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02.08.2012 | London (dapd) - Miriam Welte und Kristina Vogel schauten sich ungläubig an und konnten ihr Glück kaum fassen. Nach der wohl glücklichsten Goldmedaille bei Olympischen Bahn-Wettbewerben sind die beiden deutschen Sprinterinnen am Ziel ihrer Träume angelangt. Die 25 jahre alte Welte und die vier Jahre jüngere Vogel holten sensationell die Goldmedaille im Teamsprint, nachdem sie gleich zweimal von der Disqualifikation der haushoch überlegenen Chinesinnen und Britinnen profitiert hatten.
Arm in Arm standen die beiden mit Tränen in den Augen auf dem Podium und sangen leise die deutsche Nationalhymne mit. "Wir sind jetzt Olympiasieger. Ein Traum ist wahr geworden. Und das aufgrund von zwei Wechselfehlern, das ist Wahnsinn", sagte Welte und Vogel ergänzte: "Auf der einen Seite ist es nicht der Weg, wie man gewinnen möchte. Auf der anderen Seite sind die Regeln für alle da. Weltmeister ist man nur einmal, Olympiasieger bleibt man für immer. Wir haben ein Stück Geschichte geschrieben."
"Soviel Glück hat man selten. Das Podium hatten die beiden sicher verdient. Dass es Gold wurde, ist für die anderen schade, für uns aber großartig", fügte Bundestrainer Detlef Uibel an.
Als wenige Minuten später auch noch die deutschen Teamsprinter zur Bronzemedaille rasten, hatte sich für die deutschen Bahn-Asse ein gleichermaßen chaotischer wie spektakulärer Auftakttag endgültig zum Guten gewendet. Dabei hatte alles mit der tragischen Verletzung von Stefan Nimke (Lendenwirbelverletzung) so schlecht begonnen.
Was die gut 6.000 Zuschauer, darunter auch die Prinzen William und Harry im ausverkauften Velodrom zuvor zu sehen bekommen hatten, war an Dramatik, Spannung und Spektakel kaum zu übertreffen. Gleich sechsmal flimmerte auf der Anzeigentafel die Aufschrift "World Record". Und als zum krönenden Abschluss auch noch die britischen Team-Sprinter auf dem ultraschnellen Holzoval mit einer Fabelzeit zu Gold gerauscht waren, glich die Halle einem Tollhaus.
Gold hatten sich ursprünglich auch die deutschen Sprinter vorgenommen, doch das Unterfangen war schon zum Scheitern verurteilt, bevor es überhaupt begonnen hatte. Ausgerechnet Nimke, der im letzten Rennen seiner Karriere noch einmal nach Gold greifen wollte, musste wegen einer Rückenverletzung eine halbe Stunde vor dem Beginn passen. "Das ist total bedauerlich, dass so etwas kurz vor dem Start passiert. Stefan ist am Boden zerstört", sagte Patrick Moster, der Sportdirektor des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR).
Kurzfristig musste Bundestrainer Detlef Uibel umdisponieren und Ersatzfahrer Robert Förstemann ins Team einbauen. Das Unterfangen gelang: Das deutsche Trio in der Besetzung René Enders (Erfurt), Förstemann und Maximilian Levy (Cottbus) steigerte sich nach Platz fünf in der Qualifikation und fuhr schließlich zu Bronze.
Mehr wäre für Vogel und Welte unter normalen Umständen auch nicht möglich gewesen. Nachdem aber die Britinnen "Queen" Victoria Pendleton und Jessica Varnish wegen eines Wechselfehlers disqualifiziert worden, rückte das deutsche Duo mit der drittschnellsten Zeit ins Finale. Dort passierte den überragenden Chinesinnen Jinjie Gong und Shuang Guo das gleiche Malheur, und plötzlich waren die deutschen Weltmeisterinnen auch Olympiasieger.
Zuvor hatten die Chinesinnen und Briten ein Weltrekordfestival abgeliefert. Zunächst pulverisierten Pendleton und Varnish in 32,526 den am 4. April dieses Jahres von Vogel und Welte aufgestellten Weltrekord, danach toppten die beiden Chinesinnen die Fabelzeit noch zweimal auf schließlich 32,422 Sekunden.
Dann waren die britischen Männer mit Weltrekorden an der Reihe. Erst fuhr der Bahnvierer mit Edward Clancy, Geraint Thomas, Steven Burke und Peter Kennaugh in 3:52,499 Minuten in der Qualifikation Weltrekord, dann legten die britischen Teamsprinter nach und übertrafen gleich zweimal die alte Bestmarke der Deutschen und fuhren im Finale gegen Frankreich schier unglaubliche 42,600 Sekunden über die drei Runden.
Dabei hatte auch ein Deutscher mitgewirkt. Der Krefelder Philip Hendes, in seinem Heimatland chancenlos, hatte sich dem Geburtsland seines Vaters angeschlossen und ist nun Olympiasieger zusammen mit Jason Kenny und Chris Hoy, der seine fünfte Goldmedaille einfuhr und damit neben dem Ruderer Sir Steve Redgrave der - gemessen an den Goldmedaillen - erfolgreichste Brite bei Olympischen Spielen ist.
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