Tour-Generalprobe so spannend und wichtig wie selten

Große Vorschau auf das 76. Critérium du Dauphiné

Foto zu dem Text "Große Vorschau auf das 76. Critérium du Dauphiné"
Remco Evenepoel (links) und Primoz Roglic (rechts), hier bei Paris-Nizza im März, stehen beim Critérium du Dauphiné besonders im Fokus. | Foto: Cor Vos

01.06.2024  |  (rsn) – Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) und Tadej Pogacar (UAE Team Emirates) stehen am Sonntag in Saint-Pourcain-sur-Sioule nicht am Start der 1. Etappe beim Critérium du Dauphiné (2.UWT). Doch die 76. Austragung der gemeinhin als 'Generalprobe für die Tour de France' bekannten, achttägigen Rundfahrt im Osten Frankreichs dürfte trotzdem sehr spannend und wichtig für all das werden, was auch im Juli bei der Frankreich-Rundfahrt ansteht - auch wenn immer dazu gesagt werden muss: Wer Anfang Juni schon in absoluter Top-Form ist, muss das nicht auch Mitte Juli noch sein.

Der Parcours beim Dauphiné jedenfalls hat es in sich, und die Startliste wartet mit zahlreichen großen Namen auf – und vor allem auch mit vielen Fragezeichen, die in dieser Woche ausradiert werden sollen. Über allem steht dabei die Ungewissheit, ob der Verfassung von Primoz Roglic (Bora – hansgrohe) und Remco Evenepoel (Soudal – Quick-Step), die beide ihr Comeback nach dem gemeinsamen Sturz am 4. April bei der Baskenland-Rundfahrt geben.

Doch auch an die Frage, was eigentlich bei Visma – Lease a Bike passiert, wenn Vingegaard nicht rechtzeitig für die Tour de France in Top-Form sein sollte, kann sich beim Dauphiné angenähert werden, da Matteo Jorgenson und Sepp Kuss die 'Gelben' anführen sollen.

Das UAE Team Emirates schickt mit Juan Ayuso nur ein Viertel des Tour-de-France-Viergestirns für die Gesamtwertung ins Rennen. Gewinnt der 21-jährige Spanier in dieser Woche Gelb, wäre das wohl 'Alarmstufe Rot' für die Konkurrenz.

Bei Bora – hansgrohe ist so richtig "Generalprobe" angesagt

Am nächsten am Tour-Aufgebot dran wird beim Dauphiné voraussichtlich Bora – hansgrohe sein. Roglic hat beim Comeback seine zwei Berg-Edelhelfer Jai Hindley und Aleksandr Vlasov genauso an seiner Seite wie Matteo Sobrero und Bob Jungels sowie Marco Haller und Nico Denz. Nach Informationen von radsport-news.com ist der aktuelle Plan des deutschen WorldTeams, dass dieses Septett auch die Tour bestreiten soll und dort noch durch Danny van Poppel ergänzt wird. Aber auch Evenepoel hat mit dem ebenfalls zuletzt verletzten Mikel Landa sowie Ilan van Wilder seine beiden wichtigsten Edelhelfer fürs Gebirge beim Dauphiné bereits bei sich.

Dagegen fehlen den Ineos Grenadiers bei der Dauphiné der Giro-Dritte Geraint Thomas und auch Egan Bernal, der stattdessen die Tour de Suisse bestreiten will. Beide sind für die Tour fest eingeplant, um dort Romandie-Sieger Carlos Rodriguez zu unterstützen. Der 23-jährige Spanier, der im April die schwere Schlussetappe der Baskenland-Rundfahrt in Eibar gewann und dort hinter Ayuso Gesamtzweiter wurde, muss diese Woche gegen die bärenstarke Konkurrenz in Frankreich beweisen, dass er die Kapitänsbinde seines Teams bei der Tour de France zurecht trägt.

Reicht Tiberis Form nach dem Giro gegen die Tour-Vorbereiter?

Weitere wichtige Kletterer für die Tour, die sich nun beim Dauphiné zeigen wollen, sind Tao Geoghegan Hart (Lidl – Trek), der Giulio Ciccone an seiner Seite hat, Neilson Powless (EF Education – EasyPost), die Franzosen David Gaudu (Groupama – FDJ) und Guillaume Martin (Cofidis) sowie Santiago Buitrago und Jack Haig.

Bei deren Team Bahrain Victorious steht aber auch der Giro-Fünfte Antonio Tiberi auf der Dauphiné-Startliste. Er ist neben Lorenzo Fortunato (Astana Qazaqstan) der einzige der Giro-Top-15, der dabei ist und es wird spannend sein, ob Tiberi nach dem Giro vielleicht sogar stärker ist, als die sich im Aufbau zur Tour befindende Konkurrenz – meist ist das bei aus den Giro kommenden Rundfahrern jedoch nicht der Fall.

