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17.12.2019 | (rsn) - Ilnur Zakarin will zu den Olympischen Spielen nach Tokio. Und wenn das als Russe nicht geht, dann würde der 30-Jährige auch den Start unter neutraler Flagge in Erwägung ziehen - oder sogar den Wechsel seiner Staatsbürgerschaft: Er könne sich vorstellen, Zypriote zu werden, da er in den vergangenen sechs Jahren auf Zypern lebte, so Zakarin am Rande des Trainingslagers seines neuen Teams CCC im spanischen Denia.
"Die Idee hatte ich schon. Es ist möglich, aber ich bin mir noch nicht sicher. Ich werde darüber nachdenken müssen", sagte der Rundfahrtspezialist, dessen Landsfrau Olga Zabelinskaya ihm bereits zuvorgekommen ist: Die Olympiazweite im Einzelzeitfahren von Rio, die zwischen 2014 und 2016 für 18 Monate rückwirkend wegen eines positiven Oktopamin-Tests gesperrt war, fährt inzwischen für Usbekistan.
Allerdings dürfte der Start für Zypern eher für die fernere Zukunft machbar sein. Der Wechsel der Staatsbürgerschaft innerhalb von nur einem halben Jahr bis zu den Sommerspielen wäre eine sportliche Herausforderung für alle Ämter.
"Ich würde gerne starten, unter jeder Flagge", sagte Zakarin. "Wenn Russland nicht zugelassen wird und ich unter neutraler Flagge starten könnte, würde ich das tun. Das ist sehr wichtig für mich." Für Zakarin sind die Olympischen Spiele im kommenden Jahr das große Saisonziel. Deshalb wird er seinen ersten Saisonhöhepunkt auch auf den Giro d'Italia legen, statt auf die Tour de France. Ob er in Frankreich startet, will Zakarin erst nach dem Giro entscheiden, wenn er weiß, ob er nach Tokio reist, oder nicht.
Schon 2016 in Rio nicht dabei
Zakarin konnte schon 2016 in Rio nicht an den Olympischen Spielen teilnehmen, weil der McLaren-Report der Welt Anti Doping Agentur WADA damals das staatliche betriebene Doping in Russland gerade offengelegt hatte. Auch wenn damals Russland noch nicht als Land von den Spielen ausgeschlossen wurde, so durften diejenigen Athleten nicht starten, die bereits einmal des Dopings überführt waren. Zakarin war von 2009 bis 2011 wegen Anabolika-Dopings gesperrt.
Nun hat die WADA in der vergangenen Woche eine vierjährige Sperre gegen die Russische Anti-Doping-Agentur RUSADA verhängt, was dafür sorgt, dass die russische Flagge, Russland als Nation und die russische Hymne bei den Olympischen Spielen in Tokio 2020 nicht auftauchen werden. Allerdings werden Athleten und Athletinnen, wie schon 2018 bei den Winterspielen in Pyeongchang, unter neutraler Flagge starten dürfen, wenn sie mit den Verstößen der RUSADA gegen geltende Dopingregeln nicht im Zusammenhang stehen.
"Wir dürfen politische Spiele nicht mit Olympischen Spielen vermengen"
"Das letzte Mal, als ich die Olympischen Spiele verpasst habe, lag es an politischen Spielen. Wir dürfen politische Spiele nicht mit Olympischen Spielen vermengen. Ich war eine Art Opfer davon", so Zakarin, der aber betonte, damals in Rio zwei Tage vor dem Wettkampf doch noch das grüne Licht für einen Start bekommen zu haben. "Aber das war unrealistisch, da keine Zeit war, sich vorzubereiten. Das hat wirklich geschmerzt."
Für Tokio ist er sicher, dass er von der UCI als einer der russischen Athleten benannt werde, die starten dürfen. Er sei in diesem Jahr mehr als 100 mal getestet worden und alles sei in Ordnung. "Deshalb glaube ich, dass ich in Tokio starten darf. Die ganze Situation hängt zusammen mit RUSADA. Ich lebe aber seit mehr als sechs Jahren außerhalb Russlands. All meine Tests wurden von der UCI und der WADA gemacht", sagte Zakarin. "Ich bin bereit dazu, alle nötigen Dokumente oder Papiere vorzulegen. Ich habe daran noch nicht gearbeitet, weil es noch ganz frisch ist, aber natürlich werde ich alles liefern, was nötig ist. Im Sport muss man immer etwas beweisen, also bin ich bereit dazu."
Trotzdem machte er keinen Hehl daraus, dass ihn die Situation ärgere. "Viele von uns sind sauer darüber, dass wegen einer politischen Entscheidung alle Sportler leiden. Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich im Radsport bin, der nicht nur von den Olympischen Spielen abhängt. Aber ich kenne Schwimmer oder Sportler aus anderen Sportarten, die direkt mit dem olympischen Zyklus zusammenhängen und die Geburten ihrer Kinder und ihre ganzen Leben danach ausrichten", sagte er.
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