Straßenrennen der Elite-Frauen

Wiebes lässt keine Zweifel aufkommen und wird Europameisterin

Von Sebastian Lindner

Foto zu dem Text "Wiebes lässt keine Zweifel aufkommen und wird Europameisterin"
Lorena Wiebes lässt ihren Konkurrentinnen keine Chance und wird zum zweiten Mal Europameisterin. | Foto: Cor Vos

14.09.2024  |  (rsn) – Erwartungen erfüllt. Lorena Wiebes hat für die Niederlande Gold im Straßenrennen der Elite-Frauen geholt. Der 162 Kilometer lange Kurs von Heusden-Zolder nach Hasselt war nicht schwierig genug, um die Niederländerin, angeführt von ihrer Top-Sprinterin, in Bedrängnis zu bringen. Das Finale war dann ein klarer Fall für die nun zweifache Titelträgerin. Mit deutlichem Vorsprung gewann sie den Massensprint vor Italiens Elisa Balsamo und Daria Pikulik aus Polen.

Für das kleine österreichische Team, bestehend aus den beiden Schweinberger-Schwestern, sprang mit Rang sechs für Kathrin ein vorzeigbares Ergebnis heraus. Größte Überraschung in den Top 10 war die 36-Jährige Litauerin Rasa Leleivyte. Sie wurde Neunte.

Die deutschen Frauen spielten in der Entscheidung keine Rolle mehr. Franziska Koch wurde als beste aus dem BDR-Team 13. Die Auswahl hatte unterwegs auf den zwei Limburg-Runden, die noch am ehesten das Potenzial hatten, das Feld zu splitten, viel unternommen. Doch die Niederländerin hatten mit Hilfe der Italienerinnen, die ebenfalls auf den Sprint aus waren, alles im Griff.

Wiebes auch ohne perfekte Vorbereitung nicht zu schlagen

“Der Sprint war nicht perfekt, sondern eher sehr chaotisch“, sagte eine dennoch glückliche Siegerin im Interview. Denn alles andere als ihr zweiter EM-Titel nach 2022 wäre eine unschöne Überraschung aus Sicht des niederländischen Teams gewesen. Denn Oranje hatte alles auf Wiebes ausgelegt. “Die Girls haben ein Riesenjob gemacht, alles kontrolliert, bis auf den letzten Kilometer“, sagte die 25-Jährige dann auch artig. Dort lief dann aber einiges schief, was der Uneingespieltheit des Zuges, der so nur zusammen antritt, anzulasten war. “Wir haben uns dann verloren. Aber ich habe ein italienisches Hinterrad gefunden. Ich musste dann zwar ziemlich früh los, aber es hat ja gereicht“, so Wiebes.

Wirklich glücklich wirkten Balsamo und Pikulik als weitere Medaillengewinner bei der Podiumszeremonie nicht, doch waren ihre Resultate in Anbetracht der Überlegenheit Wiebes‘ die bestmögliche Ausbeute. Für Ex-Weltmeisterin Balsamo war es nach ihrem EM-Sieg 2020 das zweite Podium in der Elite bei europäischen Titelkämpfen. Pikulik hingegen holte erstmals eine Medaille.

Wenig glücklich mit dem Rennen zeigte sich auch André Korff. "Es haben sich zu wenige Mannschaften engagiert", schätzte der Budnestrainer ein. Dabei waren im Mitteilteil des Rennens neben den Deutschen vor allem Frankreich, Spanien und Belgien sehr präsent. Ihm fehlte vor allem ein Team. "Die Italienerinnen haben zu wenig gemacht. Dann wäre das Rennen vielleicht anders gelaufen. So aber war früh abzusehen, dass es zum Sprint kommen würde und wir keine Anteile haben würden. Schade für das lange Rennen, dass es so neutralisiert gefahren wurde."

So lief das EM-Straßenrennen der Frauen

In der ersten Hälfte des Rennens war eine Tschechin die Alleinunterhalterin. Nikolas Noskova versuchte es schon einmal kurz nach Beginn des Rennens. Sie stürzte dann, war wieder im Feld, nahm aber einfach nochmal einen zweiten Anlauf. Und der führte sie bis auf die erste von zwei Runden auf dem Limburg-Circuit, der mit zwei Kopfsteinpflaster-Abschnitten und zwei kleinen Hügeln die einzigen Schwierigkeiten auf dem Kurs beherbergte.