Sprinter haben wenig zu holen und stehen kaum am Start

Eine traurige Auflage des Critérium du Dauphiné könnte aus Sicht der Sprinter warten. Einzig die 1. Etappe über 172,5 Kilometer rund um Saint-Pourcain-sur-Sioule und mit Abstrichen das flach endende, vorher aber bereits schwere fünfte Teilstück von Amplepuis über 167 Kilometer nach Saint-Priest könnte etwas für die schnellen Männer und eine Massenankunft sein.

Entsprechend wenig Sprinter haben auch ihren Weg auf die Startliste gefunden. Einzig Mads Pedersen (Lidl – Trek) und der zuletzt wiedererstarkte Sam Bennett sowie sein Teamkollege Dorian Godon (beide Decathlon – AG2R) und Milan Menten (Lotto – Dstny) oder Clément Venturini (Arkéa – B&B Hotels) und Ivan Garcia Cortina (Movistar) sind da wirklich zu nennen.

Die Strecke: Ein Zeitfahren und fünf Ankünfte bergauf

Nach einem relativ gemächlichem Auftakt mit eher kleineren Hügeln um Saint-Pourcain-sur-Sioule am Sonntag endet schon die 2. Etappe am Montag mit einer Bergankunft am Col de la Loge – wenn auch keiner allzu schweren: Die letzten 25 Kilometer führen dort in zwei Stufen hinauf zum Ziel, überbrücken aber auch nur rund 850 Höhenmeter. Große Unterschiede sind da nicht zu machen. Tagsdrauf endet die 3. Etappe mit einer 3,8 Kilometer langen und 5,2 Prozent steilen Schlusssteigung in Les Estables – eine Art Mini-Bergankunft, auf der antrittsstarke Kletterer Bonifikationen sammeln könnten. 10, 6 und 4 Sekunden gibt es schließlich auf jeder Etappe, mit Ausnahme des Zeitfahrens, für die Top 3.

Das Profil des Einzelzeitfahrens beim Critérium du Dauphiné 2024. | Grafik: ASO

Die 4. Etappe dann wird das Klassement schließlich so richtig vorsortieren. Dort nämlich wartet ein 34,4 Kilometer langes Einzelzeitfahren von Saint-Gerain-Laval nach Neulise auf welligem Terrain. Das erste Drittel führt dabei weitgehend geradeaus, danach aber wird es kurviger und damit auch technischer auf kleinen Sträßchen. Bevor dann ab Freitag die Alpen erreicht werden, ist Etappe 5 noch eine echte Übergangsetappe: Auf den ersten 130 Kilometern geht es immer hoch und runter, zwischen 140 und 800 Metern über dem Meer. Am Ende aber geht es flach ins Ziel in Saint-Priest.

Ab der 6. Etappe haben jedoch nur noch die Kletterspezailisten das Sagen. Am Freitag geht es über den Col du Granier (8,9 km bei 5,4 %) zum Schlussanstieg am Collet d'Avellard, der zuletzt vor 13 Jahren im Programm stand. Damals kamen die Fahrer am Ziel in 1.422 Metern Höhe alle einzeln an und Joaquim Rodriguez gewann. Der Schlussanstieg ist 11,2 Kilometer lang und im Schnitt 8,1 Prozent steil, wobei der Schlusskilometer 9,1 Prozent aufweist.

Das Profil der 6. Etappe zum Collet d'Avellard. | Grafik: ASO

Ganz neu als Bergankunft ist der Ski-Ort Samoens 1600, zu dem es auf der Vorschlussetappe hinauf geht – mit einer ebenso brutalen Schlusssteigung, wie am Vortag: 10 km bei 9,3 Prozent. Vor dem Ehrenkategorie-Berg führt die 7. Etappe nach dem Start in Albertville bereits über den Col des Saisies und die Cote d'Araches sowie den Col de la Ramaz, die allesamt zur 1. Kategorie gehören.

Das Profil der 7. Etappe nach Samoens 1600. | Grafik: ASO

Die Entscheidung fällt aber erst am abschließenden Sonntag auf der 8. Etappe, wenn es von Thones über den Col de la Forclaz-de-Montmin (1. Kat.) und die Kategorie-1-Steigung von Le Salève nach Thorens-Glières nordöstlich von Annecy geht, wo die 9,4 Kilometer lange, letzte Steigung (7,1 Prozent) des Citérium du Dauphiné beginnt – hinauf zum Plateau des Glières (1. Kat.). Das Plateau des Glières ist Tour-de-France-Fans der jüngeren Vergangenheit bestens bekannt, weil dort 2020 jene Etappe hinüber führte, die das Ineos-Duo Michal Kwiatkowski und Richard Carapaz unter sich ausmachte. Oben auf dem Plateau ging es damals auch über einen Schottersektor. Allerdings geht es diesmal von der anderen Seite hinauf, so dass das Ziel vor jenem Schottersträßchen liegt.

