Down Under: Brenner in erster Verfolgergruppe

UAE-Doppelsieg: Vine zieht Narvaez mit sich und von allen davon

Von Felix Mattis

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Jay Vine (UAE - Emirates - XRG) gewinnt in Uraidla die 2. Etappe der Tour Down Under vor seinem Teamkollegen Jhonatan Narvaez. | Foto: Cor Vos

22.01.2026  |  (rsn) – Jay Vine (UAE – Emirates – XRG) hat in Uraidla die schwere 2. Etappe der Tour Down Under 2026 vor seinem Teamkollegen Jhonatan Narvaez gewonnen. Das Duo setzte sich am Anstieg in der Corkscrew Road 13,6 Kilometer vor dem Tagesziel von der gesamten Konkurrenz ab und fuhr danach wie in einem Teamzeitfahren dem Doppelsieg entgegen – oder besser: im Einzelzeitfahren. Denn Vine verrichtete beinahe die gesamte Führungsarbeit, Titelverteidiger Narvaez konnte ihm im welligen Finale kaum mehr helfen.

"Jay war wirklich stark! Ich bin die ganze Zeit nur an seinem Hinterrad gefahren", gab der Ecuadorianer offen zu, nachdem er Vine auf der Zielgerade den Vortritt gelassen und applaudiert hatte, als der Australier als Sieger über die Linie rollte. Und Vine freute sich:

"Es ist unglaublich, auf so einer wirklich schweren Etappe zu gewinnen! Wir sind mit Jhonny und mir jetzt in einer so starken Position", so der Australier, zu dem sich im Ziel-Interview auch Adam Yates gesellte, der den Angriff des Duos an der Corkscrew Road vorbereitet hatte und anschließend in der ersten Verfolgergruppe saß. "Von ihm angefahren zu werden, das ist auch wirklich unglaublich", fügte Vine hinzu.

Tagesdritter mit 58 Sekunden Rückstand wurde im Sprint der achtköpfigen Verfolgergruppe um Yates der Schweizer Mauro Schmid (Jayco – AlUla) vor dem Dänen Andreas Kron (Uno-X Mobility) und dem Italiener Filippo Zana (Soudal – Quick-Step). Marco Brenner (Tudor) wurde am Ende dieser Gruppe Etappenzehnter und damit bester Deutscher. Elf Sekunden weiter zurück lag eine 14-köpfige Gruppe um den zweitbesten Deutschen Anton Schiffer (Visma – Lease a Bike).

"Wenn man zwei Jungs vorne hat, ist es ziemlich einfach, was man hinten zu tun hat", schilderte Yates das Finale aus seiner Perspektive in der Verfolgergruppe: "Ich bin einfach nur den Attacken gefolgt und so entstand eine Gruppe mit fünf, sechs Mann. Sie haben eigentlich ganz gut zusammengearbeitet, aber wir hatten eben zwei superstarke Jungs vorne – ein guter Tag fürs Team!"

Vine übernahm mit dem Etappensieg auch die Führung in der Gesamtwertung und das ockerfarbene Führungstrikot mit sechs Sekunden Vorsprung auf Narvaez. Schmid ist mit 1:05 Minuten Rückstand Gesamtdritter vor Harry Sweeny (EF Education – EasyPost / + 1:12) und Brenner (+ 1:14).

Déjà-vu am "Korkenzieher"

"Das Trikot war in meinem Kopf, seit ich es zum letzten Mal getragen habe. Ich liebe es", sagte Vine mit Blick auf 'Ocker'. 2023, als der Australier gerade vom Alpecin-Team zu UAE gewechselt war, gewann er bereits die Tour Down Under – und auch damals übernahm er die Gesamtführung auf der Etappe über den Corkscrew-Anstieg. "Er hat sich sehr gut auf dieses Rennen vorbereitet und wir sind froh, gewonnen zu haben. Jetzt versuchen wir natürlich auch die Gesamtwertung zu gewinnen", blickte Narvaez voraus.

In der Punktewertung behauptete der Vortagessieger Tobias Lund Andresen (Decathlon – CMA CGM) seine Führung mit 30 Punkten, fünf Zähler vor Matthew Brennan (Visma – Lease a Bike). Das Bergtrikot blieb auf den Schultern des Norwegers Martin Urianstad Bugge (Uno-X Mobility), der auch auf Etappe 2 in der Ausreißergruppe des Tages saß und weitere Punkte einsammelte. Bester in der Nachwuchswertung ist nun der Kanadier Michael Leonard (EF Education – EasyPost), der in der Gruppe um Schiffer 1:09 Minuten hinter Vine in Uraidla angekommen war.

