Pogacar im Finale der 11. Tour-Etappe gestürzt

Van der Poel kommt bei Abrahamsens Sieg zu spät

Von Sebastian Lindner und Guido Scholl

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Jonas Abrahamsen (Uno-X Mobility) gewinnt die 11. Etappe. | Foto: Cor Vos

16.07.2025  |  (rsn) – Ein Sprint entschied über den Sieger der 11. Etappe der Tour de France 2025. Es war allerdings keiner aus einem großen Feld heraus. Ein Duo kam nach 157 Kilometern rund um Toulouse gemeinsam auf die Zielgerade. Ein Duo, das sich bereits unmittelbar nach dem scharfen Start vom Feld abgesetzt hatte. Jonas Abrahamsen (Uno-X Mobility) hatte schließlich noch ein paar Körner mehr im Tank als Mauro Schmid (Jayco – AlUla) und sicherte sich und seinem Team den ersten Grand-Tour-Sieg überhaupt.

Mit sieben Sekunden Rückstand kam Mathieu van der Poel (Alpecin – Deceuninck) als Solist ins Ziel, der in den letzten Tagen damit weder als Jäger noch als Gejagter vom Glück verfolgt wurde. Van der Poel war gemeinsam mit Wout van Aert (Visma – Lease a Bike) Teil einer fünfköpfigen Verfolgergruppe, die sich im wilden Mittelteil der Etappe bildete, trotz eines lange Zeit geringen Abstandes aber nie die Lücke zur Spitze schließen konnte. Dazu kam: Als van der Poel am letzten Anstieg neun Kilometer vor dem Ziel aus dieser Verfolgergruppe heraus attackierte, ging er davon aus, dass er das Rennen anführte – Funkprobleme. Erst, als das Spitzenduo in Sichtweite kam, wurde ihm bewusst, dass er der Verfolger ist. Da war es dann aber zu spät.

Zu früh wäre die Tour um ein Haar für Tagessieger Abrahamsen gekommen. Der Norweger hatte sich vor vier Wochen bei der Belgien-Rundfahrt (2.Pro) das Schlüsselbein gebrochen. “Im Krankenhaus habe ic geweint, weil ich dachte, dass ich nicht zur Tour fahren können würde“, sagte der Norweger im Siegerinterview. “Ich habe mich zuhause auf den Hometrainer gesetzt und alles dafür getan, dass ich dabei sein kann.“ Es reichte. “Jetzt hier eine Etappe zu gewinnen, ist so wunderbar. Mauro Schmid war so stark den ganzen Tag über und es war wirklich schwer, an ihm vorbeizukommen, aber ich dachte, `ich muss es schaffen, das ist die Tour de France, es geht um einen Etappensieg‘ und dann habe ich ein Rad vor ihn gebracht.“

Der 29-Jährige hatte bereits im Vorjahr eine starke Tour hingelegt, war in vielen Ausreißergruppen und lange im Bergtrikot unterwegs. Für einen Sieg hatte es damals aber noch nicht gereicht. “Ich wollte diesmal etwas smarter sein, denn mein großer Traum war ein Etappensieg bei der Tour. Dass ich es jetzt geschafft habe, ist so, so schön.“ Eine gewisse Cleverness war bei drückenden Wetterverhältnissen, 154 Kilometern in der Flucht und wenigen Sekunden Vorsprung auf die Verfolger aber auch notwendig, um den Sieg feiern zu können. “Ich musste schlau fahren und nicht über das Limit gehen an dem letzten Anstieg und darauf vertrauen, dass ich Mauro im Sprint schlagen kann.“

Auf die Gesamtwertung hatte der Tag in Toulouse keine Auswirkungen, auch wenn sich auf einer vermeintlichen Sprinteretappe viele Fallstricke boten. Da waren zum Beispiel die Vorstöße von Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) im welligen Mittelteil und am letzten Anstieg, den die Konkurrenz aber kontern konnte. Da war vor allem aber auch der Sturz von Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) fünf Kilometer vor dem Ziel, als ihm Tobias Halland Johannessen, Teamkollege von Tagessieger Abrahamsen, in die Parade fuhr. Allerdings wartete die Favoritengruppe auf den Weltmeister, der somit ohne Zeitverlust davonkam.

So bleibt Ben Healy (EF Education – EasyPost) mit 29 Sekunden vor dem Gestürzten im Gelben Trikot, Evenepoel ist nach wie vor Dritter vor Vingegaard. Auch Florian Lipowitz und Primoz Roglic (beide Red Bull – Bora – hansgrohe) waren in den entscheidenden Situationen hellwach und verteidigten ihre Positionen acht und neun. Evenepoel bleibt damit auch in Weiß. Jonathan Milan (Lidl – Trek) und Lenny Martinez (Bahrain Victorious) führen nach einem Tag im Gruppetto weiterhin die Sonderwertungen für das Grüne respektive das Bergtrikot an.

