RSNplusZu viele Jobs bei der Tour

Van der Poel entgeht komplettem Fehlschlag um eine Sekunde

Von Sebastian Lindner

Foto zu dem Text "Van der Poel entgeht komplettem Fehlschlag um eine Sekunde"
Mathieu van der Poel (Alpecin - Deceuninck) hat sich das Gelbe Trikot zurück geholt. | Foto: Cor Vos

10.07.2025  |  (rsn) – Die letzten Kilometer des Tages waren hart. Und vor allem Mathieu van der Poel (Alpecin – Deceuninck) hatte zu kämpfen. Allein am 700 Meter langen Schlussanstieg in Vire Normandie verlor der 30-Jährige, der zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr um den Tagessieg mitfahren konnte und von allen anderen Mitgliedern der Ausreißergruppe abgehängt war, anderthalb Minuten auf das von hinten heranrasende Feld um Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG).

Und damit um ein Haar noch das letzte bisschen Lohn eines Tages, der sich in der Rückschau ganz anders entwickelte als geplant. Eine einzige Sekunde seines zwischenzeitlich komfortablen Vorsprungs von mehreren Minuten auf Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) rettete van der Poel ins Ziel.

___STEADY_PAYWALL___ Diese Sekunde glänzt nun umso gelber. Und sie ist auch der einzige Grund dafür, warum die 6. Etappe für van der Poel und das Team Alpecin - Deceuninck nicht unter dem Motto “komplett verpokert“ steht. Und im Übrigen auch nicht bei UAE für Bauchschmerzen sorgt, denn Pogacar wollte Gelb gerne wieder loswerden.

Mit letzter Kraft schleppte sich Mathieu van der Poel (Alpecin – Deceuninck) die Schlussrampe in Vire Normandie hinauf | Foto: Cor Vos

In van der Poels Vorstellung ist das Leadertrikot, das er bei dieser Tour schon drei Tage lang trug, eher ein Trostpreis. “Gelb war eigentlich nicht mein Ziel, ich wollte um dem Etappensieg mitfahren. Aber das klappte heute nicht, die Beine hatten sich nicht gut genug von den letzten Tagen erholt“, sagte der Niederländer im Ziel gegenüber Sporza.

Zwischensprint kostet van der Poel viel Kraft

Offenbar wollte Alpecin am sechsten Tag der Rundfahrt zu viel. Denn schon am Zwischensprint nach gut 20 Kilometern sollte der Kapitän reinhalten. “Die Mannschaft bestand darauf, dass ich mitsprinte.“ Klingt nicht so, als sei das auch unbedingt der Wunsch des Fahrers gewesen, der nun nicht nur seine Aufgaben zu erfüllen hat, sondern auch den Ersatz für Jasper Philipsen geben muss, der auf dem dritten Teilstück nach einem bösen Sturz aufgeben musste. Philipsen sollte nicht nur Massensprints gewinnen, sondern auch das Grüne Trikot mit nach Hause bringen. Den Job hat van der Poel nun quasi geerbt. “Sie hatten Dienstag gesehen, dass sich nur wenige Fahrer beteiligen. Es wäre schade drum, die Punkte einfach liegen zu lassen. Man weiß nie, was in der zweiten und dritten Woche noch passiert“, erklärte er.

Der zweite Platz, den van der Poel im Zwischensprint erkämpfte, brachte ihn in Summe mit den Zählern aus dem Ziel auf vier Punkte an Jonathan Milan (Lidl – Trek) heran, der wiederum das Grüne Trikot von Pogacar übernahm. Aber er kostete vor allem auch viel Kraft. “Es hat danach lange gedauert, bis ich wieder vorn auftauchen konnte. Als ich das endlich wieder geschafft hatte, fuhr gerade die Gruppe weg, da bin ich dann mitgesprungen.“

Das tat richtig weh: van der Poel im Ziel der 6. Tour-Etappe | Foto: Cor Vos

Doch schnell stellte sich heraus, dass das nicht zwingend die beste Idee war. “Ich bereute es eigentlich gleich, dass ich in der Gruppe war. Ich war echt am Limit.“ Eine echte Chance auf den angepeilten Etappensieg hatte van der Poel vor allem angesichts der starken Konkurrenz um ihn herum also kaum. Wäre er im Feld geblieben, hätte er vielleicht sein Team in die Waagschale werfen können, um die Ausreißer zurückzuholen und es dann ausgeruht nochmal am Schlussanstieg zu versuchen.

Gute Erinnerungen an die Mur de Bretagne, aber reicht die Kraft?

Vielleicht hätte das auch nicht funktioniert, doch van der Poel hätte in jedem Fall Kraft gespart. Kraft, die er gut auf der nun folgenden Etappe hätte gebrauchen können. An der Mur de Bretagne, dort, wo die 7. Etappe zu Ende geht, feierte van der Poel vor vier Jahren seinen ersten Etappensieg bei der Tour. Vor Pogacar.

