Müllers Guyana-Tagebuch

Die Straßen sehr ruppig, die Stimmung im Feld sehr freundlich

Von Robert Müller

Foto zu dem Text "Die Straßen sehr ruppig, die Stimmung im Feld sehr freundlich"
Robert Müller bei der Tour de Guyana | Foto: privat

24.08.2023  |  (rsn) - Auf der 4. Etappe ging es 150 Kilometer immer nach Westen bis zum Grenzfluss nach Surinam, doch leider gibt es dort keine Brücke und man kann nicht mal eben nach Surinam fahren. Das Profil war flach und wir wollten das pinke Nachwuchstrikot von Anton verteidigen, das er stellvertretend trug. Es ging wie immer schnell los, denn die erste von drei Sprintwertungen befindet sich stets auf den ersten zehn Kilometern.

Es gab viele Attacken und irgendwann konnte sich eine kleine Gruppe lösen, was jedoch nicht bedeutete, dass aus dem Feld nicht mehr attackiert wurde. Mich kümmerte das wenig, denn ich rollte nur im Feld mit, was hier recht angenehm möglich ist. Es wird nicht aggressiv gefahren und man hat genug Platz, um nach vorne zu fahren, wenn man will. Auffällig sind die vielen Zuschauer am Straßenrand, die eiskalte 1,5-Liter-Flaschen mit Wasser anreichen. Jeder, der sich eine Flasche geschnappt hat, kippt sich einen Teil über den Kopf und reicht den Rest dann an den Fahrer neben sich weiter.

Auf die Art bin ich schon oft in den Genuss einer Abkühlung gekommen, ohne selbst eine schwere Flasche in voller Fahrt anzunehmen, was auch gefährlich ist und bereits zu einem Sturz führte. Es werden aber auch andere Getränke geteilt und herumgereicht. Natürlich gibt es jedoch auch mal Streit im Feld, so hat ein Fahrer aus Martinique einem anderen die Brille aus dem Gesicht gerissen und weggeworfen. Insgesamt ist die Stimmung im Peloton aber freundlich, das habe ich schon ganz anders erlebt.

Die Straßen waren heute sehr ruppig und ich hatte oft mit tauben und eingeschlafenen Händen zu kämpfen, Spätfolgen des Transcontinental Race. Im Finale schafften wir es nicht die Spitzengruppe wieder einzuholen und ich rollte am Ende des Feldes ins Ziel. Im Zielbereich gibt es immer eine Bühne mit Programm und eine Art Messe mit vielen Ständen und Zelten und es werden Geschenke an die Kinder verteilt. Die Rundfahrt wird von der Bevölkerung gut angenommen und ich durfte auch schon für Fotos posieren.

Bis jetzt hatten wir gute Hotels und es gab immer ausreichend zu essen. Heute mussten wir dazu mit dem Bus vom Hotel in eine Schule fahren und irgendwie haben wir die Rückfahrt verpasst. Also quetschten wir uns zu acht in unser kleines Teamauto, wobei zwei Mann im geöffneten Kofferraum saßen. Aufpassen muss man Abend auf die Mücken, denn es gibt hier in der Nähe in Kourou aktuell eine Dengue-Fieber-Epidemie, dummerweise werden wir genau dort später noch zwei Nächte verbringen.

Morgen steht die Königsetappe an, es sind nur 160 Kilometer, allerdings mit vielen Wellen und kurzen Anstiegen. Die Etappen hier könnten meinetwegen alle 50 Kilometer länger sein und ich bräuchte gegen Ende der Rundfahrt mal einen richtigen Brecher.

Gez. Sportfreund Radbert

Mehr Informationen zu diesem Thema

27.08.2023Die “französische Methode“ wird hier konsequent umgesetzt

(rsn) - Am achten Tag standen wie bereits am zweiten Tag zwei Halbetappen an, vormittags ein 7 km kurzes Zeitfahren und am Nachmittag ein 130 km langes Straßenrennen. Da ich mittlerweile in der Gesa

27.08.2023Kurz vor dem Start riss mein Schaltzug

(rsn) - Die 7. Etappe über 135 Kilometer startete erst am Nachmittag im Zielort von gestern, was bedeutete, dass es den gleichen Transfer gab wie gestern zum Hotel. Ich fuhr die 33 Kilometer zum Ein

26.08.2023Mit Hilfe des Hubschraubers den Vorsprung der Ausreißer erahnt

(rsn) - Der Weg vom Hotel zum Start der 6. Etappe über nur 110 Kilometer war kurz und es ging wie die letzten Tage bereits um 9:15 Uhr los. Leider bogen wir schon nach ein paar Kilometern in dieselb

25.08.2023Meine Rückfahrt mit dem Rad stieß bei vielen auf Unverständnis

(rsn) - Der Tag begann früh, denn es stand zunächst ein dreiviertelstündiger Transfer im Bus zum Start mitten im Nirgendwo an. Die 5. Etappe führte über 160 Kilometer in einer großen Runde mit v

23.08.2023Im Ziel war ich ziemlich angefressen

(rsn) - Etappe Nr. 3 führte über 150 flache Kilometer gespickt mit nur einer Schwierigkeit, der gefürchteten Route de Guatemala. Das war eine knapp 15 km lange schmale Straße durch die Savanne mi

