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10.08.2012 | London (dapd) - Zum Schutz vor französischen Angriffen nahm das Hadleigh Castle im Mittelalter einst eine strategisch wichtige Rolle ein. Französische Angriffe hat Olympiasiegerin Sabine Spitz bei ihrem erneuten Anlauf auf den Olympia-Thron im Mountainbike-Rennen am Samstag rund um jenes Bauwerk, das heute nur noch eine Burgruine darstellt, auch zu erwarten.
Die junge Julie Bresset wäre etwa so eine Rivalin, aber auch nur eine von vielen. Denn die Konkurrenz ist enorm, bis zu zwölf Fahrerinnen kommen für den Sieg infrage. Doch Spitz lässt sich auch im hohen Radsport-Alter von 40 Jahren davon kaum abschrecken.
"Der Kurs liegt mir. Mein Ziel ist eine Medaille", sagt die Südbadenerin, die noch einmal auf das Podium will. So wie 2004, als sie in Athen Bronze gewann, und 2008 bei ihrem großen Triumph in Peking. Nun also London, oder genauer gesagt Hadleigh Farm, ein Areal, das 50 Kilometer nördlich der Hauptstadt in der Grafschaft Essex liegt. Dort draußen ist von der Hektik der Olympischen Spiele nicht viel zu spüren. Ruhe, die Spitz vor ihrem letzten olympischen Rennen gebrauchen kann. Dass sie in Rio noch einmal am Start stehen wird, kann sie sich kaum vorstellen.
Die Karriere neigt sich dem Ende zu, das weiß auch Spitz, die erst als Spätstarterin mit 22 Jahren zum Leistungssport gekommen ist. Nach der Saison will sich die Powerfrau mit Ralf Schäuble, ihrem Ehemann, Manager und Trainer, zusammensetzen und die Zukunft planen. Damit will sie sich in London aber nicht beschäftigen.
Schließlich hat sie am Samstag die Möglichkeit, im Alter von exakt 40 Jahren und 228 Tagen zur ältesten Medaillengewinnerin im Radsport seit Jeannie Longo aufzusteigen. Die "Grande Dame" des Radsports hatte 2004 als 41-Jährige Bronze im Einzelzeitfahren gewonnen.
Doch so einfach wie in Peking, als Spitz bei ihrem Solosieg gar ihr Rad über die Ziellinie tragen konnte, wird es nicht mehr. "Nie war die Spitze breiter", sagt die Ex-Weltmeisterin: "Aber ich bin ein Wettkampftyp." Und sie hat sich offenbar rechtzeitig in Form gebracht. Ende Juli belegte Spitz beim Weltcup in Val d'Isere den sechsten Platz, ihr bestes Saisonergebnis.
In Val d'Isere stellte auch Manuel Fumic seine gute Verfassung unter Beweis. Vierter wurde der 30-Jährige beim Triumph des Schweizer Gesamtweltcupsiegers Nino Schurter. "Ich bin sehr zuversichtlich. Ich habe das Niveau, um vorne mitzufahren", sagt Fumic, der auf eine konstant gute Saison zurückblickt. Und schließlich sei er immer schon ein Highlight-Fahrer gewesen.
Ein bis zwei Medaillen täten zum Abschluss auch der Bilanz des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) ganz gut. Insgeheim hatte man in Frankfurt von acht Medaillen geträumt, bislang haben die deutschen Akteure fünf Podestplätze eingefahren, was immerhin schon eine Steigerung zu Peking ist (je einmal Gold, Silber und Bronze).
Die Topfavoriten im Mountainbike sind aber weder Spitz noch Fumic. Bei den Frauen ist neben Bresset insbesondere die Kanadierin Catharine Pendrel hoch einzuschätzen. Im Männer-Rennen dürfte sich alles auf Schurter und Julien Absalon konzentrieren, den französischen Olympiasieger von 2004 und 2008. Und von Franzosen ging in Hadleigh schon immer eine große Gefahr aus.
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