Tour-Vorschau: 20. Etappe, Annecy - Annecy Semnoz

Angriffs-Festival bei der steilsten Bergankunft

Foto zu dem Text "Angriffs-Festival bei der steilsten Bergankunft"
| Foto: A.S.O.

20.07.2013  |  (rsn) - Der Tag der Entscheidung. Ausgerechnet an einem Ort, der in der Tour-Geschichte ein beinahe unbeschriebenes Blatt ist, soll heute der Sieger der 100. Frankreich-Rundfahrt gefunden werden. So paradox das klingt, so durchdacht ist dieser Schachzug der ASO: Mit einer nur 125 Kilometer kurzen Etappe wollen die Tour-Veranstalter noch ein letztes Feuerwerk abbrennen und mit dem Schlussanstieg gleichzeitig den Stoff für eine neue Legende liefern.

Die Strecke: 125 km, Bergankunft, 1 Berg Ehrenkat., 1 Berg 1. Kat., 1 Berg 2. Kat., 3 Berge 3. Kat.
Abgesehen von den drei Zeitfahr-Prüfungen stehen wir vor der kürzesten Etappe der gesamten Rundfahrt. Und trotzdem werden die Fahrer an ihrem Ende völlig entkräftet von ihren Rädern steigen oder sogar fallen. Denn gerade weil nur 125 Kilometer auf dem Programm stehen, dürfte von Anfang an Vollgas gefahren werden.

Los geht es in Annecy direkt am Ufer des gleichnamigen Sees mit sieben flachen Kilometern, bevor die Straße nach rechts abbiegt und sich zur Côte de Puget (5,4 km, 5,9 %, 2. Kat.) hinaufschlängelt. Nach der Bergwertung folgen lediglich 1,5 Abfahrts-Kilometer bevor der Col de Leschaux (3,6 km, 6,1 %, 3. Kat.) ansteht. Anschließend geht es wellig in Richtung Zwischensprint in Le Chatelard bei Kilometer 33,5 und von dort wieder aufwärts zur Côte d’Aillon-le-Vieux (6 km, 4 %, 3. Kat.) sowie zum Col des Prés (3,4 km, 6,9 %, 3. Kat.) bei Kilometer 51.

Die enge und sehr kurvige Straße führt hinunter nach St-Jean-d’Arvey, das oberhalb von Chambéry liegt. Doch anstatt in die große Stadt hinabzufahren, biegt das Peloton dort wieder rechts ab und beginnt den 15,9 Kilometer langen und im Schnitt 5,6 Prozent steilen Anstieg zum Mont Revard (1. Kat.), der bei Kilometer 78,5 erreicht wird. Es folgt eine ebenso lange Abfahrt nach Montcel und anschließend ein fast 20 Kilometer langes Flachstück, auf dem die Fahrer den tief in die Felsen geschnittenen Fluss Chéran auf einer 100 Meter hohen und atemberaubend aussehenden Brücke überqueren. Dieses Flachstück könnte Ausreißern möglicherweise den Garaus machen, nämlich dann, wenn das Hauptfeld mit viel Druck die Verfolgung organisiert.

Bei Kilometer 114 schließlich beginnt in Quintal 10,7 Kilometer lange Kletterei nach Annecy-Semnoz - der mit durchschnittlich 8,5 Prozent steilste Schlussanstieg der gesamten Tour, also steiler als Ventoux und Alpe d’Huez. Hier werden die besten Kletterer noch einmal alle Körner raushauen, um sich in der Gesamtwertung noch einmal nach vorne zu katapultieren – auch wenn das Gelbe Trikot in unerreichbarer Ferne liegen liegen dürfte.