Jenes Szenario hatten sich viele Beobachter auch wieder für dieses Jahr vorstellen können. Vermutlich auch van der Poel selbst. Möglicherweise wusste er aber auch, dass Pogacar mittlerweile deutlich stärker ist als damals. “Wenn man sieht wie Pogacar und Vingegaard hier fahren, wird es für den Rest des Pelotons schwer, die Etappe zu gewinnen“, sagte er. Und so klang es fast, als wollte er dem erneuten Duell mit dem Slowenen an der Mur aus dem Weg gehen, seinen großen Tag um einen nach vorne ziehen.

Als Entschädigung für die Leiden konnte sich der Niederländer kurz darauf im Gelben Trikot feiern lassen. | Foto: Cor Vos

Der Plan ging nicht auf. Dass gerade noch so das Gelbe Trikot dabei heraussprang, rettet den Tag für Alpecin und van der Poel dennoch, wenngleich das Gefühl bleibt, dass es intern allenfalls als Schadensbegrenzung angesehen wird, das aber wird dem Leaderjersey beim wichtigsten Radrennen der Welt in keiner Weise gerecht.

Nach dem Kraftakt von heute dürfte van der Poel morgen jedoch kaum Aktien auf den Etappensieg oder die Verteidigung von Gelb haben. Ein Umstand, der den Plan für Etappe 6 noch in ein noch schrägeres Licht rückt.

Mehr Informationen zu diesem Thema

12.11.2025Arensman: “Letztendlich ist Radsport nur eine Nebensache“

(rsn) – Bei der vergangenen Tour de France feierte Thymen Arensman (Ineos Grenadiers) die bisher größten Erfolge seiner Karriere. Aber nicht die auf der 14. Und 19. Etappe eindrucksvoll herausgef

04.11.2025Wellens erzählt von Pogacars Knieproblemen bei der Tour

(rsn) – Tim Wellens hat in einem Interview mit der französischen Sporttageszeitung L´Equipe konkreter über die Schwierigkeiten von Teamkollege Tadej Pogacar in der Schlusswoche der Tour de France

11.08.2025Gianetti: “Pogacar zu sein ist schön, aber nicht einfach“

(rsn) – Mauro Gianetti, der Teamchef von UAE – Emirates – XRG hat sich zum kommenden Rennkalender und zum Vuelta-Verzicht von Tadej Pogacar geäußert. Am Ende der Tour de Pologne sagte er gege

03.08.2025Liste der ausgeschiedenen Fahrerinnen / 9. Etappe

(rsn) - 154 Profis aus 22 Teams sind am 26. Juli im westfranzzösischen Vannes zur 4. Tour de Frances Femmes (2.WWT) angetreten, darunter sieben Deutsche, sechs Schweizerinnen und drei Österreicheri

31.07.2025Pogacar “langweilte“ sich in der zweiten Hälfte der Tour

(rsn) – Neben dem Gelben und dem Gepunkteten Trikot sicherte sich Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) bei der Tour de France 2025 vier Etappensiege. Den letzten davon feierte der Slowene ab

30.07.2025Häuslicher Unfall: Vauquelin bricht sich den Knöchel

(rsn) – Spätestens mit seinem siebten Platz bei der 112. Tour de France hat Kevin Vauquelin (Arkéa – B&B Hotels) auch international seinen Bekanntheitsgrad deutlich erhöht. Die Freude über das

29.07.2025Zwei Tage nach der Tour: Aldag verlässt Red Bull - Bora - hansgrohe

(rsn) – Rolf Aldag und Red Bull – Bora – hansgrohe gehen ab sofort getrennte Wege. Das kündigte der deutsche WorldTour-Rennstall überraschend zwei Tage nach Ende der Tour de France an, bei der

28.07.2025Lipowitz: “Manchmal ist der Sportchef nicht glücklich mit mir“

(rsn) - Nur Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe) konnte in den Bergen der Tour de France ansatzweise mit Tour-de-France-Sieger Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) und dem Zweitplat

28.07.2025Im Überblick: Alle Gelbe Karten bei der 112. Tour de France

(rsn) – Drei Tage hat es gedauert, bis die UCI-Jury bei der Tour de France 2025 zum ersten Mal hart durchgegriffen und Gelbe Karten verteilt hat: Im Sturzchaos von Dünkirchen bestraften die Kommiss

28.07.2025Angst, natürlicher Schwund und finanzielle Ungleichheit

(rsn) – Die Tinte in den Radsport-Geschichtsbüchern ist gerade erst getrocknet: Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) hat bei der Tour de France 2025 im direkten Duell mit seinem großen Widersa