Das Profil der 8. Etappe zum Plateau des Glières. | Grafik: ASO

Alle Etappen des Critérium du Dauphiné 2024:

1. Etappe, 2. Juni: Saint-Pourçain-sur-Sioule - Saint-Pourçain-sur-Sioule, 172,5 km
2. Etappe, 3. Juni: Gannat - Col de la Loge, 142 km
3. Etappe, 4. Juni: Celles-sur-Durolle - Les Estables, 181,7 km
4. Etappe, 5. Juni: Saint-Germain-Laval - Neulise, 34,4 km, EZF
5. Etappe, 6. Juni: Amplepuis - Saint-Priest, 167 km,
6. Etappe, 7. Juni: Hauterives - Le Collet d’Allevard, 174,1 km
7. Etappe, 8. Juni: Albertville - Samoëns 1600, 155,3 km
8. Etappe, 9. Juni: Thônes - Plateau des Glières, 160,6 km

Mehr Informationen zu diesem Thema

15.06.2025Evenepoel fit für die Tour? “Im Vergleich zum Vorjahr bin ich weiter“

(rsn) - Knapp drei Wochen vor dem Start der Tour de France am 5. Juli in Lille stellt sich die Frage, ob Remco Evenepoel (Soudal – Quick-Step) wirklich zum Herausforderer von Tadej Pogacar (UAE –

18.06.2024Lidl - Trek: Tour-Doppelspitze durch Corona und Grippe lahmgelegt

(rsn) – Knapp zwei Wochen vor dem Grand Départ in Florenz bereit die geplante Tour-Doppelspitze von Lidl – Trek dem Team Sorgen. Sowohl Tao Geoghegan Hart als auch Giulio Ciccone sind erkrankt un

10.06.2024Jorgenson bereut nach der Dauphiné nichts

(rsn) - Nachdem es bei Paris-Nizza schon mit dem Gesamtsieg klappte, war Matteo Jorgenson (Visma – Lease A Bike) auch beim Critérium du Dauphiné knapp am Erfolg dran. Acht Sekunden fehlten nach de

10.06.2024Gesamtsieg für Roglic nur Sahnehäubchen auf wichtiger Woche

(rsn) – Die Generalprobe ist geglückt: Bora – hansgrohe hat mit Kapitän Primoz Roglic das Critérium du Dauphiné (2.UWT) gewonnen und kann daher mit breiter Brust Ende Juni in die Toskana reise

09.06.2024Evenepoel: “Vielleicht habe ich mich etwas überschätzt“

(rsn) - Die Spannung war im Finale der 8. und damit letzten Etappe des Critérium du Dauphiné kaum zu überbieten. Fünf Kilometer vor Schluss begann mit Primoz Roglic (Bora – hansgrohe) der aktuel

09.06.2024Jorgenson lässt Roglic zittern, Rodriguez holt Schlussetappe

(rsn) – Primoz Roglic (Bora – hansgrohe) hat das 76. Critérium du Dauphiné (2.UWT) gewonnen, musste am letzten Tag aber mächtig zittern. Der 34-jährige Slowene wurde im Schlussanstieg der 8. E

08.06.2024Zu viele Kilo? Evenepoel steckt Dauphiné-Rückstand locker weg

(rsn) – Zumindest in der Öffentlichkeit gibt sich Remco Evenepoel (Soudal – Quick Step) weiter gelassen. Auch, nachdem der Belgier auf der 7. Etappe der Dauphiné-Rundfahrt im Schlussanstieg nach

08.06.2024Roglic doubelt seinen Vortagessieg, Evenepoel fällt weit zurück

(rsn) – Ähnliche Szenerie, andere Protagonisten. Nur der Hauptdarsteller war derselbe: Primoz Roglic hat auch die 7. Etappe des Criterium du Dauphiné (2.UWT) für sich entschieden. Der Kapitän vo

07.06.2024Erneut starker Gee: “Vielleicht habe ich zu viel gearbeitet...“

(rsn) – Die erste der drei das Critérium du Dauphiné (2.UWT) abschließenden Bergankünfte hat das Gesamtklassement der achttägigen Rundfahrt im Südosten Frankreichs nochmal stark durchgeschütt

07.06.2024Geschlagen, aber cool geblieben: Evenepoel begrenzt Schaden

(rsn) – Remco Evenepoel (Soudal – Quick-Step) hat zwei Tage nach seinem überlegenen Sieg im Einzelzeitfahren bei der ersten von drei aufeinanderfolgenden Bergankünften zum Abschluss des Critéri

