RSNplusPro-Teams 2025: Tudor Pro Cycling

Hirschi und Alaphilippe als Entwicklungsbeschleuniger

Von Sebastian Lindner

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Hannes Wilksch und Marco Brenner führen das Feld bei der Trofeo Calvia auf Mallorca an. Hügelige Eintagesrennen werden 2025 im Fokus von Tudor Pro Cycling stehen. | Foto: Cor Vos

31.01.2025  |  (rsn) – In der Schweiz bewegt sich etwas. Und zwar in die richtige Richtung. Gleich zwei eidgenössische Teams begehren auf, wollen ihre Zeit als Zweitdivisionäre hinter sich lassen und streben nach einer WorldTour-Lizenz. 

Eines davon ist Tudor Pro Cycling, das in seine vierte Saison geht. In den ersten drei Jahren sammelte der Rennstall dabei insgesamt 35 Siege, Tendenz steigend. Trotzdem wird es nicht reichen, um schon 2026 aufzusteigen, zu groß ist der Rückstand in der Dreijahreswertung auf diejenigen Mannschaften, die sich ernsthafter mit dem Ansinnen beschäftigen können.

Probleme kommen dadurch aber nicht auf das ambitionierte Team zu. Im Gegenteil: Die Partnerschaft zwischen dem schweizerischen Hersteller von Luxusuhren als Sponsor auf der einen Seite und Teambesitzer Fabian Cancellara auf der anderen ist langfristig angelegt. Eine kontinuierliche Entwicklung, Perspektive und Vertrauen sind die Stichworte, die der so erfolgreiche Ex-Profi immer wieder in den Mund nimmt, wenn er über die Zukunft seines Teams spricht. ___STEADY_PAYWALL___

Dennoch verwehrt sich auch niemand dagegen, wenn es etwas schneller bergauf geht. Das zeigt die Transferpolitik über den Winter. Mit Marc Hirschi hat Tudor einen Fahrer verpflichtet, der als Berner langfristig zum Gesicht der Mannschaft werden  kann. Gleich sein erstes Rennen im neuen Trikot konnte der 26-Jährige für sich entscheiden. Dazu kommt mit Julian Alaphilippe ein weiterer sehr prominenter Neuzugang. Beide haben für drei Jahre unterschrieben.

Beim UAE Team Emirates war Marc Hirschi einer von vielen Top-Profis. Bei Tudor ist er als Schweizer die absolute Nummer eins. | Foto: Tudor Pro Cycling

Mit den Verpflichtungen schärft Tudor sein Profil als Team, das sich auf Eintagesrennen und Etappensiege spezialisiert. Auch wenn Alaphilippe schon das Bergtrikot der Tour de France gewonnen hat und 2019 lange Zeit im Gelben Trikot unterwegs war, ist er kein Rundfahrtspezialist, so dass die Mannschaft bei vielen Klassikern mit einer Doppelspitze an den Start gehen und mit zwei potenziellen Siegfahrern viele taktische Möglichkeiten haben wird. Darüber hinaus dürfte das neue Führungsduo auch die eine oder andere Wildcard bei Grand Tours und Monumenten ermöglichen.

Um dort auch auf Klassement fahren zu können, ist Michael Storer die beste Option. Der 27 Jahre alte Australier hat bei Tudors Grand-Tour-Premiere beim Giro d’Italia 2024 als Zehnter erstmals die Top 10 bei einer dreiwöchigen Landesrundfahrt erreicht. Ansonsten ist der Kader kaum für Klassements bei WorldTour-Rennen ausgelegt, wenngleich einige jüngere Fahrer durchaus talentiert genug erscheinen, in ein paar Jahren vorne mitfahren zu können. 

Da sind es noch eher Sprintankünfte, auf die Tudor setzen kann. Arvid de Kleijn hat in der Geschichte des Teams die meisten Siege eingefahren und auch, im vergangenen Jahr bei Paris-Nizza auch den ersten auf WorldTour-Ebene. Dazu kommt Alberto Dainese, der beim Giro als Vierter zweimal knapp am Podium vorbeifuhr.

Der Top-Transfer 2025: Julian Alaphilippe

Zu beachten sein wird Tudor dennoch vor allem in hügeligen Eintagesrennen. Altmeister Matteo Trentin, der die Mannschaft auf diesem Terrain bislang anführte, darf in die zweite Reihe zurücktreten, denn für die Ergebnisse sind nun in erster Linie Hirschi und Alaphilippe zuständig. 