KulTour - Die Region: Natur pur am Rande des Festivals
Während in Annecy, der Heimat der inzwischen 54-jährigen und noch immer aktiven 13-fachen Radsport-Weltmeisterin Jeannie Longo, gerade in diesen Tagen dank des Noctibules-Festivals (17.-20. Juli) die Luft im wahrsten Sinne des Wortes brennt, weil neben zahlreichen Musikern auch unterschiedliche Pyrotechnik-Shows geboten werden, ist der heutige Zielort deutlich ruhiger. Annecy-Semnoz liegt inmitten des Naturparks Les Bauges, der 1.600 Pflanzen- und 150 Vogelarten eine Heimat bietet. Die weitgehend unberührten Wälder und Berge zwischen dem Lac d‘Annecy und dem Lac du Bourget bei Aix-les-Bains liefern eine großartige Kulisse.

ReTour - Tour-Historie: Ein neuer Stern geht auf
Die ASO hat sich für die Entscheidung der 100. Frankreich-Rundfahrt einen Ort ausgesucht, der die Fahrer der „Großen Schleife“ noch nie im Renntempo gesehen hat: Annecy-Semnoz soll quasi aus dem Nichts zur Legende werden und den Jubiläums-Toursieger krönen.

Einmal allerdings stand der heutige Schlussanstieg schon im Programm der Tour. Dieser Besuch allerdings stand unter einem schlechten Stern. Denn die 17. Etappe 1998 von Albertville nach Aix-les-Bains wurde nach einem Bummelstreik der Fahrer, der ein Protest gegen den Umgang der Polizei mit den Fahrern des TVM-Teams im Zuge des Festina-Skandals war, neutralisiert. Damals sollte das Rennen über den Semnoz-Anstieg und anschließend über den heute zuerst befahrenen Mont Revard nach Aix-les-Bains hinunterführen.

Übrigens: Obwohl Annecy mit seinen 52.000 Einwohnern sogar Olympia-Bewerber für 2018 war, hat auch der heutige Startort bei der Tour de France bislang kaum eine Rolle gespielt. Erst drei Mal endete hier eine Etappe: 1939, 1959 und 2009, als Alberto Contador das Einzelzeitfahren rund um den Lac d’Annecy drei Sekunden vor Fabian Cancellara gewann und seinen Vorsprung in der Gesamtwertung gegenüber Andy Schleck so auf über vier Minuten ausbaute.

Die Radsport-News-Prognose: So möge der beste Kletterer gewinnen
In der Kürze liegt die Würze: Durch die geringe Distanz werden sich etwaige Ausreißer heute keinen besonders großen Vorsprung erarbeiten können und auf dem 20 Kilometer langen Flachstück vor dem Schlussanstieg oder dann spätestens hinauf nach Semnoz eingeholt werden. Überhaupt dürfte es den Angreifern des Tages wohl vor allem um die letzten Bergpunkte der Tour gehen. Noch ist der Kampf um das Gepunktete Trikot nicht entschieden, weshalb wir uns heute auf den ersten 80 Kilometern um einen heißen Schlagabtausch der Anwärter auf das Bergtrikot freuen.

Anschließend aber wird das Hauptfeld unter dem Tempo-Diktat der Teams der starken Kletterer alles plattwalzen und mit Volldampf in den Schlussanstieg hineinrauschen. Dort erwartet uns, so hofft es die ASO, und so ist es auch wahrscheinlich, ein wahres Angriffs-Festival der besten Bergfahrer. Sie wollen sich am steilsten Schlussanstieg der Tour noch einmal in der Gesamtwertung verbessern und werden alles aus sich herausholen. Kurz gesagt: Gewinnen wird heute der beste Kletterer dieser Tour

Weitere Radsportnachrichten

22.01.2026Schiffer schlecht positioniert, aber mit guter Leistung

(rsn) – Auch nach dem dritten Tag der Tour Down wartet Visma – Lease a Bike noch auf den ersten Etappensieg. Nachdem Sprinter Matthew Brennan auf dem zweiten Teilstück sich im Sprint in Tanunda n