07.06.2024Bora-Doppelschlag! Roglic holt Etappensieg und Gelb

(rsn) – Primoz Roglic (Bora – Hansgrohe) hat bei der schweren Bergankunft am Collet d´Avellard auf der 6. Etappe des Critérium du Dauphiné (2.UWT) bewiesen, in welch starker Form er sich befind

07.06.2024Geoghegan Hart flog mit 45 km/h gegen einen Strommast

(rsn) – Ein Sturzopfer, dem man die Folgen des Massencrashs auf der 5. Etappe beim Critérium du Dauphiné (2.UWT) nicht auf den ersten Blick ansieht, ist Tao Geoghegan Hart (Lidl – Trek). Der Gir

Weitere Radsportnachrichten

02.01.2026Saison vorbei! Van Aert zieht sich Fraktur am Knöchel zu

(rsn) – Wout van Aert wird in diesem Winter kein Cross-Rennen mehr bestreiten können. Das bestätigte sein Team Visma – Lease a Bike am Freitagabend, nachdem der Belgier beim Zilvermeercross in M

02.01.2026Highlight-Video des Zilvermeercross von Mol

(rsn) – Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) hat im wilden Schneegestöber von Mol seinen Siegeslauf fortgesetzt und auch sein achtes Crossrennen dieser Saison gewonnen. Allerdings hatte

02.01.2026Van Aerts Sturz beendet packendes Duell mit van der Poel

(rsn) - Mathieu van der Poels Weste bleibt auch nach seinem achten Saisoneinsatz so weiß wie der Parcours beim Exact Cross in Mol. Der Kapitän von Alpecin – Premier Tech setzte sich früh im Renne

02.01.2026Die Trikots der WorldTour-Teams für die Saison 2026

(rsn) - Wie sieht das Peloton 2026 aus? Welche Farben werden in der kommenden Saison vorherrschend sein? Nach und nach stellen die WorldTour-Rennställe ihre Trikots für das neue Jahr vor - den Anfan

02.01.2026Alvarado lässt sich ersten Saisonsieg vom Schnee nicht verhageln

(rsn) - Ceylin del Carmen Alvarado (Fenix – Premier Tech) hat beim Exact Cross in Mol im Schneetreiben ihren ersten Saisonsieg gefeiert. Beim Zilvermeercross setzte die Niederländerin sich mit eine

02.01.2026Tour Down Under: Narvaez geht mit der Nummer 1 ins Rennen

(rsn) - Drei Wochen vor dem Beginn der WorldTour-Saison 2026 haben die Organisatoren der Tour Down Under (20. – 25. Januar) die vorläufige Startliste für die erste Rundfahrt des Jahres veröffent

02.01.2026Die Trikots der Women´s WorldTour-Teams für die Saison 2026

(rsn) – 14 Rennställe umfasst die Women´s WorldTour in der Saison 2026. Doch wie treten diese 14 Mannschaften im neuen Jahr auf? Welche Farben zieren ihre Trikots, welche Art von Designs werden ge

02.01.2026Im zehnten Jahr sollen es die Jungen richten

(rsn) – 2026 ist die zehnte Saison in der WorldTour für Bahrain Victorious. Im vergangenen Jahr blieb das ambitionierte Projekt aus dem Inselstaat im Persischen Golf weiter im Mittelfeld der Weltra

02.01.2026Van der Poel lobt Verstrynge: “Netter junger Mann mit viel Talent“

(rsn) – Beim heutigen Zilvermeer Cross in Mol wird mit Spannung das nächste Aufeinandertreffen von Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) und Wout van Aert (Visma – Lease a Bike) erwarte

02.01.2026Simmons träumt von Olympia-Start – als Skibergsteiger

(rsn) – Mit 24 Jahren hat Quinn Simmons (Lidl – Trek) seine besten Jahre im Profiradsport noch vor sich. Doch der US-Amerikaner träumt laut einer Meldung von Wielerflits davon, in der Disziplin S

02.01.2026Evenepoels vermeintliche Ronde-Erkundung war reguläres Training

(rsn) – Ende Dezember sorgten einige kurze Videos für Spekulationen, die Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe) beim Training am Oude Kwaremont und am Paterberg zeigten. Veröffentlicht

01.01.2026De Lie trotz Knöchelverletzung schon wieder auf dem Rad

(rsn) - Arnaud De Lie (Lotto – Intermarché) hat sich eine Bänderverletzung am Knöchel zugezogen. Wie der 23-jährige Belgier am Silvesterabend auf Instagram mitteilte, habe er aber bereits mit de

RADRENNEN HEUTE

    Radrennen Männer

  • Antwerp Port Epic (1.1, BEL)
  • Tour de Gyeongnam (2.2, KOR)