Giro-Tagebuch von Johannes Fröhlinger/14. Etappe

27er Ritzel als Rettungsanker für den Schlussanstieg

Von Johannes Fröhlinger

Foto zu dem Text "27er Ritzel als Rettungsanker für den Schlussanstieg"
Johannes Fröhlinger (Gerolsteiner) Foto: Christoph Adamietz

25.05.2008  |  Langsam wird es leer bei uns am Essenstisch. Nachdem Frösi und Davide heute nicht mehr gestartet sind, musste auch Oscar Gatto im Verlauf der Etappe den Giro verlassen. Zu viert wird die letzte Woche für uns sicher nicht einfacher.

Die Etappe war heute wirklich nicht langsam. Etwas unverständlich fanden wir aber schon vor dem Start, wie der Veranstalter für diesen Tag den langsamsten Schnitt auf 39km/h ansetzen konnte.

Ich kam gut über die Runden. An dem langen, vorletzten Berg musste ich zusammen mit dem Rosa Trikot reißen lassen und kam nicht mehr mit der ersten, großen Gruppe oben drüber. Meine Gruppe war aber super für mich, da dort die Helfer von Visconti die Tempoarbeit größtenteils übernommen haben.

Extrem steil waren die letzten sechs Kilometer hinauf zum Ziel. Vor allem für den Kopf war es sehr schwer, da es nur geradeaus ging. Unglaublich lange kamen mir die letzten Kilometer vor. Es wollte einfach nicht aufhören. Ich hatte extra bei den Mechanikern einen „Rettungsanker“ für den Schlussanstieg bestellt: Das 27er Ritzel hinten.

Für den morgigen Tag haben wir nochmal wesentlich kleiner gekettet. Der 27er bleibt hinten und vorne kommt ein 34er Kettenblatt dran. Damit kann man einfach noch flüssig treten an den steilen Rampen, auch wenn es einem nicht mehr gut geht.

Nach der Etappe heute mussten wir mit dem Auto noch über den Passo di Fedaia fahren, wo morgen die Zielankunft ist. Dort waren schon unheimlich viele Zuschauer mit Wohnmobilen und Zelten. Bei Temperaturen um 5°C ist das sicher kein Spaß heute Nacht da oben. Für die Königsetappe morgen sieht die Wettervorhersage alles andere als rosig aus. Regen würde diese extrem schwere Etappe noch schwerer machen. Mein Respekt ist groß. Normalerweise sollte ich morgen aber nicht in ernsthafte Probleme kommen.

Bis morgen

Euer Johannes

Johannes Fröhlinger bestreitet seinen ersten Giro d`Italia. Der 22-jährige Gerolsteiner-Profi, der im letzten Jahr bei der Vuelta bester deutscher Fahrer in der Gesamtwertung wurde, führt in den nächsten drei Wochen auf Radsport News Tagebuch von der Italien-Rundfahrt und berichtet von seinen Erlebnissen auf und neben der Strecke.

Bis dann

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