Giro-Debütant auch ohne Respekt vor dem Zoncolan

Angriffslustiger Buchmann hatte auf Schotter seinen Spaß

Von Tom Mustroph aus Siena

Foto zu dem Text "Angriffslustiger Buchmann hatte auf Schotter seinen Spaß "
Emanuel Buchmann (Bora - hansgrohe) | Foto: © BORA - hansgrohe / Bettiniphoto & VeloImages

20.05.2021  |  (rsn) - Ziemlich gelöst betrat Emanuel Buchmann am Mittag die Piazza del Campo in Siena, kurz vor dem Start der 12. Etappe des Giro d'Italia. Er kennt den Platz schon von den Strade Bianche, dort ist er das Ziel. Auf den Schotterpassagen schlug sich Buchmann auch bei diesem Giro gut. Er wischte mit seiner Performance auf der 11. Etappe auch die aufkommenden Zweifel an seiner Form hinweg.

“Ja, gestern war ein richtig guter Tag für mich, da habe ich mich auf Schotter auch sehr gut gefühlt. Das Radrennen hat Spaß gemacht“, erzählte er radsport-news.com. Buchmann hatte sich als Protagonist gezeigt und auf dem letzten der vier Schotterabschnitte attackiert. Er hatte Bernal auf den Zahn gefühlt. Der Kolumbianer ließ ihn erst ziehen, schloss dann auf und war im Sprint auch schneller als Buchmann. Aber der Rest der Favoriten war abgehängt.

“Das war ein wichtiger Tag gestern, an dem einige Favoriten Zeit verloren haben. Und ich habe auf alle, bis auf Bernal, Zeit aufgeholt. Im Gesamtklassement sieht es schon deutlich besser aus. Und man hat auch gesehen, dass ich da vorn dabei bin“, bilanzierte Buchmann zufrieden.

Vergessen sind die weniger guten Vorstellungen der ersten Tage

Es hat sich ausgezahlt, dass der Ravensburger im Frühjahr bereits Bekanntschaft mit dem Schotter der Strade Bianche machte. Wird dieser faszinierende Neoklassiker nun gar zu einem Lieblingsrennen des Bergfahrers?

Da blitzte ein Lächeln auf, das sich auch deutlich durch die Maske bemerkbar machte. “Ich glaube, da gibt es immer noch Fahrer, die das besser können als ich. Da muss man schon etwas explosiver sein“, gab Buchmann ehrlich zu. Aber der Stolz auf das Erreichte war unverkennbar. “Ich denke, ich habe mich gestern gut geschlagen“, fügte er hinzu. Das hat er sicherlich. Und er schöpfte viel Bestätigung aus der Vorstellung. “Also, so wie ich gestern gefahren bin, da muss ich eine gute Form haben“, meinte der 28-Jährige.

Vergessen sind die weniger guten Vorstellungen von der 4. Etappe, als Buchmann 34 Sekunden auf Bernal & Co. verlor, und der 6., auf der 28 Sekunden dazu kamen. Am neunten Giro-Tag, bei der Bergankunft an der einst von Papst Johannes Paul II. oftmals im Urlaub genutzten Skistation von Campo Felice, war Buchmann dann bereits mitten drin im Favoritenfeld.

Am Tag nach dem Ruhetag streckte er dann erstmals selbst die Nase heraus und richtete nach dieser positiven Erfahrung seinen Blick nun erwartungsvoll in die nahe Zukunft. "Jetzt kommen erst die schweren Anstiege, die mir liegen“, sagte er.

Der Zoncolan macht auf Buchmann wenig Eindruck

Konzentriert er sich schon auf Bernal, den derzeit auf jedem Geläuf überlegenen Mann in Rosa? Oder will er erst die Rivalen, die zwischen ihm und dem Kolumbianer liegen, distanzieren? Keines von beidem. “Ich konzentriere mich erst einmal auf mich selber und schaue, dass ich bestmöglich regeneriere und jeden Tag gut fahre. Dann schauen wir einfach, wo ich in ein paar Tagen stehe“, meinte Buchmann.

Am Samstag ruft der Monte Zoncolan, der bei vielen Fahrern Furcht auslösende steile Gigant. Auf Buchmann macht der Zoncolan allerdings wenig Eindruck. “Nein, nicht allzuviel, muss ich sagen. Klar, es ist ein Berg, und am Ende ist er richtig steil, aber auch das muss jeder hoch“, meinte er trocken.

