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23.05.2013 | (rsn) - Der große Showdown in den Dolomiten nähert sich, und zur Einstimmung steht am viertletzten Tag der Rundfahrt in den Bergen östlich des Gardasees das Bergzeitfahren zwischen Mori und Polsa auf dem Programm. Auch wenn der Kurs für ein Bergzeitfahren vergleichsweise „einfach“ ist, so wird der Kampf gegen die Uhr natürlich für Abstände und somit für weitere Verschiebungen im Gesamtklassement sorgen.
Die Strecke: 19,45 Kilometer, Bergzeitfahren, 1 Zwischenzeit
Auf 197 Metern Höhe beginnt die Etappe im Velodrom des 9.500-Einwohner-Orts Mori. Die ersten 400 Meter sind noch recht flach, doch dann beginnt an einem Linksabzweig sofort die Kletterpartie in Richtung Brentonico, wo nach 8,1 Kilometern die Zwischenzeitnahme wartet. Diese ersten 8100 Meter haben eine Durchschnittssteigung von 6,1 Prozent. Es folgt nach der Zwischenzeit ein fünf Kilometer langer flacherer Abschnitt, der zwei kurze Abfahrten beinhaltet, bevor in Prada bei Kilometer 13,1 der dritte Teil des Zeitfahrens beginnt.
Die letzten 6,35 Kilometer führen schließlich bei 6,8 Steigungsprozenten stetig bergauf und erreichen fünf Kilometer vor dem Ziel den Höchstwert von zehn Prozent. In Polsa angekommen werden die Fahrer 1008 Höhenmeter überwunden und rund 40 Minuten im Sattel verbracht haben - nach dem Mannschaftszeitfahren des zweiten Tages der zweitkürzeste Arbeitstag der gesamten drei Wochen.
Die Giro-Historie: Merckx zerstört Bitossis Traum
Eine einzige Giro-Etappe führte bereits den Anstieg von Mori nach Brentonico hinauf, endete dann aber in eben jenem Ort, wo heute die Zwischenzeit genommen wird, anstatt noch weiter hinauf nach Polsa zu führen. Der 24. Mai 1970 sollte den Wendepunkt des 53. Giro d’Italia darstellen. Denn während die Tifosi morgens am Start in Malcesine noch ihren Landsmann Franco Bitossi feierten, der das Rosa Trikot am ersten Tag übernommen und bis hierhin getragen hatte, folgte in Brentonico die große Ernüchterung. Eddy Merckx attackierte, holte sich den Etappensieg und übernahm auch die Gesamtführung des völlig eingebrochenen Bitossi. Merckx gewann den Giro und Bitossi beendete die Rundfahrt mit über 13 Minuten Rückstand auf Rang sieben.
Die Region: Ein Katzensprung zum Gardasee
Wir befinden uns inzwischen im Trentin, und auch wenn das heutige Tagesziel nur 1205 Meter über dem Meer liegt, wir nähern uns so langsam wieder den Skigebieten. Deutlich wird das vor allem dann, wenn man durch die etwas nördlich von Mori und Polsa gelegene größere Stadt Rovereto fährt, denn dort kommen die Alpin-Größen Lucia Recchia (Silber bei der WM 2005 im SuperG) und Davide Simoncelli (zwei Weltcupsiege im Riesenslalom) her. Dennoch: Ende Mai werden die meisten Zuschauer nach oder vor der Etappe lieber einen Abstecher zum nur zehn Kilometer westlich von Mori gelegenen Gardasee machen.
Die Radsport-News-Prognose: Kletterer oder Zeitfahrer?
Auch wenn diese 18. Etappe ein Bergzeitfahren ist, so ist die Steigung nur selten so steil, dass die Kletterflöhe ihren großen Gewichtsvorteil voll ausspielen könnten. Vielmehr ist die Strecke zwischen Mori und Polsa den Allroundern auf den Leib geschneidert: Fahrern, die sowohl gut klettern als auch gut im Flachen gegen die Uhr fahren können.
Klar ist aber auch, dass zum Beispiel Vincenzo Nibali hier bessere Chancen habenn dürfte als noch im langen, meist flachen Einzelzeitfahren von Saltara. Da der Italiener in Bestform ist, könnte er heute sogar den Sieg davontragen. Dieser Tag wird zudem darauf hindeuten, welcher der Favoriten für die letzten beiden Bergetappen noch genügend Kraftreserven hat.
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