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23.05.2025 | (rsn) - Lidl Trek findet beim 108. Giro d'Italia die richtige Balance aus Entspanntheit und Erfolgshunger. Gründe dafür sind mehr Geld, bessere Fahrer und die alchimistische Kunst, für Harmonie beim Erfolgsstreben zu sorgen.
Selten sieht ein Radprofi, der wenige Meter vor dem Ziel einer Grand-Tour-Etappe vom Peloton geschluckt wurde, Minuten später im Ziel glücklich aus. Auf der 13. Etappe ereignete sich aber diese Rarität. Mathias Vacek folgte im Finale rein instinktiv einer Attacke von Altmeister Romain Bardet (Picnic - PostNL). Er spannte sich vor den Franzosen, bis zu 16 Sekunden Vorsprung fuhren sie heraus. 600 Meter vor dem Ziel war dann jedoch Schluss. Trotzdem strahlte Vacek im Ziel wie ein Honigkuchenpferd.
"Nein, nein, ich muss gar nicht traurig sein“, sagte er RSN. "Ich habe es versucht, es war knapp. Ich war wirklich kurz davor, zu gewinnen. Aber dann kam das Peloton herangebraust. Zum Glück war Mads da in einer guten Position. Er kämpfte und holte den Sieg. Deshalb freue ich mich sehr für ihn. Und ich freue mich auch über mich, dass ich es versuchte mit Bardet“, breitete er seine Gefühlslage aus.
___STEADY_PAYWALL___Er hatte also doppelten Grund zu strahlen, denn sein Kapitän holte den Tagessieg. Der 29-Jährige, mittlerweile der erfolgreichste dänische Etappenjäger in Grand Tours, wie der jetzt in den Journalismus gewechselte frühere Rennstallmanager Brian Nygaard in der Pressekonferenz feststellte, gab Lob und Freude an seinen Teamkollegen Vacek zurück. "Er ist so gut in Form bei diesem Giro. Er war schon in der Klassikersaison sehr gut. Er hätte den Sieg verdient gehabt und ich hätte ihn ihm auch von Herzen gegönnt.“
Patrick Konrad fährt beim Giro für Lidl - Trek. | Foto: Cor Vos
Es flogen regelrecht die Herzchen hin und her bei dieser 13. Etappe bei Lidl - Trek. Aber das Team surft auch auf einer immensen Erfolgswoge. Pedersens vierter Etappensieg bei diesem Giro war zugleich der fünfte des Rennstalles. "Wir sind einfach sehr gut in diesen Giro gestartet. Das nimmt viel Druck weg. Man kann dann auch das eine oder andere Mal etwas auf einer Etappe riskieren, wir fahren jetzt früher mal. Man hat mehr Spielraum und muss nicht so stark auf Sicherheit spielen“, nannte Patrick Konrad, seit letzter Saison im Team, einen Faktor für die Erfolge. "Und wenn dann die Siege kommen, beflügelt das weiter“, ergänzte er im Gespräch mit RSN.
Auch strukturelle Gründe sieht der Österreicher: "Mit dem neuen Sponsor gab es auch eine Umstrukturierung im Team. Es wurden viele erfahrene Fahrer reingeholt. Wir haben jetzt eine Mannschaft, die einfach extrem gut harmoniert, würde ich sagen.“ Mehr Geld kam also rein, mehr neue Fahrer. Und dem nach überstandener Krebserkrankung zurückgekehrten Teamchef Luca Guercilena muss man zugutehalten, dass er die neuen Profis gut integrierte und für das sorgte, was Konrad als "gute Harmonie im Team beschreibt. Das lässt sich auch an den Aussagen von Vacek und Pedersen ablesen.
Der Däne, der im Frühjahr noch recht frustriert wegen seiner Nichtberücksichtigung für die Tour de France wirkte, sieht in dieser klaren und frühen, wenngleich auch für ihn schmerzhaften Entscheidung inzwischen sogar etwas Positives. "Natürlich wäre ich gern zur Tour gefahren und hätte um das Grüne Trikot gekämpft. Aber ich verstehe auch, dass das Team noch andere Fahrer außer mir hat. Und bei dem Parcours, den Tour hat, verstehe ich, warum sie Johnny Milan dort hinbringen wollen“, erklärte er.
Neben Mads Pedersen gewann auch Daan Hoole bei diesem Giro eine Etappe für Lidl - Trek. | Foto: Cor Vos
Aus der Nichtberücksichtigung für die Tour schöpfte er letztendlich extra Energie für die Italien-Rundfahrt. "Ich war richtig scharf auf den Giro und will hier so viel wie möglich herausholen, also mal in Rosa sein, Etappen gewinnen und auch das Punktetrikot holen, was ich schon vor zwei Jahren versuchte. Da musste ich aber gesundheitsbedingt aussteigen“, blickte er zurück. Und sein Fazit lautete: "Manchmal ist eine kleine Enttäuschung gut für etwas anderes.“
Bei diesem Giro ist das für gleich für vier Etappensiege und eine gigantische Führung im Punktetrikot gut. Durch den neuen Flow im Team sieht Pedersen auch einen alten Weggefährten komplett verwandelt: "Cicco (Giulio Ciccone, d. Red.) ist völlig anders hier. Er ist viel ruhiger und entspannter. Wenn wir die Möglichkeit haben, es etwas ruhiger im Peloton angehen zu lassen und dort weiter hinten zu sind, dann vertraut er uns jetzt auch und lässt die anderen die Positionskämpfe vorn ausfechten. Er hat jetzt eine gute Balance aus Entspannung einerseits und dann aber der Bereitschaft, alles zu geben, wenn es darauf ankommt, gefunden.“
Mit der neuen Entspanntheit im Team sieht Pederson Ciccone auch in der Gesamtwertung ziemlich weit vorn. Und fragt man bei Lidl – Trek nach der Langfristplanung, dann bekommt man Antworten, die vor Selbstbewusstsein nur so strotzen. "Wir waren punktemäßig ja schon das zweitbeste Klassikerteam. Mittelfristig wollen wir das beste Team der Welt werden“, sagte Konrad zu RSN. Klar, diesen Anspruch haben auch andere. Aber um zu wachsen, muss man sich große Ziele setzen – und darf auf dem Weg dahin schmerzhafte Entscheidungen nicht scheuen. Lidl – Trek wächst zu einer neuen Größe im Radsport heran. Der Giro ist ein feines Sprungbrett dafür.
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