So lief die 11. Etappe der Tour de France 2025:

Gleich nach dem scharfen Start in Toulouse setzten sich Schmid, Abrahamsen und Davide Ballerini (XDS – Astana) vom Hauptfeld ab. Der Norweger gewann die erste Bergwertung der 4. Kategorie. Die Konterattacken aus dem Peloton rissen aber lange Zeit nicht ab. Matteo Vercher (TotalEnergies), Bastien Tronchon, Clément Berthet (beide Decathlon – AG2R), Marco Haller (Tudor), Alexandre Delettre (TotalEnergies), Gregor Mühlberger (Movistar), Xandro Meurisse (Alpecin - Deceuninck), Connor Swift (Ineos Grenadiers) und Benjamin Thomas (Cofidis) gehörten zwischenzeitlich zu den Verfolgern. Besonders aktiv in der Anfangsphase war auch Wout van Aert (Visma – Lease a Bike).

95 Kilometer vor dem Ziel taten sich durch die vielen Tempoverschärfungen zwei Lücken auf im Peloton. Zu den Abgehängten gehörte Remco Evenepoel (Soudal – Quick-Step), dessen Team die Situation aber schnell bereinigen konnte.

Das Streckenprofil der 11. Etappe der Tour de France | Foto: Veranstalter

Erst nach 70 Rennkilometern kehrte im Feld für eine Weile Ruhe ein. Zuvor hatten sich Fred Wright (Bahrain Victorious) und Mathieu Burgaudeau (TotalEnergies) aus dem Feld gelöst. Sie schafften kurz darauf den Anschluss zu Schmid, Abrahamsen und Ballerini. Doch nach der kurzen Ruhephase attackierten weiter Profis, obwohl der Abstand zur Spitze da schon knapp zwei Minuten betrug.

Auch Healy versuchte es dann. Und seine Reaktion rief weitere Prominenz auf den Plan: Auch Vingegaard, Evenepoel und Pogacar setzten nach. Das zwang weitere Klassement-Fahrer, ebenfalls nachzusetzen, wodurch sich die ganze Aktion letztlich wieder neutralisierte. Aus dieser großen Verfolgergruppe setzte sich dann ein Quintett ab: Neben van Aert, van der Poel, Quinn Simmons (Lidl – Trek) und Arnaud De Lie (Lotto) ging auch Axel Laurance (Ineos Grenadiers) mit.

Die Verfolger hatten allerdings Mühe bei dem Unterfangen, die Lücke nach vorne zu schließen. Hinten regruppierte sich das Hauptfeld und ließ es in der Folge etwas ruhiger angehen. Wright sicherte sich die beiden Bergwertungen der 4. Kategorie, die auf den folgenden Kilometern anstanden. Für einen Großteil der Sprinter waren die sich anschließenden, unkategorisierten Wellen zu viel. Milan, Tim Merlier (Soudal – Quick-Step) und auch Phil Bauhaus (Bahrain Victorious) bildeten ein Gruppetto.

Pascal Ackermann (Israel – Premier Tech) hingegen zählte noch zum Hauptfeld, entsprechend arbeitete auch sein Team in der Nachführarbeit. Schließen konnte Israel die Lücke zur Spitze allein allerdings nicht. Der Vorsprung betrug 30 Kilometer vor dem Ziel rund zweieinhalb Minuten. Van der Poel und Co. hatten zu diesem Zeitpunkt noch 20 Sekunden Rückstand nach vorne.

Simmons verfolgt Schmid und Abrahamsen

Spätestens an der 20-Kilometer-Marke war aber klar: Das Feld wird keine Rolle mehr um den Tagessieg spielen. Drei Minuten betrug der Abstand dort zur Spitzengruppe. Aber auch die Verfolger konnten nicht weiter aufschließen. An der Bergwertung (4. Kategorie) 15 Kilometer vor dem Ziel attackierte dann aber Simmons. Auch die Spitzengruppe löste sich auf, Schmid und Abrahamsen blieben alleine vorn.

Das Duo kam auch als erstes an der Kuppe des letzten Anstieges (4. Kategorie) des Tages knapp neun Kilometer vor dem Ziel an. Erster Verfolger war nun van der Poel, der sich von allen anderen gelöst hatte, aber eine knappe halbe Minute Rückstand aufwies. Während alle anderen raus waren aus dem Rennen um den Tagessieg, konnte van der Poel auf den finalen Kilometern noch mächtig Boden gutmachen.

Reichen sollte es allerdings nicht mehr. Sieben Sekunden nach Abrahamsen, der im Sprint gegen Schmid das bessere Ende für sich hatte, überquerte er mit hängendem Kopf den Zielstrich.

Derweil passierte aber auch noch in der Favoritengruppe reichlich. Zunächst hatte Kevin Vauquelin (Arkéa – B&B Hotels) am letzten Anstieg angegriffen. Kurz vor der Kuppe wurde er wieder eingeholt. Auch Vingegaard versuchte es nochmal, letztlich neutralisierten sich die Klassement-Fahrer aber ein weiteres Mal. Rund fünf Kilometer vor dem Ziel wurde Pogacar dann von Tobias Johannessen (Uno-X Mobility) übersehen. Der Norweger touchierte mit seinem Hinterrad das Vorderrad des Weltmeisters, der daraufhin stürzte. Ein Zeitverlust blieb dem Slowenen aber erspart, da die Favoritengruppe auf den Gestürzten wartete.

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