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25.12.2025 | (rsn) – Stefan Küng ist sicher kein Legionär. Nach insgesamt sechs Jahren bei BMC sowie derer sieben bei Groupama – FDJ steht 2026 erst zum zweiten Mal in seiner Profilaufbahn ein Tapetenwechsel an. “Ich wusste, dass ich vor dem Ende der Karriere noch mal wechseln würde, weil ich mich von Grund auf neu challengen will. Ich glaube, ich habe noch was in mir“, sagte der Schweizer nach seiner ersten sieglosen Profisaison seit 2026.
“Das ist also kein Rentenvertrag. Ich will wirklich alles aus mir herausholen und da habe ich mit Tudor die richtige Struktur gefunden. Da kann ich noch einen Schritt machen“, versicherte er RSN nach einer Saison, in der er hinter den Erwartungen geblieben war. “Das war nicht mein bestes Jahr. Ich war einige Male nah dran, zum Beispiel beim Omloop, wo ich weniger als einen Kilometer vor dem Ziel eingeholt wurde“, blickte Küng auf seinen zweiten Einsatz der Saison zurück.
Der endete dann statt auf dem Podest auf Position 32. “Es ging sich einfach nicht aus, aber allgemein muss ich sagen, dass meine Saison bis zu den Klassikern ganz gut war. Danach war es eher mäßig", fügte er an.
___STEADY_PAYWALL___Das Elend begann bei Paris-Roubaix (1.UWT), nachdem Küng die E3 Saxo Classic (1.UWT), Dwars door Vlaanderen (1.UWT) und die Flandern-Rundfahrt (1.UWT) jeweils unter den besten Zehn beendet hatte. “Ich wurde aus dem Rennen genommen, als ich in der Verfolgergruppe von Matti (van der Poel) und Tadej (Pogacar) mit Mads (Pedersen) unterwegs war. Im Sektor von Auchy hat Mads das Tempo erhöht. Ich war an seinem Hinterrad, es hat plötzlich geknallt. Ich habe ein Schlagloch erwischt und meine Felge ging zu Bruch“, erinnerte sich der Groupama-Profi, dessen Aussicht auf ein Spitzenergebnis gemeinsam mit dem Material zerstört wurde.
Bei Paris-Nizza (2.UWT) war Stefan Küng (Groupama - FDJ) noch einfacher Vater. | Foto: Cor Vos
“Bis ich endlich Ende des Sektors war und das Vorderrad wechseln konnte, ging es extrem lange. Danach war leider nichts mehr zu holen. Im zweitletzten Sektor, wo es in einer Kurve Schotter hatte, bin ich leider noch blöd gestürzt. Ich bin aufs Gesicht geflogen und dieser Sturz hat mich im Nachhinein mehr gekostet, als wir das im ersten Moment gedacht haben“, blickte er auf die danach folgenden Probleme voraus. Nach dem Felgen- gab es nämlich auf dem Weg nach Roubaix auch noch einen Nasenbeinbruch.
Zwei Wochen nach Paris-Roubaix trat Küng bei der Tour de Romandie (2.UWT) an, der Auftakt zu einem Schweizer Triptychon, das vom GP Gippingen (1.1) und der Tour de Suisse (2.UWT) komplettiert wurde. Aber die gewünschten Ergebnisse stellten sich aufgrund des Roubaix-Sturzes nicht ein. “Das hatte einen Einfluss auf den Rest der Saison. Ich habe mich davon nie zu hundert Prozent erholt. Jetzt denkt man sich vielleicht: Wie ist das möglich? Der Bruch hatte Einfluss auf die oberen Atemwege und ich hatte immer mit Krankheiten zu kämpfen“, erklärte der Eidgenosse.