Buchmann wirkt angriffslustig und ist sich seiner Mittel sicher. Nur Bernal ist derzeit wesentlich stärker. Aber mit dem Rest der Konkurrenz kann der Giro-Debütant es aufnehmen: Buchmann ist wieder in der richtigen Spur.

Mehr Informationen zu diesem Thema

10.06.2021Buchmann startet bei der Tour von allen Fesseln befreit

(rsn) - Ursprünglich war Emanuel Buchmann (Bora – hansgrohe) nicht für die diesjährige Tour de France vorgesehen. Doch nach seinem schweren Sturz und dem dadurch erzwungenen Ausscheiden beim Giro

31.05.2021Almeida: Sechster statt Vierter, aber trotzdem besser als 2020

(rsn) - Die Platzziffer am Ende des 104. Giro d'Italia war schlechter, als bei der 103. Auflage des Rennens, doch die Leistung von Joao Almeida (Deceuninck – Quick-Step) durfte man in den vergangene

31.05.2021Rosa nimmt Bernal endlich die große Last von Gelb

(rsn) – Der Sonntagnachmittag in Mailand war emotional für Egan Bernal. Am Ende des 30 Kilometer langen Abschlusszeitfahrens richtete er sich auf, breitete die Arme aus und rollte erleichtert über

31.05.2021White: Yates´ Tour-Teilnahme ist “höchst wahrscheinlich“

(rsn) – Schlecht war das Ergebnis von Simon Yates (BikeExchange) beim 104. Giro d´Italia nicht: Rang drei in der Gesamtwertung, er stand auf dem Podest. Und doch war es nicht das, wofür er vor dre

31.05.2021Walscheid: “Bin super zufrieden mit den drei Wochen“

(rsn) – Mit gleich drei Etappensiegen durch Mauro Schmid, Giacomo Nizzolo und Victor Campenaerts war Qhubeka Assos eine der Überraschungsmannschaften beim Giro d`Italia. Nur Ineos Grenadiers hatte

30.05.2021Sturz kostet Cavagna möglichen Sieg in Mailand

(rsn) - Rémi Cavagna (Deceuninck - Quick-Step) hätte das Abschlusszeitfahren des 104. Giro d'Italia in Mailand gewinnen können. Zumindest wäre es äußerst knapp zwischen ihm und dem vorher per De

30.05.2021Video: Bernals letzte Meter auf dem Weg zum Giro-Sieg

(rsn) - Mit dem Tagessieg vor dem Mailänder Dom hatte Egan Bernal (Ineos Grenadiers) erwartungsgemäß nichts mehr zu tun. Doch der Kolumbianer hat im Abschlusszeitfahren des 104. Giro d´Italia das

30.05.2021Ganna gewinnt Zeitfahren trotz Platten vor gestürztem Cavagna

(rsn) - Filippo Ganna (Ineos Grenadiers) hat das abschließende Zeitfahren des Giro d’Italia in Mailand für sich entschieden. Der Italiener gewann nach 30,3 Kilometern vor Rémi Cavagna (Deceuninck

30.05.2021Bernal feiert Gesamtsieg, Ganna gewinnt Abschlusszeitfahren

(rsn) - Egan Bernal (Ineos Grenadiers) hat sich am Schlusstag des 104. Giro d`Italia sein Rosa Trikot nicht mehr abnehmen lassen und sich zum ersten Mal in seiner Karriere den Gesamtsieg der Italien-

30.05.2021Die Renneinsätze der deutschsprachigen Fahrer

(rsn) - Die Radsportsaison 2021 ist trotz der Corona-Pandemie in vollem Gang. Wir liefern Ihnen zu Beginn jeder Woche eine Aufstellung über die Einsätze der Profis aus Deutschland, Österreich, der

30.05.2021Bernal: “Nur mein Name auf der Giro-Trophäe zählt“

(rsn) – Erstmals ging Egan Bernal (Ineos Grenadiers) als Leader in die Schlusswoche einer der drei großen Landesrundfahrten. Nach 20 der 21 Etappen des Giro d’Italia hat er mit 1:59 Minuten auf d

