Tour: Dumoulin zieht an Froome vorbei

Quintana mit Wiedergutmachung, Thomas gelingt großer Schritt

Von Felix Schönbach

Foto zu dem Text "Quintana mit Wiedergutmachung, Thomas gelingt großer Schritt"
Nairo Quintana (Movistar) hat die 17. Etappe der 105. Tour de France gewonnen. | Foto: Cor Vos

25.07.2018  |  (rsn) - Nairo Quintana (Movistar) hat nach einem frühen Angriff am Schlussanstieg einen Solosieg auf dem Col de Portet gefeiert. Der Kolumbianer konnte den zweitplatzierten Dan Martin (UAE-Emirates) und die restlichen Favoriten auf Distanz halten. Als Dritter baute Geraint Thomas (Sky) seine Führung im Gesamtklassement aus und untermauerte seinen Führungsanspruch innerhalb der Sky-Mannschaft. Stallrivale Chris Froome verlor 47 Sekunden auf Thomas und damit wohl seine Chancen auf das Double aus Giro und Tour.

Für Quintana war der Etappensieg auf 2.215 Metern Höhe ein Befreiungsschlag nach einer schwierigen und bisher enttäuschend verlaufenen Tour. "Das war ein harter Tag. Aber heute war ich bereit, ich hatte die Beine und habe geliefert. Nach einigen schwierigen Tagen zu Beginn dieser Tour verliefen die letzten Etappen immer besser. Ich bin positiv geblieben und wusste, dass ich besser fahren kann. Und das habe ich heute gezeigt“, erklärte der Kolumbianer.

Die Attacke 14 Kilometer vor dem Ziel war von langer Hand geplant. Erst bereitete Marc Soler den Angriff vor, dann diente Alejandro Valverde als Andockstation. Quintana wusste im Ziel auf dem "Dach" der 105. Tour die Hilfe seiner Kollegen zu schätzen: "Heute hatten wir einen perfekten Plan. Wir wussten, dass es eine harte Etappe wird. Aber wir wollten zeigen, was wir können. Das ist ein großartiger Tag und ich möchte ein großes Dankeschön an unsere Mannschaft richten.“Durch sein Solo konnte der 28-Jährige auf den fünften Rang in der Gesamtwertung vorrücken.

Der 31-jährige Martin war der einzige Fahrer, der Quintanas Tempo einigermaßen folgen konnte. Der Ire kämpfte sich mit 28 Sekunden Rückstand ins Ziel. "Das war ein guter Tag heute. Ich habe die Konterattacke von Nairo gesehen, aber ich wollte mein eigenes Tempo setzten. Ich hatte gehofft, dass ich dichter herankommen könnte, aber es war sehr hart. Quintana war heute der bessere Mann“, gestand der Ire ein.

Thomas holt sich weitere Sekunden

In der Favoritengruppe kam es auf den letzten Kilometern durch Attacken von Primoz Roglic (LottoNL-Jumbo) und Tom Dumoulin (Sunweb) zu einem Showdown, bei dem Geraint Thomas das beste Ende für sich behielt. Zwei Kilometer vor dem Ziel gerieten Mikel Landa (Movistar) und  Froome in Schwierigkeiten und büßten wertvolle Sekunden ein. "Ja, für mich ist das schwer zu verkraften, es ist eine Enttäuschung. Aber G [Geraint Thomas] war sehr gut. Da ist kein Bedauern. Er ist verdient vorne und ich hoffe, dass das auch bis Paris so bleibt", kommentierte Titelverteidiger Froome das Ergebnis.

Mit 1:59 Minuten vor dem neuen Gesamtzweiten Dumoulin hat sich Thomas ein komfortables Polster erarbeitet. Sein Vorsprung auf Froome beträgt sogar 2:31 Minuten. Doch der Mann in Gelb gab sich noch zurückhaltend: "Ich war für die Attacken von Roglic und Dumoulin bereit, denn ich hatte einen guten Tag. Ich denke nur von Tag zu Tag, ehrlich gesagt. Morgen wird es eine Sprintankunft geben und wir können uns ein wenig ausruhen und dann bereit sein für das Einzelzeitfahren", sagte der Waliser, der aber zuvor noch am Freitag die letzte Pyrenäenetappe schadlos überstehen muss.