22.08.2023Bei solchen Rennen gehören Zeitfahrräder für alle verboten

(rsn) - Der zweite Tag der Tour de Guyane begann früh, denn am Vormittag stand ein elf Kilometer kurzes Zeitfahren an. Der Weg zum Start war 25 Kilometer lang und ich nutzte ihn zum Warmfahren. Für

22.08.2023Teamkollegen mit Kälteschock und Krämpfen am ganzen Körper

(rsn) - Die 1. Etappe der Tour de Guyane führte über 145 Kilometer in verschiedenen Runden um die Hauptstadt Cayenne. Die Strecke war flach und es wehte ein ordentlicher Wind. Zum Glück fuhren wir

19.08.2023Ich hoffe auf den Memory-Effekt meiner Muskulatur

(rsn) - Bonjour de Cayenne, der Hauptstadt von Französisch-Guyana! Ich befinde mich im Norden Südamerikas an der Atlantikküste zwischen Brasilien und Suriname und trotzdem in Frankreich und der EU.

Weitere Radsportnachrichten

11.03.2026Ayuso strahlt in Gelb: “Gibt Selbstvertrauen auch für Barcelona“

(rsn) – Den Sieg hat Lidl – Trek im 23,5 Kilometer langen Mannschaftszeitfahren auf der 3. Etappe von Paris-Nizza (2.UWT) zwar um 2,5 Sekunden verpasst, trotzdem aber gab es im Lager des deutschen

10.03.2026Ciccone: Positionierung kostete Anschluss an van der Poel und Co.

(rsn) – Nach dem fulminanten Auftakt mit einem dritten und einem fünften Platz durch Max Walscheid und Jonathan Milan im topfebenen Einzelzeitfahren von Lido di Camaiore auf der 1. Etappe, hat der

10.03.2026Radsport live im Stream und im TV: Die Rennen des Tages

(rsn) – Welche Radrennen finden heute statt? Wo und wann kann man sie live im Fernsehen oder Stream verfolgen? Und wo geht´s zum Live-Ticker? In unserer Tagesvorschau informieren wir über die wic

10.03.2026Perfekt auf Schotter: Pellizzari in bestechender Frühform

(rsn) – Nach einer soliden Vorstellung kam Primoz Roglic (Red Bull – Bora – hansgrohe) auf der 2. Etappe von Tirreno-Adriatico in der ersten Verfolgergruppe 17 Sekunden hinter Tagessieger Mathie

10.03.2026Highlight-Video der 2. Etappe von Tirreno-Adriatico

(rsn) – Der routinierte Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) hat bei Tirreno-Adriatico die beiden Youngster Gesamtführende Isaac Del Toro (UAE Emirates – XRG) und Giulio Pellizzari (Re

10.03.2026Ineos im Teamzeitfahren knapp vor Lidl - Trek, Ayuso in Gelb

(rsn) – Es war enger als erwartet, doch am Ende hatten die Favoriten die Nase vorn. Ineos Grenadiers hat das Mannschaftzeitfahren auf der 3. Etappe von Paris-Nizza für sich entschieden – es war d

10.03.2026Van der Poel schlägt im Bergaufsprint die junge Garde

(rsn) – Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) hat die 2. Etappe von Tirreno – Adriatico (2.UWT) gewonnen. Nach 206 Kilometern von Camaiore nach San Gimignano war er im Dreiersprint berga

10.03.2026ASO zum Paris-Nizza-Auftakt: “Keine negativen Reaktionen erhalten“

(rsn) – Nach der 1. Etappe von Paris-Nizza hatte Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) deutliche Kritik an der Strecke geäußert. “Ich fand die Route heute nicht besonders gut. Es war eines W

10.03.2026Van der Poel würde gerne zu Strade Bianche zurückkehren

(rsn) – Obwohl auch die diesjährige Strade Bianche mit ihren mehr als 3.500 Höhenmetern wieder extrem schwer und damit eine Angelegenheit für Kletterer wie den mittlerweile viermaligen Sieger Tad

10.03.2026“Doppelagentin” Klöser: “Sehe mich als eine der Top-Fahrerinnen“

(rsn) - Die Deutsche Gravelmeisterin Rosa Maria Klöser (Canyon - SRAM - zondacrypto) bezeichnet sich immer noch als Newcomerin im Radsport. Und das trotz prestigeträchtiger Erfolge wie dem Gewinn d

10.03.2026Fernduell zwischen Decathlon und UAE um Jungstar Seixas

(rsn) - Paul Seixas hat nach nicht erst seit seinem sensationellen Saisonstart offenbar das Interesse des weltbesten Teams geweckt. Wie Wielerflits berichtet, arbeite UAE – Emirates – XRG “hinte

10.03.2026Pedersen zu Mailand-Sanremo Start: “Wird schwierig“

(rsn) – Mehr als einen Monat nach seinem Sturz zum Auftakt der Valencia-Rundfahrt (2.Pro) ist fraglich, ob Mads Pedersen (Lidl – Trek) rechtzeitig bei Mailand-Sanremo (21. März) am Start stehen w