Vorschau 73. Paris-Nizza – die Favoriten

Wohl wieder eine Mission Impossible für die Franzosen

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Richie Porte (Sky), Gesamtsieger von 2013, und... | Foto: Cor Vos

06.03.2015  |  (rsn) – Zum sechsten Mal in Folge startet die Fernfahrt Paris-Nizza im Département Yvelines. Wenn am Sonntag mit dem 6,7 Kilometer langen Prolog in Maurepas die 73. Auflage des „Rennens zur Sonne“ eröffnet wird, fehlt zwar mit Carlos Betancur (Ag2R) der Gesamtsieger von 2014.

Wie die Tour de France-Favoriten Chris Froome (Sky), Alberto Contador (Tinkoff-Saxo), Vincenzo Nibali (Astana) und Nairo Quintana (Movistar) hat sich auch Betancur für einen Start bei Tirreno-Adriatico entscheiden, das am kommenden Mittwoch eröffnet wird. Doch auch in Abwesenheit all dieser Stars können die Organisatoren der ASO mit einem starken Feld aufwarten – und die Fans sich auf ein bis zum Schlusstag spannendes Rennen freuen, das erst mit dem abschließenden Bergzeitfahren zum Col D’Éze oberhalb von Nizza entschieden wird.

Allerdings werden sich die heimischen Fans wohl weiter auf den ersten Gesamtsieg eines Franzosen seit 18 Jahren gedulden müssen. 1997 war es Laurent Jalabert, der seinen dritten Nizza-Triumph in Folge perfekt machte. Danach ließen die Franzosen noch sieben Podiumsplatzierungen im Schlussklassement des ersten bedeutenden Mehretappenrennens der Saison folgen. Und auch diesmal dürfte es nicht für den obersten Platz auf dem Treppchen reichen.

Das stärkste Aufgebot schickt am Sonntag wohl das britische Team Sky ins Rennen. Mit Bradley Wiggins (Gesamtsieger 2012), Richie Porte (Gesamtsieger 2013) und Geraint Thomas (zuletzt Gewinner der Algarve-Rundfahrt) stehen gleich drei potenzielle  Kandidaten im Kampf um das Gelbe Trikot bereit. Allerdings wird sich Wiggins, dessen große Ziel in seinen letzten Wochen als Straßenprofi die Frühjahrsklassiker sind, in den Dienst seiner beiden Teamkollegen stellen, die auf den Bergetappen zudem noch auf die Dienste des Iren Nicoals Roche bauen können.

„Paris-Nizza ist ein bedeutendes Rennen und ich will dort einen guten Prolog fahren. Danach möchte ich eine gute, solide Woche absolvieren und Geraint und Richie helfen, da sie große Ambitionen im Gesamtklassement haben“, erklärte der 34-jähige Wiggins, der vom Sky-Sponsor Jaguar als Begleitfahrzeug ein Sondermodell zur Verfügung gestellt bekommt, in dem ihm sein Sportlicher Leiter Nicolas Portal durch Maurepas folgen wird.

Ebenso wie Sky tritt auch Etixx-Quick-Step mit einer Doppelspitze an, die aus Weltmeister Michal Kwiatkowksi und Tony Martin. „Nicht unbedingt der Gesamtsieg, aber ein guter Platz im Gesamtklassement“, sei sein Ziel, hatte der dreimalige Zeitfahrweltmeister radsport-news.com gegenüber am Rande der Teampräsentation seines Rennstalls Etixx-Quick-Step im spanischen Calpe angekündigt. „Ich will das nicht genau eingrenzen, denn dadurch wird man ja angreifbar. Aber ich will vorne mitfahren“, so Martin, der Paris-Nizza bereits einmal gewinnen konnte, und zwar im Jahr 2011. Der 29-Jährige hat aber allemal die Chance aufs Gelbe Trikot, zählt er doch im Auftaktzeitfahren zu den Favoriten.

Und auch die französische Ag2R-Equipe kann zwei Trumpfkarten spielen. Jean-Christophe Péraud und Romain Bardet möchten das Fehlen ihres Teamkollegen Betancur vergessen machen und in Nizza für den dritten Ag2R-Podiumsplatz in Folge sorgen. Aufgrund seiner Zeitfahrfähigkeiten ist dabei dem 37-jährigen Péraud mehr zuzutrauen als dem 13 Jahre jüngeren Bardet. Schließlich war er vor zwei Jahren auf Rang drei bereits einmal bester Franzose, wogegen sein Landsmann in der Schlussabrechnung noch nicht über Rang 27 (2013) hinauskam.