Auch die restlichen Wertungstrikots blieben auf den Schultern ihrer jeweiligen Träger. Julian Alaphilippe (Quick-Step) baute durch weitere Attacken seine Führung in der Bergwertung weiter aus. Pierre Latour (Ag2R) verteidigte sein Weißes Trikot gegen einen hervorragend fahrenden Egan Bernal (Sky), der Etappensiebter wurde. Und Peter Sagan (Bora-Hansgrohe) musste nach einem Sturz in der Abfahrt eine Schrecksekunde überstehen, konnte aber weiter fahren. Ob sich der Mann im Grünen Trikot schwerer verletzt hat, ist noch ungeklärt. Die rote Rückennummer sicherte sich mit Tanel Kangert (Astana) einer der der Ausreißer des Tages.

So lief die Etappe...

Während sich die Favoriten nach dem Start in Blöcken und analog zu Motorradrennen zurückhielten, ließen sich die Etappenjäger nicht lange bitten und starteten bereits auf den ersten Metern Angriffe. So konnte sich nach zwei Kilometern Tanel Kangert (Astana) absetzen. Hinter dem Esten bildete sich eine knapp 20 Fahrer große Verfolgergruppe. Diese teilte sich im Verlauf des 14 Kilometer langen Anstiegs zum Peyragudes in eine erste Verfolgergruppe aus Alaphilippe, Kritjian Durasek (UAE-Emirates) und Jesus Herrada, sowie eine zweite, neun Fahrer starke Formation um Alejandro Valverde (Movistar), Simon Yates (Mitchelton-Scott) und Rafal Majka (Bora-hansgrohe). Auf der Abfahrt konnten Alaphilippe und Durasek zu Kangert aufschließen.

Das neue Spitzentrio nahm den Col de Val Louron-Azet mit 3:30 Minuten Vorsprung vor dem Feld und knapp einer Minute Vorsprung auf die restlichen Verfolger in Angriff. Im Feld verschärfte zunächst AG2R in Person von Pierre Latour das Tempo. Anschließend übernahm der aus der Spitzengruppe zurückgefallene Marc Soler (Movistar) die Arbeit und reduzierte die Favoritengruppe. Als Konsequenz sank auch der Rückstand auf die Spitze auf nur noch zwei Minuten. Auf der gefährlichen Abfahrt verlor erst Durasek und zu Beginn des finalen Anstiegs zum Col de Portet auch Alaphilippe das Hinterrad von Kangert.

Aus der Favoritengruppe attackierten Dan Martin und Nairo Quintana und 14 Kilometer vor dem Ziel, wobei der Kolumbianer den Iren schnell abschüttelte. Sky ließ das Duo zunächst gewähren. Erst eine Attacke von Primoz Roglic 12 Kilometer vor dem Ziel zwang Froome zu reagieren. Doch nachdem Dumoulin die Lücke wieder geschlossen hatte, übernahmen die Sky-Helfer wieder das Kommando.

Quintana holte nach und nach die restlichen Ausreißer ein und genoss dabei die Unterstützung von Teamkollege Valverde. Der Kolumbianer schüttelte acht Kilometer vor dem Ziel mit Majka den letzten Kontrahenten ab. Dan Martin folgte mit stets 20 bis 30 Sekunden Rückstand. Bei den Favoriten gab sich zunächst Romain Bardet, dessen Helfer am zweiten Berg beschleunigt hatten, knapp fünf Kilometer vor dem Ziel die Blöße und rutschte so auf den achten Gesamtrang ab. "Es ist schwer, die Ergebnisse des heutigen Tages zu akzeptieren. Natürlich bin ich enttäuscht, aber das ist der Sport", kommentierte der Franzose seinen Zeitverlust.