So lief die 2. Etappe der Tour Down Under 2026:

Schon direkt nach dem Start eröffnete Joel Suter (Tudor) den Angriffsreigen und es bildete sich sehr schnell die siebenköpfige Ausreißergruppe des Tages um den Schweizer und den Bergtrikotträger. Schon nach zehn Kilometern wurde in Ashton der erste Bergpreis erreicht, den sich Pepijn Reinderink (Soudal – Quick-Step) vor Urianstad Bugge sicherte.

Das Septett baute seinen Vorsprung auf den ersten 60 Kilometern bis auf knapp drei Minuten aus, schon in der Anfahrt zur ersten Passage der Corkscrew Road (2,4 km bei 9,7%) beschleunigte das Hauptfeld aber so stark, dass die Lücke bis auf unter eine Minute zusammenschmolz. Im Anstieg selbst aber ließ das Peloton wieder etwas lockerer und der Rückstand zur Spitze wuchs nochmal bis 50 Kilometer vor dem Ziel auf 1:45 Minuten an. Vorne hatte sich Reinderink vor Urianstad Bugge auch den zweiten Bergpreis gesicher, Jensen Plowright (Alpecin – Premier Tech) gewann beide Zwischensprints.

Das Profil der 2. Etappe bei der Tour Down Under 2026. | Grafik: Tour Down Under

Je näher die entscheidende zweite Corkscrew-Passage rückte, desto kleiner wurde der Vorsprung der Ausreißer wieder und genau am Fuß des Scharfrichters kam es 16 Kilometer vor dem Tagesziel schließlich zum Zusammenschluss. Nun konzentrierte sich alles auf den Schlagabtausch an der bis zu 16 Prozent steilen Rampe. Yates diktierte im unteren Teil bis zu den vier steilen Serpentinen das Tempo und zog das Feld in die Länge - . Schon früh fielen dabei Luke Plapp (Jayco – AlUla) und Jack Haig (Ineos Grenadiers) zurück.

13,6 Kilometer vor dem Ziel setzte Vine aus der zweiten Spitzkehre heraus seine Attacke und nur ein Fahrer sprang dem Australier hinterher: Teamkollege Narvaez. Das Duo erreichte den Corkscrew-Bergpreis mit 19 Sekunden Vorsprung auf ein noch rund 20-köpfiges Verfolgerfeld. Im Gegensatz zum Frauenrennen am Sonntag ging es nun nicht rechts hinunter nach Campbelltown, sondern nach links und noch drei Kilometer weiter bergauf sowie dann wellig in Richtung Uraidla.

Elf Kilometer vor Schluss begannen sich die Verfolger zu attackieren und Harry Sweeny (EF Education – EasyPost) sowie Natnael Tesfatsion (Movistar) setzten sich ab, doch Yates folgte den Beiden. Zu diesem Zeitpunkt hatten seine beiden Teamkollegen an der Spitze bereits 33 Sekunden Vorsprung – und dort machte Vine allein bislang die komplette Führungsarbeit. Narvaez schien teilweise sogar kämpfen zu müssen, um am Australischen Zeitfahrmeister dran zu bleiben.

Titelverteidiger Narvaez applaudiert dem Teamkollegen Vine

Neun Kilometer vor dem Ziel kamen von hinten auch Brenner, Zana und Schmid an die drei Verfolger heran und sofort schaute man sich dort an. Darauf ließ sich Brenner nicht ein und attackierte sofort drüber, um allein weiterzufahren. Weglassen wollte den Deutschen aber auch niemand und so wurde er vom Quintett wieder zurückgeholt. Nun zog für die letzten sieben Kilometer etwas mehr Einigkeit bei den Verfolgern ein – zumindest bei fünf von ihnen, denn Yates saß natürlich nur am Ende der Gruppe und rollte mit.

Trotz der neuen Zusammenarbeit zwischen den Verfolgerin baute Vine den Vorsprung des UAE-Duos aber bis auf 55 Sekunden weiter aus. 1,5 Kilometer vor dem Ziel übernahm Narvaez zum ersten Mal auch etwas Führungsarbeit und führte das Duo auf die Zielgerade. Dort richtete sich der Ecuadorianer dann auf, ließ Vine vorbeirollen und applaudierte seinem Teamkollegen für dessen Leistung und den Tagessieg.

Rund eine Minute dahinter hatten auf den letzten Kilometern auch Kron und Matteo Sobrero (Lidl – Trek) zur ersten Verfolgergruppe aufgeschlossen, die Brenner auf die Zielgerade führte. Im Sprint um den dritten Platz war dann Schmid der Schnellste und sicherte sich die vier verbleibenden Bonussekunden knapp vor Kron.

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