Für die 27-Jährige, die ansonsten für Cofidis fährt, übernahm die Spanierin Mireia Benito, die sich nach einem gepflasterten Abschnitt absetzte. Sie führte das Feld auf die zweite Limburg-Runde. Dort begannen dann auch die ernstgemeinten Attacken, um einen Massensprint zu verhindern. Stark daran beteiligt: das deutsche Team. Vor allem Romy Kasper und Franziska Koch sorgten auf den zum zweiten Mal angegangenen Pflasterpassagen für ein hohes Tempo, das einigen Fahrerinnen im Feld Probleme machte. Aber nicht den Favoritinnen. Italien und die Niederlande hielten alles beisammen und hatten dabei auch keine größeren Probleme. Der Kurs war nicht schwierig genug: Das musste auch Liane Lippert feststellen, die in der Folge immer wieder Attacken setzte, aber keine größeren Lücken reißen konnte.

Absprechen konnte man den Nationen, die als aussichtslos in einen Massensprint gehen würden, nicht. Auch die Französinnen, die Belgierinnen und die Spanierinnen waren sehr aktiv, zuletzt mit Sara Martin, die nochmal eine größere Lücke zugesprochen bekam, aber zwölf Kilometer vor dem Ziel auch wieder gestellt wurde.

Auf den letzten Kilometern blieben weitere Attacken aus, ein Massensprint war unausweichlich. Und dann sah es für einen Moment tatsächlich so aus, als könnte es eng werden für Wiebes. Denn kurz nach dem Teufelslappen war die Sprinterin komplett von ihrem Team isoliert. Italien hingegen war noch zu Viert. Doch die Überzahl konnten Balsamo und Co. gegen die übermächtige Niederländerin nicht ausnutzen. Wiebes sprang an ein blaues Hinterrad und flog dann an allen chancenlosen Konkurrentinnen vorbei. Hinter ihr war es um die Podiumsplätze, die letztlich an Balsamo und Pikulik gingen, jedoch etwas enger.

Results powered by FirstCycling.com

Mehr Informationen zu diesem Thema

16.09.2024Pedersen sprintet nach verpufften Angriffsversuchen auf Platz 6

(rsn) – Mads Pedersen und die dänische Nationalmannschaft wollten das EM-Straßenrennen von Hasselt so hart wie möglich gestalten, um den Sprint-Spezialisten das Leben schwer zu machen. Am Ende wa

16.09.2024Van der Poel beißt sich Zähne aus: “Wussten, dass es schwer wird“

(rsn) – Der Massensprint war im EM-Straßenrennen von Hasselt letztendlich unausweichlich. So sehr es die Teams ohne designierten Sprint-Favoriten auch versuchten, am Ende kam es zum erwarteten Szen

15.09.2024Walscheid mit schleichendem Plattfuß auf Rang zwölf

(rsn) – Das deutsche Team war eines der prägenden im EM-Straßenrennen der Männer. Allein im Ergebnis lässt sich das überhaupt nicht ablesen. Beim Sieg von Tim Merlier (Belgien) schaffte es Max

15.09.2024Merlier sprintet zum Europameister-Titel

(rsn) – Drei Sprinter hatte Belgien mit ins Straßenrennen der Europameisterschaften der Elite-Männer genommen. Und alle drei hatten ihre Aktien im Finale. Der größte Anteil gehörte Tim Merlier.

15.09.2024Bräutigam sprintet im Straßenrennen der Juniorinnen zu Silber

(rsn) – Nach 73 Kilometern, die auf dem flachen EM-Kurs von Heusden-Zolder nach Hasselt komplett ohne Ausreißer auskamen, sprintete Messane Bräutigam am letzten Tag der Europameisterschaften in de

15.09.2024Politt: “Wir wollen das Rennen schwer machen“

(rsn) – Das Highlight der Straßen-Europameisterschaften ist das abschließende Straßenrennen der Männer am Sonntag. Mit John Degenkolb, Niklas Märkl (beide DSM Firmenich – PostNL), Kim Heiduk

15.09.2024Schweinberger-Schwestern freuen sich über zwei Top-Ergebnisse

(rsn) - Mit einem Massensprint endete das Straßenrennen der Frauen der Europameisterschaften in Belgien und die Tirolerin Kathrin Schweinberger konnte mit dem sechsten Rang das historisch beste EM-E

15.09.2024Übersicht: Zeitplan und Sieger der Straßen-EM 2024

(rsn) – Insgesamt 14 Entscheidungen stehen bei den Straßen-Europameisterschaften 2024 in der belgischen Provinz Limburg vom 11. bis zum 15. September auf dem Programm. Zunächst sind am Mittwoch di

14.09.2024Sprinter in der Favoritenrolle, aber am Ende auch siegreich?

(rsn) – In schöner Regelmäßigkeit wechselten sich in den vergangenen Jahren, seit die Elite an den Europameisterschaften auf der Straße teilnimmt, die Kurse für Sprinter und Klassikerfahrer ab.