Daran änderte auch eine sechswöchige Rennpause nichts. Zur Frankreich-Rundfahrt ginge es nämlich - ebenfalls erstmals seit 2016 – dieses Jahr nicht. Der Grund war aber ein erfreulicher: “Wir haben im Juli unser zweites Kind bekommen und daher war die Tour de France nicht optimal platziert. Wir haben uns entschieden, die auszulassen und mich auf die Vuelta zu konzentrieren.“
Doch sportlich war auch diese Phase schwierig. “Im Sommer lief nicht alles nach Plan. Ich bin vor der Schweizer Meisterschaft gestürzt und hatte mir dort eine Wunde am Knie zugezogen. Die musste genäht werden und ich hatte wieder eine Trainingspause. Mit der Geburt unseres Sohnes war das Training dann wieder reduziert. Darum bin ich nicht mit optimaler Vorbereitung nach Polen angereist“, fasste Küng zusammen. Die Polen-Rundfahrt (2.UWT) Anfang August sollte die einzige Vorbereitung auf seine zweite Spanien-Rundfahrt werden.
Bei der Flandern-Rundfahrt war die Welt für Küng noch in Ordnung. | Foto: Cor Vos
Bei der Vuelta hatte er 2024 die erste Grand-Tour-Etappe seiner Karriere gewonnen. Doch zu einem weiteren Kunststück reichten die Beine diesmal nicht. “Wenn man gut ist, wird man mit den Rennen immer besser. Das war dieses Mal leider nicht der Fall. Gerade bei der Vuelta war es sicher nicht gleich wie letztes Jahr, als ich wirklich auf einer Welle surfte. Nun war es eher sehr harzig“, gab Küng zu.
Doch die letzte Grand Tour der Saison war kein Ziel für sich. “Nichtsdestotrotz war die Vuelta meines Erachtens die richtige Vorbereitung auf die WM. Da mein Formstand nicht optimal war, kam ich nicht mit dem erhofften positiven Effekt aus der Vuelta zur WM“, urteilte der 32-Jährige. In Kigali stand er zweimal am Start, nach Platz zehn im Einzelzeitfahren sollte mit der Mannschaft der dritte Titel nach 2022 und 2023 her. Und die Schweiz lag auf einem sehr guten Weg, war aber “sicher nicht mit Glück beschenkt. Marlen hatte einen Defekt, der uns eine bessere Platzierung gekostet hat“, so Küng.
Marlen Reusser legte zwar noch eine beeindruckende Aufholjagd hin, holte ihre weit enteilten Teamkolleginnen wieder ein und schüttelte Jasmin Liechti anschließend ab. Doch letztendlich fehlten zehn Sekunden auf Gold, was dem Sextett um Küng bei der Siegerehrung die Bronzemedaille brachte. Doch eine Chance zur Revanche bot sich schon eine Woche später bei der Europameisterschaft in der Ardèche, wo ebenfalls eine Mixed-Staffel auf dem Programm stand.
Das Einzelzeitfahren in Ruanda schloss Küng als Zehnter ab. | Foto: Cor Vos
“Bei der EM hat es mich getroffen, als ich einen Kettendefekt hatte. Bei einem Rennen mit relativ engen Abständen kann man sich das nicht erlauben“, sagte Küng, der mit seiner Mannschaft erneut den dritten Platz belegte. Diesmal trennten die Eidgenossen 40 Sekunden vom Titel. Und weil zwei dritte Ränge selten allein kommen, ging es 17 Tage später noch weiter: “Wegen der vielen kleineren und größeren Rückschläge wäre ich bereit gewesen, die Saison so zu beenden. Ich bin dann aber doch noch das Chrono des Nations gefahren und habe die Saison immerhin mit einem Podium beendet", sagte Küng.
Die alte Saison beendete er mit Podiumsresultaten, für die neue wird wieder der erste Platz angepeilt. Könnte Küng sich einen aussuchen, wäre die Wahl einfach. “Natürlich Paris-Roubaix! Aber jeder Sieg ist ein schöner Sieg. Ich hoffe einfach, nächstes Jahr so viele wie möglich einzuheimsen und dass ich die Statistik wieder aufbessern kann im Vergleich zu dieser Saison“, schaute er auf 2026 voraus.
Die Gesundheit bereitet ihm inzwischen keine Probleme mehr. “Das liegt jetzt alles hinter mir und die 'Offseason' hat ihr Übriges getan, um das auszukurieren“, berichtete er. “Ich freue mich, was nächstes Jahr kommt und schaue sehr positiv auf 2026. Ich freue mich, im neuen Trikot wieder voll anzugreifen“, versicherte Küng mit Blick auf sein erstes Jahr beim Schweizer Tudor-Team.
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