Schäfers Marokko-Tagebuch / 2. und 3. Etappe

Meine bisher schlimmsten Stunden auf dem Rad

Von Timo Schäfer

Foto zu dem Text "Meine bisher schlimmsten Stunden auf dem Rad"
Timo Schäfer (Bike Aid, rechts) bei der Marokko-Rundfahrt | Foto: Cor Vos

06.04.2015  |  (rsn) - Nachdem ich nach der 2. Etappe leider nur sehr eingeschränkten (und damit meine ich: nicht funktionierenden) Internetzugang hatte, fasse ich die letzten beiden Tage einfach zusammen.

Vorgestern stand die längste Etappe der Rundfahrt mit rund 200 Kilometern an. Ziemlich flach sollte sie sein, und nachdem am Vortag die türkische Torku-Mannschaft das Gelbe Trikot erobert hatte, hofften wir einfach auf einen recht kontrollierten und ruhigen Tag. Vor allem, weil es dazu noch unendlich heiß war – so ungefähr 35 Grad wieder.

Aber man weiß hier halt einfach NIE! Immer muss man auf der Hut sein, denn wie der Teufel es will, biegt man ab und hat plötzlich mächtig Seitenwind. Und dann steht man da, denn dann werden die Marokkaner praktisch wie an einem Drahtseil davon angezogen und nehmen das Feld auf die Kante. Ganz egal, ob das Sinn macht oder nicht, sie tun es dann halt einfach. Man muss sich das so vorstellen, wie wenn ein Kolumbianer einen Berg sieht: Er muss ihn einfach wahnsinnig schnell hochfahren. Andere Länder, andere Sitten eben.

Und einmal an diesem Tag war es dann tatsächlich auch für einige Minuten hektisch, als das himmlische Kind aufkam. Aber es sollte auch schnell wieder Ruhe einkehren.

Außer für zwei Jungs. Die nahmen nämlich ungefähr bei Kilometer 15 die Beine in die Hand und wollten sich mit einer exklusiven Erlebnistour an der Spitze des Rennens belohnen, bis sie 15 Kilometer vor dem Ziel gestellt wurden. Die Etappe endete dann im Massensprint, bei dem wir die Plätze 13, 14, 18 und 20 belegten. An diesem Tag wurden wir aber wieder durch eine tolle Landschaft belohnt. Man muss feststellen, dass dieses Land wirklich wunderschön ist und auch sehr viel Abwechslung zu bieten hat.

Angenehm auch, dass wir durch die Rennsituation ein bisschen davon „genießen“ konnten. Dies sollte am nächsten Tag dann schlagartig anders werden. Nicht nur durch das Profil – denn es ging auf rund 2000 Meter Höhe – nein, auch das Wetter spielte nicht mit. Die Vorhersagen reichten von halbwegs trocken über Gewitter bis hin zu Kälte und Dauerregen. Und das kann einem wirklich den Zahn ziehen in den Bergen. Und dann noch mit dem Bus zwei Stunden Transfer zum Start.

Einem Fahrerkollegen aus Holland schlugen scheinbar all diese Meldungen so auf den Magen, dass er den Bus mit seinem gesamten Mageninhalt füllte. Nicht sehr angenehm für alle anderen. Naja, vergessen wir das ganz schnell wieder.

Die Realität war dann am Start folgende: trocken! Super dachten alle und es ging los. Doch bereits wenige Kilometer nach der ersten Bergwertung sollten wir mit dem ersten Regen konfrontiert werden. Nicht nur, dass es dann besonders kalt wird, nein: Auch die Straßen werden so glatt, dass man bereits beim Aufstehen in den Wiegetritt zu stürzen scheint. Aber damit noch nicht genug: Dichter Nebel schränkte die Sicht bis auf Minimum ein. Vielleicht noch 15 Meter weit konnte man schauen – wenn überhaupt. Kein schöner Tag.

Nach der letzten Bergwertung ging es dann wieder ins Tal zum Ziel: Das waren meine schlimmsten Stunden auf dem Rad in dieser Saison. Völlig verfroren konnte ich nicht mal mehr die Schaltung mit den Fingern bedienen. Aber im Ziel wurde das dann schnell vergessen, denn Yannick (Mayer) konnte einen tollen fünften Platz rausfahren. Jetzt hoffen wir heute auf einen trockenen Tag, mit Temperaturen, die vielleicht irgendwo zwischen denen von gestern und vorgestern liegen. Wir werden sehen.

Euer Timo

PS: ein paar Fotos findet Ihr wieder hier: https://www.facebook.com/bikeaid

Mehr Informationen zu diesem Thema

12.04.2015Es ist nicht mehr weit bis Casablanca!