14.09.2024Offensive Lippert enttäuscht von Italien und den Niederlanden

(rsn) – Auf dem fast völlig flachen Kurs der Europameisterschaften Liane Lippert (Movistar) im Aufgebot des deutschen Straßenteams zu finden, war doch eine größere Überraschung. Doch die Friedr

14.09.2024Orn-Kristoff hat das Klassiker-Gen früh eingepflanzt bekommen

(rsn) – 2017, als in Herning in Dänemark die Europameisterschaften ausgetragen wurden, eroberte Alexander Kristoff (Uno-X Mobility) sich den Titel bei den Elite-Männern. Sieben Jahren später zog

14.09.2024Kurs zu flach: Fietzke fehlten die schweren Anstiege

(rsn) – Nach der Bronzemedaille im Einzelzeitfahren und Silber in der Mixed-Staffel fehlte eigentlich nur mehr ein Ergebnis für Paul Fietzke, um sich den vollständigen Satz bei den Europameisters

Weitere Radsportnachrichten

02.03.2026Radsport live im Stream und im TV: Die Rennen des Tages

(rsn) – Welche Radrennen finden heute statt? Wo und wann kann man sie live im Fernsehen oder Stream verfolgen? Und wo geht´s zum Live-Ticker? In unserer Tagesvorschau informieren wir über die wic

02.03.2026Gillespie hat bei Samyn “so much fun“

(rsn) –Nach Platz drei im Vorjahr und Rang zwei gestern beim Omloop van het Hageland (1.1) hat Lara Gillespie (UAE – ADQ) Samyn Ladies (1.1) gewonnen. Ihrer Freude gab sie vor den TV-Kameras direk

02.03.2026Lange Pause für Townsend

(rsn) - In wenigen Worten zu vermelden, deshalb aber nicht weniger wichtig: In unserer Rubrik "Kurz gemeldet" fasst die Redaktion von radsport-news.com die Kurznachrichten des Tages aus der Welt des R

02.03.2026Erst neue Zähne, jetzt neuer Vertrag für Pluimers

(rsn) - In unserem ständig aktualisierten Transferticker informieren wir Sie regelmäßig über Personalien aus der Welt des Radsports. Ob es sich um Teamwechsel, Vertragsverlängerungen oder Rücktr

02.03.2026Der lange Leidensweg des Juri Hollmann

(rsn) – “Ich bin Juri – und was wirklich passiert ist, habe ich noch nie erzählt. Bis jetzt.“ So stellt sich Juri Hollmann im neuesten knapp 45 Minuten langen Video von Rick Zabel vor. Am 15.

02.03.2026Dieses Mal fuhr Kretschy Gelb nach Hause

(rsn) - "Die Luft war raus, ich konnte gar nicht ums Trikot kämpfen, es ging einfach nichts mehr", resümierte Moritz Kretschy (NSN Development) diesen Winter im Gespräch mit Eurosport. Thema war di

01.03.2026Dezimiertes Team bringt Trentin und Mozzato aufs Podest

(rsn) – Das dürfte mehr als eine Genugtuung für das Team von Fabian Cancellara gewesen sein. Nach einem völlig verkorksten gestrigen Tag, als Tudor lediglich drei Fahrer ins Ziel beim Omloop Nie

01.03.2026Kretschy macht auf WM-Kurs von Ruanda seinen Gesamtsieg perfekt

(rsn) – Auch wenn er auf der Schlussetappe der Tour du Rwanda (2.1) rund um Kigali, die mit den Schlüsselstellen des WM-Kurses aus dem Vorjahr gespickt war, noch ein paar Sekunden verloren hat: Am

01.03.2026Kool meldet sich mit Sieg im Hageland in der Sprintelite zurück

(rsn) – Die 18. Austragung Omloop van het Hageland (1.1) wurde von Charlotte Kool (Fenix – Premier Tech) gewonnen. Nachdem es auf den 141 Kilometern von Aarschot nach Tiel-Winge lange Zeit nach e

01.03.2026Brennan gewinnt in Kuurne seinen ersten flämischen Klassiker vor zwei Tudors

(rsn) – Aus einem nur noch wenige Sprinter umfassenden Feld hat Matthew Brennan (Visma – Lease a Bike) Kuurne-Brüssel-Kuurne (1.Pro) gewonnen und seinen zweiten Saisonsieg eingefahren. Brennan

01.03.2026Wellens bricht sich bei Kuurne-Sturz das Schlüsselbein

(rsn) - In wenigen Worten zu vermelden, deshalb aber nicht weniger wichtig: In unserer Rubrik "Kurz gemeldet" fasst die Redaktion von radsport-news.com die Kurznachrichten des Tages aus der Welt des R

01.03.2026Grégoire düpiert bei Faun Drome den erfahreneren Jorgensen

(rsn) – Bei bestem Frühlingswetter konnte sich nach dem gestrigen Erfolg von Paul Seixas mit Romain Grégoire (Groupama – FDJ United) bei der 14. Faun Drome Classic (1.Pro) erneut ein junger Fra