30.05.2021Caruso war für Bardet Hilfe und Problem zugleich

(rsn) – Falls im abschließenden Zeitfahren keine Sensation passiert, wird das deutsche Team DSM den 104. Giro d’Italia ohne Tageserfolg verlassen. Nach einer schwierigen ersten Woche präsentier

Weitere Radsportnachrichten

11.03.2026Max Bock: Über Umweg durch Frankreich näher an den Profitraum

(rsn) – Aktuell lässt es Max Bock etwas ruhiger angehen. Das liegt weniger daran, dass der frischgebackene 21-Jährige am 10. März Geburtstag gefeiert hat, als dass noch ein wenig Restkrankheit au

11.03.2026Radsport live im Stream und im TV: Die Rennen des Tages

(rsn) – Welche Radrennen finden heute statt? Wo und wann kann man sie live im Fernsehen oder Stream verfolgen? Und wo geht´s zum Live-Ticker? In unserer Tagesvorschau informieren wir über die wic

11.03.2026Ayuso strahlt in Gelb: “Gibt Selbstvertrauen auch für Barcelona“

(rsn) – Den Sieg hat Lidl – Trek im 23,5 Kilometer langen Mannschaftszeitfahren auf der 3. Etappe von Paris-Nizza (2.UWT) zwar um 2,5 Sekunden verpasst, trotzdem aber gab es im Lager des deutschen

10.03.2026Ciccone: Positionierung kostete Anschluss an van der Poel und Co.

(rsn) – Nach dem fulminanten Auftakt mit einem dritten und einem fünften Platz durch Max Walscheid und Jonathan Milan im topfebenen Auftakt-Einzelzeitfahren von Lido di Camaiore hat der deutsche Wo

10.03.2026Highlight-Video der 3. Etappe von Paris-Nizza

(rsn) – Ineos Grenadiers hat das Mannschaftszeitfahren von Paris-Nizza (2.UWT) für sich entschieden. Das von Kevin Vauquelin angeführte britische Team benötigte für die 23,5 Kilometer der 3. Eta

10.03.2026Perfekt auf Schotter: Pellizzari in bestechender Frühform

(rsn) – Nach einer soliden Vorstellung kam Primoz Roglic (Red Bull – Bora – hansgrohe) auf der 2. Etappe von Tirreno-Adriatico in der ersten Verfolgergruppe 17 Sekunden hinter Tagessieger Mathie

10.03.2026Highlight-Video der 2. Etappe von Tirreno-Adriatico

(rsn) – Der routinierte Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) hat bei Tirreno-Adriatico die beiden Youngster Gesamtführende Isaac Del Toro (UAE Emirates – XRG) und Giulio Pellizzari (Re

10.03.2026Ineos im Teamzeitfahren knapp vor Lidl - Trek, Ayuso in Gelb

(rsn) – Es war enger als erwartet, doch am Ende hatten die Favoriten die Nase vorn. Ineos Grenadiers hat das Mannschaftzeitfahren auf der 3. Etappe von Paris-Nizza für sich entschieden – es war d

10.03.2026Van der Poel schlägt im Bergaufsprint die junge Garde

(rsn) – Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) hat die 2. Etappe von Tirreno – Adriatico (2.UWT) gewonnen. Nach 206 Kilometern von Camaiore nach San Gimignano war er im Dreiersprint berga

10.03.2026ASO zum Paris-Nizza-Auftakt: “Keine negativen Reaktionen erhalten“

(rsn) – Nach der 1. Etappe von Paris-Nizza hatte Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) deutliche Kritik an der Strecke geäußert. “Ich fand die Route heute nicht besonders gut. Es war eines W

10.03.2026Van der Poel würde gerne zu Strade Bianche zurückkehren

(rsn) – Obwohl auch die diesjährige Strade Bianche mit ihren mehr als 3.500 Höhenmetern wieder extrem schwer und damit eine Angelegenheit für Kletterer wie den mittlerweile viermaligen Sieger Tad

10.03.2026“Doppelagentin” Klöser: “Sehe mich als eine der Top-Fahrerinnen“

(rsn) - Die Deutsche Gravelmeisterin Rosa Maria Klöser (Canyon - SRAM - zondacrypto) bezeichnet sich immer noch als Newcomerin im Radsport. Und das trotz prestigeträchtiger Erfolge wie dem Gewinn d