Der mittlerweile 32 Jahre alte Franzose blühte nach mehreren schwierigen Jahren und öffentlichen Debatten mit Quick-Step-Teamchef Patrick Lefevere 2024 wieder auf, glänzte bei Giro mit mehreren spektakulären Ausreißversuchen und krönte einen davon mit einem Etappensieg. Dazu beendete er die Clasica San Sebastian und den Grand Prix de Montreal jeweils auf dem Podium. An der Seite von Hirschi dürfte Alaphilippe der Mann fürs Spektakel sein, die riskanteren Attacken wagen und darauf hoffen, damit durchzukommen.

Julian Alaphilippe zeigte sich 2024 wiedererstarkt und dürfte bei Tudor an der Seite von Hirschi der Mann für die spektakulären Missionen sein. |Foto: Tudor Pro Cycling

Neben den beiden neuen Kapitänen hat Tudor fünf weitere Fahrer unter Vertrag genommen und den Kader bei sechs Abgängen, die allesamt verkraftbar sein dürften, nun auf die Maximalanzahl von 30 Profis gebracht. Vier Schweizer gingen, drei kamen wieder dazu. Darüber hinaus hat sich Tudor viel Erfahrung ins Boot geholt. Marco Haller (33 Jahre) kommt von Red Bull - Bora - hansgrohe und kann im Grunde überall helfen, wo er gebraucht wird. Der US-Amerikaner Larry Warbasse (34) ist dagegen mehr ein Mann für die Berge.

Im Fokus: Marco Brenner

Das gilt auch für Marco Brenner. Der 22 Jahre alte Augsburger hat 2024 in seiner ersten Saison bei Tudor das Siegen gelernt und hat damit nach mehreren Anläufen den Durchbruch bei den Profis geschafft. Brenner gewann eine Etappe bei Coppi e Bartali und wurde im Sommer überraschend Deutscher Meister

Dazu fuhr er bei mehreren kleinen Rundfahrten in die Top 10 der Gesamtwertung. Das dürfte auch in der neuen Saison das Ziel sein. Er führt die sechs Fahrer starke deutsche Fraktion bei Tudor an und dürfte dabei auch derjenige Mann sein, der Ergebnisse einfahren kann.

In seinem ersten Jahr bei Tudor hat Marco Brenner den Durchbruch im Profi-Peloton geschafft. 2025 will der Deutsche Meister konstanter in seinen Leistungen werden. | Foto_ Tudor Pro Cycling

Das Aufgebot:
Julian Alaphilippe (Frankreich / 32 Jahre), Marco Brenner (Deutschland / 22), Alberto Dainese (Italien / 26), Arvid de Kleijn (Niederlande / 30), Jacob Eriksson (Schweden / 25), Lucas Eriksson (Schweden / 28), Robin Froidevaux (Schweiz / 26), Marco Haller (Österreich / 33), Mika Heming (Deutschland / 24), Marc Hirschi (Schweiz / 26), Petr Kelemen (Tschechien / 24), Arthur Kluckers (Luxemburg / 24), Sebastian Kolze Changizi (Dänemark / 24), Alexander Krieger (Deutschland / 33), Fabian Lienhard (Schweiz / 31), Marius Mayrhofer ( Deutschland / 24), Aivaras Mikutis (Litauen / 22), Rick Pluimers (Niederlande / 24), Mathys Rondel (Frankreich / 21), Michael Storer (Australien / 27), Florian Stork (Deutschland / 27), Joel Suter (Schweiz / 26), Roland Thalmann (Schweiz / 31), Matteo Trentin (Italien / 35), Yannis Voisard (Schweiz / 26), Larry Warbasse (USA / 34), Fabian Weiss (Schweiz / 22), Hannes Wilksch (Deutschland / 23), Luc Wirtgen (Luxemburg / 26), Maikel Zijlaard (Niederlande / 25)

Davon Neuzugänge:
Julian Alaphilippe (Soudal – Quick-Step), Marc Hirschi (UAE Team Emirates), Marco Haller (Red Bull – Bora – hansgrohe), Larry Warbasse (Decathlon – AG2R La Mondiale), Fabian Lienhard (Groupama – FDJ), Aivaras Mikutis (Tudor U23), Fabian Weiss (Tudor U23)

Teamleitung:
Manager: Raphael Meyer
Sportdirektor: Ricardo Scheidecker
Sportliche Leiter:Sylvain Blanquefort, Claudio Cozzi, Sebastian Deckert, Morgan Lamoisson, Matteo Tosatto, Marcel Sieberg, Daniel Hirs, Bruno Pires,Boris Zimine, Bart Leysen

Material:
Rahmenhersteller: BMC
Gruppe: SRAM
Laufräder: DT Swiss
Reifen: Schwalbe
Trikot: Assos
Helm: Oakley

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