22.01.2026Nach Fan-Kritik: Lidl - Trek erneuert Gee-Wests Meistertrikot

(rsn) – Nachdem Lidl – Trek Derek Gee-West Anfang des Jahres als seinen sechsten Neuzugang vorgestellt hatte, wurde nun auch offiziell das Frühjahrsprogramm des Kanadiers bekannt gegeben. Demna

22.01.2026Vom Top-Team zum starken Talente-Zulieferer

(rsn) – Unter den Namen Project 1t4i, Argos, Giant und Sunweb war das heutige Team Picnic – PostNL eine der besten Mannschaften im Peloton. Tom Dumoulin sorgte 2017 beim Giro d’Italia für den e

22.01.2026UAE-Doppelsieg: Vine zieht Narvaez mit sich und von allen davon

(rsn) – Jay Vine (UAE – Emirates – XRG) hat in Uraidla die schwere 2. Etappe der Tour Down Under 2026 vor seinem Teamkollegen Jhonatan Narvaez gewonnen. Das Duo setzte sich am Anstieg in der Cor

21.01.2026Radsport live im TV: Die Rennen des Tages

(rsn) – Welche Radrennen finden heute statt? Wo und wann kann man sie live im Fernsehen oder Stream verfolgen? Und wo geht´s zum Live-Ticker? In unserer Tagesvorschau informieren wir über die w

21.01.2026Flèche Wallonne mit neuem Startort, Mur de Huy wieder im Triple

(rsn) – Die 90. Ausgabe des Flèche Wallonne wird am 22. April im Lütticher Vorort Herstal beginnen, nachdem der mittlere der drei Ardennenklassiker im vergangenen Jahr in Ciney gestartet war. Davo

21.01.2026Strade Bianche 2026 mit nur noch 64 Schotterkilometern

(rsn) – In den vergangenen Jahren packten die Organisatoren immer mehr Schwierigkeiten in den italienischen Frühjahrsklassiker Strade Bianche hinein. Zur am 7. März anstehenden 20. Ausgabe des üb

21.01.2026Omloop: Tenbosse-Parikeberg statt Elverenberg-Vossenhol

(rsn) – Auch in diesem Jahr wird die flämische Klassikersaison mit dem Omloop Het Nieuwsblad eröffnet. Wie die Organisatoren nun mitteilten, wird die am 28. Februar anstehende 81. Ausgabe auf eine

21.01.2026Im Jahr des Umbruchs “von neuen Möglichkeiten begeistert“

(rsn) – Obwohl nach wie vor im orange-blauen Trikot unterwegs, zeigt das Frauen-Team von Picnic - Post NL in diesem Jahr ein stark verändertes Gesicht. Die Equipe von General Manager Iwan Spekenbri

21.01.2026Nach Jakobsen auch Teamkollege Eekhof an Beckenarterien operiert

(rsn) – Mit Nils Eekhoff hat sich ein weiterer Profi Picnic - PostNL an den Beckenarterien operieren lassen müssen. Wie der 27-jährige Niederländer auf Instagram nun schrieb, sei der bereits in d

21.01.2026Highlight-Video der 1. Etappe der Tour Down Under

(rsn) – Tobias Lund Andresen hat in Australien seinem neuen Team Decathlon – CMA CGM einen frühen ersten Saisonsieg beschert. Der 23-jährige Däne entschied nach 120 Kilometern die 1. Etappe der

21.01.2026Prudhomme: Deutsche Tour-Bewerbung mit Berlin “stärker“

(rsn) – Bereits im vergangenen Jahr kursierten Meldungen über einen möglichen Start der Tour de France 2030 in Deutschland. Im April hatte der ehemalige BDR-Vorsitzende Rudolf Scharping die sächs

RADRENNEN HEUTE

    WorldTour

  • Santos Tour Down Under (2.UWT, AUS)
  • Radrennen Männer

  • Antwerp Port Epic (1.1, BEL)
  • Pune Grand Tour (2.2, IND)
  • Tour de Gyeongnam (2.2, KOR)