(rsn) - Es ist schon erstaunlich, wie sich Stimmungen während einer Rundfahrt verändern können. Am Anfang ist jeder irgendwie überschwänglich und motiviert, was sich dann im weiteren Verlauf des

11.04.2015Hotel-Disco sorgte für kurze Nacht, Niko für ein Top-Ergebnis

(rsn) - Nach dem langen gestrigen Tag in der Gruppe war ich müde. Und irgendwie hing es mir schon auch etwas nach, dass wir unseren Vorsprung nicht ins Ziel retten konnten. Aber wie sagt man so schö

10.04.2015Manche meinen schlauer als alle anderen zu sein

(rsn) - Dass wir Radsportler recht seltsame Wesen sind, das habe ich ja bereits gestern beschrieben. So ist es unerklärlich, wie man nach bereits sechs zurückgelegten Etappen und vielen Kilometern b

09.04.2015Wir Radfahrer sind schon komische Vögel

(rsn) - Als Radsportler gibt es ja Tage, da denkt man sich: Warum mache ich das eigentlich? Denn rational kann man ja nicht erklären, was denn so wirklich die Faszination dabei ist, sich tagein, taga

07.04.2015Wo ist eigentlich Meron?

(rsn) - Wo ist eigentlich Meron? Ja, diese Frage taucht irgendwie immer wieder bei uns auf. Sei es, wenn es darum geht zum Essen zu gehen, oder aber unser Physio Kelly sich verwundert fragt, ob er sc

05.04.2015Frisch frisiert ist halb gewonnen!

(rsn) - Man gewinnt eine Rundfahrt nie am ersten Tag, aber man kann Sie verlieren - mit dieser alten Weisheit verabschiedete uns unser Sportlicher Leiter Yves nach seiner Ansprache auf die 1. Etappe d

Weitere Radsportnachrichten

11.03.2026Ayuso strahlt in Gelb: “Gibt Selbstvertrauen auch für Barcelona“

(rsn) – Den Sieg hat Lidl – Trek im 23,5 Kilometer langen Mannschaftszeitfahren auf der 3. Etappe von Paris-Nizza (2.UWT) zwar um 2,5 Sekunden verpasst, trotzdem aber gab es im Lager des deutschen

10.03.2026Ciccone: Positionierung kostete Anschluss an van der Poel und Co.

(rsn) – Nach dem fulminanten Auftakt mit einem dritten und einem fünften Platz durch Max Walscheid und Jonathan Milan im topfebenen Einzelzeitfahren von Lido di Camaiore auf der 1. Etappe, hat der

10.03.2026Radsport live im Stream und im TV: Die Rennen des Tages

(rsn) – Welche Radrennen finden heute statt? Wo und wann kann man sie live im Fernsehen oder Stream verfolgen? Und wo geht´s zum Live-Ticker? In unserer Tagesvorschau informieren wir über die wic

10.03.2026Perfekt auf Schotter: Pellizzari in bestechender Frühform

(rsn) – Nach einer soliden Vorstellung kam Primoz Roglic (Red Bull – Bora – hansgrohe) auf der 2. Etappe von Tirreno-Adriatico in der ersten Verfolgergruppe 17 Sekunden hinter Tagessieger Mathie

10.03.2026Highlight-Video der 2. Etappe von Tirreno-Adriatico

(rsn) – Der routinierte Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) hat bei Tirreno-Adriatico die beiden Youngster Gesamtführende Isaac Del Toro (UAE Emirates – XRG) und Giulio Pellizzari (Re

10.03.2026Ineos im Teamzeitfahren knapp vor Lidl - Trek, Ayuso in Gelb

(rsn) – Es war enger als erwartet, doch am Ende hatten die Favoriten die Nase vorn. Ineos Grenadiers hat das Mannschaftzeitfahren auf der 3. Etappe von Paris-Nizza für sich entschieden – es war d

10.03.2026Van der Poel schlägt im Bergaufsprint die junge Garde

(rsn) – Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) hat die 2. Etappe von Tirreno – Adriatico (2.UWT) gewonnen. Nach 206 Kilometern von Camaiore nach San Gimignano war er im Dreiersprint berga

10.03.2026ASO zum Paris-Nizza-Auftakt: “Keine negativen Reaktionen erhalten“

(rsn) – Nach der 1. Etappe von Paris-Nizza hatte Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) deutliche Kritik an der Strecke geäußert. “Ich fand die Route heute nicht besonders gut. Es war eines W

10.03.2026Van der Poel würde gerne zu Strade Bianche zurückkehren

(rsn) – Obwohl auch die diesjährige Strade Bianche mit ihren mehr als 3.500 Höhenmetern wieder extrem schwer und damit eine Angelegenheit für Kletterer wie den mittlerweile viermaligen Sieger Tad

10.03.2026“Doppelagentin” Klöser: “Sehe mich als eine der Top-Fahrerinnen“

(rsn) - Die Deutsche Gravelmeisterin Rosa Maria Klöser (Canyon - SRAM - zondacrypto) bezeichnet sich immer noch als Newcomerin im Radsport. Und das trotz prestigeträchtiger Erfolge wie dem Gewinn d

10.03.2026Fernduell zwischen Decathlon und UAE um Jungstar Seixas

(rsn) - Paul Seixas hat nach nicht erst seit seinem sensationellen Saisonstart offenbar das Interesse des weltbesten Teams geweckt. Wie Wielerflits berichtet, arbeite UAE – Emirates – XRG “hinte

10.03.2026Pedersen zu Mailand-Sanremo Start: “Wird schwierig“

(rsn) – Mehr als einen Monat nach seinem Sturz zum Auftakt der Valencia-Rundfahrt (2.Pro) ist fraglich, ob Mads Pedersen (Lidl – Trek) rechtzeitig bei Mailand-Sanremo (21. März) am Start stehen w