Allerdings zeigte sich Péraud zurückhaltend, was seine Erfolgsaussichten anbelangt. „Ich habe hier nichts zu verlieren. Ich denke, ich bin noch nicht in der Form, um ganz vorne mitfahren zu können. Allerdings werde ich langsam besser. Paris-Nizza wird aber zumindest eine gute Vorbereitung sein auf die Rennen, die danach folgen”, sagte der Zweite der letztjährigen Tour de France.

Halten sich Sky, Etixx-Quick-Step und Ag2R mehrere Optionen offen, so treten andere Teams mit einem einzigen Kapitän an. BMC setzt ganz auf den US-Amerikaner Tejay Van Garderen, den Vierten von 2013. „Tejay ist bereit, nicht zu 90 Prozent, sondern zu 100 Prozent. Wir fahren auf Sieg“, kündigte BMC-Sportdirektor Yvon Ledanois an. Cannondale-Garmin hat die Führungsrolle an Andrew Talansky vergeben, der vor zwei Jahren die Fernfahrt zwei Plätze vor seinem Landsmann van Garderen beendete und sich nur Porte geschlagen geben musste.

Bei Lampre-Merida dürfte alles auf Rui Costa hinauslaufen, auch wenn mit dem Spanier Manuel Valls der Gesamtsieger der Oman-Rundfahrt im Aufgebot steht. Der Portugiese belegte im vergangenen Jahr immerhin den zweiten Platz und ist ein deutlich besserer Zeitfahrer als Kletterspezialist Valls.

Ihre Stärken ebenfalls im Gebirge haben der Italiener Fabio Aru (Astana), der Franzose Warren Barguil (Giant-Alpecin), der Pole Rafał Majka (Tinkoff-Saxo), der Spanier Benat Intxausti (Movistar), der Brite Simon Yates (Orica-GreenEdge), der Schweizer Mathias Frank (IAM) und der Argentinier Eduardo Sepúlveda (Bretagne Séché Environnement). Diese Fahrer werden vor allem im Prolog Schadensbegrenzung betreiben und im Abschlusszeitfahren auf ihre Kletterqualitäten bauen.

Chancen haben aber auch Allrounder wie der erfahrene Franzose Sylvain Chavanel (IAM), seine Landsleute Tony Gallopin (Lotto Soudal) und  der Franzose Artur Vichot (FDJ) - im vergangenen Jahr überraschend Desamtdritter - der Luxemburger Bob Jungels, der Österreicher Riccardo Zoidl (beide Trek) sowie die Niederländer Wilco Kelderman (Lotto-Jumbo) und Tom Dumoulin (Giant-Alpecin).

Mehr als nur ein Geheimtipp ist der Portugiese Tiago Machado (Katusha). Der 29-Jährige, 2014 noch beim deutschen Team NetApp-Endura unter Vertrag, beendete zuletzt die Algarve-Rundfahrt auf Rang drei und es wäre keine Sensation, wenn Machado bei Paris-Nizza ebenfalls unter die besten Fünf würde fahren können.

Auf den drei Flachetappen, die dem Prolog folgen, werden sich die Sprinter packende Auseinandersetzungen liefern. Die Liste der Sieg-Kandidaten ist prominent besetzt. Der Frankfurter John Degenkolb (Giant-Alpecin) will wie im vergangenen Jahr auch eine Etappe gewinnen. Ein Tagessieg bei Paris-Nizza fehlt dagegen noch in den Palmares des Deutschen Meisters André Greipel (Lotto Soudal).

Das deutsche Duo bekommt es mit starker Konkurrenz zu tun, die angeführt wird vom Norweger Alexander Kristoff (Katusha), der seinen bisher schon vier saisonsiegen gerne weitere folgen lassen will. Die Franzosen bauen auf Arnaud Démare (FDJ), Bryan Coquard (Europcar) und Nacer Bouhanni (Cofidis).

Chancen haben auch der Australische Meister Heinrich Haussler (IAM), dessen Landsmann Michael Matthews (Orica-GreenEdge) – der übrigens sein Saisondebüt geben wird - , der Spanier José Joaquin Rojas (Movistar), der Niederländer Moreno Hofland (LottoNL-Jumbo), der im vergangenen Jahr die 4. Etappe gewann, zuletzt aber ebenso wie Greipel und Dumoulin von einer Grippe heimgesucht wurde, die Italiener Giacomo Nizzolo (Trek) und Niccolo Bonifazio (Lampre-Merida) sowie der Brite Ben Swift (Sky).

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