71. Polen-Rundfahrt

Vangenechten mit 80 km/h zum größten Erfolg seiner Karriere

Von Wolfgang Brylla aus Katowice

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Jonas Vangenechten (Lotto Belisol) gewinnt die 4. Etappe der Polen-Rundfahrt vor Jakopo Guarnieri (Astana, li.) | Foto: Cor Vos

06.08.2014  |  (rsn) - Die längste Etappe der diesjährigen Tour de Pologne von Tarnow nach Katowice über 236 Kilometer konnte Jonas Vangenechten (Lotto Belisol) für sich entscheiden. Der 28-jährige Belgier setzte sich im Massensprint im Zentrum der schlesischen Hauptstadt vor Jacopo Guarnieri (Astana) aus Italien und dem Slowenen Luka Mezgec (Giant-Shimano) durch und feierte seinen größten Erfolg in seiner Laufbahn.

„Heute war es die Frage des richtigen Timinigs. Zum Schluss ging es schon richtig zur Sache, ich bin mit 80 Km/h gerast. In meiner bisherigen Karriere ist es der größte Sieg überhaupt. Meine Teamkollegen haben eine tolle Vorarbeit für mich geleistet“, sagte Vangenechten, der auf der abfallenden Zielgarden in Katowice einen neuen Geschwindigkeitsrekord für die Polen-Rundfahrt aufstellte.

Der Tscheche Petr Vakoc (Omega Pharma-Quick Step) behauptete die Führung in der Gesamtwertung. Dank der Zeitbonifikationen, die er als Ausreißer an den Sprintprämien sammelte, rückte der Österreicher Matthias Krizek (Cannondale) auf Rang zwei vor. „Wir haben uns an der Spitze aufgehalten, unser war es das Trikot zu behaupten. Mal sehen, wie es morgen laufen wird. Rafal Majka (Tinkoff Saxo) wird es bestimmt versuchen in Bergen, ein Zeichen zu setzen“, berichtete der 22-jährige Vakoc, der die Gesamtwertung mit 26 Sekunden Vorsprung auf Krizek anführt.

Am längsten Tag der 71. Tour de Pologne schafften es glücklicherweise alle Teams, rechtzeitig von Rzeszow, wo die 3. Etappe der 71. Polen-Rundfahrt zu Ende gegangen war, zum Start nach Tarnow zu kommen. Einige Mannschaften blieben nämlich im Stau am Stadtrand stecken, einsetzender Regen verschlechterte noch die Verkehrslage.

Erst nach rund 35 gefahrenen Kilometern verbesserten sich die Wetterbedingungen, es heiterte sich auf und die Sonne kam durch die Wolkenschicht hindurch. Lange Zeit wollte sich so recht keine Ausreißergruppe bilden. Erst später konnte sich eine fünfköpfige Fluchtgruppe absetzen, in der Alexander Rybakov (Katusha), Boris Vallée (Lotto-Belisol), Jerôme Cousin (Europcar), Branislau Samoilau (CCC Polsat) und Andrey Solomennikov (RusVelo) fuhren.

Zwischenzeitlich war der 21-jährige Neo-Profi Vallee sogar in Besitz des Gelben Trikots des Gesamtführenden, ehe das Feld die Spitzengruppe noch vor Halbzeit des Rennens stellte. Fast sofort kam es zu weiteren Angriffen, in deren Folge sich der Brite Joshua Edmondson (Sky) und Krizek als neue Spitze etablierten. Der 25-jährige Österreicher zeigt sich beim einzigen polnischen WorldTour-Rennen sehr aktiv und war bereits zum zweiten Mal in der Ausreißergruppe des Tages dabei. Wenige Kilometer später konnte auch Mateusz Taciak zu dem Duo stoßen.

Der 30 Jahre alte Pole von der heimischen Equipe CCC Polsat, der in diesem Jahr unter anderem die Rundfahrt Szlakiem Grodow Piastowskich gewann, war schon am gestrigen Tag unter den Ausreißern zu finden gewesen. Ursprünglich, so sah die Mannschaftsstrategie aus, sollte es Maciej Paterski – Führender in der Bergwertung – mit Attacken versuchen.

Das österreichisch-britisch-polnische Trio hatte zwischendurch einen Vorsprung von vier Minuten, das Peloton aber beschleunigte noch vor den drei Sprintwertungen in Jaworzno, Myslowice und SIemianowice, die alle von Krizek gewonnen wurden, und kam bis an zwei Minuten an die Spitze heran.

In Katowice, wo sich vor zwei Jahren Marcel Kittel den Tageserfolg mit der schnellsten Endgeschwindigkeit in der Geschichte der Rundfahrt geholt hatte, mussten die Fahrer auch diesmal wieder vier 12,3 Kilometer lange Runden in Angriff nehmen. Przemyslaw Kasperkiewicz (polnische Nationalmannschaft) und dem unermüdlichen Cousin gelang noch der Anschluss an die erste Gruppe, die Verfolger hatten allerdings die Ausreißer quasi schon im Blick. Es war nur noch eine Frage der Zeit, wann sie geschnappt werden.

In der Verfolgung sorgte zuerst Omega Pharma-Quick Step für Tempo, später übernahmen Belkin und Giant-Shimano die Verantwortung. Die Niederländer, beflügelt durch ihren gestrigen Coup in Rzeszow, hatten auch diesmal vor, es krachen zu lassen und Theo Bos den zweiten Etappensieg zu bescheren. Auf der letzten Runde betrug der Rückstand des Pelotons keine 20 Sekunden mehr.

Als sich Edmondson bei seinen Kollegen für die Mitarbeit bedankte, zogen Kasperkiewicz und Cousin davon. Das Feld kannte aber kein Erbarmen und acht Kilometer vor dem Schluss wurde der der 20-jährige Pole gestellt. Prompt attackierte sein erfahrener Landsmann Paterski, Belkin hatte die Situation jedoch unter Kontrolle. Im Finale versuchten noch Angelo Tulik (Europcar), Fabio Felline (Trek), Tobias Ludvigsson (Giant-Shimano) und Thor Hushovd (BMC Racing) ihr Glück, aber ohne Ergebnis.

Auf der abfallenden Schlussgeraden, hatte Vangenechten die Nase vorn, wogegen sich Mezgec nach guter Vorarbeit seines Teamkollegen Nikias Arndt, der selbst noch Achter wurde, noch hinter Guarnieri mit dem dritten Rang begnügen musste, nachdem es gestern zu Platz zwei gereicht hatte.

Morgen findet die erste Bergetappe der Rundfahrt über 190 Kilometer von Zakopane auf die slowakische Seite des Tatra-Gebirges nach Strbske Pleso.

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