28.07.2025Vingegaards “merkwürdige Tour“ endet auf Platz zwei

(rsn) – Das große Ziel hat Visma – Lease a Bike bei dieser Tour de France verfehlt. Jonas Vingegaard musste in Paris mit der zweiten Stufe auf dem Podium vorliebnehmen, der ewige Rivale Tadej Po

28.07.2025Montmartre wirklich einmalig? Prudhomme zieht Tourmalet-Vergleiche

(rsn) – Es sollte etwas Besonderes werden. Immerhin gab es ja auch einen runden Geburtstag zu feiern. Vor 50 Jahren endete die Tour de France erstmals in Paris auf den Champs-Élysées, Ex-Telekom-T

Weitere Radsportnachrichten

14.02.2026Radsport live im Stream und im TV: Die Rennen des Tages

(rsn) – Welche Radrennen finden heute statt? Wo und wann kann man sie live im Fernsehen oder Stream verfolgen? Und wo geht´s zum Live-Ticker? In unserer Tagesvorschau informieren wir über die wic

14.02.2026Morgado schlägt Aranburu und feiert Titelverteidigung

(rsn) – Die Nummer 1 auf dem Rücken, die Nummer 1 im Ziel: Antonio Morgado (UAE – Emirates – XRG) hat seinen Titel bei der Figueira Champions Classic (1.Pro) verteidigt. Der Portugiese, der dam

14.02.2026Vandeputte zündet den Turbo und fängt Vanthourenhout noch ab

(rsn) – Der Belgier Niels Vandeputte (Alpecin – Premier Tech) hat beim Waaslandcross in Sint-Niklaas mit einem bärenstarken Sprint auf den letzten Metern noch seinen Landsmann Michael Vanthouren

14.02.2026Rodriguez düpiert: Riccitello mit perfektem Decathlon-Einstand

(rsn) – In einem packenden Bergaufsprint hat Matthew Riccitello (Decathlon - CMA CGM) die Königsetappe der 10. Tour de la Provence (2.Pro) für sich entschieden und mit seinem ersten Saisonsieg auc

14.02.2026Murcia: Liepins Sieger ohne Wert, Etappe neutralisiert

(rsn) – Aufgrund extremer Windverhältnisse wurde die abschließende 2. Etappe der 46. Murcia-Rundfahrt (2.1) auf einen Zehn-Kilometer-Rundkurs im Zielort Santomera reduziert – allerdings bis auf

14.02.2026Brand in Sint-Niklaas mit später Offensive zum Hattrick

(rsn) – Weltmeisterin Lucinda Brand (Baloise – Glowi Lions) hat sich beim Waaslandcross in Sint-Niklaas ihren 20. Saisonsieg gesichert. Die 36-jährige Niederländerin setzte sich im letzten Lauf

14.02.20263. Valencia-Etappe abgesagt, Murcia und Figueira Classic abgeändert

(rsn) - In wenigen Worten zu vermelden, deshalb aber nicht weniger wichtig: In unserer Rubrik "Kurz gemeldet" fasst die Redaktion von radsport-news.com die Kurznachrichten des Tages aus der Welt des R

13.02.2026Voß, Kasper und Co.: Deutsche mit gemischten Gefühlen

(rsn) - Nachdem die Straßensaison schon in vollem Gange ist, steht für die Gravel-Pros mit Santa Vall by The Traka nun auch das erste namhafte Rennen im europäischen Kalender auf dem Programm. Am

13.02.2026Van der Poel will seine Karriere bei Alpecin ausklingen lassen

(rsn) - Mathieu van der Poels Langzeitvertrag mit Alpecin - Premier Tech läuft noch bis Ende 2028. In jenem Jahr hat der Niederländer große Ziele: Bei der Cyclocross-Weltmeisterschaft in Hoogerheid

13.02.2026Provence: Buchmann, Kragh Andersen und Mollema nicht im Ziel

(rsn) – Gleich drei bekannte Namen kamen nicht ins Ziel der 1. Etappe der Tour de la Provence. Bei seinem Saisoneinstieg beendete Cofidis-Kapitän Emanuel Buchmann aus noch unbekanntem Grund das Ren

13.02.2026Ferguson überrascht die Konkurrenz 600 Meter vor dem Ziel

(rsn) – Cat Ferguson (Movistar) hat die Sprinterrinnen auf der 2. Etappe der Valencia-Rundfahrt der Frauen (2.Pro) mit einer Attacke 600 Meter vor dem Ziel überrascht und so ihren zweiten Saisonsie

13.02.2026UAE-Doppelsieg beim Windspektakel zum Murcia-Auftakt

(rsn) – Marc Soler und Julius Johansen (beide UAE – Emirates – XRG) haben den stark vom Wind beeinflussten ersten von zwei Renntagen der Murcia-Rundfahrt (2.1) dominiert. Die auf 83,5 Kilometer