Drei Kilometer vor dem Ziel verschärfte Roglic das Tempo nochmals und brachte Froome in erste Schwierigkeiten. Dumoulin nutzte die Gelegenheit zu einer Konterattacke und setzte sich mit Roglic und Thomas ab. Unter dem roten Lappen verschärfte der ehemalige Skispringer nochmals das Tempo, konnte Thomas jedoch nicht abschütteln. Der Mann im Gelben Trikot sicherte sich schließlich im Sprint um Platz sogar vier Bonussekunden in der Gesamtwertung. Froome kam gemeinsam mit Jungtalent Egan Bernal und Landa 47 Sekunden hinter Thomas ins Ziel.

 

Mehr Informationen zu diesem Thema

06.07.2022Ausgerechnet in Roubaix platzte Degenkolbs Tour-Knoten

(rsn) – Vor vier Jahren mussten die Starter der Tour de France letztmals Kopfsteinpflaster-Passagen unter die Räder nehmen. Am . Juli 2018 holte sich Degenkolb in Roubaix nach 156,6 Kilometern inkl

25.07.2020Video-Rückblick: Horror-Sturz endet für Gilbert glimpflich

(rsn) - Auf der 16. Etappe der Tour de France mussten die Zuschauer das Schlimmste für Philipp Gilbert befürchten. In der Abfahrt vom Portet d´Aspet versteuerte der Belgier sich und flog kopfüber

12.11.2018Alpe d´Huez-Sturz: Nibali drei Stunden von Polizei befragt

(rsn) – Vincenzo Nibali (Bahrain-Merida) ist am Samstag in Modane von der französischen Polizei zu seinem Sturz von der 12. Etappe der Tour de France befragt werden. Damals war der Italiener im Sch

31.10.2018Thomas war bei der Tour wegen Kapitänsfrage frustriert

(rsn) - Am letzten Tag der diesjährigen 105. Tour de France strahlte Geraint Thomas (Sky) im Gelben Trikot auf den Champs-Elysees. Der Waliser feierte den größten Erfolg seiner Karriere und setzte

16.10.2018Nibali wird am 10. November von französischer Polizei befragt

(rsn) - Vincenzo Nibali (Bahrain-Merida) wird am 10. November in Grenoble von der französischen Polizei zu seinem Sturz von der 12. Etappe der Tour de France befragt werden. Damals war der Italiener

10.10.2018Thomas´ Tour-Trophäe in Birmingham gestohlen

(rsn) - In den vergangenen Jahren kam es immer wieder vor, dass Radsport-Mannschaften von Fahrraddieben heimgesucht wurden. Nun meldet Team Sky den Verlust der Tour-de-France-Auszeichnung von Geraint

03.08.2018“Zwischen Froome und Thomas gab es nie einen Disput“

(rsn) - Seit dem vergangenen Sonntag schon ist die auch 105. Ausgabe der Tour de France wieder Geschichte. In der neuen Ausgabe von Radio Tour – dem Radsportpodcast in Kooperation mit radsport-news.

03.08.2018Nach Tour-Aus fordert Sieberg “Überdenken der Karenzzeit“

(rsn) – Nachdem er im Vorjahr wegen eines Magen-Darm-Virus´ erstmals die Tour de France vorzeitig beenden musste, wollte Marcel Sieberg (Lotto Soudal) bei der 105. Austragung unbedingt wieder Paris

02.08.2018Lappartient: Funkverbot und 6-Mann-Teams gegen Sky-Dominanz

(rsn) - Auf wenig Gegenliebe - um es vorsichtig auszudrücken - ist UCI-Präsident David Lappartient bei den Profis mit seinen jüngst geäußerten Ideen gestoßen, wie man der vor allem in den große

02.08.2018“Ich fand alle Bergpässe schön“

(rsn) – Mit Michael Gogl (Trek-Segafredo), Gregor Mühlberger und Lukas Pöstlberger (beide Bora-hansgrohe) nahmen drei Österreicher an der 105. Tour de France teil. Das rot-weiß-rote Trio erreich

01.08.2018Zabel will sein Selbstvertrauen wieder aufpolieren

(rsn) – Der Frust über das verfrühte Tour-Aus sitzt tief: Rick Zabel (Katusha-Alpecin).musste auf der Königsetappe nach Alpe d`Huez im Kampf gegen das Zeitlimit kapitulieren und in den Besenwagen

