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06.09.2019 | (rsn) - Jean Francois Quénet stellte beiden im Live-TV-Interview eine ähnliche Frage: Ist Slowenien nun das Land der Kletterer oder Kolumbien? Tadej Pogacar (UAE Team Emirates) und Primoz Roglic (Jumbo - Visma) wichen beide aus. Doch an der brutalen Schlusssteigung von Los Machucos mit ihren Rampen von bis zu 25 Prozent hatten die beiden Slowenen die Antwort bereits stillschweigend gegeben: Bei der 74. Vuelta a Espana sind sie es, die den Südamerikanern und den Spaniern überlegen scheinen.
"Es war ein großer Kampf und schön für den slowenischen Radsport", sagte Roglic, nachdem er seinen Vorsprung im Kampf um den Vuelta-Sieg gegenüber Alejandro Valverde (Movistar) um weitere 33 Sekunden auf 2:25 Minuten ausgebaut hatte und sein Landsmann Pogacar nicht nur seinen zweiten Tagessieg bei dieser Spanien-Rundfahrt gefeiert, sondern auch das Weiße Trikot des besten Jungprofis über- und den dritten Gesamtrang eingenommen hatte.
Pogacar gewann genau eine Woche nach seinem Erfolg in Mas de la Costa erneut am Ende einer denkbar steilen Schlussrampe, diesmal mit Roglic am Hinterrad. Das slowenische Duo setzte sich drei Kilometer vor dem Ziel von der gesamten Konkurrenz um Valverde, Rafal Majka (Bora - hansgrohe), Nairo Quintana (Movistar) und Miguel Angel Lopez (Astana) ab, holte 1,5 Kilometer vor dem Ziel mit Pierre-Roger Latour (Ag2r La Mondiale) den letzten Ausreißer ein und flog anschließend förmlich dem Ziel entgegen - eine knappe halbe Minute vor Latour, Valverde, Quintana und Majka sowie 1:01 Minuten vor Lopez.
"Eigentlich wollte ich heute nur überleben, denn nach meinem Sieg auf der 7. Etappe wollte ich hier einfach nicht mehr zu viel verlieren. Aber am Ende wurde es zu einem unglaublichen Tag für mich", freute sich Pogacar. "Als ich über Funk hörte, dass mir und Roglic niemand folgte, dachte ich mir, dass ich eine Chance hätte, zu gewinnen. Aber wenn man gegen Roglic fährt ist es wirklich schwer, weil er so stark ist. Aber ich habe es geschafft und bin wirklich glücklich."
Pogacar führt Roglic ins Ziel
Dass Roglic seinem Landsmann den Sieg streitig machen würde, schien im Finale aber ohnehin unwahrscheinlich. Pogacar leistete sämtliche Führungsarbeit, während Roglic scheinbar problemlos am Hinterrad mitfuhr und sich mit dem erneuten Zeitgewinn im Klassement zufriedengab. "Wir werden in Madrid sehen, wie es aussieht. Ja, ich habe einen Vorteil, aber es ist noch weit und es kommen noch einige wirklich schwere Tage", sagte der Gesamtführende mit Blick auf seinen nun 2:25 Minuten großen Vorsprung auf Valverde. Pogacar ist 3:01 Minuten hinter Roglic nun Gesamtdritter, Lopez folgt mit 3:18 Minuten Rückstand, Quintana hat als Fünfter 3:33 Minuten.
Erneut stark präsentierte sich auch Hermann Pernsteiner (Bahrain - Merida), der 1:13 Minuten nach Pogacar als Tageszwölfter ins Ziel kam und so seinen elften Gesamtrang verteidigte - 10:03 Minuten hinter Roglic und nur noch fünf Sekunden hinter seinem Teamkollegen Dylan Teuns, der momentan die Top Ten komplettiert. Mit Felix Großschartner (Bora - hansgrohe) war ein weiterer Österreicher in der Ausreißergruppe des Tages unterwegs, wurde aber im Schlussanstieg von den Favoriten ein- und überholt - wobei er aber noch kurz Führungsarbeit für Teamkollege Majka leisten konnte.
