos von Dünkirchen bestraften die Kommiss

28.07.2025Angst, natürlicher Schwund und finanzielle Ungleichheit

(rsn) – Die Tinte in den Radsport-Geschichtsbüchern ist gerade erst getrocknet: Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) hat bei der Tour de France 2025 im direkten Duell mit seinem großen Widersa

28.07.2025Vingegaards “merkwürdige Tour“ endet auf Platz zwei

(rsn) – Das große Ziel hat Visma – Lease a Bike bei dieser Tour de France verfehlt. Jonas Vingegaard musste in Paris mit der zweiten Stufe auf dem Podium vorliebnehmen, der ewige Rivale Tadej Po

28.07.2025Montmartre wirklich einmalig? Prudhomme zieht Tourmalet-Vergleiche

(rsn) – Es sollte etwas Besonderes werden. Immerhin gab es ja auch einen runden Geburtstag zu feiern. Vor 50 Jahren endete die Tour de France erstmals in Paris auf den Champs-Élysées, Ex-Telekom-T

Weitere Radsportnachrichten

22.01.2026UAE-Doppelsieg: Vine zieht Narvaez mit sich und von allen davon

(rsn) – Jay Vine (UAE – Emirates – XRG) hat in Uraidla die schwere 2. Etappe der Tour Down Under 2026 vor seinem ecuadorianischen Teamkollegen Jhonatan Narvaez gewonnen. Das UAE-Duo setzte sich

21.01.2026Radsport live im TV: Die Rennen des Tages

(rsn) – Welche Radrennen finden heute statt? Wo und wann kann man sie live im Fernsehen oder Stream verfolgen? Und wo geht´s zum Live-Ticker? In unserer Tagesvorschau informieren wir über die w

21.01.2026Flèche Wallonne mit neuem Startort, Mur de Huy wieder im Triple

(rsn) – Die 90. Ausgabe des Flèche Wallonne wird am 22. April im Lütticher Vorort Herstal beginnen, nachdem der mittlere der drei Ardennenklassiker im vergangenen Jahr in Ciney gestartet war. Davo

21.01.2026Strade Bianche 2026 mit nur noch 64 Schotterkilometern

(rsn) – In den vergangenen Jahren packten die Organisatoren immer mehr Schwierigkeiten in den italienischen Frühjahrsklassiker Strade Bianche hinein. Zur am 7. März anstehenden 20. Ausgabe des üb

21.01.2026Omloop: Tenbosse-Parikeberg statt Elverenberg-Vossenhol

(rsn) – Auch in diesem Jahr wird die flämische Klassikersaison mit dem Omloop Het Nieuwsblad eröffnet. Wie die Organisatoren nun mitteilten, wird die am 28. Februar anstehende 81. Ausgabe auf eine

21.01.2026Im Jahr des Umbruchs “von neuen Möglichkeiten begeistert“

(rsn) – Obwohl nach wie vor im orange-blauen Trikot unterwegs, zeigt das Frauen-Team von Picnic - Post NL in diesem Jahr ein stark verändertes Gesicht. Die Equipe von General Manager Iwan Spekenbri

21.01.2026Nach Jakobsen auch Teamkollege Eekhof an Beckenarterien operiert

(rsn) – Mit Nils Eekhoff hat sich ein weiterer Profi Picnic - PostNL an den Beckenarterien operieren lassen müssen. Wie der 27-jährige Niederländer auf Instagram nun schrieb, sei der bereits in d

21.01.2026Highlight-Video der 1. Etappe der Tour Down Under

(rsn) – Tobias Lund Andresen hat in Australien seinem neuen Team Decathlon – CMA CGM einen frühen ersten Saisonsieg beschert. Der 23-jährige Däne entschied nach 120 Kilometern die 1. Etappe der

21.01.2026Prudhomme: Deutsche Tour-Bewerbung mit Berlin “stärker“

(rsn) – Bereits im vergangenen Jahr kursierten Meldungen über einen möglichen Start der Tour de France 2030 in Deutschland. Im April hatte der ehemalige BDR-Vorsitzende Rudolf Scharping die sächs

21.01.2026Mayrhofer bricht sich bei Tour Down Under mehrere Knochen

(rsn) – Für Marius Mayrhofer ist die Tour Down Under (2.UWT) bereits am zweiten Tag vorbei und auch seine Saison 2026 muss früh unterbrochen werden. Der Tudor-Profi kam knapp 44 Kilometer vor dem

21.01.2026Coles-Lyster feiert trotz Sturz endlich den ersten Profisieg

(rsn) – Maggie Coles-Lyster hat beim 2025 neu eingeführten Women´s One Day Race (1.Pro) zwei Tage nach dem Ende der Tour Down Under ihren ersten Profisieg im vierten Jahr als WorldTour-Profi gefei

21.01.2026Lund Andresen rauscht mit perfektem Decathlon-Timing zum Sieg

(rsn) – Tobias Lund Andresen hat schon im zweiten Renneinsatz nach dem Wechsel von Picnic – PostNL zu Decathlon – CMA CGM seinen ersten Sieg für den neuen Arbeitgeber eingefahren und sich im Hi

RADRENNEN HEUTE

    WorldTour

  • Santos Tour Down Under (2.UWT, AUS)
  • Radrennen Männer

  • Antwerp Port Epic (1.1, BEL)
  • Pune Grand Tour (2.2, IND)
  • Tour de Gyeongnam (2.2, KOR)