01.08.2018Politt: “Wir haben uns nochmal richtig zusammengerissen“

(rsn) – Nach drei harten Wochen bei der Tour de France sehnt sich Nils Politt (Katusha-Alpecin) nach Erholung. Die ist derzeit aber nur bedingt möglich. Denn keine 24 Stunden nach dem Tour-Ende in

Weitere Radsportnachrichten

07.03.2026So tippt die RSN-Redaktion: Strade Bianche

(rsn) – Wer sind die Favoritinnen und Favoriten für das nächste große Rennen? Auf wen sollte man sonst noch achten? In der Redaktion bei radsport-news.com gehen die Meinungen vor den Saison-Highl

07.03.2026Radsport live im Stream und im TV: Die Rennen des Tages

(rsn) – Welche Radrennen finden heute statt? Wo und wann kann man sie live im Fernsehen oder Stream verfolgen? Und wo geht´s zum Live-Ticker? In unserer Tagesvorschau informieren wir über die wic

06.03.2026Tirreno-Adriatico im Rückblick: Die letzten zehn Jahre

(rsn) - Fast zeitgleich mit Paris-Nizza (2.UWT) in Frankreich findet in Italien mit Tirreno-Adriatico (2.UWT) eine weiteres, stark besetztes Etappenrennen statt. Bei der Fernfahrt zwischen dem Tyrrhe

06.03.2026Paris-Nizza: Nach Almeida fällt auch Skjelmose aus

(rsn) – Die Liste der prominenten Ausfälle bei der Fernfahrt Paris-Nizza (2.UWT) wird länger. Nachdem bereits Joao Almeida (UAE – Emirates – XRG) und Max Poole (Picnic – PostNL) für die am

06.03.2026Pogacar jagt in der Toskana den nächsten Rekord

(rsn) – Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) gelang am Openingsweekend mit dem Sieg beim Omloop Nieuwsblad (1.UWT) ein perfekter Saisoneinstieg. Dass der Niederländer auch in dieser Sais

06.03.2026Niewiadoma mit Klösers Hilfe zum ersten Strade-Sieg?

(rsn) – Kasia Niewiadoma-Phinney (Canyon – SRAM – zondacrypto) kann eine imponierende Strade-Bianche-Bilanz vorweisen. Die Polin nahm an sämtlichen elf bisherigen Austragungen des toskanischen

06.03.2026Die Strecke des 84. Paris-Nizza

(rsn) – Die 84. Ausgabe von Paris-Nizza (2. UWT) beginnt am 8. März 2026 in Achères im Département Yvelines und endet am 15. März mit dem traditionellen Finale rund um den Zielort Nizza. Wegen d

06.03.2026Paris-Nizza im Rückblick: Die letzten zehn Jahre

(rsn) - Mit dem 84. Paris-Nizza steht das erste bedeutende Etappenrennen der Saison auf dem Progamm. Da die Organisatoren in den vergangenen Jahren auch Bergankünften in den Etappenplan eingebaut

05.03.2026Saison-Debütantinnen fordern Titelverteidigerin Vollering heraus

(rsn) – Am Samstag starten die Frauen in die 12. Ausgabe der Strade Bianche Donne (1.WWT). Während Titelverteidigerin und Topfavoritin Demi Vollering (FDJ United – Suez) zuletzt beim Omloop Nieuw

05.03.2026Van Aert vor Strade-Comeback: “Mehr Fragen als erhofft“

(rsn) – Zwei Tage bevor in Siena das erste große italienische Radsportfest der Saison steigt, hat das Team Visma – Lease a Bike die Aufnahmen von der Zielankunft der Strade Bianche 2020 auf seine

05.03.2026Seixas freut sich auf Strade Bianche - Duell mit Pogacar inklusive?

(rsn) – Bei der Frage nach den aussichtsreichsten Gegnern für Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) bei der 20. Strade Bianche (1.UWT) fallen den Beobachtern nicht viele Namen an. Zu dominant ag

05.03.2026Matthews bricht sich im Training beide Hände

(rsn) – Michael Matthews wird nach einem Trainingssturz lange Zeit ausfallen. Wie Jayco – AlUla über die Sozialen Medien bekanntgab, brach sich der 35-jährige Australier am Donnerstag beide Ha