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11.03.2018 | (rsn) - Zum dritten Mal in Folge haben nur wenige Sekunden über den Gesamtsieg bei Paris - Nizza entschieden. Nachdem sich 2017 Sergio Henao mit ganzen zwei Sekunden gegenüber Alberto Contador durchsetzte, holte sich am Sonntag auf der 110 Kilometer langen Schlussetappe Marc Soler (Movistar) rund um Nizza mit vier Sekunden Vorsprung den größten Erfolg seiner Karriere und schnappte in dem erwarteten Krimi Simon Yates (Mitchelton-Scott) noch das Gelbe Trikot weg.
Soler gewann die 76. Auflage mit ganzen vier Sekunden Vorsprung vor dem Briten, der die gestrige Königsetappe für sich entschieden hatte. Dabei reichte dem 24-jährigen Spanier im strömenden Regen auf der 8. Etappe Rang drei und die damit verbundene Zeitbonifikation, um sich noch vom sechsten auf den ersten Platz des Schlussklassements zu verbessern. Den letzten Tagessieg holte sich wie im vergangenen Jahr sein Landsmann David de la Cruz (Sky), der im Zielsprint des spanischen Ausreißertrios Omar Fraile (Astana) knapp auf den zweiten Platz verwies.
"Ich kann es nicht glaube. Ich habe vor allem nach gestern, als ich Zeit verloren habe, nicht mehr damit gerechnet. Wir hatten aber schon geplant, schon weit vor dem Ziel zu attackieren“, kommentierte Soler seinen Coup, den er mit einem Angriff an der Cote de Peille (1. Kat.), dem vierten von sechs kategorisierten Anstiegen des Tages knapp 50 Kilometer vor dem Ziel vorbereitete. "Obwohl Fraile vorne war, habe ich die Gelegenheit genutzt, um mit De la Cruz und Ion (Izagirre) anzugreifen, genau da, wo ich es geplant hatte. Ich habe noch nie ein WorldTour-Rennen gewonnen, für mich ist das alles ein Traum. Mit den Leuten, die dieses Rennen schon gewonnen haben, auf der Siegerliste zu stehen, ist einfach unglaublich.“
Zufrieden sein konnte mit dem Ausgang des verregneten „Rennens zur Sonne“ auch das deutsche Bora-hansgrohe-Team. Denn 38 Sekunden hinter de la Cruz gewann der Österreicher Patrick Konrad den Sprint der ersten Verfolger vor dem Belgier Tim Wellens (Lotto Soudal) und sicherte sich so Rang vier der Tageswertung. Konrad beschloss Paris-Nizza auf dem siebten Platz der Gesamtwertung, sein Landsmann und Teamkollege Felix Großschartner wurde Zehnter.
Dagegen musste Yates, der im letzten Anstieg des Tages entscheidend zurückgefallen war, als Tagessechster das Gelbe Trikot an Soler abtreten und sich mit Platz zwei der Gesamtwertung begnügen. "Ich war im Finale einfach nur leer. Marc Soler ist ein sehr gutes Rennen gefahren, zu dem ich ihm gratuliere. . Er ist ein sehr guter Fahrer und wir kennen uns schon lange“, zeigte sich der knapp geschlagene als fairer VerIierer und zog dann doch ein positives Fazit. "Ich hatte gestern einen Etappensieg und komme näher heran. Letztes Jahr habe ich die Tour de Romandie mit 20 Sekunden verloren, jetzt Paris-Nizza um vier Sekunden. Ich hoffe, ich kann mich weiter verbessern und mit harter Arbeit die Spitzenplatzierung holen.“
Im strömenden Regen fiel das Feld schon an der ersten von sechs Bergwertungen bei hohem Tempo auseinander. Die Cote de Levens (2. Kat.) erreichte Thomas De Gendt (Lotto Soudal) nach 20 Kilometer als erster Fahrer und kassierte dafür weitere sieben Punkte ein, was zum Gewinn des Bergtrikots reichte. Kurz darauf gewann Gorka Izagirre den ersten Zwischensprint vor Wellens, wodurch der Spanier seinen Rückstand gegenüber Yates auf zehn Sekunden verkürzte; der Belgier rückte bis auf zwölf Sekunden an das Gelbe Trikot heran.