Roglic baute nicht nur seinen Vorsprung in der Gesamt- sondern auch in der Punktewertung aus, Pogacar übernahm von Lopez das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers und Ángel Madrazo (Burgos - BH) verteidigte seine Führung in der Bergwertung. Die Mannschaftswertung führt weiterhin Movistar mit 25:51 Minuten Vorsprung auf Astana an.
So lief das Rennen:
Die 13. Etappe führte über 166 Kilometer von Bilbao durch die bergige Küstenregion Kantabrien im spanischen Norden an die steile Schlussrampe von Los Machucos. Früh bildete sich eine 19-köpfige Spitzengruppe um den Führenden in der Bergwertung, Madrazo, sowie Großschartner und mit dem Kolumbianer Sergio Higuita (EF Education First) auch den Gesamt-14., der mit 10:47 Minuten Rückstand aufs Rote Trikot in die Etappe gestartet war.
Die Gruppe fuhr unterwegs mehr als acht Minuten Vorsprung auf das zunächst von Jumbo - Visma, später aber von Astana angeführte Hauptfeld heraus. Allerdings veränderte die Spitzengruppe durch weitere Attacken immer wieder ihre Konstellation und wuchs noch auf knapp 30 Mann an. Zwischenzeitlich führte auch Großschartner die Etappe als Solist an. Etwa 55 Kilometer vor dem Ziel nahm diese Position aber Hektor Saez (Euskadi Murias) ein.
Der Lokalmatador aus dem baskischen Rennstall drückte schwer aufs Gas, um 40 Kilometer vor dem Ziel knapp anderthalb Minuten vor seinen ehemaligen Begleitern und immer noch knapp acht Minuten vor dem Hauptfeld zu liegen. Dann aber begann Astana allmählich, im Peloton den Druck zu erhöhen und den Vorsprung zu reduzieren.
Auf den letzten 30 Kilometern über die Bergpreise fünf und sechs von insgesamt sieben an diesem Tag - inklusive der Bergankunft der Ehrenkategorie - verkleinerten sich die Abstände und aus Saez' Verfolgergruppe setzte sich der Franzose Bruno Armirail (Groupama - FDJ) ab. Er überholte am Fuß des Schlussanstiegs den Spanier und führte das Rennen nun allein an. Doch das Peloton kam rasend schnell näher - genau wie Armirails Verfolger. Latour fuhr knapp fünf Kilometer vor dem Ziel an seinem Landsmann vorbei um nun seinerseits allein zu führen und sich auf den Weg in Richtung Etappensieg zu machen, den ihm aber das Slowenen-Duo Pogacar-Roglic schließlich 1,5 Kilometer vor dem Ziel nehmen sollte.
Bei den Favoriten hatte sechs Kilometer vor dem Ziel Quintana attackiert und sich um ein paar Sekunden von der Konkurrenz abgesetzt. Doch als vier Kilometer vor dem Ziel Großschartner von vorne zurückkam und sich mit letzter Kraft vor Majka und die Favoritengruppe spannte, war Quintana wieder gestellt.
Anschließend zog Roglic erstmals das Tempo an und brachte so alle Kontrahenten bis auf Pogacar und Valverde in Schwierigkeiten, und drei Kilometer vor dem Ziel sorgte eine weitere Tempoverschärfung von Pogacar schließlich dafür, dass die Slowenen nun unter sich waren. Der 20-Jährige bestimmte von nun an das Tempo und baute den Vorsprung auf das Verfolger-Trio Valverde-Quintana-Majka schnell weiter aus - wobei Valverde immer mit einigen Metern vor Quintana fuhr, an dessen Hinterrad Majka saß.
1,5 Kilometer vor dem Ziel flogen Pogacar und Roglic an Latour vorbei, der sich schließlich noch knapp vor Valverde, Quintana und Majka als Dritter ins Ziel rettete und so die letzten vier Bonussekunden wegschnappte.
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