Nach diversen weiteren Attacken bildeten schließlich nach gut 30 Kilometern Julian Alaphilippe (Quick-Step Floors), Jakob Fuglsang und Fraile (beide Astana) ein gefährliches Spitzentrio, dem die aus gut 20 Fahrern bestehende Favoritengruppe allerdings nur wenig mehr als eine Minute Vorsprung zugestand. 70 Kilometer vor dem Ziel sanken die Chancen der Ausreißer weiter, als nämlich Fuglsang stürzte und kurz darauf vom wieder größer werdenden Feld eingeholt wurde.
Im Anstieg zur Cote de Peille (1. Kat.), mit 653 Metern das „Dach“ der Etappe, konnte Alaphilippe dem Tempo, das Fraile einschlug, nicht mehr folgen, und wurde kurz darauf von Ion Izagirre, Soler und De la Cruz, die aus der Favoritengruppe davongezogen waren, gestellt und 46 Kilometer vor dem Ziel abgehängt.
Ziemlich genau an der Bergwertung, waren Soler und de la Cruz, die schon einige Zeit zuvor Izagirre abgeschüttelt hatten, am Hinterrad von Fraile. Mit fast 1:30 Minuten Rückstand folgte die Gruppe um Yates, womit Soler, der vor der Etappe nur 37 Sekunden Rückstand auf den Briten aufgewiesen hatte, virtuell im Gelben Trikot fuhr.
Obwohl Mitchelton-Scott bei der Jagd auf das spanische Trio von Bahrain-Merida keine Unterstützung erhielt, konnten die Yates-Helfer den Rückstand am Col d’Éze, wo Fraile sich den vierten Bergpreis in Folge sicherte, auf rund eine Minute reduzieren. In der folgenden Abfahrt hängte der Astana-Profi, der kurz zuvor noch alle Mühe zu haben schien, mit Soler und de la Cruz mithalten zu können, seine beiden Begleiter ab, und erreichte als Erster Nizza, von wo aus es in den 5,5 Kilometer lang und 5,5 Prozent steilen Col des Quatre Chemins hinein ging.
Bereits am Fuß des letzten Berges des diesjährigen Paris - Nizza hatten de la Cruz und Soler wieder zu ihrem Landsmann aufgeschlossen. 50 Sekunden dahinter folgte die Favoritengruppe, aus der heraus Gorka Izagirre attackierte und damit Yates in Zugzwang brachte. Zwar reagierte das Gelbe Trikot, doch als Wellens, der kurz zuvor noch durch einen Defekt zurückgeworfen worden war, die Konterattacke setzte, musste Yates passen.
An der Bergwertung war de la Cruz knapp vor Soler, Fraile folgte mit einigem Abstand als Dritter, kämpfte sich in der Abfahrt aber nicht nur zu seinen Begleitern wieder vor, sondern fuhr sich sogar einen Vorsprung heraus. 48 Sekunden hinter de la Cruz jagte die erste Verfolgergruppe um Wellens in die Abfahrt hinab, Yates, Konrad und Alexis Vuillermoz (AG2R) zwölf Sekunden dahinter. In der letzten Abfahrt überschlugen sich dann die Ereignisse. Die Izagirre-Brüder räumten sich in einer Kurve gegenseitig ab, schafften dann aber gemeinsam mit der Yates-Gruppe wieder den Anschluss an Wellens & Co.
Doch es reichte nicht mehr, um die Spitzenreiter einzufangen, die sich auf den letzten Kilometern wieder gefunden hatten, wobei Soler im Alleingang das Loch zu Fraile zufuhr. Im Sprint gingen dem Movistar-Profi dann zwar die Kräfte aus, es reichte allerdings, um sich letztlich dank der Zeitbonifikation für den dritten Platz den Gesamtsieg zu sichern.
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